„Eine Quarantänestation Am Dören ist keine gute Idee!”

Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hat­ten am 1.4. einen Artikel veröf­fentlicht, in dem beschrieben wurde, dass die Gemeinde in der Sied­lung Am Dören in der Mit­tel­straße eine Quar­an­tänes­ta­tion ein­richtete. Bürg­er­meis­ter Dr. Andreas Wulf erk­lärte in ein­er Pressemit­teilung, dass „ent­ge­gen ein­er ander­slau­t­en­den Mel­dung” keine Bet­ten in die Woh­nung am Dören eingeräumt wor­den seien. Außer­dem sei die Angele­gen­heit bere­its in der ver­gan­genen Woche mit der Fir­ma Adler besprochen wor­den.

Dieser Darstel­lung wider­spricht Adler. „Bis Ende ver­gan­gener Woche gab es keinen Kon­takt zwis­chen der Geschäfts­führung von Adler Wohnen Ser­vice und der Ver­wal­tung August­dorf”, heißt es von dort. Das heißt, als die Umräu­mak­tion in der Woh­nung stat­tfand, wusste die Ver­mi­eterin Adler nichts von der poten­tiell anderen Nutzung.  Und Wulf habe auch am Mon­tag dieser Woche nicht mit der Geschäfts­führung gesprochen, son­dern mit ein­er nach­ge­ord­neten Mitar­bei­t­erin von Adler Wohnen/Service. Es ist nahe­liegend, dass dieses Tele­fonat erst durch die Anfrage der AN an den Bürg­er­meis­ter vom Fre­itag let­zter Woche zus­tande kam.

Es sei ungewöhn­lich, heißt es aus Unternehmen­skreisen, dass man sich nicht im Vor­feld abstimme. „Bei ein­er Nutzungsän­derung ist es generell üblich, dass sich Mieter und Ver­mi­eter im Vor­feld abstim­men“, erk­lärt Jür­gen Her­res, Press­esprech­er von Adler.

Der Haus­meis­ter, der am Dören tätig ist, bestätigte gegenüber Adler, dass er Gemein­demi­tar­beit­er ange­sprochen habe, als diese die Woh­nung desin­fizierten und säu­berten. Als er gefragt habe, was sie dort macht­en, sei ihm gesagt wor­den: „Das wird eine Quar­an­tänes­ta­tion; und das geht keinen etwas an, da die Gemeinde die Woh­nung mietet.”

Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hat­ten Bürg­er­meis­ter Wulf am Fre­itag ver­gan­gener Woche gefragt: „Ist die verän­derte Nutzung mit Adler als Ver­mi­eter vor der Räu­mung, bzw. Umräu­mung am 25.3. (in der Email hieß es verse­hentlich 25.4. Anm. der Redak­tion) abge­sprochen gewe­sen?” Diese Frage beant­wortete Wulf nicht. Wie heute rauskommt, wohl deshalb, weil es diese Absprache eben noch gar nicht gab.

Aber nicht nur Adler erk­lärt, erst am Mon­tag von Seit­en der Ver­wal­tung von der Aktion erfahren zu haben, auch die Poli­tik war nicht eingewei­ht. „Erst nach­dem der Bürg­er­meis­ter von der Presse gefragt wurde, warum denn in der von der Gemeinde angemieteten Woh­nung der Sied­lung „Am Dören“ nun eine Quar­an­tänes­ta­tion mit Bet­ten ein­gerichtet wurde, informierte Dr. Andreas Wulf die Frak­tionsvor­sitzen­den”, erk­lären Hein­rich Schnei­der, Peter Kaup und Roger Rit­ter. Wulf habe ihnen mit­geteilt, dass Coro­na-infizierte Flüchtlinge isoliert wer­den müssten und dass er für diese Fälle die angemietete Woh­nung „Am Dören“ vorge­se­hen habe.

Spon­tan ent­geg­nete Hein­rich Georg Schnei­der (SPD), dass es richtig und sehr wichtig sei, für infizierte oder in Quar­an­täne unterzubrin­gende Flüchtlinge Quar­an­tänemöglichkeit­en vorzuse­hen. Die Woh­nung in der Sied­lung „Am Dören“ stelle aber keine gute Lösung dar.

„Soll­ten sich hier weit­ere Per­so­n­en auf­grund dieser „Quar­an­täne-Woh­nung“ infizieren, bestünde eine große Wahrschein­lichkeit, dass sich das Virus auf­grund der dort konzen­tri­erten Miet­woh­nun­gen mit sehr vie­len Fam­i­lien und vie­len Kindern unkon­trol­liert in unser­er Gemeinde aus­bre­it­en kön­nte”, ist sich Schnei­der sich­er. Das sehen auch Experten vom Gesund­heit­samt so, mit denen die Redak­tion sprach. „In ein­er Sied­lung mit zahlre­ichen Fam­i­lien errichtet man keine Quar­an­tänes­ta­tion, wenn es noch andere Möglichkeit­en gibt”, heißt es dort.

