Verwaltung verschwendet kostbare Zeit für Alleingang

„In der Krise hält man zusam­men.” Was in anderen Kom­munen eine Selb­stver­ständlichkeit ist, offen­bart sich in August­dorf lei­der als from­mer Wun­sch — zumin­d­est in Teilen des poli­tis­chen Bere­ichs.

Während sich in der Sen­nerandge­meinde zahlre­iche pri­vate Ini­tia­tiv­en grün­den, um Kranken zu helfen, viele Ehre­namtliche unter­wegs sind, um Einkäufe für andere zu erledi­gen, Geschäfte tollen Lieferser­vice anbi­eten, um zu unter­stützen, kapselt sich die Ver­wal­tung nach Mei­n­ung einiger August­dor­fer ab. Aber nicht nur das. Es wer­den Syn­ergien und Ressourcen ver­schwen­det, um selb­st bess­er dazuste­hen, anstatt gemein­sam in der Krise zu arbeit­en und alle zu informieren.

Nach Aus­sagen einiger Ver­wal­tungsmi­tar­beit­er zeigte sich Bürg­er­meis­ter Dr. Andreas Wulf äußerst irri­tiert über die Tat­sache, dass die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN in der ver­gan­genen Woche die Audio­dateien für die Coro­na-Regelun­gen in ver­schiede­nen Sprachen veröf­fentlicht­en, kurz nach­dem diese per Laut­sprech­er in der Gemeinde bekan­nt gegeben wur­den. „Wer hat das der Redak­tion gegeben?” soll er mehrere Mitar­beit­er entrüstet gefragt haben. Dabei waren das keine gemein­deeige­nen Dateien, son­dern Auf­nah­men, die von Koop­er­a­tionspart­nern der Quartiers­man­agerin Susanne Ger­necke und des Kom­mu­nalen Inte­gra­tionszen­trums (KI), die als Über­set­zer fungieren, der Gemeinde zur Ver­fü­gung gestellt wur­den.

Bevor die AN am darauf­fol­gen­den Mon­tag dann die neuen Regelun­gen durch die Über­set­zer in 13 Sprachen veröf­fentlicht hat­te, war Sozialar­bei­t­erin Susanne Ger­necke bei der Gemeinde August­dorf vorstel­lig gewor­den und hat­te dort nachge­fragt, ob die Ver­wal­tung nicht noch ein­mal die Aktion mit den Audio­dateien wieder­holen wolle. Erst nach­dem sie keine Antwort von der Gemeinde erhielt, sprach sie die Redak­tion der AN an.

Während die Ver­wal­tun­gen und Ini­tia­tiv­en ander­er Kom­munen die kosten­losen Über­set­zun­gen dankbar in Anspruch nehmen und bei sich ein­set­zen — neben Horn Bad-Mein­berg und Schieder-Schwalen­berg auch Duis­burg, Dort­mund und zahlre­iche andere Städte, griff die August­dor­fer Ver­wal­tung nicht darauf zurück, obwohl ihr die kosten­losen Dateien am Dien­stag von Ger­necke schriftlich ange­boten wur­den — bis heute meldete sich aber nie­mand.

Stattdessen veröf­fentlichte die Ver­wal­tung am Fre­itag eine Pressemit­teilung, in der zu lesen war, dass „die Gemein­de­v­er­wal­tung in Zusam­me­nar­beit mit Part­nern neue Sprach­dateien zu den wesentlichen Regeln der Coro­na-Schutzverord­nung des Lan­des erstellt” — also genau das, was schon seit ein­er Woche vor­liegt und die ganze Zeit genutzt wer­den kön­nte.

An diese Stelle wird es jet­zt richtig kurios: Denn wed­er das Kom­mu­nale Inte­gra­tionszen­trum noch Sozialar­bei­t­erin Susanne Ger­necke wis­sen von solch ein­er Zusam­me­nar­beit. Beim KI heißt es: „Die Dateien gibt es doch, die Gemeinde kön­nte diese doch längst nutzen, wenn sie ein­fach die Redak­tion der AN ange­fragt hätte”. In der Behörde ver­weist sog­ar ein Link auf die Seite der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN mit den Dateien. Auch Susanne Ger­necke erk­lärt, dass sie von der Gemeinde über die Aktion nicht informiert wor­den sei. „Ich habe ja sog­ar meine Hil­fe ange­boten”, erk­lärt sie ver­stört.

