Klimawandel? Ach, hör doch auf!

Die beliebteste Floskel ist wahrscheinlich: Wir Menschen haben gar keinen Einfluss auf das Klima! Schön wärs – wir haben leider sehr großen Einfluss auf

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Die beliebteste Floskel ist wahrscheinlich: Wir Menschen haben gar keinen Einfluss auf das Klima! Schön wärs – wir haben leider sehr großen Einfluss auf die Erderhitzung und somit auch auf das Klima. CO2, das auf natürlichem Weg durch Atmung, Gärung oder Verwesung entsteht, wird auch wieder auf natürlichem Weg gebunden. Es wird etwa eingelagert in Holz oder im Meer oder im Boden gespeichert. Die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl dagegen setzt über Jahrmillionen gelagertes CO2 aus solchen Speichern plötzlich frei – es bringt so die eigentlich ausgeglichene Kohlenstoffbilanz der Atmosphäre total durcheinander. Denn die gasförmige Hülle, die unsere Erde umgibt, besteht zu 99,9 Prozent aus Stickstoff, Sauerstoff und Argon. Kohlendioxid hingegen macht nur einen winzigen Anteil aus, der in Teilchen pro Million (parts per million/ppm) angegeben wird. Von 280 ppm in vorindustrieller Zeit ist der Wert inzwischen auf fast 380 gestiegen. Genau deswegen hat sich die globale Mitteltemperatur der Erde bereits um etwa 0,8 Grad Celsius erhöht . Kleine Ursachen in der Atmosphärenchemie haben also große Wirkungen, das ist uns ja bereits vom Ozon bekannt: Und dabei ist der Anteil des Ozons an der Lufthülle noch um vier Zehnerpotenzen kleiner als der Anteil des CO2. Trotzdem hatte die Zerstörung der Ozonschicht durch Chemikalien wie FCKW spürbare Folgen. Der Schutz vor UV-Strahlen war nicht mehr gewährleistet. Gut zu wissen: In geologischen Zeiträumen gesehen, also lange bevor es Menschen gab, lagen die globalen Mitteltemperaturen allerdings tatsächlich schon weit höher als jetzt: Im "Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum" vor 55 Millionen Jahren stiegen sie in wenigen Tausend Jahren um fünf bis sechs Grad - das arktische Meer war an der Oberfläche 23 Grad warm. Auch in den Zwischeneiszeiten wurde es zumindest regional so warm wie heute. Allerdings verliefen die Temperaturanstiege der vergangenen Erdepochen viel langsamer. Pflanzen und Tiere hatten also mehr Zeit, sich anzupassen. Und es gab damals eben nicht 7,7 Milliarden Menschen mit Bedarf an Nahrung, Wasser und gleichwertigen Wohlstand.    

Fliegen und SUV fahren ist nicht schlimm

Fast alles was wir tun, hat einen Effekt aufs Klima – also auch fliegen und mit dem SUV durch die Stadt fahren. Für jede Tonne CO2, die Menschen irgendwo auf der Erde freisetzen, schrumpft das Meereis der Arktis um zusätzliche 3 Quadratmeter! Der Hin- und Rückflug von Berlin nach Madrid verursacht bezogen auf eine Person etwa diese eine Tonne CO2. Alles, was Einzelne tun können, abgesehen davon nicht mehr zu fliegen, hat aber eher symbolische Wirkung. Wir müssen wirtschaftlich und gesellschaftlich umsteuern, der Klimawandel darf nicht auf Bürger*innen abgewälzt werden. Gut zu wissen: Mit unserem individuellen Konsum alleine können wir die Lage nicht entschärfen. Wer echten Klimaschutz will, muss also auch auf der Straße und an der Wahlurne mehr Klimaschutz einfordern. Außerdem stehen Politik und Wirtschaft In der Pflicht, endlich wirkungsvolle Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen.    

Deutschland alleine kann beim Klimaschutz gar nichts ausrichten

Deutschland ist für etwa 2,1 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich, das ist ziemlich viel für ein Land der Größe von Deutschland. Schließlich lebt hierzulande nur ein knappes Prozent der Weltbevölkerung. Wie viel CO2 die Bundesrepublik tatsächlich ausstößt, wird im internationalen Vergleich noch deutlicher. Hier liegt das Land unter der Regierung von Angela Merkel auf Platz sechs. Deutschland stößt mehr CO2 aus, als die meisten anderen Länder. Deshalb muss die Politik, wenn sie ihre selbst auferlegten Klimaziele einhalten will, beim Klimaschutz hierzulande mehr tun, als andere Länder. Und nicht nur die Politik: Auch die Bürger*innen müssen dazu beitragen. Weltweit betrachtet spielt es natürlich keine Rolle, in welchem Land die Emissionen entstehen. Sie existieren und haben damit auch Effekte auf Klima und Umwelt. Internationale Daten belegen: Global betrachtet steigen die CO2-Emissionen weiter an. Während die Industriestaaten, darunter die EU-Länder, Japan oder die USA, ihre Inlandsemissionen seit Jahren oder Jahrzehnten reduzieren, nehmen die Werte insbesondere in China, Indien, Brasilien und anderen Ländern im Globalen Süden zu. Das liegt auch daran, dass die Produktion immer stärker dorthin verlagert wird, wo Umweltauflagen weniger strikt sind. Was sich für Länder wie Deutschland auf dem Blatt derzeit positiv auswirkt, stellt andere Länder vor Probleme. Denn solange vor allem die westlichen Industriestaaten nicht auch an den Gesamtwerten mit Import- und Export gemessen werden, bedeutet das eine unbemerkte Verlagerung von Emissionen. Ein Blick in die regelmäßigen Berichte des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass genau genommen noch mehr CO2-Emissionen anfallen. Schließlich importiert Deutschland auch Rohstoffe, Güter und Waren. Emissionen entstehen in dem Fall unter anderem bei der Produktion im Ausland und beim Transport nach Deutschland. 2015 waren das rund 506 Millionen Tonnen CO2. Zusammengerechnet bedeutet das, die CO2-Emissionen für Deutschland liegen nach dieser Methode bei 1,472 Milliarden Tonnen CO2, sind also rund ein Drittel größer. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Statistik nach Entstehungsgebiet oder Verbrauch zusammengerechnet wird. Deutschland liegt in der Hitliste der Klimasünder*innen auf Platz 6. Für die Gesamtemissionen eines Landes spielen sowohl die Einwohner*innenzahl als auch die Pro-Kopf-Emissionen eine Rolle. So verursacht ein*e Amerikaner*in fast doppelt so viel Kohlendioxid wie ein*e Deutsche*r und rund zehnmal so viel wie ein*e Inder*in. Gut zu wissen: Die weltweiten Kohlendioxidemissionen und die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nehmen kontinuierlich zu. Seit 1970 haben sich die weltweiten energiebedingten Kohlendioxidemissionen mehr als verdoppelt, seit Beginn des letzten Jahrhunderts sogar mehr als verfünfzehnfacht. Seit dem Jahr 2013 steigen die Emissionen aber deutlich langsamer an. Das gibt ein wenig Hoffnung, dass sich eine Stabilisierung und dann eine Trendumkehr erreichen lässt.