Wenn Gün­ter Schlü­ter zu sei­nem Arbeits­platz, der Mili­tär­ge­schicht­li­chen Samm­lung der Pan­zer­bri­ga­de 21 kommt, ist es jedes­mal eine Zeit­rei­se, die er unter­nimmt. Denn auf 650 Qua­drat­me­ter Aus­stel­lungs­flä­che ste­hen Expo­na­te, die Zeug­nis über die auf­ge­lös­ten Batail­lo­ne und Kom­pa­nien der Bun­des­wehr am Stand­ort August­dorf ablegen.

Wer in das Haus an der August­dor­fer Allee 217, das mit­ten auf dem Kaser­nen­ge­län­de steht, ein­tritt, wird zuerst von einer alten Rit­ter­rüs­tung begrüßt. „Das ist aber eine Attrap­pe”, schmun­zelt Schlü­ter. Zwei Offi­zie­re, die zum Mas­ken­ball ver­ab­re­det waren, hät­ten die­se gefer­tigt. Alles ande­re in dem Gebäu­de hat tat­säch­lich his­to­ri­schen Wert.

„Die Samm­lung ver­deut­licht die Mili­tär­ge­schich­te in der Regi­on”, erklärt Schlü­ter, der zehn Mona­te im Jahr in dem Muse­um arbei­tet. Besu­cher kön­nen bei einem Rund­gang den Ursprung der Bun­des­wehr und die Ent­wick­lung der gepan­zer­ten Kampf­trup­pe nach­voll­zie­hen. 1700 Expo­na­te erzäh­len die Geschich­te der Bun­des­wehr. „Und ich habe noch eini­ges im Kel­ler ste­hen, was noch kata­lo­gi­siert wer­den muss”, erläu­tert der pen­sio­nier­te Ober­stabs­feld­we­bel, der vie­le Jahr­zehn­te sei­ner akti­ven Dienst­zeit in August­dorf ver­bracht hat.

Neben einem Bild von Erwin Rom­mel gibt es auch Boden­fun­de von den Kämp­fen, die in der Dören­schlucht statt­ge­fun­den haben. Dazu gehört neben einem bel­gi­schen Bajo­nett auch eine Beu­te­waf­fe, die Tokarev SVT-40. „Die könn­te viel­leicht zur Aus­bil­dung der Trup­pe gedient haben”, ver­mu­tet Schlüter.

Das Muse­um ist im ehe­ma­li­gen Stabs­ge­bäu­de des Pan­zer­auf­klä­rungs­ba­tail­lons unter­ge­bracht. „Als die­ses 2002 auf­eg­löst wur­de, gab es Bestre­bun­gen von Kame­ra­den, dass ein Ort zur Tra­di­ti­ons­pfle­ge geschaf­fen wer­den soll­te”, berich­tet Gün­ter Schlü­ter über die Anfän­ge. Für ihn ist das Gebäu­de aber mehr als eine rei­ne Erin­ne­rungs­stät­te. „Das Muse­um soll Wer­te und Nor­men ver­mit­teln und dient der his­to­risch-poli­ti­schen Bil­dung der Sol­da­ten”, macht der 59-Jäh­ri­ge deut­lich. Häu­fig kämen Kame­ra­den, um sich die Aus­stel­lung anzu­schau­en. „Man kann dann gut anhand der Geschich­te den Sinn der Bun­des­wehr erklä­ren”, so Schlüter.

Das Muse­um steht aber nicht nur Sol­da­ten, son­dern auch Zivi­lis­ten offen. „Ein Anruf genügt, wir machen einen Ter­min aus und dann hole ich Besu­cher ger­ne am Tor ab”, erklärt Schlü­ter, der unter­streicht, das im ver­gan­ge­nen Jahr fast 900 Besu­cher die Aus­stel­lung besucht haben. Wenn man ihn durch die Gän­ge des Muse­ums gehen sieht, wird deut­lich, wie sehr er sei­ne Arbeit liebt. Fast zärt­lich deu­tet er auf einen alten Schreib­tisch oder geht behut­sam an den aus­ge­stell­ten Batail­lons­fah­nen vorbei.

Aber die Füh­rung durch das Muse­um ist nur ein klei­ner Teil von Schlü­ters Auf­ga­ben. „Neben der Pfle­ge der Samm­lung und dem Kata­lo­gi­sie­ren hal­te ich auch Vor­trä­ge”, umreißt der ver­hei­ra­te­te Fami­li­en­va­ter sein Arbeits­spek­trum. Und als sei der Berufs­sol­dat damit noch nicht aus­ge­las­tet, plant er gleich schon die nächs­ten Arbei­ten. „Im Augen­blick ist der Umbau der unte­ren Eta­ge im Gan­ge, dann möch­te ich die Geschich­te der Bun­des­wehr anhand des Pan­zer­ba­tail­lons 214 nach­voll­zie­hen”, erklärt er. Einen der größ­ten Coups war es sicher­lich, dass Gün­ter Schlü­ter ein Exem­plar des M48 zurück nach August­dorf gebracht hat.

Schlü­ters Kame­ra­den spre­chen des­halb auch mit Hoch­ach­tung über den gebür­ti­gen Bad Oeyn­hau­se­ner, der in sei­ner Auf­ga­be ganz auf­zu­ge­hen scheint. „Ohne ihn gäbe es die­se Samm­lung nicht”, hört man sie immer wie­der aner­ken­nend sagen.

Die­je­ni­gen, die sich die Samm­lung anschau­en wol­len, kön­nen das auch am Tag der Bun­des­wehr, am kom­men­den Sams­tag, tun. „Natür­lich wird dann auch unser Haus offen sein, ich freue mich auf die Besu­cher”, so Schlü­ter. Man nimmt ihm die­se Freu­de sofort ab.

Von Redaktion

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