Stattdessen schrieb die Ver­wal­tung die Über­set­zer direkt an und bat diese, einen Text, der die seit Mon­tag gel­tenden Regeln bein­hal­tet, zu über­set­zen. Das müsse unter dem Man­tel der „Ver­schwiegen­heit” geschehen, heißt es in der E‑Mail. Den Über­set­zern  wurde mit­geteilt, dass diese wed­er den Text noch die Audio­dateien an andere Per­so­n­en weit­ergeben soll­ten. Man solle mit nie­man­dem über das Pro­jekt sprechen.

Sowohl Über­set­zer als auch Beteiligte zeigten sich irri­tiert: Warum fragt die Gemeinde nicht ein­fach nach den Audio­dateien, die schon lange und bekan­nter­maßen vor­liegen? Warum dop­pelte Arbeit machen? Aber vor allem: Warum diese Geheimhal­tung? Je mehr Leute es wis­sen, umso bess­er ist es doch! „Die August­dor­fer Ver­wal­tung bringt uns bewusst in einen Loy­al­ität­skon­flikt, indem man uns vorschreibt, dass wir mit keinem über unsere Über­set­zung sprechen dür­fen”, erk­lären einige der Über­set­zer. Die Gemeinde hat nach ihrer Ansicht eine Woche kost­bare Zeit ver­schwen­det, die August­dor­fer zu informieren. „Das ist fahrläs­sig und schadet allen August­dor­fern”, so die Aus­sage. „Durch eine frühere Koop­er­a­tion hätte auch die Grill­par­ty am Dören eventuell ver­hin­dert wer­den kön­nen”, zeigen sich andere überzeugt.

Der Redak­tion wurde der Text, den die Über­set­zer beka­men, aus der Ver­wal­tung zuge­spielt; hier kön­nen Sie ihn nach­le­sen. Gut, dass einige den­noch den Mut gehabt haben, sich nicht an den erbete­nen Maulko­rb zu hal­ten. Denn die Frage bleibt im Raum ste­hen: „Warum diese Geheimhal­tung, anstatt Syn­ergien zu nutzen?” Denn der Text ist im Wesentlichen die NRW-Regelung, die auch auf der Web­seite des Min­is­teri­ums zu find­en ist — und mit kleinen Änderun­gen exakt der Text, der schon vor­liegt.

Warum also wird ange­botene Hil­fe nicht angenom­men? Die  AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hat­ten Bürg­er­meis­ter Wulf let­zte Woche ange­boten, ein wöchentlich­es Video aufzuze­ich­nen, in dem er sich an die Bevölkerung wen­den kann, wie viele sein­er Kol­le­gen es mit großem Erfolg tun. Bis heute hat die Redak­tion darauf keine Antwort erhal­ten. Auch von anderen Bürg­ern wurde Hil­fe ange­boten, ohne dass nach deren Angaben darauf reagiert wurde.

Die Audio­dateien, die auf den Seit­en der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN zu find­en sind, und mit­tler­weile knapp 40.000 Mal ange­hört wur­den, ste­hen der Gemeinde August­dorf, wie jedem anderen auch, jeden­falls weit­er­hin frei zur Ver­fü­gung — und ohne, dass jemand zum Stillschweigen ver­don­nert wurde.

