Marderhund und Götterbaum unter besonderer Beobachtung

Von , am 13. August 2019 um 3:55 Uhr.


 

In der „Unionsliste“ invasiver Arten benennt die EU Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können. Sie wurde 2019 von 49 auf 66 Arten erweitert.

Die Unionsliste benennt jene invasiven Arten, für die nach der zugrunde liegenden EU-Verordnung Mindeststandards zur besseren Vorbeugung, Früherkennung, Monitoring und Management gelten. So soll die Kontrolle und Verringerung möglicher Schäden verbessert werden. Auf der Liste steht auch der Götterbaum, der in manchen Augustdorfer Gärten heimisch geworden ist.

Über die Liste wurde seit der Veröffentlichung eines ersten Entwurfs, den die EU-Kommission nach Beratung mit den Mitgliedstaaten und zahlreichen Expertengremien im August 2015 vorlegte, intensiv gestritten. Hauptkritikpunkt: Die gelisteten Arten machen nur einen Bruchteil der EU-weit als invasiv angesehenen Arten aus. Die erste offizielle Liste von 2016 enthielt dann 37 Arten, bei der Revison 2017 wurden 12 Arten neu aufgenommen, auch für Deutschland relevante wie Riesenbärenklau und Drüsiges Springkraut, Nilgans, Marderhund und Bisam.

Eine zweite Erweiterung, dieses Mal um 17 Arten, gab es Mitte 2019. Relevanteste Art aus deutscher Sicht ist dabei der ursprünglich aus China stammende Götterbaum. Schon vor 1800 eingeführt, begann seine Karriere dann so richtig nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Ailanthus altissima als „Trümmerbaum“ in unseren Städten stark ausbreitete. Heute ist er überall etabliert und auch geduldet. Probleme kann es lediglich im Offenland geben, wenn Götterbäume aus Naturschutzsicht wertvolle Lebensräume überwuchern.

Allein in Deutschland sind mindestens 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die nachweislich negative Auswirkungen haben – oder haben könnten. So viele Arten listet das Bundesamt für Naturschutz in seinem Managementhandbuch für invasive Arten auf. In der gesamten EU gehen Experten sogar von rund 12.000 gebietsfremden Arten aus, von denen etwa 15 Prozent als invasiv eingestuft werden, und damit potenziell Schäden ausrichten.

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, einheitliche Mindeststandards zu definieren, um eine bessere Vorbeugung, Früherkennung und Reaktion auf invasive Arten zu ermöglichen. Zudem soll die Kontrolle und Verringerung möglicher Schäden verbessert werden. Die gelisteten Arten sind von Region zu Region sehr unterschiedlich verbreitet. Es bleibt daher weitgehend den Mitgliedstaaten überlassen, ob und wie sie gegen diese vorgehen. Bei bereits etablierten Arten lohnt sich der Aufwand in der Regel kaum, hier gilt es eher, die weitere Verbreitung in angrenzende Regionen zu unterbinden.

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