Im Irak: „Den Augustdorfer Soldaten geht es gut!“

Den 34 Augustdorfer Soldaten, die in der irakischen Stadt Erbil stationiert sind, geht es gut. Das ist erst einmal die wichtigeste Nachricht.

Dienstagnacht zwischen 23.41 Uhr und 2.45 Uhr griff der Iran mehrere militärische Stützpunkte im Irak an.
Das war der angekündigte Vergeltungsschlag für die gezielte Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani durch das US-Militär. Die Bundeswehr war gewarnt worden, dass etwas passieren würde.

Das Kommando für den internationalen Anti-IS-Einsatz im Irak, an dem sich Deutschland beteiligt, hatte am Wochenende schon angewiesen, nicht dringend benötigtes Personal aus dem Großraum Bagdad abzuziehen. Erbil schien zu dem Zeitpunkt aber kein Anschlagsziel zu sein.

Erbil, die Hauptstadt und zugleich auch der Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak war bisher für die deutschen Soldaten immer ein einigermaßen sicherer Ort.

Wenn geschossen wird, dann unter ihrer Aufsicht oder jener von Partnernationen. Gefechte gab es wohl: Zur Übung, wenn die Soldaten kurdische Peschmerga-Kämpfer ausbildeten. Genau das ist die Arbeit der Bundeswehr im kurdischen Norden des Irak.

Ein Teil des Trainingsareals außerhalb des Camps heißt German Village. Im deutschen Dorf jedenfalls war zuletzt alles unter Kontrolle, auch im Camp der Deutschen. Fast 120 Soldaten sind, so der letzte Stand, in Erbil stationiert. In der Nacht zu Mittwoch mussten sie jedoch in Deckung gehen. Die Gewissheit, dass dieser Ort sicher ist, war dahin.
Hintergrund ist die gezielte Tötung des Milizengenerals Qassim Soleimani durch die USA, die eine neue Krise in Mittelost ausgelöst hatte.

Der Iran hatte in der Nacht als Vergeltung Raketen auf zwei auch von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak abgeschossen: 17 auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Assad, fünf auf den Stützpunkt in Erbil
Während die Bundeswehr dann alle 35 Soldaten aus Bagdad und Umgebung in der Nacht zu Dienstag ausflog, blieben die Kameradinnen und Kameraden in Erbil.

In der Nacht des Angriffs kam keiner der Soldaten zu Schaden, auch weil sie rechtzeitig informiert worden waren. „Die Soldaten aus Augustdorf haben die Nacht in einem Sicherheitsbunker verbracht“, erklärte Hauptfeldwebel Jens Wander gegenüber den Augustdorfer Nachrichten.

Alle Soldaten, zur Zet sind dort keine Frauen stationiert, sind Angehörige des Stabes 203 und Angehörige der 2. Kompanie 203.
Die Brigadeführung hier in Augustdorf hat direkt nach den Anschlägen Kontakt zu unseren Kameraden in Erbil aufgenommen“, schildert Wander die Reaktion auf den Anschlag.

Nun hoffen und beten die Angehörigen, dass die Soldaten bald gesund heimkehren. Die Chancen dafür stehen gut. „Die Soldaten sollten eh in den kommenden Tagen zurückkommen“, so Wander. Wann das nun genau sein wird, steht jedoch noch nicht fest. „Die ersten werden aber voraussichtlich bald wieder in Augustdorf sein“, ist sich Wander sicher.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte im ARD-Morgenmagazin, die Bundeswehr sei in der Planung für „mögliche Teilrückverlegungen“. Die Angriffe aus Iran verurteilte sie scharf.

Die Bundesregierung tut sich schwer mit einem Ende der Ausbildung gerade in Erbil.  Sie hatte die kurdischen Peschmerga für ihren Kampf gegen den IS mit Waffen ausgerüstet und sie daran ausgebildet.  Es sei den Kurden zu verdanken, dass der IS nicht noch schlimmer im Land wüten konnte.

