In die­sem Sep­tem­ber ist Dr. Andre­as Wulf seit 15 Jah­ren Bür­ger­meis­ter von August­dorf; im kom­men­den Jahr fin­den die nächs­ten Kom­mu­nal­wah­len statt. Grund genug für die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN ein Inter­view mit dem Ober­haupt der Sen­ner­an­d­ge­mein­de zu führen.

August­dor­fer Nach­rich­ten: Herr Dr. Wulf, was sind Ihre Visio­nen für Augustdorf?

Dr. Andre­as Wulf: Ich möch­te, dass August­dorf als fami­li­en­freund­li­che Gemein­de und als attrak­ti­ver Wirt­schafts­stand­ort in einer außer­ge­wöhn­lich reiz­vol­len Natur noch stär­ker wird. Wir sind hier in der glück­li­chen Situa­ti­on, dass vie­le Men­schen in August­dorf ihre Zukunft sehen. Mir ist es ein gro­ßes Anlie­gen, dass die­je­ni­gen, die sich mit August­dorf iden­ti­fi­zie­ren, für die August­dorf Hei­mat ist, dass die hier auch fest ver­wur­zelt blei­ben oder wer­den können.

AN: Was bedeu­tet das konkret?

Wulf: Das bedeu­tet, dass wir uns bei einer wach­sen­den Bevöl­ke­rung auch bau­lich deut­lich erwei­tern. Aber das muss maß­voll gesche­hen, so dass jeder August­dorf als sei­ne ver­trau­te Hei­mat emp­fin­den kann.

AN: Wie defi­nie­ren Sie in die­sem Zusam­men­hang maßvoll?

Wulf: Vie­le haben August­dorf in ihrer Kind­heit als Gemein­de mit viel Platz ken­nen­ge­lernt. Seit Ende der 80er Jah­re sind zahl­rei­che Wohn­ge­bie­te dazu­ge­kom­men. Wir müs­sen Bau­land akti­vie­ren und gleich­zei­tig das, was August­dorf aus­macht, bewah­ren. Wachs­tum ist eine ganz wich­ti­ge Grund­la­ge, um unse­re Infra­struk­tur zu erhal­ten und zu ver­bes­sern. Vie­le wün­schen sich einen Dro­ge­rie­markt, bes­se­re Bus­ver­bin­dun­gen oder mehr Frei­zeit­mög­lich­kei­ten. Die Chan­cen auf eine Rea­li­sie­rung die­ser Ange­bo­te erhö­hen sich, wenn auch die Bevöl­ke­rung wächst. Zudem gewin­nen Immo­bi­li­en an Wert. Wo die Zahl der Ein­woh­ner schrumpft, ver­lie­ren Haus- und Grund­stücks­ei­gen­tü­mer Ver­mö­gen, weil die Prei­se sin­ken. So pro­fi­tie­ren letzt­end­lich alle von dem Wachstum.

AN: Was ist Ihnen noch wichtig?

Wulf: Außer­dem ist mir wich­tig, dass die Men­schen mit unter­schied­li­cher Her­kunft wei­ter zusam­men­fin­den und fried­lich und in guter Nach­bar­schaft zusammenleben.

AN: Wie wol­len Sie das erreichen?

Wulf: Fried­lich ist es bei uns. Das sieht man unter ande­rem an der sehr gerin­gen Kri­mi­na­li­täts­be­las­tung. Wich­tig ist, dass alle ver­su­chen, mehr auf­ein­an­der zuzu­ge­hen und Gemein­sam­kei­ten zu stär­ken. Die gro­ße Gemein­sam­keit, die ich sehe, ist, dass die meis­ten Men­schen August­dorf als ihre Hei­mat emp­fin­den und sich hier wohl fühlen.

AN: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Wulf: Das Picker­tes­sen der Gemein­de wur­de lan­ge Zeit vom Hei­mat­ver­ein beglei­tet. Im letz­ten Jahr hat das nun eine Jugend­grup­pe der evan­ge­li­schen Frei­kir­che über­nom­men. Das ist ein gutes Bei­spiel für das auf­ein­an­der Zuge­hen, von dem ich spreche.

AN: Wir haben über die Zukunft gespro­chen; wie beur­tei­len Sie die letz­ten 15 Jah­re, in denen Sie Bür­ger­meis­ter sind?

