Seit dem 18. Okto­ber gilt eine neue Stra­te­gie der Reser­ve. War­um war die­se not­wen­dig? Was genau bedeu­tet die­se und was hat das alles mit der Ukrai­ne zu tun? Über die­se Fra­gen spra­chen die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN mit Chris­ti­an Sau­ter, Mit­glied des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses des Deut­schen Bundestages.

AN: Herr Sau­ter, war­um bedurf­te es einer neu­en Stra­te­gie der Reserve?

Sau­ter: Die bis­he­ri­ge Stra­te­gie der Reser­ve stammt aus dem Jahr 2012. Nach der Anne­xi­on der Krim 2014 und dem dar­aus ent­stan­de­nen Pro­zess und der Ände­rung der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik war es drin­gend not­wen­dig, auch die Reser­ve der Bun­des­wehr auf die neu­en Her­aus­for­de­run­gen anzu­pas­sen. Lan­des- und Bünd­nis­ver­tei­di­gung ist durch das Weiß­buch 2016, die Kon­zep­ti­on der Bun­des­wehr 2018 und das letzt­lich dar­aus abge­lei­te­te Fähig­keits­pro­fil aus dem glei­chen Jahr wie­der gleich­ge­wich­tet gegen­über Aus­lands­ein­sät­zen in der Bedeu­tung. Dies mün­det nun in den Eck­punk­ten der Stra­te­gie der Reser­ve – „Visi­on Reser­ve 2032plus“.

AN: Inwie­fern spielt Deutsch­land als Teil der NATO dabei eine Rolle?

Sau­ter: Deutsch­land spielt inner­halb der NATO in die­sem Pro­zess eine wich­ti­ge Rol­le. Auch im Hin­blick auf die beson­de­ren Auf­ga­ben, die es künf­tig als eine Dreh­schei­be in Euro­pa erfül­len muss, wenn es um mili­tä­ri­sche Bewe­gun­gen in das Bal­ti­kum geht. Wir sind im Rah­men des Host Nati­on Sup­port eng ein­ge­bun­den in die Pla­nun­gen unse­rer Part­ner. Unter ande­rem hier­aus erge­ben sich auch neue Auf­ga­ben für die Reserve.

AN: Was bedeu­tet das für Deutschland?

Sau­ter: Die Debat­te hier­über ist auf Fach­ebe­ne in vol­lem Gan­ge, in der erwei­ter­ten Öffent­lich­keit aber noch in eher unter­ge­ord­ne­ter Rol­le. Für die Bun­des­wehr, aber auch für die Reser­ve wird das Ver­än­de­run­gen brin­gen. Denn neben dem Auf­wuchs des akti­ven Teils der Bun­des­wehr wird auch die Reser­ve auf­wach­sen müs­sen, um den Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den. Dafür ist es not­wen­dig, Pro­zes­se und Struk­tu­ren den neu­en Her­aus­for­de­run­gen anzu­pas­sen. Die neue Stra­te­gie der Reser­ve ist der Start­punkt dafür und wird eini­ge Geset­zes­än­de­rungs­ver­fah­ren auslösen.
AN: Wofür soll die Reser­ve also in Zukunft ein­ge­setzt werden?

Sau­ter: Die Reser­ve wird auch in Zukunft mit bis­he­ri­gen Auf­ga­ben betraut wer­den, zusätz­lich kom­men neue hin­zu. Die Unter­stüt­zung der akti­ven Trup­pe im Grund­be­trieb ist eine wesent­li­che Kom­po­nen­te, die Ver­stär­kungs­re­ser­ve wird ein wesent­li­cher Schwer­punkt. Dazu kom­men erwei­ter­te Auf­ga­ben des klas­si­schen Hei­mat­schut­zes. Die den Lan­des­kom­man­dos zuge­ord­ne­ten Regio­na­len Siche­rungs- und Unter­stüt­zungs­kräf­te, die RSU-Kom­pa­nien, sind dabei in Funk­ti­on und wer­den suk­zes­si­ve per­so­nell auf­ge­füllt. Wei­te­re Auf­ga­ben für die Reser­ve wer­den hinzukommen.

AN: Wie wich­tig ist die Reser­ve für die­se Aufgaben?

Sau­ter: Die Bedeu­tung der Reser­ve hier­bei ist grö­ßer gewor­den und durch die neue Stra­te­gie der Reser­ve ist erkenn­bar, dass die­se Rol­le noch gewich­ti­ger wird, da zeit­gleich die Auf­ga­ben­fül­le der Bun­des­wehr wei­ter anwach­sen wird. Neben ihrer wich­ti­gen Mitt­ler­funk­ti­on in die Gesell­schaft sind Reser­ve­dienst­leis­ten­de ins­be­son­de­re bei der soge­nann­ten „Trend­wen­de Per­so­nal“ ein wich­ti­ger Bestand­teil. Erkenn­bar ist das auch am bis­her geplan­ten Auf­wuchs an Reser­ve­dienst­pos­ten von der­zeit 3800 auf 4500 bis 2025. Ob das aus­reicht, muss sich zeigen.

AN: Wie soll die Reser­ve dann in Zukunft ein­ge­setzt werden?

Sau­ter: Ein wesent­li­cher Punkt der neu­en Stra­te­gie ist die Grund­be­or­de­rung (GBO) für sechs Jah­re grund­sätz­lich nach dem Aus­schei­den aus dem akti­ven Dienst. Vor­aus­set­zung ist eine grund­sätz­li­che Dienst­fä­hig­keit. Die tat­säch­li­che Ableis­tung der Wehr­übun­gen soll dann in Frie­dens­zei­ten auf frei­wil­li­ger Basis erfolgen.

AN: Wie beur­tei­len Sie die­se neue Strategie?

Sau­ter: Die Stra­te­gie zeigt in die rich­ti­ge Rich­tung. Die Grund­be­or­de­rung unter Bei­be­hal­tung der frei­wil­li­gen Teil­nah­me an Wehr­übun­gen in Frie­dens­zei­ten hal­te ich für den rich­ti­gen Weg. Es wird sich nun zei­gen, wie schnell sich die Ände­run­gen umset­zen las­sen, da hier auch Geset­zes­än­de­run­gen erfor­der­lich sind. Kri­tisch aber zu beob­ach­ten ist, ob das auch finan­zi­ell durch die mit­tel­fris­ti­ge Finanz­pla­nung aus­rei­chend abge­bil­det wird und ob die not­wen­di­gen Mate­ri­al­be­schaf­fun­gen und Struk­tur­maß­nah­men zeit­ge­recht umge­setzt wer­den können.

AN: Herz­li­chen Dank für das Gespräch.

Von Redaktion

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