Vie­le Glau­bens­ge­mein­schaf­ten befin­den sich im Wan­del. Die meis­ten Kir­chen sind lee­rer gewor­den; man­che Got­tes­häu­ser müs­sen schlie­ßen, Gemein­den wer­den zusammengelegt.

Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen stan­den die Glau­bens­ge­mein­schaf­ten in der Ver­gan­gen­heit? Wie haben sie die­se gemeis­tert? Was sind ihre Stra­te­gien für die Gegen­wart? Gibt es in jeder Kir­che Mit­glie­der­schwund? Wie berei­ten sich die Lei­ter der Gemein­de auf die Zukunft vor?

Die Rei­he „Kir­che ges­tern — heu­te und mor­gen“ will Ant­wor­ten zu den Fra­gen fin­den. Und wo kann man bes­ser nach­fra­gen, als in August­dorf, das nach dem Weg­zug einer Bewe­gung, immer­hin noch Hei­mat von neun Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist?

Das Bekennt­nis, das fünf­ma­li­ge Gebet am Tag, Fas­ten, Pil­gern und Almo­sen. Die­ses sind die fünf Säu­len des Islam, die im Kirch­weg gepre­digt wer­den. Dort befin­det sich in einem unschein­ba­ren Gebäu­de eine Moschee. Ihr Eigen­tü­mer ist die Tür­kisch-Isla­mi­sche Gemein­de zu August­dorf, die seit 1997 besteht.

Tün­cer Sahin ist Vor­sit­zen­der des Ver­eins, der aus einem Det­mol­der tür­kisch-isla­mi­schen Ver­ein her­vor­ge­gan­gen ist. Der Imam (Vor­be­ter) lei­tet die Gemein­de. Die­ser sei für meh­re­re Jah­re tätig und neh­me die Auf­ga­ben eines Pfar­rers wahr.

Can Bicer lei­tet die Gemein­de im Augen­blick als Imam. Er sieht vor allem den gro­ßen sozia­len Aspekt der Gemein­schaft. Die Mit­glie­der­zahl sei über die Jah­re kon­stant geblie­ben, erklärt auch Sahin. „Heu­te sind es die Kin­der und Kin­des­kin­der, die die Moschee als Erwach­se­ne besuch­ten“, so der Vorsitzende.

Bicer erklärt, dass die Gemein­de einen tech­ni­schen und mul­ti­me­dia­len Wan­del hin­ter sich habe. „Dadurch hat sich viel ver­än­dert“, so sein Fazit. Wich­tig sei aber, „der Grund­glau­be ist gleich geblieben.“

Zen­tra­ler Punkt im Glau­bens­ver­ständ­nis sei Allah als Schöp­fer und sein Gesand­ter Moham­med, der als Vor­bild und nicht als Hei­li­ger gese­hen wer­de. Auch an Jesus glau­ben die Mus­li­me, aller­dings sei er in ihren Augen ein Pro­phet unter 124.000 wei­te­ren, der nicht am Kreuz gestor­ben sei, jedoch wie­der­kom­men werde.

„Allah hat immer dann Pro­phe­ten gesen­det, wenn auf der Erde etwas aus dem Ruder lief“, sagt Sahin. Der Koran ste­he im Mit­tel­punkt des Glau­bens. In ihm sei­en die Suren (Erläu­te­run­gen) und die Sun­an (Hand­lungs­an­wei­sun­gen) ent­hal­ten, die nach der Leh­re direkt vom Pro­phe­ten Moham­med geschrie­ben wurden.

Das Glau­bens­le­ben in der Gemein­de sei sehr aus­ge­prägt. So wer­de sams­tags und sonn­tags Koran­un­ter­richt für Schü­ler angeboten.

Und natür­lich wer­de jeden Tag fünf Mal in der Moschee gebe­tet. Zu den Gebe­ten kämen zwi­schen zehn und 30 Gläu­bi­ge. „Am Frei­tag, unse­rem Hei­li­gen Tag, sind meis­tens 150 Per­so­nen anwe­send“, sagt Sahin. Auch gebe es mitt­ler­wei­le Frau­en als Reli­gi­ons­be­auf­trag­te, aller­dings nicht als Vorbeter.

Die Jugend ein­zu­bin­den, emp­fin­det der Imam als wich­tigs­te Auf­ga­be, auch für die Zukunft. „Das gestal­tet sich aber, wie auch in ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zuneh­mend schwie­rig“, erklärt auch Sahin.

So bie­tet die Gemein­de Go-Cart und Grill und Kino- Aben­de an. Auch soll ein ursprüng­li­cher Jugend­raum wie­der her­ge­rich­tet wer­den. „Wir wol­len wei­ter wach­sen“, erklärt der Imam und fügt schmun­zelnd hin­zu: „Wenn wir schrump­fen, wür­den wir etwas falsch machen.“ Ändern will die Gemein­schaft nichts. „Wir leben unse­ren Glau­ben und die­ser ist der Mit­tel­punkt“, so Sahin.

„Alles ande­re wer­de Allah dazu geben“, sind sich die Ver­ant­wort­li­chen sicher.

Von Redaktion

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