Klaus Senft zeigt sich erleich­tert. „Ich habe es von Anfang an gesagt, dass hier kein Kunst­ra­sen­platz hin­ge­hört”, erklärt er, wäh­rend er auf den Fuß­ball­platz am Schlings­bruch schaut. Wäh­rend man ihn frü­her belä­chelt habe, kämen jetzt Per­so­nen selbst aus dem Sport­be­reich auf ihn zu und unter­stütz­ten ihn. Aus dem Grund freut sich Senft auch dar­über, dass der Antrag zur För­de­rung für einen Kunst­ra­sen­platz kei­nen Erfolg gehabt hat. „Hier hat die Natur gegen den Antrag auf Geld gesiegt”, erklärt er. 

Es ist aber nicht nur der geschei­ter­te Antrag, der Senft in sei­ner Sicht­wei­se bestärkt, denn Unter­su­chun­gen wür­den mitt­ler­wei­le bele­gen, dass Kunst­ra­sen­plät­ze zwar kos­ten­güns­tig, ganz­jäh­rig bespiel­bar und leicht zu pfle­gen sei­en. Für die Umwelt ist das dar­auf ver­streu­te Gum­mi-Gra­nu­lat jedoch eine ton­nen­schwe­re Belastung.

Nach einer Stu­die des Fraun­ho­fer-Insti­tuts sind Sport­plät­ze die dritt­größ­te Quel­le für Mikro­plas­tik in Deutsch­land. Den größ­ten Anteil dar­an haben vor allem die Fuß­ball-Kunst­ra­sen­plät­ze. Den Wis­sen­schaft­lern zufol­ge gelan­gen in Deutsch­land dadurch jähr­lich rund 11.000 Ton­nen Mikro­plas­tik in die Umwelt. Das ist sie­ben Mal so viel wie durch die oft kri­ti­sier­te Kosmetikindustrie.

„Und so etwas soll­te hier am Rand des Fur­l­bach­tals gebaut wer­den”, erregt sich Klaus Senft. Für ihn steht fest, dass das Gra­nu­lat direkt ins Natur­schutz­ge­biet gelau­fen wäre.

Kleine Körnchen – großes Problem

Das Pro­blem der Kunst­ra­sen­plät­ze liegt weni­ger in den Plas­tik­gras­hal­men, son­dern viel­mehr im Kunst­stoff­gra­nu­lat, mit dem der Rasen auf­ge­füllt wird. Die­se Fül­lung hat eine ähn­li­che Funk­ti­on wie Erde auf natür­li­chen Plät­zen, sie dämpft und schützt Spie­ler vor Ver­let­zun­gen. Auf jedem Qua­drat­me­ter lan­den im Schnitt fünf Kilo Gum­mi­gra­nu­lat — auf einem gan­zen Fuß­ball­platz lie­gen etwa 35 Ton­nen. Das Gra­nu­lat muss immer wie­der nach­ge­füllt wer­den, um Löcher zu stop­fen. Vom Platz gera­ten die Körn­chen durch Wind und Wet­ter in die angren­zen­de Umwelt. Außer­dem blei­ben vie­le der klei­nen Plas­tik­stü­cke an der Klei­dung der Spie­ler haf­ten und gelan­gen nach dem Waschen ins Grundwasser.

Sportverbände suchen nach Lösungen

Beim Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) und beim Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund (DOSB) hat man die­ses Pro­blem mitt­ler­wei­le auch erkannt. Bei­de Ver­bän­de haben in einer gemein­sa­men Stel­lung­nah­me im Mai die Ver­ant­wor­tung und die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten des Sports für die Umwelt betont: „Der DOSB und der DFB set­zen sich gemein­sam dafür ein, dass Sport­an­la­gen mög­lichst umwelt­freund­lich betrie­ben wer­den. Bei­de Sport­or­ga­ni­sa­tio­nen sind sich bewusst, dass der Sport einen Bei­trag leis­ten kann, um die Umwelt­ver­schmut­zung durch (Mikro-)Plastik zu redu­zie­ren.” Dazu wur­de eine Arbeits­grup­pe aus Wis­sen­schaft­lern und Sport­funk­tio­nä­ren gegrün­det, die sich dem The­ma wid­met. Kon­kre­te Maß­nah­men sind bis­her aber nicht ergrif­fen worden.

Verbot von Mikroplastik: Was sind die Alternativen?

Prof. Dr. Franz Brüm­mer ist Teil die­ser Arbeits­grup­pe. Der Bio­lo­gie­pro­fes­sor und Vor­sit­zen­de der Kom­mis­si­on für Sport und Umwelt des Lan­des­sport­ver­ban­des in Baden-Würt­tem­berg sieht kei­ne Zukunft des Gum­mi­gra­nu­lats im Sport: „Es muss mög­lich sein, einen Natur­stoff zu fin­den, der die glei­chen Eigen­schaf­ten wie Gum­mi­gra­nu­lat hat und die glei­che Qua­li­tät des Rasens sicherstellt.“

Womög­lich gibt es in Zukunft auch kei­ne ande­re Mög­lich­keit mehr: Die Euro­päi­sche Uni­on plant ein Ver­bot von Mikro­plas­tik ab 2022. Danach dürf­te kein neu­es Gum­mi­gra­nu­lat mehr auf Sport­plät­zen ver­wen­det oder nach­ge­füllt wer­den. Die Sport­ver­bän­de bit­ten jedoch um eine Über­gangs­zeit von sechs Jah­ren, damit eine Suche nach natür­li­chen Alter­na­ti­ven mög­lich ist.

Eine die­ser Alter­na­ti­ven wäre ein natür­lich abbau­ba­res Kork­gra­nu­lat. Aller­dings weist Kork nicht die­sel­ben Spiel­ei­gen­schaf­ten wie Gum­mi auf und ist außer­dem deut­lich teu­rer. Dane­ben wäre auch ein Hybrid­ra­sen aus Kunst- und Natur­ra­sen denk­bar, der aller­dings im Win­ter ein­frie­ren könn­te und damit den größ­ten Vor­teil eines Kunst­ra­sen­plat­zes, die ganz­jäh­ri­ge Bespiel­bar­keit, ver­lie­ren wür­de. Auch wären Sand­fül­lun­gen mög­lich, jedoch besteht damit eine höhe­re Ver­let­zungs­ge­fahr und der Unter­schied des Ball­ver­hal­tens zum Natur­ra­sen wäre größer.

Klaus Senft will nun wei­ter dafür kämp­fen, dass das Bewusst­sein dafür steigt, dass ein Kunst­ra­sen­platz in August­dorf, vor allem am Ran­de eines Natur­schutz­ge­bie­tes, nichts zu suchen hat.

Von Redaktion

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