Im Puma zu Hause

Wenn Steffen Meister in den Puma steigt, dann ist der Oberfeldwebel in seinem Element. „Man hat mit diesem Schützenpanzer einfach ganz andere Möglichkeiten, als noch mit dem Marder“, erklärt der 26-Jährige.

Der gebürtige Paderborner ist seit vergangenem Jahr Panzerkommandant bei der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 212. „Der Puma ist der Schritt in das 21. Jahrhundert“, schwärmt der Oberfeldwebel.

Der Puma unterscheidet sich auf den ersten Blick nur durch die zahlreichen optischen Systeme von anderen Infanterie-Kampffahrzeugen auf Ketten.

Doch bei näherem Hinsehen setzt der Puma als mit Abstand modernster Schützenpanzer der Welt Maßstäbe: in der computervernetzten Kampfführung ebenso wie im Schutz für die Besatzung und in der strategischen Mobilität.
Denn er passt von seinen Abmessungen genau in den neuen Militär-Airbus.

Mit der stabilisierten Optik, die mit 16-facher Vergrößerung arbeitet können die Soldaten nun eine gegnerische Schützengruppe heranzoomen.

Leise summt dann Elektronik des Schützenpanzers als Hintergrundrauschen, während Rotlicht den Innenraum in eine gedämpfte Atmosphäre taucht.

Meister ist einer der Ersten, die zum Kommandanten des neuen Schützenpanzers Puma ausgebildet wurden. Obwohl er bereits Erfahrung als Panzergrenadier auf dem Marder hatte, stellte die Umschulung auf das neue System eine Herausforderung dar.

„Als gelernter Panzergrenadier ist die Waffenanlage des Pumas für mich ungewohnt. Im Marder haben wir vieles manuell ausgeführt. Jetzt nutzen wir zum Beispiel einen Laser für die Entfernungsmessung, was für mich erst einmal ungewohnt war.
Zudem ist die Waffenanlage des Pumas dynamisch, ähnlich der im Kampfpanzer Leopard 2. Damit können wir nun ebenfalls Ziele aus der Bewegung und auf große Kampfentfernung bekämpfen. Außerdem hat der Puma einen deutlich stärkeren Motor als der Marder. Bisher mussten die Leos immer auf uns warten, jetzt können wir ohne Probleme mithalten. Das bedeutet für mich, dass ich mich in Zukunft anders taktisch Verhalten muss“, erklärt der Oberfeldwebel.

Technologisch an der Spitze der Entwicklung In drei Modulen zu je fünf Wochen bildet das Ausbildungszentrum Munster die Feldwebel und Offiziere auf dem neuen System aus.

Den Beginn macht die Umschulung zum Richtschützen MK 30mm. Alle zukünftigen Kommandanten müssen erst die Waffenanlage beherrschen, bevor sie später selbst ihre eigenen Soldaten auf dem System ausbilden und für den Einsatz fit machen können.

Im zweiten Ausbildungsschritt lernen die Umschüler dann, die Aufgaben als Panzerkommandant wahrzunehmen, dazu zählt auch das Beherrschen der komplexen Informations- und Kommunikationssysteme sowie der Mix aus verschiedenen infanteristischen Handwaffen, die das neue Konzept ‚System Panzergrenadier’ beinhaltet.

„Es ist ja nicht nur der neue Schützenpanzer Puma, der den Panzergrenadier technologisch an die Spitze der Entwicklung bringt.
Zum Gesamtkonzept gehört auch das erweiterte System Infanterist der Zukunft (IdZ-ES), das von Anfang an für den Einsatz im neuen Schützenpanzer vorgesehen war. Es verbindet den Schützentrupp und die Besatzung sowohl untereinander als auch mit der übergeordneten taktischen Führungsebene digital“, verdeutlicht Hauptmann Martin Waltemathe, Presseoffizier der Brigade 212.

Neben der digitalen Vernetzung der Soldaten zählen eine neukonzipierte Bekleidungs-, Schutz- und Trageausstattung sowie ein modular aufgebautes Waffen-, Optik- und Optroniksystem zum IdZ-ES.

Mit dem neuen System Panzergrenadier macht das deutsche Heer einen großen Schritt, um den Informationsfluss zwischen den Soldaten zu verbessern.

„Der Puma ist zukünftig die Schaltzentrale und das neuronale Herz der Panzergrenadiere. Hier laufen alle Fäden auf taktischer Ebene zusammen. Digitale Lagekarten mit Positionsanzeige der eigenen und gegnerischen Kräfte können jedem Soldaten direkt in das Helmdisplay eingespielt werden. Damit vermeiden wir in Zukunft eine unklare Lage und bewahren unseren Angriffsschwung.
Zudem sind wir mit dem neuen System deutlich leiser unterwegs, denn über den aktiven Gehörschutz im Innenohr und dem Kehlkopfmikrophon gehören die Zeiten des Herumschreiens im Gefecht der Vergangenheit an“, erläutert Waltemathe.

Mit der erhöhten Komplexität des Systems, steige aber die Anforderung an die Soldaten und deren Ausbildung.

Neben Teamgeist und grundlegendem Technikverständnis zeichnen nach wie vor eine hohe körperliche und psychische Leistungsbereitschaft das Anforderungprofil zukünftiger Panzergrenadiere aus.

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