Silvester: Wo ist böllern verboten — und warum?

Alle Jah­re wie­der erregt das The­ma Sil­ves­ter­feu­er­werk die Gemü­ter. Die einen war­nen vor Fein­staub, Ver­let­zun­gen und ver­ängs­tig­ten Tie­ren. Die ande­ren hal­ten die Sor­gen für

Um die­sen Arti­kel und alle wei­te­ren lesen zu kön­nen, regis­trie­ren Sie sich bit­te.

Der Vor­gang dau­ert nur zwei Minu­ten. Mit einem Online­abo erhal­ten Sie unbe­grenz­ten Zugriff auf span­nen­de Repor­ta­gen, Berich­te, Por­träts und Vide­os aus August­dorf; immer aktu­ell und unpar­tei­isch.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sowie Prei­se erhal­ten Sie, indem Sie unten auf „regis­trie­ren” kli­cken.

Sie haben Ihre Zugangs­da­ten bereits? Dann nut­zen Sie ganz ein­fach das Log­in, um gleich wei­ter­zu­le­sen.

Anmel­den
   
Alle Jahre wieder erregt das Thema Silvesterfeuerwerk die Gemüter. Die einen warnen vor Feinstaub, Verletzungen und verängstigten Tieren. Die anderen halten die Sorgen für übertrieben und argumentieren, Raketen und Knallkörper gehörten zu einem gelungenen Jahreswechsel einfach dazu. Wer kritisiert das private Böllern? Prominentester Verfechter eines Feuerwerksverbots für Privatpersonen ist die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die auch entsprechende Petitionen von Bürgern unterstützt. "Das Feuerwerk erzeugt jedes Jahr viele Zehntausend Tonnen an Müll, führt zu Bränden und Verletzungen und erzeugt 5000 Tonnen Feinstaub", schreibt der Verein auf seiner Homepage. Im Juli und Oktober hatte er in insgesamt 98 Städten, in denen die Grenzwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für Feinstaub nicht eingehalten würden, Feuerwerksverbote für die Innenstädte beantragt. Auch das Umweltbundesamt warnt, dass an Silvester "die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig" ansteige. Die Feuerwerksindustrie hält dagegen: Die DUH und das Umweltbundesamt argumentierten mit unseriösen Zahlen, die lediglich auf Modellierungen und Schätzwerten beruhten, heißt es vom Verband der pyrotechnischen Industrie. Auch sei der von Feuerwerk freigesetzte Feinstaub wasserlöslich und werde vom Körper daher leichter aus der Lunge entfernt als etwa Rußpartikel aus Dieselmotoren. Ärzte und Tierschützer warnen jedoch nicht nur vor der Feinstaubbelastung, sondern auch vor dem Verletzungsrisiko und der Lärmbelastung für Tiere. Wo ist Feuerwerk verboten? Flächendeckende Verbote gibt es in Deutschland kaum - lediglich die Nordseeküste stellt eine Ausnahme dar: In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa gaben von 53 befragten Städten und Gemeinden das Amt Föhr-Amrum und die Gemeinde Sylt an, Raketen und Knallkörper nicht zu erlauben. In mehr als 20 Städten gibt es demnach jedoch Zonen, in denen nicht geböllert werden darf: Darunter ist der Hamburger Jungfernstieg, der Bereich um den Kölner Dom, ein Teil der Münchner Innenstadt und die Partymeile am Brandenburger Tor, ein Teil des Alexanderplatzes und die Pallasstraße in Schöneberg in Berlin. Aber auch kleinere Städte, wie beispielsweise Lüneburg, Passau und Timmendorfer Strand verhängten Teilverbote. Warum entscheiden sich Städte und Gemeinden für Verbote? Der häufigste Grund für partielle Feuerwerksverbote sind Sicherheitsbedenken. In München beruhen die Beschränkungen auf der Gefahreneinschätzung der Polizei: "Die Kombination aus enger Bebauung, dicht gedrängt stehenden Menschen, Alkohol und Pyrotechnik führte dazu, dass man sich nicht mehr sicher sein konnte, den Jahreswechsel im Herzen Münchens unbeschadet zu überstehen", teilte der Sprecher des zuständigen Kreisverwaltungsreferats den Augustdorfer Nachrichten mit. Waagerecht in Menschenmengen abgefeuerte Raketen seien in den vergangenen Jahren keine Seltenheit gewesen. In Köln war die Einrichtung der böllerfreien Zone zum Jahreswechsel 2016/2017 die Reaktion auf die Ereignisse des vorangegangenen Silvesters, wie eine Stadtsprecherin sagte. In dieser Nacht habe es nicht nur Übergriffe auf Frauen gegeben, sondern es seien auch Böller und Raketen quer geschossen und dadurch "im hohen Maße Personen gefährdet" worden. Durch die Treppe am Dom gebe es außerdem nur eingeschränkte Fluchtmöglichkeiten. Bei der Festmeile am