Wenn sich Johan­na Krum­bach an die eige­ne Kind­heit erin­nert, dann gehör­te der Got­tes­dienst ganz selbst­ver­ständ­lich zum Leben. „Kir­che und Got­tes­dienst waren damals fes­ter Bestand­teil der Gesell­schaft“, erklärt die Pfar­re­rin der evan­ge­lisch-refor­mier­ten Kirchengemeinde.

„Man gehör­te zur Kir­che, man ging zum Got­tes­dienst, man ließ die Kin­der tau­fen“, zählt Krum­bach die Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten auf, die heu­te kei­nes­wegs mehr so selbst­ver­ständ­lich sind. Auch habe es damals vie­le Frau­en- und Jugend­grup­pen gegeben.
Einen Grund dafür sieht die Theo­lo­gin dar­in, dass es nicht vie­le ande­re Ange­bo­te gege­ben habe.

„Die Kir­che konn­te aber mit zahl­rei­chen Akti­vi­tä­ten begeis­tern, da es auch zahl­rei­che Ehren­amt­li­che gab, die die­se durch­führ­ten“, erklärt sie.

Das habe sich mitt­ler­wei­le geän­dert. Die Ursa­che dafür sieht die Seel­sor­ge­rin vor allem in der Gesell­schaft; „denn auch die­se hat sich gewan­delt“, so Krumbach.

Mit Blick auf die Frei­kir­chen, in der auch sonn­tags immer noch zahl­rei­che Mit­glie­der strö­men sagt sie: „Wenn wir dahin schau­en, begeg­nen wir unse­rer eige­nen Vergangenheit.“
Ein Blick in die Kir­chen­bü­cher ver­deut­licht das. Gab es in August­dorf im Jahr 2001 noch 5000 Ein­woh­ner, die sich zum evan­ge­lisch-refor­mier­ten Glau­ben bekann­ten, zählt die Kir­chen­ge­mein­de  im Jahr 2019 nur noch 2600 Mit­glie­der. „Die Zah­len sin­ken, da vie­le jun­ge Leu­te, die ihr ers­tes, eige­nes Geld ver­die­nen und dann sehen, dass sie Kir­chen­steu­ern zah­len, aus­tre­ten“, erklärt Krum­bach den Trend.

Die­ses Ver­hal­ten brin­ge es dann auch mit sich, dass immer weni­ger Kin­der getauft wür­den. Auch hät­ten sich bei vie­len Per­so­nen die Prio­ri­tä­ten ver­än­dert. Das las­se sich auch an den Kon­fir­man­den­zah­len able­sen. „Wäh­rend wir frü­her manch­mal sogar 50 Kon­fir­man­den in einem Jahr­gang hat­ten, sind es heu­te häu­fig maxi­mal zehn. In den letz­ten Jah­ren habe ich gemerkt, dass auch der Kon­fir­man­den­un­ter­richt immer stär­ker mit ande­ren Ange­bo­ten kon­kur­riert“, so Johan­na Krumbach.

Das zei­ge, dass der Got­tes­dienst nicht mehr selbst­ver­ständ­lich sei. Ledig­lich soge­nann­te Ziel­grup­pen­got­tes­diens­te wür­den gut funk­tio­nie­ren. Die sonn­täg­li­chen Got­tes­diens­te wer­den laut der Pfar­re­rin von knapp 30 Besu­chern regel­mä­ßig wahrgenommen.

Ledig­lich die Weih­nachts­got­tes­diens­te sei­en nach wie vor gut besucht. Selbst der Kar­frei­tag, als höchs­ter, evan­ge­li­scher Fei­er­tag wird nicht mehr wahr­ge­nom­men“, kon­sta­tiert Krum­bach. „Ins­ge­samt sieht es für Lip­pe schlecht aus“, erklärt sie und führt auch den demo­gra­phi­schen Fak­tor an. „Wir haben ein­fach mehr Beer­di­gun­gen als Tau­fen“, so die Pfarrerin.

Wie sieht sie die Zukunft? Wel­che Rezep­te hat Johan­na Krum­bach gegen den Mit­glie­der­schwund? „Jeder muss den eige­nen Glau­ben üben“, erklärt die Theo­lo­gin. Denn wenn man nicht in den Got­tes­dienst gehe, kön­ne man auch die Lie­der nicht ken­nen, die gesun­gen wür­den. „Der Glau­be muss neu buch­sta­biert und gelebt wer­den“, ist sich die Pfar­re­rin sicher, die es sich selbst zum Ziel gesetzt hat, wie­der mehr Basis­ar­beit zu machen.
„Das Vater­un­ser ken­nen noch vie­le, beim Glau­bens­be­kennt­nis wird es schon schwie­ri­ger“, stellt sie fest.
Krum­bach freut sich, dass sich in der Gemein­de eine neue Frau­en­grup­pe gegrün­det hat. „Wir tref­fen uns vier­mal im Jahr und unter­neh­men Aus­flü­ge“, erläu­tert sie das Programm.
Ganz selbst­ver­ständ­lich gehö­re auch immer ein seel­sor­ge­ri­scher Teil dazu. „Dar­auf wird Wert gelegt“, freut sich die Pfarrerin.
Sie unter­streicht: „Der Glau­be ist und wird wich­tig blei­ben.“ Dabei wer­de auch in Zukunft die Schöp­fung eine beson­de­re Rol­le spie­len. „Damit müs­sen wir sorg­sam umge­hen“, erläu­tert sie.
Wich­tig sei, dass man wis­se, dass jemand für einen da sei, der grö­ßer sei, als man selbst.
So sei auch ein Begräb­nis in Zukunft immer etwas, was zei­ge: „Hier gibt es Trost wo kein ande­rer das geben kann.“
Und trotz aller negativen
Ten­den­zen ver­mag Krum­bach das Posi­ti­ve zu sehen. „Auch wenn die zum Bei­spiel die Trau­un­gen insgesamt
zurück­ge­gan­gen sind, haben wir für das kom­men­de Jahr mit acht Anmel­dun­gen schon wie­der mehr als sonst“, freut sich die Seelsorgerin.

Von Redaktion

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