Wo kommt eigent­lich das Trink­was­ser von August­dorf her, was haben die Bie­le­fel­der Stadt­wer­ke damit zu tun, und wird das Was­ser an hei­ßen Tagen knapp? Die­se Fra­ge stel­len sich vie­le August­dor­fer. Grund genug für die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, sich der Sache ein­mal anzunehmen.

Jemand, der Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen hat, ist Olaf Kulacz­we­ski, Lei­ter Trink­was­ser­ge­win­nung der Stadt­wer­ke Bie­le­feld. Mit ihm tref­fe ich mich im Fur­l­bach­tal — und zwar auf Güters­lo­her Gebiet. „Die Stadt­wer­ke Bie­le­feld sind Besit­zer des Fur­l­bach­tals”, erklärt Kulacz­we­ski gleich zu Beginn. Er deu­tet auf ein grü­nes Orts­hin­weis­schild, das mit­ten im Wald steht und auf dem in gel­ben Buch­sta­ben „August­dorf” zu lesen ist. Da die Was­ser­ver­sor­gung bereits in den 40-er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts aus­ge­schöpft gewe­sen sei, hat­ten die Stadt­wer­ke das Gebiet gekauft, um nach Was­ser zu boh­ren. Sie wur­den fün­dig. „Die Gemein­de August­dorf wird aus zwei Bohr­lö­chern gespeist”, erklärt mir der Lei­ter, wäh­rend er das Tor zum ers­ten Was­ser­werk aufmacht.

Alle Türen sind mit einer Alarm­an­la­ge ver­se­hen. „Sobald der Kon­takt aus­ge­löst wird, gibt es eine Anzei­ge in der Leit­stel­le. Wären wir nicht ange­mel­det, käme nach kur­zer Zeit schon jemand hier­hin, um nach dem Rech­ten zu sehen”, erklärt Kulacz­we­ski die Sicher­heits­maß­nah­men. Er öff­net eine Schie­be­tür, die über der Erde ange­bracht ist und vor uns steht sie: die Pum­pe, die August­dorf mit Was­ser versorgt.

„Hier im Was­ser­werk 56 kommt das Was­ser aus knapp 207 Metern”, erklärt er und hat auch gleich eine Zeich­nung griff­be­reit, auf der die Gesteins­schich­ten der Regi­on dar­ge­stellt sind. „Die ers­te Schicht ist der Sen­nen­sand”, erfah­re ich. An die 43 Meter dicke Schicht knüpft der Mer­gel an, der bis in 207 Meter Tie­fe vor­han­den ist. Dar­an schließt sich der Kalk­stein an, der sage und schrei­be bis 422 Meter in die Tie­fe reicht.

Wäh­rend die Pum­pe in die­sem Was­ser­werk also aus dem Kalk­stein­be­reich pumpt, wird das Was­ser im nur weni­ge hun­dert Meter ent­fern­ten Was­ser­werk 6 aus dem Sen­ne­sand hoch­ge­pumpt. Bei­des zusam­men wird dann durch eine Rohr­lei­tung direkt in den Was­ser­be­häl­ter der August­dor­fer Gemein­de­wer­ke geför­dert, der nur weni­ge Kilo­me­ter ent­fernt steht. „Dort fin­det dann die voll­stän­di­ge Mischung aus bei­den Bohr­lö­chern statt”, erklärt mir Olaf Kulaczweski.

Dabei unter­streicht er, dass dem Was­ser nichts zuge­mischt wird. „Es fin­det kei­ne Auf­be­rei­tung statt, das Was­ser kommt aus dem Bohr­loch im Grun­de genom­men direkt in den Was­ser­hahn der Ver­brau­cher”, berich­tet der Lei­ter. Und war­um kommt nun Was­ser aus zwei Bohr­lö­chern? „Wür­den wir nur das Was­ser aus dem Kalk­stein neh­men, wäre es zu hart. Gemischt mit dem Was­ser aus dem Sen­ne­sand, ergibt es eine Här­te zwi­schen 11 und 13 Grad, was den Bestim­mun­gen ent­spricht”, erfah­re ich.

Dabei betra­ge die Mischung 60 Pro­zent Tie­fen­was­ser und 40 Pro­zent Was­ser aus dem Sen­ne­sand. Die Pum­pe im Was­ser­werk 56 hängt auf 100 Meter Tie­fe. Eine zwei­te Pum­pe sorgt dafür, dass das Was­ser mit einem Druck von 13 bar in die Sen­ner­an­d­ge­mein­de kommt. „Die Gemein­de hat von uns im ver­gan­ge­nen Jahr knapp 472.000 Kubik­me­ter Was­ser bezo­gen”, so Kulacz­we­ski. Die Pum­pe im Fur­l­bach­tal schafft 1,6 Mil­lio­nen Kubik­me­ter im Jahr. Der Rest wird dann in das Haupt­was­ser­werk der Stadt­wer­ke am Mitt­weg in Schloss-Hol­te gepumpt.

In der Anla­ge zeigt mir der Lei­ter der Trink­was­ser­ge­win­nung eine gro­ße Tafel. Dort blinkt es und ich sehe dort sogar den Füll­stand des Was­ser­be­häl­ters in August­dorf. „Früh mor­gens ist der voll”, so Kulacz­we­ski. Ein Mit­ar­bei­ter der Stadt­wer­ke behält den Stand immer im Auge. Soll­te der Was­ser­stand unter ein bestimm­tes Niveau fal­len, ertönt ein Alarm und inner­halb weni­ger Sekun­den kommt Was­ser aus dem Fur­l­bach­tal nach. Es dür­fe aber nicht zu viel Was­ser ein­ge­spei­chert wer­den, „denn es soll ja auch ein Was­ser­aus­tausch statt­fin­den”, höre ich. Mit ande­ren Wor­ten: Das Was­ser soll auch frisch bleiben.

Und da sind wir gleich bei einer wei­te­ren span­nen­den Fra­ge: Wird das Was­ser knapp? „Nein”, ent­geg­net Olaf Kulacz­we­ski ent­schie­den. „Wir dür­fen zum Bei­spiel hier 1,7 Mil­lio­nen Kubik­me­ter för­dern und lie­gen immer dar­un­ter, weil wir genü­gend Was­ser haben.” Dabei kön­ne man sehr schnell erken­nen, ob das Was­ser knapp wer­de, denn dann wür­den sich auch sofort die Wer­te des kost­ba­ren Guts ändern, die per­ma­nent gemes­sen wer­den und sowohl vor Ort, als auch in der Haupt­stel­le der Was­ser­wer­ke sicht­bar sind und kon­trol­liert werden.

„Span­nend, die­se gan­zen Hin­ter­grün­de zu erfah­ren”, den­ke ich, wäh­rend wir den Bereich ver­las­sen. Dann erfah­re ich noch, dass das Was­ser­werk 56 im kom­men­den Jahr umge­baut wer­den soll. „Aber auch wenn es umge­baut wird, wer­den die August­dor­fer in der Zeit natür­lich wei­ter­hin mit Was­ser ver­sorgt”, erklärt Kulacz­we­ski. Wenn es so weit ist, berich­ten die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN als Ers­te darüber.

Von Redaktion

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