„Heu­te Abend kann es mal lau­ter wer­den”, pro­phe­zei­te eine Anlie­ge­rin ihrer Nach­ba­rin auf dem Weg zum Orts­ter­min an der Trock­nungs­an­la­ge, zu der Bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as Wulf ein­ge­la­den hatte.

Knapp 50 Teil­neh­mer, inklu­si­ve Ver­tre­tern aus Poli­tik und Ver­wal­tung hat­ten sich auf dem Gelän­de der Klär­an­la­ge ver­sam­melt. Eine Unter­schrif­ten­ak­ti­on von 74 Per­so­nen hat­te zuvor dazu geführt, dass Wulf zu dem Orts­ter­min ein­ge­la­den hat­te, um „ein umfas­sen­de­res Bild zu bekom­men”, wie er den Ver­sam­mel­ten zu Beginn sagte.

Neben den Anlie­gern und Rats­mit­glie­dern waren unter ande­rem auch Armin Zim­mer­mann und Ina Hacke­mack von den Gemein­de­wer­ken, unter ande­rem der juris­ti­sche Dezer­nent Ron­ny Abra­ham von der Det­mol­der Bezirks­re­gie­rung anwe­send. Gera­de Letz­te­rer zog sich durch ein paar Äuße­run­gen den Unmut eini­ger Anwoh­ner auf sich.

Nach­dem sich die Grup­pe vor dem Objekt des Ärgers, der Solar­trock­nungs­an­la­ge ver­sam­melt hat­te, erläu­ter­te Betriebs­lei­ter Zim­mer­mann, dass dort im Augen­blick knapp 100 Ton­nen Klär­schlamm lägen und hat­te auch gleich eine gute Nach­richt im Gepäck.

„Ich habe die Zusi­che­rung, dass uns in den nächs­ten drei bis vier Wochen 100 bis 120 Ton­nen Klär­schlamm abge­nom­men wer­den”, erklär­te er den Anwoh­ner. Gleich­zei­tig mach­te er aber auch deut­lich, dass die­se Akti­on kei­ne Lösung für die Zukunft sei. „Das habe ich nur geschafft, weil ich zahl­rei­che Per­so­nen aus der Klär­schlamm­in­dus­trie ken­nen”, so Zim­mer­mann der beton­te, dass man sich nicht durch die Indus­trie unter Druck set­zen las­sen dürfe.

Die Fra­ge, ob die Gerü­che gesund­heits­schäd­lich sei­en, ver­nein­te Zim­mer­mann und erläu­ter­te, dass jeder Klär­schlamm unter­sucht wer­de. Da die Ana­ly­se zwei Wochen benö­ti­ge, daue­re es auch bis der Klär­schlamm abtrans­por­tiert wer­den kön­ne; die Aus­wer­tung der Pro­ben sei Vor­aus­set­zung für den Abtransport.

Auch die Fra­ge von Anwoh­nern, ob denn der Klär­schlamm woan­ders gela­gert wer­den kön­ne, wur­de abschlä­gig beschie­den. „Geset­ze ver­hin­dern, dass wir den Klär­schlamm zwi­schen­la­gern”, so Zimmermann.

Eine seit Jah­ren immer wie­der­keh­ren­de und auch an die­sem Abend geäu­ßer­te Fra­ge, lau­tet: „Darf die Trock­nungs­hal­le über­haupt so nah an ein Wohn­ge­biet gebaut wer­den?” „Das sind kei­ne 60 Meter bis zu unse­rem Haus”, warf eine emo­tio­na­le Anwoh­ne­rin ein. Dezer­nent Ron­ny Abra­ham erklär­te, dass das ein Abstands­er­lass und kein Gesetz sei. „Die­se Rege­lung greift hier nicht”, erklär­te er der Anwohnerin.

Dabei war es viel­leicht weni­ger die Infor­ma­ti­on als der Ton, der die Fra­ge­stel­le­rin dazu ver­an­lass­te, den Dezer­nen­ten als abge­ho­ben zu bezeich­nen, was die­ser mit einem küh­len „Haben Sie das Gefühl?” erwi­der­te und dar­auf noch stär­ke­ren Wider­spruch ern­te­te. Der Rest der Ver­ant­wort­li­chen war deut­lich um Dees­ka­la­ti­on bemüht. Auch Armin Zim­mer­mann ent­schul­dig­te sich an dem Abend mehr­fach bei den Anlie­gern, „falls ich Ihnen auf die Füße getre­ten bin.”

Andre­as Wulf mach­te deut­lich, dass die Geruchs­gut­ach­ten bestä­ti­gen, dass die Anlie­ger mit den Geruchs­be­schwer­den Recht hät­ten. „Jetzt suchen wir nach Lösun­gen”, so sein Versprechen.

Die­se sol­len unter ande­rem die Kami­ne sein, die ab Okto­ber den Gestank weit nach oben in die Luft ver­tei­len sol­len. Dabei mach­ten die Ver­tre­ter von der Bezirks­re­gie­rung auch deut­lich, dass die Vor­ge­hens­wei­se ein Her­an­tas­ten sei. „Es gibt noch zu wenig Erfah­rungs­wer­te, wie sich die Kami­ne aus­wir­ken. „Soll­te es auch danach noch zu Pro­ble­men kom­men, wer­den wir wei­ter nach­bes­sern”, ver­sprach Zim­mer­mann, der auch erklär­te, war­um die Klär­an­la­ge genau dort steht, wo sie ist. „Das ist August­dorfs tiefs­ter Punkt”, erklär­te er.

Auch der Geruch im letz­ten Jahr sei nicht auf die Trock­nungs­an­la­ge zurück­zu­füh­ren. „Das waren die Silos”, erklär­te Armin Zim­mer­mann, der ver­deut­lich­te, wie müh­se­lig man­ches von stat­ten gehe. „Ich habe im letz­ten August bereits zwei Deckel bestellt, die aber erst in die­sem Jahr gelie­fert wer­den”, berich­te­te er den Zuhörern.

Die Stim­mung unter den Teil­neh­mern war am Schluss der Ver­an­stal­tung gemischt. Von „Der Ärger konn­te ein wenig besänf­tigt wer­den” und „Es war gut, dass man mal alles offen bespre­chen konn­te”, über „Wir dre­hen uns nur im Kreis”, bis „War­ten wir ab”, waren alle Mei­nun­gen vertreten.

Abwar­ten will die SPD-Frak­ti­on jedoch nicht. Ihr Antrag über die sofor­ti­ge Tro­cken­le­gung der Anla­ge, habe wei­ter Bestand, erklär­te der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hein­rich-Georg Schnei­der im Anschluss an den Orts­ter­min und ergänzt: „Wir zie­hen das jetzt durch, den Anwoh­nern muss gehol­fen werden.”

Von Redaktion

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