„Stillhalten geht gar nicht“

Von , am 18. Juli 2019 um 4:06 Uhr.


Der Augustdorfer Joachim Nitsche feierte gestern seinen 76. Geburtstag. Ein paar Tage zuvor hat ihn die Redaktion der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN zu einem Gespräch besucht.

Wer Rats- oder Ausschussitzungen besucht, kommt an Joachim Nitsche nicht vorbei. Der rüstige Rentner, der gestern seinen 76. Geburtstag feierte, kann gar nicht anders, als sich zu informieren und mitzugestalten. „So bin ich eben“, erklärt er schmunzelnd im Gespräch mit den AUGUSTORFER NACHRICHTEN.

Als die Redaktion ihn zu Hause besucht, ist er gerade dabei, Unkraut zu jäten. „Wer rastet, der rostet“, erzählt er und lädt in seine Blockhütte ein, eine umgebaute Elektrowerkstatt.

Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1966. In dem Jahr, in dem der südafrikanische Staat Botswana seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt, der Schweizer Kanton Basel-Stadt das Frauenwahlrecht einführt und die Deutsche Bundespost den Betrieb der letzten Handvermittlungsstelle für innerdeutsche Gespräche einstellt, zieht Joachim Nitsche nach Augustdorf.

Vorher war der in Schlesien geborene Nitsche Fernmelder im Flugabwehrbataillon 46. Seine Frau Gisela, die mit Mädchennamen Hofmann hieß, lernte er bei der Bundesbahn kennen. „Ich wollte eigentlich Rangiermeister werden“, erinnert er sich. Auch eine Ausbildung als Polizist kam für ihn in Betracht. „Die erste Prüfung habe ich erfolgreich absolviert, aber am Abend vor der zweiten, hatte ich ein wenig zu viel gefeiert“. berichtet Nitsche. Darum sei das Blutbild beim Test zu hoch gewesen. Drei Monate später sollte er diesen wiederholen. Da Joachim Nitzsche aber in der Zwischenzeit auch Geld verdienen wollte, heuerte er bei Edeka als Kraftfahrer an. „Und aus drei Monaten wurden 41 Jahre“, berichtet er stolz.

1970 kaufte Nitsche mit seiner Frau dann das Haus mit der Nummer 44 an der Waldstraße, in dem zuvor Elektromeister Heinrich Menk wohnte. „Seinem Enkel habe ich das Haus abgekauft“, so Nitsche.

41 Jahre ist es nun auch mittlerweile her, dass sich der leidenschaftliche Gärtner dazu entschied, in die Politik zu gehen. Warum? „Immer wenn mir was nicht passt, mache ich was und engagiere mich“, erklärt er seine Motivation. Nachdem er einige Jahre Sachkundiger Bürger war, holte er 1999 das Direktmandat für die CDU. Und auch 2004 und 2009 schaffte er den Sprung in den Rat. „Danach habe ich mir aber gesagt, dass ich nicht als Grufti noch im Rat sein möchte“, erklärt er und unterstreicht schmunzelnd: „Schreiben Sie ruhig Grufti.“

Aber auch wenn Joachim Nitsche von der Politik Abschied genommen hat; ruhiger wurde es dennoch nicht um ihn. 17 Jahre lang pflegte er den Ehrenfriedhof und die Bank vor dem Altenheim. Vieles geschah auch im Hintergrund und ganz leise. „Es müssen ja nicht immer alle etwas davon mitbekommen“, erklärt er bescheiden.

Aktiv ist er hingegen noch bei den lustigen Heidesängern, im Schützenverein, bei den Sitzungen und natürlich: im Garten. Der zweifache Familienvater hält sich fit, auch wenn ein Bandscheibenvorfall ihn 2001 für mehrere Wochen halbseitig lähmte.

„Ich bin immer draußen und tue was“, erzählt er. Und während er spricht fällt sein Blick auf ein Wahlplakat von Konrad Adenauer. „Das muss ich erstmal gerade hängen, das geht ja nicht, dass Adenauer schief hängt“, erzählt er mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht.

Wer Joachim Nitsche sieht, glaubt nicht, dass er 76 geworden ist. Und dieser will auch in Zukunft noch aktiv sein, solange es geht. Und damit gratuliert die Redaktion und wünscht: „Alles Gute!“

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