Etwa 7000 irakische Sicherheitskräfte, zumeist Peschmerga, hat allein die Bundeswehr seit 2015 ausgebildet. Die Kämpfer würden die Hilfe mit „Hingabe und Dankbarkeit“ annehmen, heißt es bei den Ausbildern, die Fortschritte seien beachtlich. Die kurdische Führung machte am Mittwoch klar, sie hoffe, dass die ausländischen Truppen blieben. Aber geht das noch? Das muss sich zeigen.
Im Verteidigungsministerium hört man nun häufiger die Frage: „Hätten die Soldaten aus Erbil auch gleich mit abgezogen werden sollen?

So einfach ist das aber wohl nicht. Denn vor Ort hängt nach Aussagen von Bundeswehrexperten vieles an den Deutschen, die Infrastruktur etwa, die Organisation.

In Berlin machen derweil Oppositionspolitiker Druck. Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen, sagte: „Die Bundesregierung muss der Sicherheit der Soldaten oberste Priorität einräumen. Die Bundeswehr im Moment in Erbil zu belassen, ist unverantwortlich.“

Der Einsatz in Jordanien und im Irak

Das Auftreten und der Vorstoß der Terrormiliz Islamischer Staat (IS“Islamischer Staat“) im Irak und in Syrien hat die Lage im Irak und in der gesamten Region im Jahr 2014 drastisch verändert. Betroffen sind Millionen Menschen, die Stabilität des Iraks und der gesamten Region.

Die Anschläge in Tunesien, der Türkei, im Libanon, gegen Russland und in Frankreich haben gezeigt, dass der IS “Islamischer Staat“ auch über die von ihm kontrollierten Gebiete in Syrien und dem Irak hinaus, eine Bedrohung für den Frieden und die internationale Sicherheit darstellt.

Inzwischen gilt der IS “Islamischer Staat“ im Irak und in Syrien als geschlagen, jedoch noch nicht als abschließend besiegt. Nach wie vor sind internationale Missionen notwendig, um den Irak zu stabilisieren. Der Kampf wurde und wird von einer breiten Koalition aus mehr als 60 Nationen getragen – darunter auch Deutschland.
Diese Operationen sind bekannt unter dem Namen „Inherent Resolve“ und sind eingebettet in einen breiten sicherheitspolitischen Ansatz.

Die Ziele sind, den IS“Islamischer Staat“ zu besiegen sowie Syrien und die Region mit ihren unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nachhaltig politisch zu befrieden.

Im März 2018 wurden die bis dahin bestehenden, getrennten Einsatzkontingente in Jordanien und im Irak zu einem zusammengefasst.

Am 24. Oktober 2019 wurde der Einsatz erneut durch den Deutschen Bundestag verlängert, allerdings unterscheidet das Mandat in Bezug auf die Dauer seiner Gültigkeit nun zwischen den beiden Einsatzräumen: Während der Einsatz „Counter Daesh“ in Jordanien am 31. März 2020 auslaufen soll, endet das Mandat für den Einsatz „Capacity Building Iraq“ am 31.10.2020 und damit ein halbes Jahr später.

Für die eingesetzten Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr ergeben sich daraus unter anderem folgende Aufgaben:
Aufklärung aus der Luft, Einsatzunterstützung durch Tankflugzeuge, See- und Luftraumüberwachung, auch durch Beteiligung an AWACSAirborne Early Warning and Control System -Flügen der NATONorth Atlantic Treaty Organization, Austausch und Abgleich von Lageinformationen mit weiteren Teilnehmern der Anti-IS“Islamischer Staat“-Koalition, Durchführung von spezialisierten militärischen Lehrgängen im Nord- und Zentralirak,
Schwerpunkt ist dabei die Ausbildung von Führungskräften der zentralirakischen Streitkräfte mit dem Ziel des Aufbaus nachhaltiger Fähigkeiten, genannt „Capacity Building“

Qasem Soleimani war ein iranischer Offizier. Viele Beobachter sehen ihn als einen der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung der iranischen Einflussphäre auf weite Teile des Nahen Ostens. Am 3. Januar 2020 wurde er auf Befehl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump unter Einsatz einer Drohne vom US-amerikanischen Militär im Irak getötet.