Aus dem Grund bat Schnei­der den Bürg­er­meis­ter, die mobilen Wohn­heime auf dem ehe­ma­li­gen Bun­deswehrpark­latz als mögliche Quar­an­täne­un­terkün­fte zu prüfen. „Das ist doch sicher­lich die geeignetere Lösung für die Unter­bringung von infizierten Flüchtlin­gen. Hier wäre auch die Ein­hal­tung der Quar­an­täne bess­er kon­trol­lier­bar und auch durch­set­zbar. Diese mobilen Wohn­heime kön­nten schnell geräumt und die jet­zi­gen Bewohn­er ander­weit­ig unterge­bracht wer­den und somit kurzfristig als Quar­an­täne-Unterkün­fte zur Ver­fü­gung gestellt wer­den”, ist er sich sich­er.

Peter Kaup und Roger Rit­ter unter­stützen die Wohn­mo­bil­lö­sung. Gemein­sam forderten sie den Bürg­er­meis­ter auf, seine Entschei­dung nochmals zu über­denken. „Es muss alles unter­nom­men wer­den, um einen Flächen­brand auszuschließen”, so die Forderung.

Diese wird auch von zahlre­ichen Lesern unter­stützt, die sich gemeldet hat­ten, nach­dem die AN über die Idee der Ver­wal­tung berichtet hat­ten. In der E‑Mail ein­er Leserin, die am Dören wohnt, heißt es: „Am Dören eine Quar­an­tänewoh­nung einzuricht­en, ohne die Bevölkerung zu informieren und „mitzunehmen” führt sicher­lich ins­beson­dere bei Anwohn­ern des Dören zu Verun­sicherung und Äng­sten.” Der Bürg­er­meis­ter han­dele nicht trans­par­ent und nutze nicht seine Möglichkeit­en, die Bevölkerung umfassend zu informieren, so der Argu­men­ta­tion eines weit­eren Lesers. Für viele Leserin­nen und Leser ist aus den unter­schiedlich­sten Grün­den klar: „Eine Quar­an­tänes­ta­tion Am Dören ist keine gute Idee!”

