Kritik am Verkehrskonzept zum Tag der Bundeswehr

Von , am 18. Juni 2019 um 8:00 Uhr.


Während am Samstag auf dem Kasernenhof 27.200 Menschen den Tag der Bundeswehr genossen, war davon ein paar Kilometer weiter entfernt nichts mehr zu spüren; auch das Ordnungsamt war mit vier Personen ohne Pause im Ort im Einsatz; knapp 200 Knöllchen wurden an dem Tag verteilt.

Dicht an dicht stauten sich die Busse zeitweise in der Grützemühle, wie das Bild verdeutlicht, das den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN zugespielt wurde. Einige Anwohner, auch von der Luisen- und Dorotheenstraße waren sauer. „Hier stauen sich die Busse“, „Wir wussten von nichts“, sind nur einige der Kommentare, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurden. Andere wiederum beschwichtigten und schlugen vor, das „Buschaos“ einfach über sich ergehen zu lassen.

SPD-Fraktionschef Heinrich-Georg Schneider hatte Bürgermeister Dr. Andreas Wulf bei der letzten Ratssitzung gefragt, ob die Verwaltung und der Rat Mitspracherecht am Verkehrskonzept zum Tag der Bundeswehr hätten. Mehrere Teilnehmer berichten, dass der Bürgermeister daraufhin mit „Nein“ geantwortet habe. Andere haben in Erinnerung, dass dieser „eine ausweichende Antwort“ gegeben habe.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärt Dr. Andreas Wulf in einer Stellungnahme an die AUGUSTDORFER NACHICHTEN: „Natürlich war die Gemeinde in die Planung eingebunden, hat also insofern „mitgesprochen“.“ Auf die Ratssitzung angesprochen, erläutert er: „Dort habe ich so geantwortet, wie es mir aufgrund meines Kenntnisstandes zu diesem Zeitpunkt möglich war. Gleich am Freitag morgen habe ich das Ordnungsamt um weitere Auskünfte gebeten.“

Bürgermeister Wulf unterstreicht: „Dass die Gemeinde an den Planungen beteiligt war und insoweit ein Mitsprachrecht hatte, habe ich nie verneint. Ich habe Ende Januar persönlich die Bedenken der Gemeinde vorgetragen. Die abschließende Entscheidung über den Verlauf von Busrouten und die Lage von Bushaltestellen treffe ich aber nicht. Das fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde.“

Wer trägt die Verantwortung?

In einer weiteren Stellungnahme gegenüber der Redaktion schreibt Bürgermeister Dr. Andreas Wulf, dass es im Vorfeld keine Information darüber gegeben habe, dass der Bushaltepunkt auf die Ecke Grützemühle/ Luisenstraße verlegt werde. „Die Entscheidung über die Verlegung des Bushaltepunktes an diese Stelle traf die Bundeswehr nach meinem Kenntnisstand am Samstag morgen. Das hatte zur Folge, dass sich Busse in der Grützemühle zurück stauten. Im Vorfeld geplant und abgestimmt war das nicht“, so Wulf in seiner Stellungnahme.

Das bestätigt auch Presseoffizier Hauptmann Martin Waltemathe. „Die Entscheidung, den Bushaltepunkt an die Stelle zu setzen, haben wir kurzfristig treffen müssen“, so Waltemathe. Bereits im Vorfeld hatte die Bundeswehr die betroffenen Anwohner informiert.

In dem Schreiben, das den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN vorliegt, heißt es: „Um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, wird ein komplexes Verkehrsleitsystem in Kraft treten, dass den Hin- und Rücktransport der Besucherinnen und Besuchern per Shuttlebus von den zentralen Parkplätzen vorsieht.“ Weiter heißt es: „Die dadurch eventuell entstehenden Unannehmlichkeiten durch das erhöhte Verkehrsaufkommen an Ihrem Wohnort bzw. in Ihrer Nachbarschaft bitten wir zu entschuldigen.“

Anderes Verkehrskonzept wünschenswert

Für den Presseoffizier, der am Montag nach der Veranstaltung den Kommandeurscoin der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ für hervorragende Leistungen entgegennehmen durfte, wäre ein anderes Parkleitkonzept wünschenswert gewesen. „Optimal wäre es, Parkplätze für den Tag am Safaripark, dem Landesmuseum und dem Segelflugplatz einzurichten, um die Beeinträchtigung zu verringern“, erklärt Waltemathe.

So habe die Bundeswehr im Vorfeld der Veranstaltung beim Betreiber des Segelflugplatzes nachgefragt. „Dieser war, trotz einer angebotenen finanziellen Entschädigungszahlung, nicht dazu bereit, den Platz zur Verfügung zu stellen“, so der Presseoffizier. Auch sei die Erlaubnis für einen Parkplatz in der Senne aufgrund von Naturschutzbestimmungen kurzfristig wieder abgesagt worden.

12.500 Parkplätze werden benötigt

„Für einen solchen Tag benötigen wir Parkplätze für bis zu 12.500 Autos“, macht der Hauptmann die Ausmaße deutlich. Er hält die Beeinträchtigung für vertretbar. Dabei macht er deutlich, dass die Verwaltung Vorschläge für alternative Routen und Parkplätze gerne vorbringen solle, die man dann gemeinsam erörtern könne.

Das unterstützt auch Roger Ritter von der FDP: „Wir sollten uns nächstes Mal alle frühzeitig zusammensetzen, darüber sprechen und die Anwohner informieren“, so Ritter. Lutz Müller von der CDU macht deutlich, dass alle Alternativen geprüft werden müssten. „Man hätte da sicherlich manches anders machen können“, stellt er fest. Heinrich-Georg Schneider betont ebenfalls, dass andere Parkplatzmöglichkeiten gefunden werden müssen. „Es kann nicht sein, dass die Bevölkerung beeinträchtigt wird.“ Und auch der Fraktionsvorsitzende der FWG Peter Kaup erklärt: „Ich bin für alle Varianten, die die Einwohner entlasten.“

Trotz aller Kritik am Verkehrskonzept sind sich alle Beteiligten in einem Punkt einig: „Der Tag der Bundeswehr war ein voller Erfolg.“

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