Es ist mor­gens, 9 Uhr. Zwei Leo­pard-2-Pan­zer ducken sich im Sta­pel unter dem Blät­ter­dach des Wal­des im Stapel.
Zug­füh­rer und Pan­zer­kom­man­dant Phil­ipp Voigt (27) schrei­tet mit sei­nen Kame­ra­den ziel­si­cher auf eines der grau­grü­nen Unge­tü­me zu. Der Leo der Bau­rei­he „A 7“ ist ihr Pan­zer. Man­che nen­nen ihn „das Biest“.

Der jun­ge Mann mit dem schar­fen Blick schwingt sich auf die Ket­te des Leo­pard. Er hat heu­te einen beson­de­ren Auf­trag: Die Aus­bil­dung der Lade- und Richt­schüt­zen, die heu­te zum ers­ten Mal den Pan­zer „in der Wild­nis“ fah­ren. Richt­schüt­ze Gide­on Berg über­prüft die Gerä­te bevor die Trup­pe zur Übungs­fahrt anbricht
Auch Voigt steigt durch die Luke ein. Fast drei Meter sind es vom Geschütz­turm bis nach vorn in den engen Füh­rer­stand in der so genann­ten „Wan­ne“ des Panzers.

Der Kom­man­dant sitzt auf Tuch­füh­lung mit dem Richt-und Lade­schüt­zen, die unter­des­sen eben­falls ihren Platz ein­ge­nom­men. Es herrscht bedrü­cken­de Enge.

Voigt gibt den Befehl zum star­ten. Der stäh­ler­ne Koloss brummt und springt an. Grol­lend set­zen sich schlag­ar­tig 1500 PS des 47,6‑Liter-Mehrstoff-Triebwerks in Bewe­gung. Behut­sam bug­siert der Fah­rer das 70 Ton­nen schwe­re Gefährt mit quiet­schen­den Ket­ten aus der Deckung auf die Lichtung.

Bevor Lade­schüt­ze, Richt­schüt­ze, Fah­rer und Kom­man­dant die Fahrt begin­nen, ist erst­mal ein umfas­sen­der Fahr­zeug­check ange­sagt: Ölstand mes­sen, Signal­ein­rich­tun­gen, Bedien­he­bel und Instru­men­te über­prü­fen. Funk­tio­niert die Beleuch­tung? Ist genug Treib­stoff an Bord? Gibt es irgend­wo ein Leck? Und: Ist genug Was­ser in den Tanks? „Was­ser ist sehr wich­tig. Zum Spie­gel put­zen“, erklärt Voigt. Das ist kein Witz: Denn im Gelän­de schaut der Richt­schüt­ze nach vorn nur über drei schma­le, gera­de mal 15 Zen­ti­me­ter brei­te Win­kel­spie­gel nach drau­ßen. Auf einem klei­nen Schwarz­weiß-Moni­tor kann er beob­ach­ten, was direkt hin­ter dem Pan­zer los ist. Den Kopf im Gelän­de aus der Fah­rer­lu­ke ste­cken? Das wäre töd­lich. „Der dreh­ba­re Turm wür­de dem Fah­rer im Gelän­de glatt den Kopf abra­sie­ren“, erklärt Voigt.

Von Fer­ne kün­digt sich „das Biest“ durch ein hel­les Sur­ren an. „Pan­zer­fah­ren ist Team­ar­beit“, sagt Voigt, wäh­rend sich der „Leo“ mit gefühl­ten Tem­po 50 durch das Gelän­de bret­tert. „Pan­zer­fah­ren ist Kopf­ar­beit. Man muss Infor­ma­tio­nen schnell erken­nen und umset­zen. Auf der Stra­ße muss man viel abschätzen.“

Wäh­rend der Fahrt auf der Stra­ße kann der Pan­zer­fah­rer weder sehen, was hin­ter noch neben dem Fahr­zeug pas­siert. Ob sich ein Rad­fah­rer nähert oder gera­de ein Auto über­holt. „Er ist auf Infor­ma­tio­nen des Kom­man­dan­ten und des Lade­schüt­zen ange­wie­sen, der hin­ten auf die Stra­ße schaut“, sagt Lincke. Alle arbei­ten Hand in Hand.

Per Bord­ver­stän­di­gungs­an­la­ge bestimmt der Kom­man­dant den Kurs. jetzt im Sta­pel müs­sen Richt- und Lade­schüt­ze zei­gen, was sie in der theo­re­ti­schen Aus­bil­dung gelernt haben.

Den Turm wei­ter nach links, die Kur­ve mit­neh­men, vor­aus­schau­end fah­ren“, for­dert Voigt den Richt­schüt­zen auf.
Mit zwölf­fa­cher Ver­grö­ße­rung blickt die­ser durch sein Haupt­ziel­fern­rohr nach vor­ne. „Als Lade- und Richt­schüt­ze eines Kampf­pan­zers Leo­pard 2 über­neh­men Sie gro­ße Ver­ant­wor­tung“, erklärt Voigt. Denn die­se wür­den geg­ne­ri­sche Zie­le wir­kungs­voll bekämp­fen und auch Gefah­ren aus der Luft erfolg­reich abweh­ren. „In einem her­aus­for­dern­den Tätig­keits­feld bestechen Sie durch siche­re Hand­ha­bung tech­ni­scher Sys­te­me und her­vor­ra­gen­de Kennt­nis des moder­nen Waf­fen­sys­tems“, schil­dert Voigt das Aufgabenspektrum.

Ein wei­te­res Auf­ga­ben­feld sei für die Gefechts­fä­hig­keit des Fahr­zeugs und die Funk­ti­ons­tüch­tig­keit der Bord­waf­fen zu sor­gen. Kein ein­fa­cher Job. Aber für die ange­hen­den Schüt­zen ist er genau das: Der Traum­job. am Ende der Übung zeigt sich der Pan­zer­kom­man­dant zufrie­den. Dafür, dass es die ers­te Fahrt war, lief es schon gut“, lobt er die Kameraden.

Die größ­te Feu­er­kraft in der Pan­zer­trup­pe stellt der Kampf­pan­zer dar und ist somit auch die Haupt­waf­fe deselbigen.
Trotz der mas­si­ven Pan­ze­rung für etwai­ge Ver­tei­di­gun­gen sind die Maschi­nen sehr beweg­lich. Gera­de die Beweg­lich­keit kann in der Hit­ze des Gefechts ent­schei­dend sein. So besteht zum Bei­spiel die Mög­lich­keit der Über­que­rung von Gewäs­sern. Über kur­ze Stre­cken kann sich ein Pan­zer auch unter Was­ser fortbewegen.

Der Richt­schüt­ze rich­tet das Geschütz aus. Außer­dem stellt er die Ver­tre­tung zum Kom­man­dan­ten dar. Bei der Aus­rich­tung des Geschüt­zes nennt man die hori­zon­ta­le Bewe­gung Schwen­ken und die ver­ti­ka­le Bewe­gung Rich­ten. Die Haupt­auf­ga­be des Lade­schüt­zen ist wie der Name ver­mu­ten lässt – das Laden der Kano­ne. Der Fah­rer bedient den Panzer.

Von Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner