CDU-Vorstand verliert Vertrauen in Bürgermeister Dr. Andreas Wulf

Der Vorstand der CDU hat einstimmig beschlossen, Dr. Andreas Wulf nicht wieder als Bürgermeisterkandidaten zu nominieren. Es ist von Vertrauensbruch die Rede.

Dass sich in der CDU etwas anbahnte, konnte man in den vergangenen Wochen in den Sitzungen und Ausschüssen registrieren. Aufmerksame Beobachter berichteten von kleinen, rhetorischen Seitenhieben gegen den Bürgermeister. Selbst der Opposition entgingen diese subtilen Scharmützel nicht. „Da braut sich was zusammen“, orakelte noch ein Ratsmitglied vor wenigen Tagen.

Am Mittwoch platzte dann die Bombe. Wie die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN aus CDU-Kreisen erfuhr, hatten Vorstandsmitglieder in einem persönlichen Gespräch Dr. Andreas Wulf erklärt, dass man ihn für die nächste Kommunalwahl nicht als Bürgermeister-Kandidat nominieren werde.

Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Frank Salomon erklärte, dass der 14-köpfige Vorstand nach langen Beratungen einstimmig zu diesem Beschluss gekommen sei.

„Das hat nichts mit der Verwaltungstätigkeit zu tun, sondern mit seinem Ansehen“, erklärte Salomon gegenüber der Redaktion. Dieses habe in der Bevölkerung gelitten. „Wenn man sich dann die Zahlen bei der letzten Wahl ansieht, haben wir natürlich Befürchtungen“, so der Vorsitzende.

Salomon berichtet, dass ein weiterer Aspekt die Tatsache gewesen sei, dass sich Wulf vor einiger Zeit nach einer anderen Arbeitsstelle umgeschaut habe. „Das ist ein Vertrauensbruch“, so Salomon. Der Vorstand habe dieses von Dritten erfahren und habe dann Wulf damit konfrontiert. „Dieser Vertrauensbruch hat mich selbst tief getroffen“, schildert Salomon die Ereignisse.

So seien einfach viele Dinge zusammen gekommen, die dazu geführt hätten, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, wenn eine neue Person das Ruder übernimmt, erklärt Fraktionschef Lutz Müller die Situation.

Hinter vorgehaltener Hand ist auch davon die Rede, dass Wulf keinen Zugang mehr zu den Wählern der CDU gehabt habe. Manche werfen ihm wiederum mangelndes Einfühlungsvermögen vor.

„Ich glaube, dass Dinge einfacher und effektiver im Rat und der Verwaltung laufen, wenn ein frischer Wind weht“, erklärt eine, mit der Situation vertraute Person.

Die Redaktion traf Dr. Andreas Wulf am Rande des Jubiläums des Panzergrenadierbataillons 212. Dieser gab sich betont gelassen und erklärte: „Bürgermeister werden zuallererst einmal von den Bürgern gewählt und nicht von Parteien.“ Außerdem habe er in den vergangenen Tagen viel Zuspruch aus der Bürgerschaft erhalten. „Mir haben viele Personen gesagt, ich solle weiterkämpfen“, so Wulf.

Es sei schlichtweg falsch, dass er andere Ambitionen habe. „Ich mache meine Arbeit mit Herzblut“, so der Bürgermeister. Er sehe die ganze Angelegenheit sehr entspannt. „Die CDU hat ja noch keinen Kandidaten, und ich muss mich heute ebenfalls noch nicht entscheiden, ob ich trotzdem antrete“, so Wulf.

Denn über den Kandidaten entscheidet nicht der Vorstand, sondern die Mitglieder. Diese wählen ihren Kandidaten voraussichtlich im ersten Viertel des kommenden Jahres. Dann könnte es, sollte Wulf antreten, zu einer Kampfabstimmung kommen.

Dem wiederum sieht Frank Salomon gelassen entgegen. „Natürlich ist es das Recht von Andreas Wulf, sich zur Wahl bei der Mitgliederversammlung zu stellen“, erklärt er. Allerdings sei es ein Signal an die Mitglieder, wenn der Vorstand deutlich macht: „Den wollen wir nicht.“

Dass Andreas Wulf nicht einfach so aufgibt, hat er nach Angaben aus CDU-Kreisen schon bei einem persönlichen Gespräch deutlich gemacht. Es habe die Abmachung gegeben, dass keiner mit der Presse spricht. „Sollte es trotzdem passieren, werde ich kämpfen“, soll Wulf laut Angaben von Teilnehmern, die bei dem Gespräch dabei waren, gesagt haben.

Die nächsten Wochen werden es zeigen, wie sich, da die Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt ist, die Zusammenarbeit zwischen Fraktion und Bürgermeister gestaltet. „Ich hoffe, dass ganz normal Politik gemacht wird“, erklärt Salomon.

Was die Fraktionsvorsitzenden der anderen Parteien zu den Neuigkeiten sagen, erfahren Sie hier:

 

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Ein Kommentar zu “CDU-Vorstand verliert Vertrauen in Bürgermeister Dr. Andreas Wulf

  1. Es ist schon erstaunlich, dass der CDU Ortsverband nicht ein Wort der weiteren Erklärung zum Sturz ihres Bürgermeisters glaubt , sagen zu müssen. Immerhin gibt es ca 10.000 Bürger, die gerne wüssten, was denn da wirklich los ist, los war, und wie es denn weitergeht…..Übrigens ist es ein ganz normaler Vorgang, dass ein Wahlbeamter sich für die Zeit nach einer Wahlperiode ein Tätigkeitsfeld sucht. Das Vertrauensbruch zu nennen , ist recht lächerlich !!
    Daher fragt man nach den wirklichen Gründen dieses Erdrutsches . Vielleicht wieder das Ergebnis der etwas durchsichtig undurchsichtigen Rolle des CDU Fraktionsvorsitzenden , der seinen Vorgänger ähnlich vertrieben hat ???? Und damit die Mehrheit im Rat verspielt hat !
    Ach ja, der Bürgermeister hat ja von Vielen Zuspruch bekommen weiterzumachen. In einem offenen Brief sogar, und drei sind ja , ist man bescheiden, auch viele !
    Vielleicht hätte es mit einem geeigneteren Fraktionsvorsitzenden den Erdrutsch nicht gegeben ??? Wie gesagt, man hört nichts und macht sich so seine Gedanken …
    Michael Müller

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