Stimmt die Statistik zur Arbeitslosigkeit?

Die Zahl der Arbeits­lo­sen ist sowohl deutsch­land­weit als auch in August­dorf im Jahr 2019 wei­ter zurück­ge­gan­gen: Im Durch­schnitt des Jah­res waren es 274 Per­so­nen. Im Ver­gleich zum Vor­jahr ist das ein Rück­gang um 30 Per­so­nen (Jah­res­durch­schnitt 2018: 314 Per­so­nen). So heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung von Bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as Wulf (Die AN berich­te­ten)

Stimmt die Sta­tis­tik?

Jeden Monat ver­öf­fent­licht die Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) die offi­zi­el­le Zahl der Arbeits­lo­sen. Tat­säch­lich sind aber weit mehr Men­schen de fac­to arbeits­los. Wer in Deutsch­land nach dem amt­li­chen Ver­ständ­nis arbeits­los ist, ergibt sich aus dem SGB III. Im Prin­zip ist die­se gesetz­li­che Defi­ni­ti­on weit gefasst: Sie umfasst alle Erwach­se­nen, die kei­ne Arbeit haben oder weni­ger als 15 Stun­den pro Woche arbei­ten, eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung suchen und für einen Job durch Ver­mitt­lung der Arbeits­agen­tu­ren sofort ver­füg­bar sind.

Zudem müs­sen sich die Betrof­fe­nen bei einer Agen­tur für Arbeit per­sön­lich arbeits­su­chend gemel­det haben. Detail­vor­schrif­ten füh­ren aber dazu, dass Mil­lio­nen Men­schen die Kri­te­ri­en in der Pra­xis nicht erfül­len und in der Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik nicht auf­tau­chen. Gene­rell nicht als Arbeits­lo­se ange­se­hen wer­den Schü­ler, Stu­den­ten und Rent­ner, auch wenn sie im erwerbs­fä­hi­gen Alter sind. Gene­rell kön­nen nur Per­so­nen als arbeits­los gel­ten, die min­des­tens 15 Jah­re alt sind und noch nicht die gesetz­li­che Regel­al­ters­gren­ze über­schrit­ten haben.

Wer sich nicht zur Arbeits­su­che mel­det, taucht in der Sta­tis­tik nicht auf. Glei­ches gilt für alle, die nicht min­des­tens 15 Stun­den pro Woche arbei­ten könn­ten oder wol­len. Auch wer krank­ge­schrie­ben ist, fällt in die­ser Zeit aus der Sta­tis­tik. In der Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik feh­len aber vor allem jene, die durch Instru­men­te der Arbeits­markt­po­li­tik geför­dert wer­den. Das betrifft die Fort- und Wei­ter­bil­dung genau­so wie Trai­nings- und Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men. Wer einen Ein-Euro-Job hat oder einen Grün­dungs­zu­schuss erhält, ist damit offi­zi­ell nicht arbeits­los.

In der Sta­tis­tik feh­len zudem alle Per­so­nen ab einem Alter von 58 Jah­ren, die min­des­tens seit zwölf Mona­ten Arbeits­lo­sen­geld II bezie­hen und in die­ser Zeit kei­ne sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung ange­bo­ten bekom­men haben. Zusätz­lich streicht die Arbeits­agen­tur alle aus der Sta­tis­tik, die eine Ver­mitt­lung erschwe­ren, weil sie ihre Pflich­ten bei der Job­su­che nicht erfül­len — zum Bei­spiel, weil sie nicht oder nicht zeit­nah dazu bereit sind, an Maß­nah­men der Arbeits­agen­tu­ren teil­zu­neh­men, oder weil sie sich wei­gern, eine „zumut­ba­re Beschäf­ti­gung unter den übli­chen Bedin­gun­gen des für sie oder ihn in Betracht kom­men­den Arbeits­mark­tes“ anzu­neh­men.

Wie vie­le Jobs in Deutsch­land und somit auch in August­dorf feh­len, lässt sich nur schät­zen. Die BA ver­öf­fent­licht neben der Arbeits­lo­sen­zahl wei­te­re Wer­te, um die Lücke feh­len­der Jobs zu ver­deut­li­chen. Die soge­nann­te „Arbeits­lo­sig­keit im wei­te­ren Sin­ne“ umfasst zusätz­lich all jene, die durch bestimm­te Instru­men­te der Arbeits­markt­po­li­tik geför­dert wer­den (zum Bei­spiel Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­men, Ein-Euro-Jobs, beruf­li­che Wei­ter­bil­dung) oder nur aus der offi­zi­el­len Sta­tis­tik fal­len, weil sie über 58 Jah­re alt sind und min­des­tens zwölf Mona­te kein Ange­bot für eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung erhal­ten haben. Die­se Zahl lag 2018 um rund 357.000 höher als die offi­zi­el­le Arbeits­lo­sen­zahl.

