Windräder machen dem Rotmilan zu schaffen

In Land­krei­sen mit einer hohen Dich­te an Wind­rä­dern gehen die Rot­mi­lan­be­stän­de zurück, wäh­rend sie in Land­krei­sen ohne Wind­rä­der zuneh­men.

Das zeigt eine detail­lier­te Ana­ly­se der jüngs­ten Bestands­ent­wick­lung des Rot­mi­lans, die der Dach­ver­band Deut­scher Avifau­nis­ten (DDA) als Koor­di­na­tor der offi­zi­el­len bun­des­wei­ten Vogel­be­stands­er­fas­sun­gen jetzt im Fach­ma­ga­zin „Der Fal­ke“ vor­ge­stellt hat.
Der Zusam­men­hang ist hoch­si­gni­fi­kant und zeigt, dass der not­wen­di­ge wei­te­re Aus­bau der Wind­ener­gie in Deutsch­land nicht durch eine von der Windin­dus­trie gefor­der­te und der­zeit sogar vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor­ge­schla­ge­ne Auf­wei­chung des Arten­schutz­rechts erreicht wer­den darf.

In der Stu­die ver­glei­chen die Autoren die mit glei­cher Metho­de erfolg­ten bun­des­wei­ten Erfas­sun­gen des Rot­mi­lan-Brut­be­stands der Zeit­räu­me 2005 bis 2009 und 2010 bis 2014.
Für jeden der 285 Land­krei­se im Ver­brei­tungs­ge­biet der Art wur­de die ermit­tel­te Bestand­ver­än­de­rung mit der Anzahl von Wind­ener­gie­an­la­gen pro Qua­drat­ki­lo­me­ter Flä­che kor­re­liert. Ein­deu­ti­ges Ergeb­nis: Je mehr Wind­rä­der, des­to schlech­ter die Bestands­ent­wick­lung.

In Land­krei­sen ohne Wind­rä­der nahm der Bestand zu, bei etwa 0,1 Wind­rä­dern pro Qua­drat­ki­lo­me­ter waren die Bestän­de sta­bil, bei über 0,15 Anla­gen auf glei­cher Flä­che war der Bestands­trend nega­tiv.
Ins­ge­samt führt dies zu einem bun­des­weit betrach­tet sta­bi­len Rot­mi­lan-Bestand, was die Windin­dus­trie bereits im August zu einer Jubel­mel­dung über die angeb­lich kon­flikt­freie Koexis­tenz von Wind­ener­gie­an­la­gen und dem auf­grund sei­nes gega­bel­ten Schwan­zes auch als „Gabel­wei­he“ bekann­ten Greif­vo­gel ver­an­lass­te.

Die­ser Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on hat­te der NABU in einer Stel­lung­nah­me bereits deut­lich wider­spro­chen, und dabei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Rot­mi­lan­be­stän­de ins­be­son­de­re im Nord­os­ten Deutsch­lands, wo sehr vie­le Wind­rä­der ste­hen, deut­lich abneh­men, wäh­rend sie im wind­ra­dar­men Süd­wes­ten des Lan­des zuneh­men. Die Stu­die des DDA bestä­tigt die­sen Effekt und kann ihn sogar Land­kreis für Land­kreis nach­wei­sen. Die größ­ten Abnah­men gab es dem­nach in Sach­sen-Anhalt, Ost-West­fa­len und Mit­tel­hes­sen, jeweils dort, wo sich auch Wind­ener­gie­an­la­gen kon­zen­trie­ren.

Die Stu­die zeigt, dass der Kon­flikt zwi­schen dem Schutz wind­ener­gie­sen­si­bler Arten und dem Aus­bau der Wind­ener­gie nicht nur in der Theo­rie und in Pro­jek­tio­nen für die Zukunft exis­tiert, son­dern sich bereits heu­te in Bestands­rück­gän­gen mani­fes­tiert.
Der NABU warnt, den der­zeit sto­cken­den Aus­bau der Wind­ener­gie durch Auf­wei­chung des gel­ten­den Arten­schutz­rechts erzwin­gen zu wol­len. Statt­des­sen for­dert er den bestehen­den gesetz­li­chen Rah­men so zu nut­zen, dass auch die kumu­la­ti­ven Aus­wir­kun­gen vie­ler ein­zel­ner Wind­rä­der ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den.

Damit wür­de nicht nur dem Arten­schutz Genü­ge getan, auch die Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit von Pla­nun­gen wür­de sich ver­bes­sern – ganz im Sin­ne der Wind­park­be­trei­ber.

Dazu soll­ten für betrof­fe­ne Arten wie den Rot­mi­lan auf regio­na­ler Ebe­ne umfas­sen­de Arten­schutz­pro­gram­me erstellt und umge­setzt wer­den.