Wulf: Wir ste­hen jetzt vor dem plan­mä­ßi­gen Ende der Haus­halts­si­che­rung und wir inves­tie­ren in vie­le Berei­che. Als ich 2004 anfing, habe ich eine lee­re Gemein­de­kas­se über­nom­men, ein Jahr spä­ter sind wir in die Haus­halts­si­che­rung gegan­gen, zeit­wei­se befan­den wir uns im Not­haus­halt. Dabei waren wir sehr auf Ein­spa­run­gen fixiert. Natür­lich konn­ten wir in die­ser Zeit auch in not­wen­di­ge Din­ge inves­tie­ren. So wur­den Sport­hal­len saniert, die Feu­er­wehr bes­ser aus­ge­stat­tet, Schu­len erwei­tert und erneu­ert, eine neue Kita gebaut, Stra­ßen aus­ge­baut, neue Wohn­ge­bie­te erschlos­sen, das Gewer­be­ge­biet bau­lich erwei­tert, den Erho­lungs­wert der Land­schaft gestei­gert und vie­les mehr. Jetzt sind wir in der Lage, wie­der deut­lich mehr gestal­ten zu kön­nen. Ich bin sehr froh, dass der Rat mei­nem Vor­schlag gefolgt ist, ein Inte­grier­tes Städ­te­bau­li­ches Ent­wick­lungs­kon­zept zu erar­bei­ten. Das bringt uns viel Geld und ermög­licht vie­le posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen. Wir ste­hen nun deut­lich bes­ser da als 2004.

AN: Wie gestal­tet sich die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Rat und Verwaltung?

Wulf: Zuerst ein­mal möch­te ich die Grund­la­gen ver­deut­li­chen. Der Rat trifft die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen der Gemein­de und der Bür­ge­re­meis­ter berei­tet die­se Ent­schei­dun­gen vor und führt sie aus. Wenn wir sehen, dass wir im ver­gan­ge­nen Jahr 92 Pro­zent der Rats­be­schlüs­se ein­stim­mig ver­ab­schie­det haben, sieht man, dass die Zusam­men­ar­beit grund­sätz­lich funktioniert.
Gleich­zei­tig sind es natür­lich auch dort Men­schen, die mit­ein­ader zu tun haben; jeder hat sei­ne Stär­ken und Schwä­chen. Das kann natür­lich auch zu Dif­fer­nen­zen füh­ren. Man kann sich aber mit der Zeit dar­auf ein­stel­len. Dadurch wird die Zusam­men­ar­beit, wenn man es will, immer besser.

AN: Wie könn­te sich die Zusam­men­ar­beit noch bes­ser gestalten?

Wulf: Im Ide­al­fall steu­ert der Gemein­de­rat vor­wie­gend stra­te­gisch und lässt der Ver­wal­tung mög­lichst viel Frei­heit bei der Umset­zung sei­ner Ziel­vor­ga­ben. Die­ses Ide­al funk­tio­niert in gro­ßen Städ­ten bes­ser als in klei­nen Kom­mu­nen, wo die Rats­mit­glie­der sehr nahe an den Pro­ble­men der Bür­ger sind. Wir haben in der Ver­wal­tung sehr enga­gier­te, kom­pe­ten­te und krea­ti­ve Fach­leu­te für die Bewäl­ti­gung vie­ler Auf­ga­ben. Die haben Freu­de dar­an, selbst Lösun­gen im Sin­ne des Rates zu ent­wi­ckeln und vor­zu­schla­gen. Sie emp­fin­den es als Ver­trau­ens­be­weis, wenn man ihnen die Mög­lich­keit dazu gibt.

AN: Wie gestal­tet es sich denn im Augen­blick manchmal?

Wulf: Ich spü­re im Rat­haus manch­mal ein wenig Unzu­frie­den­heit, wenn Vor­ga­ben zu detail­liert sind.

AN: Kön­nen Sie dafür ein Bei­spiel nennen?

Wulf: Wir hat­ten kürz­lich zwei Beschluss­vor­schlä­ge, die nicht umsetz­bar waren. Der eine bezog sich auf die Klär­an­la­ge, der ande­re auf das Frei­bad­ge­län­de. Da wünscht sich die Ver­wal­tung, dass die Antrag­stel­ler vor­her das Gespräch suchen. Das wür­de Kon­flikt­po­ten­zi­al aus der Situa­ti­on neh­men. Alter­na­tiv könn­te der Rat auch sagen: „Das ist unser Ziel, was schlagt ihr vor, wie wir dahin­kom­men?” Das wür­de auch zei­gen, dass der Rat den Fach­leu­ten Ver­trau­en entgegenbringt.