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"In der Krise hält man zusammen." Was in anderen Kommunen eine Selbstverständlichkeit ist, offenbart sich in Augustdorf leider als frommer Wunsch - zumindest in Teilen des politischen Bereichs. Während sich in der Sennerandgemeinde zahlreiche private Initiativen gründen, um Kranken zu helfen, viele Ehrenamtliche unterwegs sind, um Einkäufe für andere zu erledigen, Geschäfte tollen Lieferservice anbieten, um zu unterstützen, kapselt sich die Verwaltung nach Meinung einiger Augustdorfer ab. Aber nicht nur das. Es werden Synergien und Ressourcen verschwendet, um selbst besser dazustehen, anstatt gemeinsam in der Krise zu arbeiten und alle zu informieren. Nach Aussagen einiger Verwaltungsmitarbeiter zeigte sich Bürgermeister Dr. Andreas Wulf äußerst irritiert über die Tatsache, dass die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN in der vergangenen Woche die Audiodateien für die Corona-Regelungen in verschiedenen Sprachen veröffentlichten, kurz nachdem diese per Lautsprecher in der Gemeinde bekannt gegeben wurden. "Wer hat das der Redaktion gegeben?" soll er mehrere Mitarbeiter entrüstet gefragt haben. Dabei waren das keine gemeindeeigenen Dateien, sondern Aufnahmen, die von Kooperationspartnern der Quartiersmanagerin Susanne Gernecke und des Kommunalen Integrationszentrums (KI), die als Übersetzer fungieren, der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurden. Bevor die AN am darauffolgenden Montag dann die neuen Regelungen durch die Übersetzer in 13 Sprachen veröffentlicht hatte, war Sozialarbeiterin Susanne Gernecke bei der Gemeinde Augustdorf vorstellig geworden und hatte dort nachgefragt, ob die Verwaltung nicht noch einmal die Aktion mit den Audiodateien wiederholen wolle. Erst nachdem sie keine Antwort von der Gemeinde erhielt, sprach sie die Redaktion der AN an. Während die Verwaltungen und Initiativen anderer Kommunen die kostenlosen Übersetzungen dankbar in Anspruch nehmen und bei sich einsetzen - neben Horn Bad-Meinberg und Schieder-Schwalenberg auch Duisburg, Dortmund und zahlreiche andere Städte, griff die Augustdorfer Verwaltung nicht darauf zurück, obwohl ihr die kostenlosen Dateien am Dienstag von Gernecke schriftlich angeboten wurden - bis heute meldete sich aber niemand. Stattdessen veröffentlichte die Verwaltung am Freitag eine Pressemitteilung, in der zu lesen war, dass "die Gemeindeverwaltung in Zusammenarbeit mit Partnern neue Sprachdateien zu den wesentlichen Regeln der Corona-Schutzverordnung des Landes erstellt" - also genau das, was schon seit einer Woche vorliegt und die ganze Zeit genutzt werden könnte. An diese Stelle wird es jetzt richtig kurios: Denn weder das Kommunale Integrationszentrum noch Sozialarbeiterin Susanne Gernecke wissen von solch einer Zusammenarbeit. Beim KI heißt es: "Die Dateien gibt es doch, die Gemeinde könnte diese doch längst nutzen, wenn sie einfach die Redaktion der AN angefragt hätte". In der Behörde verweist sogar ein Link auf die Seite der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN mit den Dateien. Auch Susanne Gernecke erklärt, dass sie von der Gemeinde über die Aktion nicht informiert worden sei. "Ich habe ja sogar meine Hilfe angeboten", erklärt sie verstört. Stattdessen schrieb die Verwaltung die Übersetzer direkt an und bat diese, einen Text, der die seit Montag geltenden Regeln beinhaltet, zu übersetzen. Das müsse unter dem Mantel der "Verschwiegenheit" geschehen, heißt es in der E-Mail. Den Übersetzern  wurde mitgeteilt, dass diese weder den Text noch die Audiodateien an andere Personen weitergeben sollten. Man solle mit niemandem über das Projekt sprechen. Sowohl Übersetzer als auch Beteiligte zeigten sich irritiert: Warum fragt die Gemeinde nicht einfach nach den Audiodateien, die schon lange und bekanntermaßen vorliegen? Warum doppelte Arbeit machen? Aber vor allem: Warum diese Geheimhaltung? Je mehr Leute es wissen, umso besser ist es doch! "Die Augustdorfer Verwaltung bringt uns bewusst in einen Loyalitätskonflikt, indem man uns vorschreibt, dass wir mit keinem über unsere Übersetzung sprechen dürfen", erklären einige der Übersetzer. Die Gemeinde hat nach ihrer Ansicht eine Woche kostbare Zeit verschwendet, die Augustdorfer zu informieren. "Das ist fahrlässig und schadet allen Augustdorfern", so die Aussage. "Durch eine frühere Kooperation hätte auch die Grillparty am Dören eventuell verhindert werden können", zeigen sich andere überzeugt. Der Redaktion wurde der Text, den die Übersetzer bekamen, aus der Verwaltung zugespielt; hier können Sie ihn nachlesen. Gut, dass einige dennoch den Mut gehabt haben, sich nicht an den erbetenen Maulkorb zu halten. Denn die Frage bleibt im Raum stehen: "Warum diese Geheimhaltung, anstatt Synergien zu nutzen?" Denn der Text ist im Wesentlichen die NRW-Regelung, die auch auf der Webseite des Ministeriums zu finden ist - und mit kleinen Änderungen exakt der Text, der schon vorliegt. Warum also wird angebotene Hilfe nicht angenommen? Die  AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hatten Bürgermeister Wulf letzte Woche angeboten, ein wöchentliches Video aufzuzeichnen, in dem er sich an die Bevölkerung wenden kann, wie viele seiner Kollegen es mit großem Erfolg tun. Bis heute hat die Redaktion darauf keine Antwort erhalten. Auch von anderen Bürgern wurde Hilfe angeboten, ohne dass nach deren Angaben darauf reagiert wurde. Die Audiodateien, die auf den Seiten der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN zu finden sind, und mittlerweile knapp 40.000 Mal angehört wurden, stehen der Gemeinde Augustdorf, wie jedem anderen auch, jedenfalls weiterhin frei zur Verfügung - und ohne, dass jemand zum Stillschweigen verdonnert wurde.