Sind die­se erfolg­reich und sor­gen in der betref­fen­den Regi­on für einen min­des­tens sta­bi­len Bestand, ist es mög­lich wei­te­re Wind­rä­der Aus­nah­men zu geneh­mi­gen.

Ein ein­fa­ches Durch­win­ken von arten­schutz­recht­li­chen Aus­nah­men ohne ent­spre­chen­de effek­ti­ve Schutz­pro­gram­me ver­bie­tet sich jedoch ange­sichts der bereits heu­te nach­weis­ba­ren nega­ti­ven Wir­kun­gen auf die Bestän­de wind­kraft­sen­si­bler Arten wie des Rot­mi­lans.

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In Landkreisen mit einer hohen Dichte an Windrädern gehen die Rotmilanbestände zurück, während sie in Landkreisen ohne Windräder zunehmen. Das zeigt eine detaillierte Analyse der jüngsten Bestandsentwicklung des Rotmilans, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) als Koordinator der offiziellen bundesweiten Vogelbestandserfassungen jetzt im Fachmagazin „Der Falke“ vorgestellt hat. Der Zusammenhang ist hochsignifikant und zeigt, dass der notwendige weitere Ausbau der Windenergie in Deutschland nicht durch eine von der Windindustrie geforderte und derzeit sogar vom Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagene Aufweichung des Artenschutzrechts erreicht werden darf. In der Studie vergleichen die Autoren die mit gleicher Methode erfolgten bundesweiten Erfassungen des Rotmilan-Brutbestands der Zeiträume 2005 bis 2009 und 2010 bis 2014. Für jeden der 285 Landkreise im Verbreitungsgebiet der Art wurde die ermittelte Bestandveränderung mit der Anzahl von Windenergieanlagen pro Quadratkilometer Fläche korreliert. Eindeutiges Ergebnis: Je mehr Windräder, desto schlechter die Bestandsentwicklung. In Landkreisen ohne Windräder nahm der Bestand zu, bei etwa 0,1 Windrädern pro Quadratkilometer waren die Bestände stabil, bei über 0,15 Anlagen auf gleicher Fläche war der Bestandstrend negativ. Insgesamt führt dies zu einem bundesweit betrachtet stabilen Rotmilan-Bestand, was die Windindustrie bereits im August zu einer Jubelmeldung über die angeblich konfliktfreie Koexistenz von Windenergieanlagen und dem aufgrund seines gegabelten Schwanzes auch als „Gabelweihe“ bekannten Greifvogel veranlasste. Dieser Fehlinterpretation hatte der NABU in einer Stellungnahme bereits deutlich widersprochen, und dabei darauf hingewiesen, dass die Rotmilanbestände insbesondere im Nordosten Deutschlands, wo sehr viele Windräder stehen, deutlich abnehmen, während sie im windradarmen Südwesten des Landes zunehmen. Die Studie des DDA bestätigt diesen Effekt und kann ihn sogar Landkreis für Landkreis nachweisen. Die größten Abnahmen gab es demnach in Sachsen-Anhalt, Ost-Westfalen und Mittelhessen, jeweils dort, wo sich auch Windenergieanlagen konzentrieren. Die Studie zeigt, dass der Konflikt zwischen dem Schutz windenergiesensibler Arten und dem Ausbau der Windenergie nicht nur in der Theorie und in Projektionen für die Zukunft existiert, sondern sich bereits heute in Bestandsrückgängen manifestiert. Der NABU warnt, den derzeit stockenden Ausbau der Windenergie durch Aufweichung des geltenden Artenschutzrechts erzwingen zu wollen. Stattdessen fordert er den bestehenden gesetzlichen Rahmen so zu nutzen, dass auch die kumulativen Auswirkungen vieler einzelner Windräder angemessen berücksichtigt werden. Damit würde nicht nur dem Artenschutz Genüge getan, auch die Genehmigungsfähigkeit von Planungen würde sich verbessern – ganz im Sinne der Windparkbetreiber. Dazu sollten für betroffene Arten wie den Rotmilan auf regionaler Ebene umfassende Artenschutzprogramme erstellt und umgesetzt werden. Sind diese erfolgreich und sorgen in der betreffenden Region für einen mindestens stabilen Bestand, ist es möglich weitere Windräder Ausnahmen zu genehmigen. Ein einfaches Durchwinken von artenschutzrechtlichen Ausnahmen ohne entsprechende effektive Schutzprogramme verbietet sich jedoch angesichts der bereits heute nachweisbaren negativen Wirkungen auf die Bestände windkraftsensibler Arten wie des Rotmilans.

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