Amselsterben durch Usutu wieder in vollem Gang

Das mas­si­ve Amselster­ben des Hit­ze­s­om­mers 2018 wie­der­holt sich. Auch in die­sem Jahr nimmt das Vogel­ster­ben, das durch das tro­pi­sche Usutu-Virus aus­ge­löst wird, im Lau­fe

Um die­sen Arti­kel und alle wei­te­ren lesen zu kön­nen, regis­trie­ren Sie sich bit­te.

Der Vor­gang dau­ert nur zwei Minu­ten. Mit einem Online­abo erhal­ten Sie unbe­grenz­ten Zugriff auf span­nen­de Repor­ta­gen, Berich­te, Por­träts und Vide­os aus August­dorf; immer aktu­ell und unpar­tei­isch.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sowie Prei­se erhal­ten Sie, indem Sie unten auf „regis­trie­ren” kli­cken.

Sie haben Ihre Zugangs­da­ten bereits? Dann nut­zen Sie ganz ein­fach das Log­in, um gleich wei­ter­zu­le­sen.

Anmel­den
   
Das massive Amselsterben des Hitzesommers 2018 wiederholt sich. Auch in diesem Jahr nimmt das Vogelsterben, das durch das tropische Usutu-Virus ausgelöst wird, im Laufe des Augustes an Fahrt auf. Und wieder sind besonders Amseln betroffen. Seit Jahresbeginn wurden dem NABU deutschlandweit bereits über 1.300 Verdachtsfälle gemeldet, die über 2.500 kranke, meist sogar bereits verstorbene Vögel betreffen. Im vergangenen Jahr, in dem die Usutu-Epidmie bisher am stärksten war, waren es im gleichen Zeitraum lediglich 800 Meldungen. Gemeinsam mit Tropenmedizinern des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg bittet der Nabu  auch in diesem Jahr darum, kranke oder verendete Tiere zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden. Seit dem ersten Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend über Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und vor allem im Hitzejahr 2018 eine Ausbreitung in die nördlichen und östlichen Bundesländer festgestellt werden. Im Sommer 2018 konnten Usutu-Infektionen erstmals bei Vögeln in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bayern nachgewiesen werden. Damit ist kein deutsches Bundesland mehr Usutu-frei. Nur aus höher gelegenen Mittelgebirgsregionen werden bisher noch keine toten Vögel gemeldet. Die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf. Im Jahr 2018 entfielen 93 Prozent der insgesamt fast 13.500 Meldungen auf diese beiden Monate. Den Höhepunkt des Vogelsterbens erwartet der Nabu daher in den kommenden Wochen. Die Verteilung der im laufenden Jahr gemeldeten Usutu-Fälle entspricht fast exakt der Verbreitung, die das Virus zu Ende 2018 erreicht hatte. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Virus sich in diesem Jahr noch weiter ausbreiten kann, und in welchen Regionen besonders viele Opfer zu beklagen sein werden. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass immer dort besonders viele Vögel sterben, wo das Virus gegen Ende des Vorjahres erstmals aufgetreten ist. Wo das Virus schon länger vorkommt, werden geringere Todesraten festgestellt. Das liegt vermutlich daran, dass schon viele Vögel im Vorjahr gestorben sind und überlebende Vögel eines Ausbruchs eine Immunität gegen die Krankheit erwerben. Deutlich erkennbar ist bereits, dass der Nordwesten Deutschlands, wo im Vorjahr die meisten Vögel gestorben waren, in diesem Jahr nicht mehr außergewöhnlich stark betroffen zu sein scheint. Stattdessen deuten sich neue Schwerpunkte des Vogelsterbens weiter östlich um Berlin und München an. Der trockenheiße Sommer 2018 war offensichtlich günstig für die Ausbreitung des Virus, auch wenn die Zahl der Mücken als potentielle Überträger aufgrund der Trockenheit allgemein eher gering war. 2019 ist genauso heiß, dabei aber deutlich feuchter und mückenreicher als das Vorjahr. Daher halten die Experten des NABU und des BNI es für möglich, dass die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen wird. Bei den Hamburger Virolog*inen lagen bis zum 12. August bereits über 150 tote Vögel vor, die in diesen Tagen auf das Usutu-Virus getestet werden.

Auch West-Nil-Virus nachgewiesen

Usutu ist nicht das einzige Virus, das die Vögel bedroht: Die Tropenmediziner*innen interessiert auch die Ausbreitung des ebenfalls durch Mücken übertragenen West-Nil-Virus in Deutschland. Es wurde im vergangenen Jahr erstmals bei Vögeln und Pferden nachgewiesen. Durch einen Nachweis Anfang Juli 2019 durch das Friedrich-Löffler-Institut ist nun auch klar, dass das West-Nil-Virus in Deutschland hierzulande überwintern kann. „Alle toten Vögel werden daher auf das Usutu- und West-Nil-Virus getestet. Beide Viren können in seltenen Fällen auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen“ erklärt Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI). Um die tatsächliche Ausbreitung der Viren dokumentieren zu können, ist es wichtig, möglichst viele Verdachtsfälle im Labor bestätigen zu können. Entsprechende Untersuchungen nehmen das BNI sowie manche veterinärmedizinischen Untersuchungsämter vor.

Auswirkungen auf Vogelbestände

Die Vogelschützer*innen des NABU interessieren vor allem die Auswirkungen der neuen Vogelkrankheit auf die Bestände von Deutschlands meistverbreiteten Gartenvogel, der Amsel. Dazu verschneiden sie die Informationen über die Verbreitung des Virus mit den Ergebnissen der großen NABU-Vogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“. Eine erste Auswertung hatte gezeigt, dass die Amselzahlen zwischen 2011 und 2016 in den in diesem Zeitraum von Usutu betroffenen Gebieten um 16 Prozent stärker zurückgegangen waren als im übrigen Deutschland. Bisher ist jedoch noch völlig unklar, ob sich betroffene Bestände wieder vollständig erholen können, dauerhaft reduziert bleiben oder gar immer weiter abnehmen werden. Leider kann man Usutu-Infektionen bei Vögeln weder verhindern noch behandeln. Der NABU ruft daher alle Vogelfreund*innen dazu auf, zumindest dafür zu sorgen, dass Amseln und andere Gartenvögel in naturnahen Gärten gute Lebensbedingungen vorfinden, um die Verluste durch die neue Vogelkrankheit durch guten Bruterfolg wieder ausgleichen zu können.
error: Der Inhalt ist geschützt!