Eine lär­men­de Men­schen­men­ge bedrängt den Bür­ger­meis­ter. Plötz­lich eine Explo­si­on. Ver­letz­te schrei­en nach Hil­fe. Es nähert sich ein Zug mit gepan­zer­ten Rad­fahr­zeu­gen der Bun­des­wehr. So könn­te ein Sze­na­rio aus­se­hen, mit dem die Sol­da­ten in ihren Ein­sät­zen kon­fron­tiert sind.

Aber wie geht es dann wei­ter? Sol­da­ten ber­gen, ver­sor­gen und trans­por­tie­ren Ver­letz­te zu einem Hub­schrau­ber. Die­ser nimmt sie auf. Und weni­ge Minu­ten spä­ter schon ver­sor­gen sie Ärz­te und Sani­tä­ter in einem klei­nen Feldlazarett.
In die­se Situa­ti­on kön­nen Sol­da­ten bei jedem Aus­lands­ein­satz kommen.

Die Zahl klas­si­scher Sani­tä­ter bei der Trup­pe ist in der aktu­el­len Bun­des­wehr­struk­tur rela­tiv klein.
Des­halb müs­sen Ein­satz­kräf­te der Bun­des­wehr in Kri­sen­ge­bie­ten mehr kön­nen, als nur das klei­ne Ver­band­päck­chen aus der Bein­ta­sche zu holen und einen Not­ver­band anzulegen.
Tritt ein Not­fall ein, fehlt oft die Infra­struk­tur zur Ver­sor­gung der Ver­letz­ten. Das heißt: Es kann nicht auf die klas­si­schen Ret­tungs­kräf­te zuge­grif­fen werden.

Die Trup­pe hält des­halb Per­so­nen wie den Ober­feld­we­bel Kevin Man­dler und den Ober­stabs­ge­frei­ten Mati­ja Katu­sic bereit und bil­det die­se zu soge­nann­ten EH‑B aus, was für Ein­satz­erst­hel­fer Bra­vo steht.
Ein Unfall­op­fer in die sta­bi­le Sei­ten­la­ge legen, eine Blu­tung stop­pen oder gar eine Wie­der­be­le­bung ver­su­chen — ein Groß­teil der Deut­schen traut sich Ers­te Hil­fe bei einem Schwer­ver­letz­ten nicht zu.
Das bele­gen ver­schie­de­ne Stu­di­en vom ADAC oder von der Johan­ni­ter Unfall­hil­fe. Doch wie sieht es mit den Ers­te-Hil­fe-Maß­nah­men bei der Bun­des­wehr aus?

Bereits in der Grund­aus­bil­dung ler­nen alle Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten als soge­nann­ter „Ein­satz­erst­hel­fer A“ Maß­nah­men der Selbst- und Kame­ra­den­hil­fe. Die­se wei­chen mit­un­ter von der zivi­len Erst­hel­fer-Aus­bil­dung ab und ent­spre­chen den Her­aus­for­de­run­gen auf dem Gefechts­feld oder im Einsatz.

Die Bun­des­wehr unter­schei­det bei der Aus­bil­dung von soge­nann­tem Nicht-Sani­täts­per­so­nal vier unter­schied­li­che fach­li­che Qualifikationsstufen.

Die Stu­fe I ist die Sani­täts­aus­bil­dung Ein­satz­erst­hel­fer A. Die­se stellt gleich­zei­tig die Basis­qua­li­fi­ka­ti­on für alle Sol­da­ten dar.
Eine erwei­ter­te Sani­täts­aus­bil­dung der Stu­fe II erhält aus­ge­wähl­tes Per­so­nal der Trup­pe. Das Ziel ist hier die Ein­satz­erst­hel­fe­rin B / Ein­satz­erst­hel­fer B (EH‑B). Zusätz­lich kann das Per­so­nal der Spe­zi­al­kräf­te eine Aus­bil­dung zum Com­bat First Respon­der A (CFR A) machen.

Dar­über hin­aus ist es ein­zel­nen Ange­hö­ri­gen von Spe­zi­al­kräf­ten vor­be­hal­ten, die Qua­li­fi­ka­ti­ons­stu­fen III und IV zu erwer­ben. Bei die­ser Aus­bil­dung wer­den prä­kli­ni­sche Maß­nah­men im Rah­men der Not­kom­pe­tenz im Ein­satz ausgebildet.

Und auch die Aus­stat­tung der Ein­satz­erst­hel­fer Bra­vo unter­schei­det sich grund­le­gend von dem Ers­te-Hil­fe-Kas­ten, der in jedem Auto sein soll­te. Gleich zwei Ruck­sä­cke haben die Hel­fer dabei. Mit Koch­salz­lö­sung und Schläu­chen für intra­ve­nö­se Zugän­ge, sind die Erst­hel­fer für jeden Ein­satz gerüs­tet. „Wenn es zum Bei­spiel vie­le Ver­wun­de­te geben soll­te, dann müss­te ich ent­schei­den, wem ich in dem Augen­blick hel­fe und wer viel­leicht stirbt“, erklärt Man­dler sei­ne Aufgabe.

Dass er kei­ne Scheu hat in Kri­sen­si­tua­tio­nen zu han­deln, beweist er, in dem er nicht nur sei­nem Kame­ra­den Katu­sic einen Zugang legt, son­dern sich selbst gleich auch. „Macht doch nichts“, erklärt er selbstbewusst.

Spä­tes­tens da wird einem klar: Es ist lebens­ent­schei­dend, Per­so­nen wie Kevin Man­dler und Mati­ja Katu­sic in der Nähe zu haben, wenn etwas passiert.

Die bei­den machen ihre Zusatz­aus­bil­dung mit Freude.

Es ist schön jeman­dem hel­fen zu kön­nen und ein­fach noch zusätz­li­ches Wis­sen zu haben, das man dann ein­set­zen kann. Dass die­se Aus­bil­dung nicht nur im Gefecht sinn­voll sein kann, hat auch Mati­ja Katu­sic erlebt, der bei einem Ver­kehrs­un­fall sofort lebens­ret­ten­de Maß­nah­men ein­lei­ten konn­te, die kei­ner mit einer „nor­ma­len Ers­te-Hil­fe-Aus­bil­dung“ geschafft hätte.

Von Redaktion

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