Panzer rollen zum Verladebahnhof

Von , am 5. April 2019 um 16:19 Uhr.


Es ist mucksmäuschenstill an diesem kühlen Märzmorgen. Dumpfes Motorengeräusch kündigt sie von ferne an. Neben vier Bahnmitarbeitern und einigen Soldaten stehe ich mit Hauptmann Martin Waltemathe, dem Presseoffizier der Panzerbrigade 21, auf dem Verladebahnhof Sennelager in Paderborn und warte. Das Grollen wird lauter, dann rollen sie um die Ecke: fünf Kampf-, drei Schützen- und ein Transportpanzer – gefolgt von sieben gepanzerten Transportkraftfahrzeugen, Boxer genannt.

Von Sennelager aus geht es für die Panzer und Fahrzeuge in die Oberpfalz nach Hohenfels, wo vom 30. März bis zum 17. April die Übung „Allied Spirit“ unter der Führung der USA stattfindet. „Neun Nationen nehmen an der Volltruppenübung teil“, erläutert Hauptmann Waltemathe, während Verladeoffizier Oberleutnant Mohamed Safwan den Soldaten letzte Befehle erteilt.

Szenenwechsel: Schon einen Tag zuvor bin ich um kurz nach sieben Uhr auf dem Kasernengelände in Augustdorf. Dort steht die Stabs- und Fernmeldekompanie unter der Führung von André Frank zum Abmarsch nach Hohenfels bereit. „Wir fahren heute knapp 260 Kilometer bis nach Wildflecken, und dann geht es morgen weiter“, erläutert Frank. 42 Fahrzeuge setzen sich in Bewegung. „Da wir in der Kolonne fahren, werden wir auf der Autobahn 60 Kilometer pro Stunde einhalten, auf der Landstraße dagegen nur 40″, erklärt Frank. Für die Soldatinnen und Soldaten sei der Abmarsch etwas Besonderes. „Wir bereiten uns natürlich intensiv darauf vor“, sagt Frank. Vor allem sei es wichtig, die Abstände zum vorderen Fahrzeug einzuhalten. „Man vermutet es nicht, aber vor allem das Fahren in der Kolonne kann schnell ermüdend sein.“

Erneuter Szenenwechsel: Während ich die Panzer bestaune, die nun auf dem Verladebahnhof stehen, sind die Soldaten der Stabs- und Fernmeldekompanie jetzt bereits auf ihrem zweiten Abschnitt unterwegs – 250 Kilometer von Wildflecken bis nach Hohenfels. „Die gesamte Übung dient dazu, die Einsatzbereitschaft von Nato-Alliierten und Partnern zu verbessern“, erklärt Kompaniechef Maik Berberich. Insgesamt nehmen 5500 Soldaten teil – von 2300 deutschen kommen allein 850 aus Augustdorf.

Martin Waltemathe will mir gerade das Übungsszenario erklären, da heulen die Motoren der Panzer auf. „Nun geht es los“, erklärt der Hauptmann und betont, dass das Auffahren auf die Eisenbahnwaggons Millimeterarbeit sei und viel mit Vertrauen zu tun habe. Mit eigenen Augen erlebe ich, was das heißt. Während ein Soldat auf dem zweiten Waggon steht, zeigt er dem Panzerfahrer mit Gesten, wie dieser auf den ersten fahren soll. „Der Einweiser wird niemals auf dem selben Waggon wie der Panzer stehen“, erläutert Martin Waltemathe. Das solle verhindern, dass ein Unglück passiert, falls der tonnenschwere Panzer den Waggon in Schieflage bringen sollte. Der Panzerfahrer schaut hochkonzentriert auf den Einweiser. Er muss sich hundertprozentig auf ihn verlassen.

Zentimeterweise schiebt sich das Kettenfahrzeug auf den Waggon, dann auf den nächsten, bis es ganz vorne ankommt. Der Einweiser hebt beide Hände und signalisiert: „Geschafft, Stopp“.

Während ich die Präzisionsarbeit bewundere, erläutert mir Hauptmann Martin Waltemathe den Einsatz. „Der Übung liegt ein fiktives Szenario zugrunde, in dem ein Konflikt von Osteuropa auf Deutschland übergreift.“ Die Truppe habe sich seit anderthalb Jahren darauf vorbereitet.

„Wir werden während der Übung fast ausschließlich Englisch sprechen“, sagt der Presseoffizier – ein Umstand, der eine zusätzliche Herausforderung darstelle. „Wir werden während des gesamten Übungszeitraumes neun Tage am Stück in Bereitschaft sein“, erläutert Waltemathe. Dabei werde auch der taktische Gefechtsstandwechsel geübt. Zusätzlich wird es einmal am Ende eines jeden Tages und auch nach dem gesamten Zeitraum eine Beurteilung geben.

„Die gesamte Übung steht im Zeichen der Landes- und Bündnisverteidigung“, unterstreicht Hauptmann Maik Berberich. Wichtig sei es zu wissen, wie man gemeinsam mit mehreren Nationen eine Übung absolviere. „Die Regimenter können hervorragend sein. Es kommt im Ernstfall aber auf die Zusammenarbeit an, und darauf freuen wir uns“, erklärt Martin Waltemathe, der selbst auch an der Übung teilnehmen wird.

Während wir sprechen, haben die letzten Panzer ihren Platz auf den Waggons gefunden, die Bahnmitarbeiter gehen nun mit einem Zollstock zu jedem einzelnen hin und prüfen nach, ob die tonnenschwere Last genau mittig auf den Waggons liegt. Alles passt, Gratulation an Einweiser und Fahrer.

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