Es gibt nur weni­ge „siche­re“ Jobs in bewaff­ne­ten Kon­flik­ten, aber einer der här­tes­ten und gefähr­lichs­ten ist der des Scharfschützen.
Sie bewe­gen sich in Trupps zu zwei Mann, um den Feind, der sich oft­mals weit hin­ter den Lini­en befin­det, auf­zu­klä­ren – jeder­zeit in dem Wis­sen, dass ein Geg­ner, der sie ent­deckt, töd­lich für sie sein kann. Wie schaf­fen sie es, die­sen Stress zu über­win­den? Wel­che Vor­aus­set­zun­gen muss jemand haben, der Scharf­schüt­ze wer­den will. Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN haben mit dem Aus­bil­der der Schüt­zen gespro­chen und durf­ten die­sen einen Tag beglei­ten. „Ein Scharf­schüt­ze muss sport­lich, abge­klärt, geis­tig fle­xi­bel, gelas­sen und zuver­läs­sig sein“, erklärt Aus­bil­der Ste­fan Hau­ser, der in Wirk­lich­keit anders heißt. Aber sowohl er, als auch die Scharf­schüt­zen sehen ihre Namen nur ungern in der Öffentlichkeit.

Außer­dem müs­se jeder Scharf­schüt­ze einen ordent­li­chen Sinn für Humor haben. War­um das? „Wenn Sie für Stun­den nur beob­ach­ten, dann kann es sein, dass Sie spä­ter nur Schwach­sinn reden“, erklärt Hau­ser schmun­zelnd. Dann dür­fe kei­ner dabei sein, der die Wor­te auf eine Gold­waa­ge lege.

„Als Scharf­schüt­ze ist man stän­dig müde, oft­mals dehy­driert, wahr­schein­lich am Frie­ren, sicher nass und immer hungrig“.

Die Scharf­schüt­zen haben die Auf­ga­be, Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, feind­li­che Kom­man­deu­re aus­zu­schal­ten, zu über­wa­chen, ande­re Scharf­schüt­zen zu jagen, Feu­er­un­ter­stüt­zung für die eige­ne Trup­pe zu leis­ten und damit feind­li­che Ope­ra­tio­nen zu stören.
Vie­le Scharf­schüt­zen sagen, sie bewäl­ti­gen den inten­si­ven Druck ihrer Auf­ga­be, indem sie sich fokus­sie­ren und sich von ihrer Erfah­rung lei­ten lassen.

„Von ihren Fähig­kei­ten hängt nicht nur die Mis­si­on, son­dern auch das Leben ande­rer ab“, so Hau­ser. Häu­fig sei der bes­te Weg, mit dem Druck umzu­ge­hen, sich voll und ganz auf die Auf­ga­be zu kon­zen­trie­ren. Hau­ser, der in einem Ein­satz selbst unter Beschuss geriet, erläu­tert, dass „wenn man da drau­ßen ist den Druck in der Situa­ti­on nicht spürt.“

„Die­ser Beruf sorgt für einen har­ten Lebens­stil, bei dem wir jeden Tag auf­ste­hen und här­ter trai­nie­ren müs­sen als der Feind. Wir müs­sen dafür sor­gen, dass wir die Ober­hand gewin­nen, sobald wir ihn im Kampf tref­fen“, so Hau­ser. Aus dem Grund trai­niert er die Sol­da­ten bis kurz vor dem Erschöpfungszustand.

Dem­entspre­chend hoch ist auch die Aus­fall­quo­te, die trotz sechs­wö­chi­ger Vor­aus­bil­dung für die Prü­fung an der Infan­te­rie­schu­le in Ham­mel­burg dort bei knapp 70 Pro­zent liegt. „Ich konn­te jedoch jeden Lehr­gangs­teil­neh­mer so vor­be­rei­ten, dass sie alle bestan­den haben“, freut sich Hau­ser. „Wir erle­ben oft, dass wir mit unse­ren Fähig­kei­ten Teil­neh­mern aus ande­ren Natio­nen was bei­brin­gen kön­nen“, erklärt er stolz.

Mit den ange­hen­den Scharf­schüt­zen übt Hau­ser heu­te das Ent­fer­nungs­schät­zen mit blo­ßem Auge, das Annä­hern und das Beob­ach­ten. Mit einem Tarn­an­zug (Ghil­lie) aus­ge­rüs­tet, lie­gen die Scharf­schüt­zen bewe­gungs­los im Sta­pel und suchen ihren Kame­ra­den, der sich für die Übung ver­steckt hat. Nach­dem die Übung been­det ist und die Sol­da­ten die nächs­te Etap­pe ange­hen, sucht ein Aus­bil­der den Platz der vor­he­ri­gen Übung ab.

Mit einer Hand­voll Fasern des Tarn­an­zu­ges kommt er auf die Grup­pe der Aus­zu­bil­den­den zu. Hau­ser unter­streicht: „Ihr dürft kei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen, die eige­ne Anwe­sen­heit muss ver­schlei­ert werden.“

Das Trai­ning ver­langt den Sol­da­ten eini­ges ab. „Nach drei Stun­den Übung legen wir eine Pau­se ein, sonst geht nichts mehr“, erklärt der Ausbildungsleiter.

Die Scharf­schüt­zen sind gut aus­ge­rüs­tet; mit Dop­pel­fern­rohr, Nacht­sicht­ge­rät, Funk­ge­rät und Laser­ent­fer­nungs­mes­ser und natür­lich dem G‑22, das auf jeden Schüt­zen indi­vi­du­ell ein­ge­stellt ist.

„Wir sind hier schon sehr gut aus­ge­stat­tet“, bestä­tigt auch Hau­ser, der den Teil­neh­mern beschei­nigt, „recht ordent­lich“ abge­lie­fert zu haben. Nun kön­nen sich die Sol­da­ten etwas aus­ru­hen, dann geht es weiter.

Von Redaktion

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