„Für zehn Minuten Smartphone, 30 Minuten nach draußen“

Gespannte Erwartung am Elternabend in der Grundschule In der Senne. Medienpädagoge und Filmemacher Wilfried Brüning war zu Gast ermutigte seine Zuhörer eindringlich, den Bildschirmmedien-Konsum

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Gespannte Erwartung am Elternabend in der Grundschule In der Senne. Medienpädagoge und Filmemacher Wilfried Brüning war zu Gast ermutigte seine Zuhörer eindringlich, den Bildschirmmedien-Konsum ihrer Kinder zu begrenzen. „Es geht hierbei um alles, bei dem Kinder sich weitgehend passiv berieseln lassen; alles, bei dem nicht alle Sinne angesprochen werden. Das bedeutet: Der Nachwuchs soll weniger chatten, weniger elektronisch spielen und weniger fernsehen“, so Brüning.

„Weniger heißt nicht gar nicht.“ Anhand des Beispiels vom dreijährigen Lucas und einer Zitrone, veranschaulichte er, dass die mit allen Sinnen gemachten Erfahrungen in der realen Welt besser vom Gehirn gespeichert werden als Erfahrungen in der virtuellen Welt, bei denen nur zwei Sinne angesprochen werden: das Sehen und das Hören: „Lucas erforscht die Zitrone, indem er sie sieht, fühlt, riecht, schmeckt und hört – beziehungsweise nicht hört. Am Bildschirm benutzt man nur zwei Sinne – dabei auch nur zweidimensional. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto mehr Verknüpfungen zur Zitrone entstehen im Gehirn. Es bildet sich ein dichtes Netz, das die Informationen speichert“, erklärte Brüning. Ein Netz, das nur aus zwei Sinnen geknüpft wurde, ließe Informationen leicht durchfallen.

Digitale Medien sind heute überall

Die Herausforderung bestehe darin, dass digitale Medien heute überall sind. Im Berufsleben, in der Freizeit – „das Internet ist längst selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens.“ Alle seien begeistert von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten und „ganz besonders unsere Kinder“. Facebook, Twitter, WhatsApp, Onlinespiele etc. prägen Freizeitverhalten und Kommunikation der Kinder enorm. Dabei werden die Nutzer immer jünger.

„Erzieher und Lehrer schlagen Alarm. Sie melden zunehmend unruhige Klassen und Kinder, die sich nicht dauerhaft auf ein Thema konzentrieren können. Eltern befinden sich in der Bredouille wieder: Erlauben oder verbieten? Einerseits sollen sie nicht den Anschluss an die digitale Welt verpassen, andererseits sollen sie sich zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln“, so Brüning. Die Antwort müsse sein: „Erlauben und begrenzen.“ Mit voller Begeisterung, kraftvollen, ermunternden und plausiblen Denkanstößen packte er das Thema an. Selbst Vater von zwei Söhnen, weiß er, was es im Alltag heißt, sich den immer wiederkehrenden Wünschen und Bitten der Kinder entgegenzustellen, ohne aus der Haut zu fahren. Ärger und Stress bei diesem Thema seien vorprogrammiert. „Wer den Bildschirmmedien-Konsum seiner Kinder begrenzt, sorgt dafür, dass die Kinder wütend sind.“

Das permanente Gejammer und Geschimpfe der Kinder zu ertragen und dabei konsequent zu bleiben, sei eine richtige „Drecksarbeit“. Aber er beruhigte gleichzeitig: „Wenn Sie ihre Kinder doof finden, machen Sie alles richtig.“ Später werden diese es ihren Eltern danken, ist er überzeugt. Die Tipps und Informationen von Wilfried Brüning waren alles andere als ein trockener Vortrag. Unterhaltsam, abwechslungsreich, leidenschaftlich und sehr humorvoll verlief die dreistündige Veranstaltung. Immer wieder wurde das Publikum mit einbezogen und zuweilen kam er wie ein Kabarettist daher: locker, interessant, nah am Leben und sehr unterhaltsam.

Gebe es zu Beginn auch Ärger und Stress, so würde das Ansehen der Eltern nach einer Weile bei den Kindern steigen. Brüning forderte zum Ausgleich für am Bildschirm verbrachte Zeit eine bestimmte Menge Spiel in der realen Welt – und zwar altersabhängig. Dieses sei ein „Neuronen- Schutzprogramm“, dass die Gehirnzellen (Neuronen) –“die ziemlich besten Freunde“ – vorm Verkümmern schützen soll“. Die Frage laute: „Wie viel Zeit von Nicht-Entwicklung möchte ich meinem Kind zumuten?“

„Zwei-Welten-Waage“ entwickelt

Es gehe ihm um eine gesunde Balance. Aus diesem Grund hat Brüning die sogenannte „Zwei-Welten-Waage“ entwickelt. Unter drei Jahren empfiehlt er überhaupt keine Bildschirmmedien. Ab dem Kindergartenalter sollen zehn Minuten in der virtuellen Welt mit 40 Minuten Spiel und Bewegung in der realen Welt ausgeglichen werden (1:4). Ab dem Grundschulalter zehn Minuten virtuell gegenüber 30 Minuten real (1:3). Ab der weiterführenden Schule zehn Minuten virtuell gegenüber 20 Minuten real (1:2). 

Es sollte nichts verboten werden. Die richtige Balance zwischen virtuellem und realem Erleben sei wichtig. Es gehe ihm auch um die unregulierte und übermäßige Nutzung des Smartphones. „Wie viel Dosis des digitalen Dauerfeuers ist normal, ohne zu Sklaven dessen zu werden?“ Dieses Phänomen betreffe auch die Eltern. Teilweise fühlten sich Kinder vernachlässigt und verletzt, wenn die Eltern ihrem Smartphone mehr Aufmerksamkeit als ihrem Kind schenkten. Er hatte auch noch einige Vorschläge, um die Smartphone Nutzung zu reduzieren: Das Smartphone nicht mit in den Kindergarten nehmen, bewusst vergessen. Einen „offline Platz“ einrichten, nicht ständig in der Tasche mitführen. Bei Ausflügen, Spielen und Mahlzeiten sollte es nicht sichtbar sein.