Brandenburger Tor handelt es sich um eine private Veranstaltung. Ein privates Feuerwerk auf dem Festgelände sei hier schon immer seitens der Veranstalter verboten gewesen, sagte ein Sprecher der Berliner Innenverwaltung: "Bei den Menschenmassen ist das gar nicht anders umsetzbar." Die anderen beiden Zonen seien in diesem Jahr auf Basis des Polizeirechts bestimmt worden. "Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte wurden dort in den vergangenen Jahren zu Silvester zum Teil massiv gezielt mit Pyrotechnik beschossen", sagt der Sprecher. Angriffe auf Einsatzkräfte habe es zwar leider im gesamten Stadtgebiet gegeben, jedoch nicht in demselben Ausmaß. Grundsätzlich dürfen Feuerwerkskörper nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen gezündet werden. So begründet Bamberg ein teilweises Feuerwerksverbot damit, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Altstadt zu schützen. Die Luftreinheit spielte für die von der dpa befragten Städte eine untergeordnete Rolle. Städte wie Hamburg, Ludwigshafen, Darmstadt oder Chemnitz, allesamt von der DUH angeschrieben, sahen aufgrund ihrer Feinstaubwerte keinen Anlass für ein Verbot. In München ist es allerdings dem Sprecher zufolge innerhalb der Umweltzone des Mittleren Rings verboten, Silvesterknaller und Böller zu zünden. So sollen negative Effekte wie Lärm, Luftverschmutzung und Müll gemindert werden. Kompletten Verboten stehen auch rechtliche Hürden im Weg. Um Beschränkungen leichter durchzusetzen, müsse die Sprengstoffverordnung geändert werden, fordert die DUH. Welche Erfahrungen machen Städte, die bereits ein teilweises Feuerwerksverbot haben? Hannover, das im vergangenen Jahr erstmals das "Mitführen und Abbrennen von Feuerwerkskörpern" in Teilen der Innenstadt verboten hatte, berichtet auf seiner Homepage von "positiven Erfahrungen". Daher sei das Verbot erneut ausgesprochen worden. In Köln sei die Notwendigkeit des Verbots am Dom in der Bevölkerung verstanden worden, sagte die Sprecherin. Das Problem habe sich auch nicht in andere Stadtteile verlagert: "Wir haben den Eindruck, es ist insgesamt weniger geworden." Welche Konsequenzen drohen, wenn das Verbot ignoriert wird? Das ist nicht einheitlich geregelt. In München können Verstöße beispielsweise mit einer Geldbuße bis zu 1000 Euro belegt werden, auf Amrum sogar mit bis zu 10.000 Euro. In Berlin hingegen droht lediglich die "Sicherstellung und Vernichtung" der pyrotechnischen Gegenstände. Wie geht der Einzelhandel mit der Kontroverse über Feuerwerke um? Kürzlich machten einzelne Supermärkte mit der Ankündigung Schlagzeilen, keine Raketen und Böller mehr zu verkaufen. Ein Trend ist aber noch nicht ablesbar. Die Rewe Group teilte auf Anfrage mit, dass die Filialen von Rewe, Penny und Toom auch in diesem Jahr ein Feuerwerkssortiment führen werden. Den selbstständigen Rewe-Kaufleuten stünde hingegen frei, ob sie dies anbieten. Wie viele tatsächlich auf den Verkauf verzichteten, könne man nicht sagen. Dasselbe teilte der genossenschaftlich organisierte Edeka-Verbund mit. Die Discounter Aldi und Lidl haben eigenen Angaben zufolge Feuerwerksartikel im Sortiment. Allerdings: Mit Hornbach hat eine komplette Baumarktkette angekündigt, ab 2020 kein Feuerwerk mehr zu verkaufen. (Lesen Sie hier mehr zu dem Thema "Welche Händler noch Feuerwerk verkaufen - und welche verzichten") Wollen die Menschen überhaupt noch böllern? Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. In einer Umfrage des Instituts Civey haben sich im vergangenen Dezember knapp 60 Prozent der Befragten für ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Umgebungen ausgesprochen. Man hoffe, dass sich das gesteigerte Umweltbewusstsein der Menschen in einem Verzicht auf Feuerwerk niederschlage, sagte die Sprecherin der Stadt Köln. Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet, dass der Silvesterumsatz mit Feuerwerkskörpern sich wie im Vorjahr auf etwa 133 Millionen Euro belaufen wird. Uwe Krüger vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) geht davon aus, dass die Nachfrage weiter hoch bleibt: "Ich glaube nicht, dass die Konsumenten dieses Jahr weniger Geld für Feuerwerk ausgeben werden."  
error: Der Inhalt ist geschützt!