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Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hatten am 1.4. einen Artikel veröffentlicht, in dem beschrieben wurde, dass die Gemeinde in der Siedlung Am Dören in der Mittelstraße eine Quarantänestation einrichtete. Bürgermeister Dr. Andreas Wulf erklärte in einer Pressemitteilung, dass "entgegen einer anderslautenden Meldung" keine Betten in die Wohnung am Dören eingeräumt worden seien. Außerdem sei die Angelegenheit bereits in der vergangenen Woche mit der Firma Adler besprochen worden. Dieser Darstellung widerspricht Adler. "Bis Ende vergangener Woche gab es keinen Kontakt zwischen der Geschäftsführung von Adler Wohnen Service und der Verwaltung Augustdorf", heißt es von dort. Das heißt, als die Umräumaktion in der Wohnung stattfand, wusste die Vermieterin Adler nichts von der potentiell anderen Nutzung.  Und Wulf habe auch am Montag dieser Woche nicht mit der Geschäftsführung gesprochen, sondern mit einer nachgeordneten Mitarbeiterin von Adler Wohnen/Service. Es ist naheliegend, dass dieses Telefonat erst durch die Anfrage der AN an den Bürgermeister vom Freitag letzter Woche zustande kam. Es sei ungewöhnlich, heißt es aus Unternehmenskreisen, dass man sich nicht im Vorfeld abstimme. „Bei einer Nutzungsänderung ist es generell üblich, dass sich Mieter und Vermieter im Vorfeld abstimmen“, erklärt Jürgen Herres, Pressesprecher von Adler. Der Hausmeister, der am Dören tätig ist, bestätigte gegenüber Adler, dass er Gemeindemitarbeiter angesprochen habe, als diese die Wohnung desinfizierten und säuberten. Als er gefragt habe, was sie dort machten, sei ihm gesagt worden: "Das wird eine Quarantänestation; und das geht keinen etwas an, da die Gemeinde die Wohnung mietet." Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN hatten Bürgermeister Wulf am Freitag vergangener Woche gefragt: „Ist die veränderte Nutzung mit Adler als Vermieter vor der Räumung, bzw. Umräumung am 25.3. (in der Email hieß es versehentlich 25.4. Anm. der Redaktion) abgesprochen gewesen?" Diese Frage beantwortete Wulf nicht. Wie heute rauskommt, wohl deshalb, weil es diese Absprache eben noch gar nicht gab. Aber nicht nur Adler erklärt, erst am Montag von Seiten der Verwaltung von der Aktion erfahren zu haben, auch die Politik war nicht eingeweiht. "Erst nachdem der Bürgermeister von der Presse gefragt wurde, warum denn in der von der Gemeinde angemieteten Wohnung der Siedlung „Am Dören“ nun eine Quarantänestation mit Betten eingerichtet wurde, informierte Dr. Andreas Wulf die Fraktionsvorsitzenden", erklären Heinrich Schneider, Peter Kaup und Roger Ritter. Wulf habe ihnen mitgeteilt, dass Corona-infizierte Flüchtlinge isoliert werden müssten und dass er für diese Fälle die angemietete Wohnung „Am Dören“ vorgesehen habe. Spontan entgegnete Heinrich Georg Schneider (SPD), dass es richtig und sehr wichtig sei, für infizierte oder in Quarantäne unterzubringende Flüchtlinge Quarantänemöglichkeiten vorzusehen. Die Wohnung in der Siedlung „Am Dören“ stelle aber keine gute Lösung dar. "Sollten sich hier weitere Personen aufgrund dieser „Quarantäne-Wohnung“ infizieren, bestünde eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus aufgrund der dort konzentrierten Mietwohnungen mit sehr vielen Familien und vielen Kindern unkontrolliert in unserer Gemeinde ausbreiten könnte", ist sich Schneider sicher. Das sehen auch Experten vom Gesundheitsamt so, mit denen die Redaktion sprach. "In einer Siedlung mit zahlreichen Familien errichtet man keine Quarantänestation, wenn es noch andere Möglichkeiten gibt", heißt es dort. Aus dem Grund bat Schneider den Bürgermeister, die mobilen Wohnheime auf dem ehemaligen Bundeswehrparklatz als mögliche Quarantäneunterkünfte zu prüfen. "Das ist doch sicherlich die geeignetere Lösung für die Unterbringung von infizierten Flüchtlingen. Hier wäre auch die Einhaltung der Quarantäne besser kontrollierbar und auch durchsetzbar. Diese mobilen Wohnheime könnten schnell geräumt und die jetzigen Bewohner anderweitig untergebracht werden und somit kurzfristig als Quarantäne-Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden", ist er sich sicher. Peter Kaup und Roger Ritter unterstützen die Wohnmobillösung. Gemeinsam forderten sie den Bürgermeister auf, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. "Es muss alles unternommen werden, um einen Flächenbrand auszuschließen", so die Forderung. Diese wird auch von zahlreichen Lesern unterstützt, die sich gemeldet hatten, nachdem die AN über die Idee der Verwaltung berichtet hatten. In der E-Mail einer Leserin, die am Dören wohnt, heißt es: "Am Dören eine Quarantänewohnung einzurichten, ohne die Bevölkerung zu informieren und "mitzunehmen" führt sicherlich insbesondere bei Anwohnern des Dören zu Verunsicherung und Ängsten." Der Bürgermeister handele nicht transparent und nutze nicht seine Möglichkeiten, die Bevölkerung umfassend zu informieren, so der Argumentation eines weiteren Lesers. Für viele Leserinnen und Leser ist aus den unterschiedlichsten Gründen klar: "Eine Quarantänestation Am Dören ist keine gute Idee!"

Ein Kommentar zu “„Eine Quarantänestation Am Dören ist keine gute Idee!”

  1. Natür­lich ist der Bürg­er­meis­ter wieder falsch ver­standen und zitiert wor­den, und er hat alles richtig gemacht, wie immer ohne Fehler ….inter­es­sant ist die selek­tive Wahrnehmung : weil eventuell keine Bet­ten in die Woh­nung getra­gen wur­den, haben die AN wie immer falsch berichtet.…..aber man kann beruhigt sein, denn die Gemein­dear­beit­er haben ja die Woh­nung vor­bere­it­et und natür­lich entsprechend ihres verord­neten bürg­er­meis­ter­lichen Maulko­rbs geäußert, dass das nie­mand was angeht.…und selb­stver­ständlich wur­den die Ratsmit­glieder vorher nicht informiert…….es bleibt also alles beim Alten : Zwang­haft per­sön­lichkeits­gestörte lächer­lich „präzise” Richtig­stel­lung in Form von Halb­wahrheit­en eines , der für alles alleine zuständig ist.…. Faz­it : Herr Dr. Wulf ändert sich nicht, man kann beruhigt sein.

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