Kommentare zu “Verwaltung verschwendet kostbare Zeit für Alleingang

  1. Auch wenn die Pan­demie Coro­na uns fest im Griff hat , sollte doch das Prob­lem Bürg­er­meis­ter Dr. Wulf nicht ver­drängt wer­den . Man kann nur an die Reste von Ver­nun­ft und Ein­sicht dieser gestörten Per­sön­lichkeit appel­lieren, endlich seinen Stuhl zu räu­men. Der neuer­liche „Maulko­rb”, den er seinen Mitar­beit­ern ver­passt, sollte nun diese Schmierenkomödie des amok­laufend­en am Stuhl kleben­den Gestörten been­den. Die Dul­dung und wahrschein­lich sog­ar aus­drück­liche Genehmi­gung (mit sein­er Anwe­sen­heit ??) der Gottes­di­en­ste in zwei Bethäusern schon zu gefährlichem Höhep­unkt der Krise musste schon hin­genom­men wer­den mit der unsäglich unsin­ni­gen ver­stören­den Erk­lärung , es sei zu spät für Absage gewe­sen. Und auch die trick­re­iche Beschaf­fung /Rekrutierung von Stim­mvieh zur Ver­samm­lung des CDU Gemein­de­ver­ban­des hat man hin­nehmen müssen. Aber nun aus der schlimm­sten bedrohlichen Krise auch noch krampfhaft eigene Ver­di­en­ste zu ergat­tern mit viel­sprachiger Ansprache an die Bürg­er, obwohl die schon längst vorhan­den waren, das ist unerträglich. Inzwis­chen (siehe neueste Aus­gabe des „August­dor­fer !”) dis­tanzieren sich CDU Frak­tion und Gemein­de­ver­band von Dr. Wulf erschreck­end deut­lich. Aber das stört ihn nicht. Er baut noch immer auf die Zus­tim­mung aus den Bethäusern und auf die neuen Ewig-Gestri­gen und extrem Recht­en um Her­rn Brei­den­bach und Co. Das alles stört ihn nicht, weil er gestört ist„„„unübersehbar

  2. Zusatz zu meinem Kom­men­tar in der Sache :
    Inzwis­chen hat der Bürg­er­meis­ter in üblich­er wortre­ich­er kleinkari­ert­er Manier über Face­book ver­sucht , den Ein­druck zu ver­wis­chen, dass er sich mit eigen­er viel­sprachiger Nachricht an die Bürg­er in Szene set­zen wollte.
    Die Begrün­dung , dass nicht aus­drück­lich Grillen und all die beson­deren Umstände der vielköp­fi­gen rus­s­land­deutschen Groß­fam­i­lien im schon von anderen ver­fassten Text Berück­sich­ti­gung fan­den und daher ein spez­i­fisch August­dor­fer Text extra gefer­tigt und von ihm genehmigt wer­den müsse, sind sophis­tis­ch­er Blödsinn !!! Und dass die Mitar­beit­er der Ver­wal­tung wieder zur Schweigepflicht ver­don­nert wur­den, ist natür­lich wieder ein Missver­ständ­nis und wird irgen­deinem Mitar­beit­er zuge­ord­net. Die Zumu­tung , diesen seit­en­lan­gen Quatsch beim Lesen erdulden zu müssen , ist schlicht unver­schämt. Wie lange noch lassen sich die August­dor­fer diese Zumu­tung gefall­en ???

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