Am Frei­tag­nach­mit­tag ver­gan­ge­ner Woche erreich­te Bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as Wulf der Brief, der der Redak­ti­on der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN eben­falls vorliegt.
Über­schrie­ben ist die­ser mit den Wor­ten „Time to say good­bye oder gemein­sam rein und nun gemein­sam raus“. Absen­der des Schrei­bens ist die Initia­ti­ve Holz­schuh­tanz, der Oli­ver Bar­ke, Bodo Diek­mann, Iris Diek­mann, Rai­ner Gro­te, Wolf­gang Hupp­ke und Ger­hard Krum­bach angehören.
Es sei nicht ein­fach gewe­sen, das Rah­men­pro­gramm der Herbst­kir­mes und den Holz­schuh­tanz zu orga­ni­sie­ren. „Es wird nicht ein­fa­cher Tanz­grup­pen zu fin­den“, schrei­ben die Mit­glie­der. Jun­ge Men­schen täten sich zuse­hends schwe­rer damit, die Tra­di­ti­on auf­recht zu erhalten.

Aber auch der mone­tä­re Aspekt spielt laut Initia­ti­ve eine Rol­le. So sei man finan­zi­ell stets von den Ein­nah­men durch den Geträn­ke­ver­kauf abhän­gig. „Mit feh­len­den Besu­chern fehlt uns auch das Geld“, schrei­ben Krum­bach und Co, die in die­sem Jahr nun zum letz­ten Mal als Orga­ni­sa­to­ren der Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tung tätig sind.

In dem Brief macht die Initia­ti­ve Holz­schuh­tanz deut­lich, dass ohne Rah­men­pro­gramm und Holz­schuh­tanz auch die gesam­te Herbst­kir­mes auf der Kip­pe steht. „Somit wür­de August­dorf um eine Attrak­ti­on ärmer“, sind sich die Unter­zeich­ner sicher.

„10 Jah­re sol­len für uns Mit­glie­der der Initia­ti­ve nun genug Enga­ge­ment sein, und wir wür­den uns nichts sehn­li­cher wün­schen, als aus der Bevöl­ke­rung vier bis sechs Frei­wil­li­ge zu fin­den, die in unse­re Fuß­stap­fen tre­ten“, heißt es in dem Schreiben.
Man habe sich die Ent­schei­dung nicht leicht gemacht und habe lan­ge mit sich gerun­gen, „die­sen Schritt zu gehen.“ Der Brief schließt mit der Auf­for­de­rung: „Bit­te brin­gen Sie sich ein, und hel­fen Sie damit, die Tra­di­ti­on fort zu führen.“

Im Gespräch mit der Redak­ti­on machen Diek­mann, Krum­bach und Hupp­ke deut­lich, dass ihre Arbeit zwar nicht von allen Rats­mit­glie­dern und Fir­men­in­ha­bern aus­rei­chend gewür­digt wur­de, „die Wür­di­gung unse­rer Arbeit fand aber durch das Publi­kum statt“, kon­sta­tie­ren sie. „Wenn wir in die leuch­ten­den Kin­der­au­gen sehen, ist es das Wert“, so Ger­hard Krumbach.
Man müs­se sich aber die Fra­ge stel­len, ob der Holz­schuh­tanz über­haupt noch zeit­ge­mäß sei. „Wir errei­chen ein­fach nicht mehr die Leu­te“, so das Fazit der Initiative.

Aus allen poli­ti­schen Lagern kam eine gewis­se Trau­rig­keit auf, als sie vom Bür­ger­meis­ter den Brief erhiel­ten. „Mich macht das sehr trau­rig“, erklärt Lutz Mül­ler (CDU). Er äußert Ver­ständ­nis für die Unter­zeich­ner nach zehn Jah­ren die­ses Ehren­amt auf­zu­ge­ben. „Ich muss aber auch mal offe­ne Kri­tik äußern“, so Mül­ler. So sei­en es immer die glei­chen Hel­fer gewe­sen, die die Arbeit gemacht hät­ten. „So eine Arbeit durf­te nicht nur an den Unter­zeich­nern hän­gen blei­ben. „Hät­ten sich SPD, FDP und FWG mehr mit ein­ge­bracht, wür­de es viel­leicht noch anders aussehen.

SPD-Frak­ti­ons­chef Hein­rich-Georg Schnei­der äußert Bedau­ern, „dass sich die Initia­ti­ve Holz­schuh­tanz auf­löst.“ Ande­rer­seits habe er Ver­ständ­nis für die­sen Schritt. So sei ihm bewusst, wel­che Arbeit und Ver­ant­wor­tung für solch eine Ver­an­stal­tung über drei Tage von weni­gen Schul­tern getra­gen wer­den müs­se. „Es wäre schön, aber ich habe wenig Hoff­nung, dass sich eine neue Grup­pe fin­det, die die­se Herbst­kir­mes zukünf­tig gestaltet.“

Er schlägt vor, sich zu über­le­gen, ob die Suche nach einem Fest­wirt nicht erfolg­ver­spre­chend sei, „der die Herbst­kir­mes pro­fes­sio­nell über­nimmt.“ Die­se tra­di­tio­nel­le Ver­an­stal­tung war immer der kul­tu­rel­le Höhe­punkt in unse­rer Gemein­de und soll­te nicht so ein­fach auf­ge­ge­ben wer­den“, so Schneider.

„Dass der Holz­schuh­tanz jetzt enden soll, ist nach der Auf­lö­sung des Kul­tur­krei­ses für August­dorf eine wei­te­re bit­te­re Nach­richt“, erklärt Peter Kaup (FWG). Er habe sel­ber eini­ge Male mit­ge­tanzt und habe drei Jah­re erfolg­los ver­sucht, eine Tanz­grup­pe aus der Poli­tik zusam­men­zu­stel­len. „Per­so­nen für das Ehren­amt zu begeis­tern wird lei­der immer schwie­ri­ger. Mein Dank geht an alle, die sich bis heu­te für den Holzschuhtanz/Herbstkirmes ein­ge­bracht haben“, erklärt Kaup.

„Es ist ein­fach wirk­lich scha­de, aber man muss sehen, ob es in Zukunft noch gewollt ist“, erklärt Roger Rit­ter (FDP) im Gespräch mit der Redaktion.

Bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as Wulf äußert Dank­bar­keit gegen­über dem Arbeits­kreis. „Ich fin­de es beach­tens­wert, dass die­je­ni­gen die Arbeit über zehn Jah­re gemacht haben“, so Wulf. Der Zuspruch sei mit den Jah­ren immer gerin­ger geworden.

Und so trifft jetzt das ein, was Krum­bach schon im ver­gan­ge­nen Jahr dem Redak­teur in die Feder dik­tiert hat­te. „2017 muss­ten wir zum ers­ten Mal die Gemein­de bit­ten, uns mit 300 Euro zu unter­stüt­zen“, berich­te­te er. Sei­ne Sor­ge: „Wenn es nur noch weni­ge gibt, die sich enga­gie­ren wol­len, kann es sein, dass es irgend­wann ein­mal kei­ne Kir­mes mehr gibt.“ Die­se Sor­ge könn­te nun unter Umstän­den im nächs­ten Jahr Rea­li­tät werden.

Von Redaktion

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