Wie funktioniert eigentlich die Kläranlage?

Was passiert eigentlich mit dem Wasser, dass durch die Toilette rauscht? Wo fließt das Wasser der Badewanne oder aus der Küche hin? Natürlich es fließt zur Kläranlage. Aber was passiert dann dort genau und wie gelangt das Schmutzwasser wieder in den Kreislauf? Und wie kann es sein, dass das Toilettenwasser nachher wieder Trinkwasserqualität bekommt? Diesen Fragen sind die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN einmal nachgegangen.

Die Anlage aus der Vogelperspektive. Im Hintergrund ist der Bau der vierten Reinigungsstufe erkennbar. (Foto: Wolff)

Armin Zimmermann, Leiter der Gemeindewerke, Oliver Rahlmeyer, Abwassermeister und Leiter der Augustdorfer Kläranlage und die stellvertretende Leiterin der Gemeindewerke, Ina Hackemack haben sich viel Zeit genommen und gehen mit mir Schritt für Schritt den Weg, den das Wasser auch fließt, bis es auf der anderen Seite der Kläranlage wieder in den Ölbach eingeleitet wird.

Das Augustdorfer Kanalnetz besteht aus einem Trennsystem. „Lediglich Am Dören existiert ein Mischwassergebiet, so dass von dort Regen- und Schmutzwasser zusammen durch die Kanalisation transportiert wird“, erklärt Armin Zimmermann.

Durch zwei Sammler gelangt das gesamte Wasser dann zur sogenannten Schnecke auf dem Gelände der Kläranlage, die den Beginn des verschiedenen Reinigungstufen darstellt und die das Wasser ein paar Meter nach oben „auf Bearbeitungshöhe transportiert.“

„Wenn wir viel Wasser reinbekommen, kann die Schnecke bis zu 65 Liter in der Sekunde transportieren, im Normallfall pumpt sie 25 Liter in der Sekunde“, erklärt Rahlmeyer den Anfang der Kläranlage, die 1974 gebaut wurde.

Von der Schnecke wird das Wasser nun in das nur wenige Meter entfernte Rechengebäude transportiert, das die erste Reinigungsstufe, die „mechanische Reinigung“ darstellt.

Dort wird das Wasser nun von einem Stufenrechen von den Grob- und Faserstoffen, wie Textilien, Plastik, Hygieneartikel, „manchmal finden wir auch Gebisse“, so Ina Hackemack, befreit. An dieser Stelle wird deutlich, wie viel Abfall leider immer noch fortgespült wird. „Abfall gehört nicht in die Kanalisation“, erklärt Rahlmeyer. Die angefallenen Rückstände werden gepresst und im Container zur Verbrennung gefahren.

Von dort fließt das Wasser weiter zum Sandfang. Dieses ist die zweite Stufe der mechanischen Reinigung und dient dazu, das Abwasser von feinen Feststoffen, wie Sand, Steinen oder Glassplittern sowie von Fetten und Ölen, zu reinigen.

„Wir haben hier bei uns in Augustdorf einem belüfteten Sandfang“, erläutert Zimmermann. Dabei wird von unten Luft in das knapp 20 Meter lange und drei Meter tiefe Becken eingeblasen, wodurch die Schwebstoffe absinken und sich am Boden sammeln.

Mithilfe von Sandpumpen können diese sedimentierten Partikel aus der Absatzrinne am Boden des Sandfangs abgesaugt werden. Öle und Fette hingegen werden durch die walzenförmige Weiterbewegung in ein Nebenbecken geleitet. „Der Sand wird unter anderem für den Straßenbau weiterverwendet“, erklärt Zimmermann.

Nach der Sandentfernung beginnt nun die zweite Reinigungsstufe, die im biologischen Belebungsbecken stattfindet. Viel oder wenig Sauerstoff heißt hier die Devise für die Mikroorganismen. So können Kohlenstoff und Stickstoff in einem Reinigungsschritt abgebaut werden. Sauerstoffzufuhr und sauerstoffarme Zonen wechseln einander in den verschiedenen Beckenzonen ab. Das Ergebnis ist der Abbau von Stickstoff, der im Abwasser als Ammonium gebunden ist. Mikroorganismen wandeln das Ammonium in Nitrat um, andere Mikroorganismen wandeln den im Nitrat vorhandenen Stickstoff in gasförmigen Stickstoff um.