AN: Wer­den die Dis­kus­sio­nen im Rat von per­sön­li­chen Befind­lich­kei­ten beeinflusst?

Wulf: Ich bin fest davon über­zeugt, dass sich jeder bemü­hen soll­te, die per­sön­li­che und die Sach­ebe­ne zu trennen.

AN: Wie kann das geschehen?

Wulf: Frü­her war es üblich, dass Rats­mit­glie­der nach einer Sit­zung zusam­men Geträn­ke ein­ge­nom­men haben. Das war wich­tig, weil es zum einen in den Sit­zun­gen dis­zi­pli­nier­te, da man wuss­te, dass man sich mit sei­nem Gegen­über nach der Sit­zung noch unter­hal­ten kön­nen musste.
Wenn man dann doch ein­mal etwas gesagt hat­te, was den ande­ren ver­letz­te, hat­te man im Anschluss die Mög­lich­keit, sich zu ent­schul­di­gen und das aus­zu­räu­men. Ich glau­be, dass das hilf­reich war. Das ist lei­der im Lau­fe der Jah­re weni­ger gewor­den. Ich glau­be, wenn wir da wie­der hin­kom­men, wür­de das auch die Stim­mung im Rat anheben.

AN: Was müss­te pas­sie­ren, damit man da wie­der hinkommt?

Wulf: Bei beson­de­ren Ein­la­dun­gen kommt in der Regel jeder. Natür­lich muss jeder selbst ent­schei­den, ob er nach den Sit­zun­gen noch das Gespräch mit den ande­ren Rats- und Aus­schuss­mit­glie­dern sucht. Es lohnt sich, noch ein­mal dar­über zu spre­chen, ob wir das nicht wie­der hin­be­kom­men. Ich habe die Tra­di­ti­on jeden­falls fort­ge­führt und wer­de das auch wei­ter tun.

AN: Ande­res The­ma: Wie hat die Inte­gra­ti­on in August­dorf geklappt?

Wulf: Es kommt immer dar­auf an, was man unter Inte­gra­ti­on ver­steht. In man­chen Berei­chen ist sie gut gelun­gen, in ande­ren gibt es noch deut­li­chen Hand­lungs­be­darf. Inte­gra­ti­on läßt sich nicht ver­ord­nen. Sie muss von allen Betei­lig­ten gewollt sein. Sie kann daher nicht ohne das Enga­ge­ment der Ein­woh­ner gelin­gen. An der Stel­le gilt mein gro­ßer Dank auch den zahl­rei­chen ehren­amt­li­chen Hel­fern, ohne die die erziel­ten Erfol­ge nicht mög­lich gewe­sen wären.

AN: Wann kommt der Bag­ger­see nach Augustdorf?

Wulf: Ich kann heu­te kein fes­tes Datum benen­nen. Hin­sicht­lich des Sees am Koh­len­weg haben wir uns alle mög­li­chen Hand­lungs­op­tio­nen gesi­chert. Im Rah­men des ISEK haben wir mit unse­rer Nach­bar­ge­mein­de Schloß Hol­te-Stu­ken­b­rock beschlos­sen, dass wir uns gemein­sam um die Ein­rich­tung eines Bade­sees küm­mern. Unse­re Nach­barn ver­fol­gen das Ziel schon viel län­ger als wir. Zusam­men sind wir stär­ker und erwei­tern unse­re Hand­lungs­mög­lich­kei­ten. Es wur­de eine Mach­bar­keits­stu­die in Auf­trag gege­ben. Mit Ergeb­nis­sen ist in die­sem oder im nächs­ten Jahr zu rechnen.

AN: Im kom­men­den Jahr ist Kom­mu­nal­wahl; wer­den Sie wie­der antreten?

Wulf: Mir berei­tet die Arbeit sehr viel Freu­de. Ich habe im Rat­haus sehr enga­gier­te Mit­ar­bei­ter und aus der Bevöl­ke­rung bekom­me ich zahl­rei­che posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen. Gemein­sam mit der Poli­tik und der Ver­wal­tung habe ich vie­le Pro­jek­te auf den Weg gebracht, die ich auch ger­ne zu Ende füh­ren möch­te. Ich bin Hob­by­gärt­ner, und wer sät, möch­te auch ger­ne ernten.

AN: Herr Dr. Wulf, herz­li­chen Dank für das Gespräch.

Von Redaktion

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