Zusätz­lich gibt die BA jeden Monat auch die soge­nann­te Unter­be­schäf­ti­gung an. Sie umfasst neben der „Arbeits­lo­sig­keit im wei­te­ren Sin­ne“ zahl­rei­che wei­te­re Bür­ger, die von der För­de­rung durch die Arbeits­agen­tu­ren pro­fi­tie­ren (zum Bei­spiel Grün­dungs­zu­schuss, Ein­stiegs­geld) oder krank­ge­schrie­ben sind. Neben die­ser „Unter­be­schäf­ti­gung im enge­ren Sin­ne“ gibt es noch den wei­tes­ten Begriff der Unter­be­schäf­ti­gung, der zusätz­lich noch Kurz­ar­bei­ter und Per­so­nen in Alters­teil­zeit umfasst. Die­se Unter­be­schäf­ti­gung nach der Defi­ni­ti­on der BA lag im Jahr 2018 um 990.000 Per­so­nen höher als die offi­zi­el­le Arbeits­lo­sen­zahl.

Die Redak­ti­on prüft zur Zeit die Aus­wir­kung auf die Sta­tis­tik für August­dorf.

 

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Die Zahl der Arbeitslosen ist sowohl deutschlandweit als auch in Augustdorf im Jahr 2019 weiter zurückgegangen: Im Durchschnitt des Jahres waren es 274 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 30 Personen (Jahresdurchschnitt 2018: 314 Personen). So heißt es in einer Pressemitteilung von Bürgermeister Dr. Andreas Wulf (Die AN berichteten) Stimmt die Statistik? Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit (BA) die offizielle Zahl der Arbeitslosen. Tatsächlich sind aber weit mehr Menschen de facto arbeitslos. Wer in Deutschland nach dem amtlichen Verständnis arbeitslos ist, ergibt sich aus dem SGB III. Im Prinzip ist diese gesetzliche Definition weit gefasst: Sie umfasst alle Erwachsenen, die keine Arbeit haben oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen und für einen Job durch Vermittlung der Arbeitsagenturen sofort verfügbar sind. Zudem müssen sich die Betroffenen bei einer Agentur für Arbeit persönlich arbeitssuchend gemeldet haben. Detailvorschriften führen aber dazu, dass Millionen Menschen die Kriterien in der Praxis nicht erfüllen und in der Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen. Generell nicht als Arbeitslose angesehen werden Schüler, Studenten und Rentner, auch wenn sie im erwerbsfähigen Alter sind. Generell können nur Personen als arbeitslos gelten, die mindestens 15 Jahre alt sind und noch nicht die gesetzliche Regelaltersgrenze überschritten haben. Wer sich nicht zur Arbeitssuche meldet, taucht in der Statistik nicht auf. Gleiches gilt für alle, die nicht mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten könnten oder wollen. Auch wer krankgeschrieben ist, fällt in dieser Zeit aus der Statistik. In der Arbeitslosenstatistik fehlen aber vor allem jene, die durch Instrumente der Arbeitsmarktpolitik gefördert werden. Das betrifft die Fort- und Weiterbildung genauso wie Trainings- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Wer einen Ein-Euro-Job hat oder einen Gründungszuschuss erhält, ist damit offiziell nicht arbeitslos. In der Statistik fehlen zudem alle Personen ab einem Alter von 58 Jahren, die mindestens seit zwölf Monaten Arbeitslosengeld II beziehen und in dieser Zeit keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen haben. Zusätzlich streicht die Arbeitsagentur alle aus der Statistik, die eine Vermittlung erschweren, weil sie ihre Pflichten bei der Jobsuche nicht erfüllen - zum Beispiel, weil sie nicht oder nicht zeitnah dazu bereit sind, an Maßnahmen der Arbeitsagenturen teilzunehmen, oder weil sie sich weigern, eine „zumutbare Beschäftigung unter den üblichen Bedingungen des für sie oder ihn in Betracht kommenden Arbeitsmarktes“ anzunehmen. Wie viele Jobs in Deutschland und somit auch in Augustdorf fehlen, lässt sich nur schätzen. Die BA veröffentlicht neben der Arbeitslosenzahl weitere Werte, um die Lücke fehlender Jobs zu verdeutlichen. Die sogenannte „Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne“ umfasst zusätzlich all jene, die durch bestimmte Instrumente der Arbeitsmarktpolitik gefördert werden (zum Beispiel Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Ein-Euro-Jobs, berufliche Weiterbildung) oder nur aus der offiziellen Statistik fallen, weil sie über 58 Jahre alt sind und mindestens zwölf Monate kein Angebot für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhalten haben. Diese Zahl lag 2018 um rund 357.000 höher als die offizielle Arbeitslosenzahl. Zusätzlich gibt die BA jeden Monat auch die sogenannte Unterbeschäftigung an. Sie umfasst neben der „Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne“ zahlreiche weitere Bürger, die von der Förderung durch die Arbeitsagenturen profitieren (zum Beispiel Gründungszuschuss, Einstiegsgeld) oder krankgeschrieben sind. Neben dieser „Unterbeschäftigung im engeren Sinne“ gibt es noch den weitesten Begriff der Unterbeschäftigung, der zusätzlich noch Kurzarbeiter und Personen in Altersteilzeit umfasst. Diese Unterbeschäftigung nach der Definition der BA lag im Jahr 2018 um 990.000 Personen höher als die offizielle Arbeitslosenzahl. Die Redaktion prüft zur Zeit die Auswirkung auf die Statistik für Augustdorf.  

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