Die Geschich­te, die Raed Hamoush erzählt, beginnt im Juni 2018. Zu dem Zeit­punkt wohnt Hamoush gemein­sam mit sei­ner Frau und sei­nen vier Kin­dern in einer Woh­nung in der Sied­lung „Am Dören“. Die Mie­te für die Woh­nung, 816 Euro warm, zahlt das Job­cen­ter Lippe.

„Nach­dem ich sechs Mona­te dort gelebt habe, erhielt ich auf ein­mal eine Mah­nung“, berich­tet der Fami­li­en­va­ter. Auf die­ser steht, dass sein Miet­kon­to nicht aus­ge­gli­chen sei. Kei­ne Erklä­rung, wel­che Monats­mie­te fehlt, gar nichts.

Noch ahnt er nichts Böses. „Viel­leicht haben die sich ein­fach nur ver­tan“, denkt er sich. Auch der ehren­amt­li­che Flücht­lings­hel­fer, der an sei­ner Sei­te ist, geht von einem Ver­se­hen aus. Gemein­sam ver­su­chen sie die Adler Real Esta­te AG, die gera­de Eigen­tü­me­rin der Sied­lung gewor­den ist, anzu­ru­fen. „Dort sag­te man uns, dass man die Ange­le­gen­heit wei­ter geben wür­de und auf uns zurück­kä­me“, erin­nert sich der Flücht­lings­hel­fer. Ein, zwei Wochen war­ten bei­de, dann erhält Raed Hamoush wie­der Post von Adler. Die­ses Mal von einem ande­ren Sach­be­ar­bei­ter und — mit einer wei­te­ren Mah­nung und einem gänz­lich ande­ren Betrag.
Wie­der­um ist in der Mah­nung kei­ne Begrün­dung ent­hal­ten. Auch wird in der zwei­ten Mah­nung ein ande­res Kon­to bei der­sel­ben Bank ange­ge­ben, auf das Hamoush das Geld über­wei­sen solle.

Wie­der ver­sucht der Fami­li­en­va­ter mit sei­nem Hel­fer bei Adler tele­fo­nisch vor­stel­lig zu wer­den. Wie­der kein Erfolg.

So geht es nun wei­ter: Monat für Monat erhält Raed Hamoush Mah­nun­gen von Adler, wäh­rend das Job­cen­ter die Mie­te direkt an die Eigen­tü­me­rin über­weist. Auch die Cari­tas schal­tet sich ein und schreibt Adler, dass die Mie­te nach­weis­lich über­wie­sen wur­de. Das Job­cen­ter druckt die Über­wei­sungs­be­le­ge aus und schickt sie der Ver­mie­te­rin. „Dar­auf haben wir nie eine Reak­ti­on bekom­men, bis die nächs­te Mah­nung kam“, erklärt der Flücht­lings­hel­fer resigniert.

Nach eini­gen Mona­ten eska­liert dann die Situa­ti­on. Adler kün­digt den Miet­ver­trag frist­los und erklärt Raed Hamoush,dass die­ser auf­grund feh­len­der Mie­ten aus­zie­hen sol­le. „Ich war ver­zwei­felt und hat­te Angst“, zählt die­ser gegen­über den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Wo sol­le er denn hin mit einer sechs­köp­fi­gen Familie?
Cari­tas, Job­cen­ter und Flücht­lings­hel­fer raten ihm Ruhe zu bewah­ren, woh­nen zu blei­ben und wei­ter zu kämp­fen. Ein paar Monate

Spä­ter erhält Hamoush die nächs­te Mah­nung. Auch hier wie­der ein Betrag, auf den sich kei­ner einen Reim machen kann.

Als die Redak­ti­on von dem Fall erfährt, fährt sie mit dem Flücht­lings­hel­fer gemein­sam zu Hamoushs Woh­nung. Trau­rig zeigt die­ser die 26 Mah­nun­gen, die sich seit sei­nem Ein­zug ange­sam­melt haben. Er deu­tet auf die Über­wei­sungs­be­le­ge des Job­cen­ters, die er eben­falls griff­be­reit hat. „Ich weiß nicht mehr was ich tun soll“, lässt er durch sei­ne Toch­ter über­set­zen. Erst vor kur­zem erhielt er zwei wei­te­re Mah­nun­gen — am sel­ben Tag, mit zwei unter­schied­li­chen Beträgen.

Wäh­rend des Gesprächs mit Hamoush kon­tak­tiert die Redak­ti­on Adler Real Esta­te tele­fo­nisch und kon­fron­tiert die­se mit den Mah­nun­gen. Frau G. erklärt, dass sie nur eine Mah­nung im Sys­tem sehe. Im übri­gen sei dem Mie­ter doch schon längst gekün­digt wor­den. Nein, sie kön­ne nicht sehen, wofür der Betrag sei. Nach mehr­ma­li­gem Nach­fra­gen gibt sie zu, dass sie in einem Call-Cen­ter sitzt und nur die Anru­fe ent­ge­gen­nimmt. Jeman­den von Adler direkt kön­ne man nicht sprechen.

„Ähn­li­che Situa­tio­nen hören über Adler lei­der häu­fi­ger“, erklärt Ralf Brod­da, Geschäfts­füh­rer vom Mie­ter­bund Ostwestfalen-Lippe.

Er macht deut­lich zwar, dass es ande­re Ver­mie­ter gebe, „die noch schlim­mer“ sei­en. „Wir haben aber auch schon manch­mal die Erfah­rung gemacht, dass sich Adler auf Schrei­ben von uns nicht mel­det“, erklärt er gegen­über der Redak­ti­on. Suspekt fin­det Brod­da auch die Tat­sa­che, dass bei unter­schied­li­chen Ansprech­part­nern unter­schied­li­che Kon­to­num­mern genannt wer­den, auf die hin über­wie­sen wer­den soll. „Das riecht merk­wür­dig, um es vor­sich­tig aus­zu­drü­cken“, erklärt ein Anwalt, der sei­nen Namen lie­ber nicht in der Zei­tung lesen möchte.

Nach­dem die August­dor­fer Nach­rich­ten die Adler AG mit den Vor­wür­fen kon­fron­tier­ten, schrei­ben die­se zurück: „Ohne nähe­re Sub­stan­ti­ie­rung und Kon­kre­ti­sie­rung der betrof­fe­nen Miet­ver­hält­nis­se kön­nen wir Vor­hal­tun­gen die­ser Art weder über­prü­fen und noch kommentieren“.

Da Raed Hamoush der Redak­ti­on erlaubt hat, sei­nen Namen zu nen­nen, hat die Redak­ti­on der Adler AG nun auch sei­nen Fall vor­ge­legt. Die­se will sich nun damit aus­ein­an­der­set­zen und sich melden.

In der Zwi­schen­zeit hat Ralf Brod­da ange­bo­ten, dass Raed Hamoush vor­bei­kom­men kön­ne, damit sich der Mie­ter­bund eben­falls der

Sache anneh­men kann.

Ein klei­ner Licht­blick für den Familienvater.
Zwi­schen­zeit­lich wur­de Adler von der Gemein­de gefragt, ob die­se der Auf­for­de­rung des Gemein­de­ra­tes nach August­dorf zu kom­men fol­gen wol­len. Eine Ant­wort steht noch aus.

Von Redaktion

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