© 2020, AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

Den 34 Augustdorfer Soldaten, die in der irakischen Stadt Erbil stationiert sind, geht es gut. Das ist erst einmal die wichtigeste Nachricht. Dienstagnacht zwischen 23.41 Uhr und 2.45 Uhr griff der Iran mehrere militärische Stützpunkte im Irak an. Das war der angekündigte Vergeltungsschlag für die gezielte Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani durch das US-Militär. Die Bundeswehr war gewarnt worden, dass etwas passieren würde. Das Kommando für den internationalen Anti-IS-Einsatz im Irak, an dem sich Deutschland beteiligt, hatte am Wochenende schon angewiesen, nicht dringend benötigtes Personal aus dem Großraum Bagdad abzuziehen. Erbil schien zu dem Zeitpunkt aber kein Anschlagsziel zu sein. Erbil, die Hauptstadt und zugleich auch der Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak war bisher für die deutschen Soldaten immer ein einigermaßen sicherer Ort. Wenn geschossen wird, dann unter ihrer Aufsicht oder jener von Partnernationen. Gefechte gab es wohl: Zur Übung, wenn die Soldaten kurdische Peschmerga-Kämpfer ausbildeten. Genau das ist die Arbeit der Bundeswehr im kurdischen Norden des Irak. Ein Teil des Trainingsareals außerhalb des Camps heißt German Village. Im deutschen Dorf jedenfalls war zuletzt alles unter Kontrolle, auch im Camp der Deutschen. Fast 120 Soldaten sind, so der letzte Stand, in Erbil stationiert. In der Nacht zu Mittwoch mussten sie jedoch in Deckung gehen. Die Gewissheit, dass dieser Ort sicher ist, war dahin. Hintergrund ist die gezielte Tötung des Milizengenerals Qassim Soleimani durch die USA, die eine neue Krise in Mittelost ausgelöst hatte. Der Iran hatte in der Nacht als Vergeltung Raketen auf zwei auch von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak abgeschossen: 17 auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Assad, fünf auf den Stützpunkt in Erbil Während die Bundeswehr dann alle 35 Soldaten aus Bagdad und Umgebung in der Nacht zu Dienstag ausflog, blieben die Kameradinnen und Kameraden in Erbil. In der Nacht des Angriffs kam keiner der Soldaten zu Schaden, auch weil sie rechtzeitig informiert worden waren. „Die Soldaten aus Augustdorf haben die Nacht in einem Sicherheitsbunker verbracht“, erklärte Hauptfeldwebel Jens Wander gegenüber den Augustdorfer Nachrichten. Alle Soldaten, zur Zet sind dort keine Frauen stationiert, sind Angehörige des Stabes 203 und Angehörige der 2. Kompanie 203. Die Brigadeführung hier in Augustdorf hat direkt nach den Anschlägen Kontakt zu unseren Kameraden in Erbil aufgenommen“, schildert Wander die Reaktion auf den Anschlag. Nun hoffen und beten die Angehörigen, dass die Soldaten bald gesund heimkehren. Die Chancen dafür stehen gut. „Die Soldaten sollten eh in den kommenden Tagen zurückkommen“, so Wander. Wann das nun genau sein wird, steht jedoch noch nicht fest. „Die ersten werden aber voraussichtlich bald wieder in Augustdorf sein“, ist sich Wander sicher. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte im ARD-Morgenmagazin, die Bundeswehr sei in der Planung für „mögliche Teilrückverlegungen“. Die Angriffe aus Iran verurteilte sie scharf. Die Bundesregierung tut sich schwer mit einem Ende der Ausbildung gerade in Erbil.  Sie hatte die kurdischen Peschmerga für ihren Kampf gegen den IS mit Waffen ausgerüstet und sie daran ausgebildet.  