Militärgeschichtliche Sammlung zeigt Ursprung der Bundeswehr

Von , am 11. Juni 2019 um 4:15 Uhr.


Wenn Günter Schlüter zu seinem Arbeitsplatz, der Militärgeschichtlichen Sammlung der Panzerbrigade 21 kommt, ist es jedesmal eine Zeitreise, die er unternimmt. Denn auf 650 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen Exponate, die Zeugnis über die aufgelösten Bataillone und Kompanien der Bundeswehr am Standort Augustdorf ablegen.

Wer in das Haus an der Augustdorfer Allee 217, das mitten auf dem Kasernengelände steht, eintritt, wird zuerst von einer alten Ritterrüstung begrüßt. „Das ist aber eine Attrappe“, schmunzelt Schlüter. Zwei Offiziere, die zum Maskenball verabredet waren, hätten diese gefertigt. Alles andere in dem Gebäude hat tatsächlich historischen Wert.

„Die Sammlung verdeutlicht die Militärgeschichte in der Region“, erklärt Schlüter, der zehn Monate im Jahr in dem Museum arbeitet. Besucher können bei einem Rundgang den Ursprung der Bundeswehr und die Entwicklung der gepanzerten Kampftruppe nachvollziehen. 1700 Exponate erzählen die Geschichte der Bundeswehr. „Und ich habe noch einiges im Keller stehen, was noch katalogisiert werden muss“, erläutert der pensionierte Oberstabsfeldwebel, der viele Jahrzehnte seiner aktiven Dienstzeit in Augustdorf verbracht hat.

Neben einem Bild von Erwin Rommel gibt es auch Bodenfunde von den Kämpfen, die in der Dörenschlucht stattgefunden haben. Dazu gehört neben einem belgischen Bajonett auch eine Beutewaffe, die Tokarev SVT-40. „Die könnte vielleicht zur Ausbildung der Truppe gedient haben“, vermutet Schlüter.

Das Museum ist im ehemaligen Stabsgebäude des Panzeraufklärungsbataillons untergebracht. „Als dieses 2002 aufeglöst wurde, gab es Bestrebungen von Kameraden, dass ein Ort zur Traditionspflege geschaffen werden sollte“, berichtet Günter Schlüter über die Anfänge. Für ihn ist das Gebäude aber mehr als eine reine Erinnerungsstätte. „Das Museum soll Werte und Normen vermitteln und dient der historisch-politischen Bildung der Soldaten“, macht der 59-Jährige deutlich. Häufig kämen Kameraden, um sich die Ausstellung anzuschauen. „Man kann dann gut anhand der Geschichte den Sinn der Bundeswehr erklären“, so Schlüter.

Das Museum steht aber nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten offen. „Ein Anruf genügt, wir machen einen Termin aus und dann hole ich Besucher gerne am Tor ab“, erklärt Schlüter, der unterstreicht, das im vergangenen Jahr fast 900 Besucher die Ausstellung besucht haben. Wenn man ihn durch die Gänge des Museums gehen sieht, wird deutlich, wie sehr er seine Arbeit liebt. Fast zärtlich deutet er auf einen alten Schreibtisch oder geht behutsam an den ausgestellten Bataillonsfahnen vorbei.

Aber die Führung durch das Museum ist nur ein kleiner Teil von Schlüters Aufgaben. „Neben der Pflege der Sammlung und dem Katalogisieren halte ich auch Vorträge“, umreißt der verheiratete Familienvater sein Arbeitsspektrum. Und als sei der Berufssoldat damit noch nicht ausgelastet, plant er gleich schon die nächsten Arbeiten. „Im Augenblick ist der Umbau der unteren Etage im Gange, dann möchte ich die Geschichte der Bundeswehr anhand des Panzerbataillons 214 nachvollziehen“, erklärt er. Einen der größten Coups war es sicherlich, dass Günter Schlüter ein Exemplar des M48 zurück nach Augustdorf gebracht hat.

Schlüters Kameraden sprechen deshalb auch mit Hochachtung über den gebürtigen Bad Oeynhausener, der in seiner Aufgabe ganz aufzugehen scheint. „Ohne ihn gäbe es diese Sammlung nicht“, hört man sie immer wieder anerkennend sagen.

Diejenigen, die sich die Sammlung anschauen wollen, können das auch am Tag der Bundeswehr, am kommenden Samstag, tun. „Natürlich wird dann auch unser Haus offen sein, ich freue mich auf die Besucher“, so Schlüter. Man nimmt ihm diese Freude sofort ab.

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