Nachdem das Wasser noch das Nachklärbecken durchlaufen hat, wird es in den nahegelegenen Ölbach eingeleitet, der zum Flusssystem der Ems gehört, aus der wiederum Trinkwasser gewonnen wird.

Die zuvor im Abwasser enthaltenen gelösten Phosphorverbindungen werden vorher noch durch Zugabe eines sogenannten Fällungsmittels in ungelöste Verbindungen übergeführt und mit dem Klärschlamm entfernt, der, nachdem er erst noch einmal durch den Eindicker und das Schlammsilo kommt, in den sogenannten Dekanter.

Ein Dekanter lässt sich als ein Absetzbecken betrachten, das sich um eine Achse wickelt. Im Absetzbecken bewegen sich die Feststoffteilchen, die schwerer als die Flüssigkeit sind, durch die Schwerkraft zum Boden und bilden am Grund des Beckens ein Sediment. In einer Zentrifuge erfolgt die Trennung der Feststoff- und Flüssig-Phase mit Hilfe der Zentrifugalbeschleunigung.

In der sich drehenden Trommel der Zentrifuge bewegen sich die Feststoffteilchen, die eine höhere Dichte aufweisen und somit schwerer als die Flüssigkeit sind, mittels Zentrifugalkraft nach außen. Sie bilden ein Sediment an der inneren Wand der Zentrifugentrommel.

Von dort gelangt der Klärschlamm in die Solartrocknungsanlage. Dort wird dieser per Gewächshausprinzip durch Sonneneinstrahlung erwärmt und vom Wasser befreit. „Durch die Trocknung reduziert sich der Wasseranteil auf 25 Prozent und die Schlammenge von 900 auf 300 Tonnen im Jahr“, erklärt Zimmermann.

Und damit befinde ich mich auch schon am Ende des Weges von Wasser und Klärschlamm, jedenfalls für die kommenden Monate. Denn dann soll die vierte Reinigungsstufe in Kraft treten.

Erfahren Sie am 27.2. in den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, wann diese fertig sein wird und was Ozon damit zu tun hat.

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Was passiert eigentlich mit dem Wasser, dass durch die Toilette rauscht? Wo fließt das Wasser der Badewanne oder aus der Küche hin? Natürlich es fließt zur Kläranlage. Aber was passiert dann dort genau und wie gelangt das Schmutzwasser wieder in den Kreislauf? Und wie kann es sein, dass das Toilettenwasser nachher wieder Trinkwasserqualität bekommt? Diesen Fragen sind die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN einmal nachgegangen. [caption id="attachment_5654" align="alignleft" width="300"] Die Anlage aus der Vogelperspektive. Im Hintergrund ist der Bau der vierten Reinigungsstufe erkennbar. (Foto: Wolff)[/caption] Armin Zimmermann, Leiter der Gemeindewerke, Oliver Rahlmeyer, Abwassermeister und Leiter der Augustdorfer Kläranlage und die stellvertretende Leiterin der Gemeindewerke, Ina Hackemack haben sich viel Zeit genommen und gehen mit mir Schritt für Schritt den Weg, den das Wasser auch fließt, bis es auf der anderen Seite der Kläranlage wieder in den Ölbach eingeleitet wird. Das Augustdorfer Kanalnetz besteht aus einem Trennsystem. "Lediglich Am Dören existiert ein Mischwassergebiet, so dass von dort Regen- und Schmutzwasser zusammen durch die Kanalisation transportiert wird", erklärt Armin Zimmermann. Durch zwei Sammler gelangt das gesamte Wasser dann zur sogenannten Schnecke auf dem Gelände der Kläranlage, die den Beginn des verschiedenen Reinigungstufen darstellt und die das Wasser ein paar Meter nach oben "auf Bearbeitungshöhe transportiert." "Wenn wir viel Wasser reinbekommen, kann die Schnecke bis zu 65 Liter in der Sekunde transportieren, im Normallfall pumpt sie 25 Liter in der Sekunde", erklärt Rahlmeyer den Anfang der Kläranlage, die 1974 gebaut wurde. Von der Schnecke wird das Wasser nun in das nur wenige Meter entfernte Rechengebäude transportiert, das die erste Reinigungsstufe, die "mechanische Reinigung" darstellt. Dort wird das Wasser nun von einem Stufenrechen von den Grob- und Faserstoffen, wie Textilien, Plastik, Hygieneartikel, "manchmal finden wir auch Gebisse", so Ina Hackemack, befreit. An dieser Stelle wird deutlich, wie viel Abfall leider immer noch fortgespült wird. "Abfall gehört nicht in die Kanalisation", erklärt Rahlmeyer. Die angefallenen Rückstände werden gepresst und im Container zur Verbrennung gefahren. Von dort fließt das Wasser weiter zum Sandfang. Dieses ist die zweite Stufe der mechanischen Reinigung und dient dazu, das Abwasser von feinen Feststoffen, wie Sand, Steinen oder Glassplittern sowie von Fetten und Ölen, zu reinigen. "Wir haben hier bei uns in Augustdorf einem belüfteten Sandfang", erläutert Zimmermann. Dabei wird von unten Luft in das knapp 20 Meter lange und drei Meter tiefe Becken eingeblasen, wodurch die Schwebstoffe absinken und sich am Boden sammeln. Mithilfe von Sandpumpen können diese sedimentierten Partikel aus der Absatzrinne am Boden des Sandfangs abgesaugt werden. Öle und Fette hingegen werden durch die walzenförmige Weiterbewegung in ein Nebenbecken geleitet. "Der Sand wird unter anderem für den Straßenbau weiterverwendet", erklärt Zimmermann. Nach der Sandentfernung beginnt nun die zweite Reinigungsstufe, die im biologischen Belebungsbecken stattfindet. Viel oder wenig Sauerstoff heißt hier die Devise für die Mikroorganismen. So können Kohlenstoff und Stickstoff in einem Reinigungsschritt abgebaut werden. Sauerstoffzufuhr und sauerstoffarme Zonen wechseln einander in den verschiedenen Beckenzonen ab. Das Ergebnis ist der Abbau von Stickstoff, der im Abwasser als Ammonium gebunden ist. Mikroorganismen wandeln das Ammonium in Nitrat um, andere Mikroorganismen wandeln den im Nitrat vorhandenen Stickstoff in gasförmigen Stickstoff um. Nachdem das Wasser noch das Nachklärbecken durchlaufen hat, wird es in den nahegelegenen Ölbach eingeleitet, der zum Flusssystem der Ems gehört, aus der wiederum Trinkwasser gewonnen wird. Die zuvor im Abwasser enthaltenen gelösten Phosphorverbindungen werden vorher noch durch Zugabe eines sogenannten Fällungsmittels in ungelöste Verbindungen übergeführt und mit dem Klärschlamm entfernt, der, nachdem er erst noch einmal durch den Eindicker und das Schlammsilo kommt, in den sogenannten Dekanter. Ein Dekanter lässt sich als ein Absetzbecken betrachten, das sich um eine Achse wickelt. Im Absetzbecken bewegen sich die Feststoffteilchen, die schwerer als die Flüssigkeit sind, durch die Schwerkraft zum Boden und bilden am Grund des Beckens ein Sediment. In einer Zentrifuge erfolgt die Trennung der Feststoff- und Flüssig-Phase mit Hilfe der Zentrifugalbeschleunigung. In der sich drehenden Trommel der Zentrifuge bewegen sich die Feststoffteilchen, die eine höhere Dichte aufweisen und somit schwerer als die Flüssigkeit sind, mittels Zentrifugalkraft nach außen. Sie bilden ein Sediment an der inneren Wand der Zentrifugentrommel. Von dort gelangt der Klärschlamm in die Solartrocknungsanlage. Dort wird dieser per Gewächshausprinzip durch Sonneneinstrahlung erwärmt und vom Wasser befreit. "Durch die Trocknung reduziert sich der Wasseranteil auf 25 Prozent und die Schlammenge von 900 auf 300 Tonnen im Jahr", erklärt Zimmermann. Und damit befinde ich mich auch schon am Ende des Weges von Wasser und Klärschlamm, jedenfalls für die kommenden Monate. Denn dann soll die vierte Reinigungsstufe in Kraft treten. Erfahren Sie am 27.2. in den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, wann diese fertig sein wird und was Ozon damit zu tun hat.

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