Im aktu­el­len Jugend­hil­fe­aus­schuss des Krei­ses Lip­pe hat die Ver­wal­tung über die bis­he­ri­ge Auf­ar­bei­tung rund um die Miss­brauchs­fäl­le im lip­pi­schen Süd­os­ten und wie der inter­dis­zi­pli­nä­re Dia­log fort­ge­setzt wird berich­tet. Das abge­stuf­te Ver­fah­ren mit wis­sen­schaft­li­cher Beglei­tung wird wei­ter­hin umge­setzt und ver­folgt den kla­ren Fokus: Leh­ren aus der Ver­gan­gen­heit zie­hen und im Dia­log mit vie­len Betei­lig­ten den Kin­der­schutz in Lip­pe weiterentwickeln.

„Den Kin­der­schutz wol­len wir als Leit­ziel in das Zukunfts­kon­zept Lip­pe 2025 auf­neh­men. Einen ent­spre­chen­den Antrag pla­ne ich in den Kreis­tag ein­zu­brin­gen,“ erklärt Land­rat Dr. Axel Leh­mann. Dar­in sind fünf Maß­nah­men zusam­men­ge­fasst: Imple­men­tie­rung einer Fach­stel­le für Kin­der­schutz beim Kreis Lip­pe, die Ein­rich­tung eines Prä­ven­ti­ons­fonds, Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men für Fach­kräf­te im Kreis Lip­pe, Zusam­men­ar­beit der Sys­te­me Jugend, Schu­le, Gesund­heit und Bera­tung aus­bau­en sowie der Auf­bau einer Kin­der­schutz­am­bu­lanz beim Kli­ni­kum Lip­pe. Die Maß­nah­men sind teil­wei­se bereits umgesetzt.

Der Kin­der­schutz in Lip­pe ist auf einem guten Weg, fin­det auch Karl-Eitel John: „Wir wol­len nicht in einer Labor­si­tua­ti­on ste­hen blei­ben, son­dern die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se in die Pra­xis umset­zen“, gibt der Lei­ter des Jugend­amts eine Ant­wort auf die Kri­tik des Pader­bor­ner Kin­der­schutz­for­schers Micha­el Böwer. Der Wis­sen­schaft­ler hat­te als Sach­ver­stän­di­ger für das Land Nie­der­sa­chen die Rol­le der Behör­den unter­sucht und dabei die bis­he­ri­ge Auf­ar­bei­tung im Kreis Lip­pe kri­ti­siert. „Ich erwar­te von einem Wis­sen­schaft­ler zu recher­chie­ren und sich zu erkun­di­gen, wel­che Maß­nah­men und Pro­zes­se in Lip­pe auf der Agen­da ste­hen. Den Fach­vor­trag von Chris­ti­ne Ger­ber vor rund 150 Teil­neh­men­den aus den Berei­chen Jugend­hil­fe, Bera­tung, Kita und Schu­le, Gesund­heits­we­sen und Poli­zei zu einer ‚Fall­werk­statt‘ auf­zu­boh­ren, ist eine Idee, die in der Pra­xis bes­ser in klei­ne­ren Run­den funk­tio­niert“, ergänzt John. Der Fach­vor­trag gehör­te zu einer Rei­he von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men, die der Kreis Lip­pe für die Fach­kräf­te aus dem gesam­ten Kreis­ge­biet anbie­tet. Viel­mehr hat eine beim Kreis Lip­pe ein­ge­setz­te Steue­rungs­grup­pe „Kin­der­schutz“ den Sinn und Zweck, die Fäl­le zu dis­ku­tie­ren, die dahin­ter­lie­gen­den Pro­zes­se zu ana­ly­sie­ren, um die Ergeb­nis­se in die Ver­wal­tungs­be­rei­che und an exter­ne Part­ner ein­zu­steu­ern. Regel­mä­ßig kom­men hier­für der Ver­wal­tungs­vor­stand John mit der Jugend­hil­fe, also Mit­ar­bei­ter der Frü­hen Hil­fen, des All­ge­mei­nen-Sozia­len-Diens­tes (ASD) und der offe­nen Kin­der- und Jugend­ar­beit, mit dem Gesund­heits­amt, der Poli­zei, der Fami­li­en­be­ra­tung und der Schul­psy­cho­lo­gi­schen Bera­tung zusammen.

Wäh­rend der Auf­ar­bei­tung des mehr­fa­chen Kin­des­miss­brauchs im Süd­os­ten Lip­pes hat der Kreis­tag auch die Ein­rich­tung der Fach­stel­le Kin­der­schutz beschlos­sen. Sie bie­tet die Mög­lich­keit zum fach­li­chen Aus­tausch mit exter­nen Ein­rich­tun­gen, Trä­gern, Orga­ni­sa­tio­nen sowie der Öffent­lich­keit. In der Fach­stel­le Kin­der­schutz orga­ni­siert die Lei­te­rin, Kers­tin Alex­an­dra Plisch­ka, den neu ein­ge­rich­te­ten Prä­ven­ti­ons­fond und ver­teilt die För­der­mit­tel – aktu­ell 25.000 Euro pro Jahr. Eine Auf­sto­ckung der Mit­tel ist für den Land­rat denk­bar, wenn mehr geeig­ne­te Pro­jek­te vor­lie­gen. Lip­pi­sche Initia­ti­ven kön­nen sich dar­auf mit ihren Pro­jek­ten für den Kin­der­schutz bewer­ben. Vier Ein­rich­tun­gen haben sich bis­her um Mit­tel bewor­ben. Zudem liegt der Schwer­punkt der Fach­stel­le in der Ver­net­zung. Sie wird bestehen­de Koope­ra­tio­nen wei­ter­ent­wi­ckeln. So fließt der Aus­tausch mit Medi­zi­nern, Psy­cho­lo­gen, der Poli­zei und Jus­tiz in Kin­der­schutz­kon­zep­te und Stra­te­gien ein, um in Not­si­tua­tio­nen wir­kungs­voll und schnell zu inter­ve­nie­ren. „Denn die Fach­stel­le Kin­der­schutz arbei­tet prä­ven­tiv, ana­ly­siert hier­für mög­li­che Schwach­stel­len oder Lücken im Kin­der­schutz. Die erar­bei­te­ten Maß­nah­men sol­len Kin­der und Jugend­li­che schüt­zen sowie Fami­li­en in schwie­ri­gen Lebens­pha­sen unter­stüt­zen“, unter­streicht Land­rat Dr. Axel Lehmann. 

Von Redaktion

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