Es sei den Kurden zu verdanken, dass der IS nicht noch schlimmer im Land wüten konnte. Etwa 7000 irakische Sicherheitskräfte, zumeist Peschmerga, hat allein die Bundeswehr seit 2015 ausgebildet. Die Kämpfer würden die Hilfe mit „Hingabe und Dankbarkeit“ annehmen, heißt es bei den Ausbildern, die Fortschritte seien beachtlich. Die kurdische Führung machte am Mittwoch klar, sie hoffe, dass die ausländischen Truppen blieben. Aber geht das noch? Das muss sich zeigen. Im Verteidigungsministerium hört man nun häufiger die Frage: „Hätten die Soldaten aus Erbil auch gleich mit abgezogen werden sollen? So einfach ist das aber wohl nicht. Denn vor Ort hängt nach Aussagen von Bundeswehrexperten vieles an den Deutschen, die Infrastruktur etwa, die Organisation. In Berlin machen derweil Oppositionspolitiker Druck. Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen, sagte: „Die Bundesregierung muss der Sicherheit der Soldaten oberste Priorität einräumen. Die Bundeswehr im Moment in Erbil zu belassen, ist unverantwortlich.“ Der Einsatz in Jordanien und im Irak Das Auftreten und der Vorstoß der Terrormiliz Islamischer Staat (IS“Islamischer Staat“) im Irak und in Syrien hat die Lage im Irak und in der gesamten Region im Jahr 2014 drastisch verändert. Betroffen sind Millionen Menschen, die Stabilität des Iraks und der gesamten Region. Die Anschläge in Tunesien, der Türkei, im Libanon, gegen Russland und in Frankreich haben gezeigt, dass der IS “Islamischer Staat“ auch über die von ihm kontrollierten Gebiete in Syrien und dem Irak hinaus, eine Bedrohung für den Frieden und die internationale Sicherheit darstellt. Inzwischen gilt der IS “Islamischer Staat“ im Irak und in Syrien als geschlagen, jedoch noch nicht als abschließend besiegt. Nach wie vor sind internationale Missionen notwendig, um den Irak zu stabilisieren. Der Kampf wurde und wird von einer breiten Koalition aus mehr als 60 Nationen getragen – darunter auch Deutschland. Diese Operationen sind bekannt unter dem Namen „Inherent Resolve“ und sind eingebettet in einen breiten sicherheitspolitischen Ansatz. Die Ziele sind, den IS“Islamischer Staat“ zu besiegen sowie Syrien und die Region mit ihren unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nachhaltig politisch zu befrieden. Im März 2018 wurden die bis dahin bestehenden, getrennten Einsatzkontingente in Jordanien und im Irak zu einem zusammengefasst. Am 24. Oktober 2019 wurde der Einsatz erneut durch den Deutschen Bundestag verlängert, allerdings unterscheidet das Mandat in Bezug auf die Dauer seiner Gültigkeit nun zwischen den beiden Einsatzräumen: Während der Einsatz „Counter Daesh“ in Jordanien am 31. März 2020 auslaufen soll, endet das Mandat für den Einsatz „Capacity Building Iraq“ am 31.10.2020 und damit ein halbes Jahr später. Für die eingesetzten Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr ergeben sich daraus unter anderem folgende Aufgaben: Aufklärung aus der Luft, Einsatzunterstützung durch Tankflugzeuge, See- und Luftraumüberwachung, auch durch Beteiligung an AWACSAirborne Early Warning and Control System -Flügen der NATONorth Atlantic Treaty Organization, Austausch und Abgleich von Lageinformationen mit weiteren Teilnehmern der Anti-IS“Islamischer Staat“-Koalition, Durchführung von spezialisierten militärischen Lehrgängen im Nord- und Zentralirak, Schwerpunkt ist dabei die Ausbildung von Führungskräften der zentralirakischen Streitkräfte mit dem Ziel des Aufbaus nachhaltiger Fähigkeiten, genannt „Capacity Building“ Qasem Soleimani war ein iranischer Offizier. Viele Beobachter sehen ihn als einen der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung der iranischen Einflussphäre auf weite Teile des Nahen Ostens. Am 3. Januar 2020 wurde er auf Befehl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump unter Einsatz einer Drohne vom US-amerikanischen Militär im Irak getötet.

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