Die Inne­re Füh­rung bil­det die Wer­te­grund­la­ge für ver­ant­wort­li­ches Han­deln in der Bun­des­wehr. Alle Ange­hö­ri­gen der Bun­des­wehr sind auch Staats­bür­ge­rin­nen und Staats­bür­ger – mit allen Rech­ten und Pflichten.
Als Staats­bür­ger in Uni­form sind Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten den Wer­ten und Nor­men des Grund­ge­set­zes beson­ders ver­pflich­tet. Umge­kehrt müs­sen auch Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten in der Bun­des­wehr die Wer­te und Rech­te erle­ben kön­nen, für deren Schutz sie ein­ste­hen sollen.
Die Inne­re Füh­rung ver­mit­telt die­se Wer­te und setzt sie um. Dazu zäh­len Men­schen­wür­de, Frei­heit, Frie­den, Gerech­tig­keit, Gleich­heit, Soli­da­ri­tät und Demo­kra­tie. Sie müs­sen in der Aus- und Wei­ter­bil­dung der Sol­da­ten an Bei­spie­len fass­bar gemacht wer­den, denn im äußers­ten Fall set­zen Sol­da­ten für die­se Wer­te ihr Leben aufs Spiel. Das heißt auch, dass ein gemein­sa­mes Grund­ver­ständ­nis über die Wer­te der Inne­ren Füh­rung besteht.
Die Inne­re Füh­rung ist schließ­lich auch die Pflicht, sel­ber zu den­ken und nicht blind zu fol­gen. Sie bil­det für jeden Sol­da­ten die Grund­la­ge sei­nes Handelns.
Die Grund­idee der Inne­ren Füh­rung ist nur zu ver­ste­hen, wenn ihre Ent­ste­hungs­ge­schich­te mit­ge­dacht wird. Die deut­sche Wehr­macht war in die Ver­bre­chen des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­strickt. Als die Bun­des­wehr 1955 gegrün­det wur­de, stell­te sie sich bewusst nicht in die Tra­di­ti­on der Wehr­macht. Im Tra­di­ti­ons­er­lass von 1982 wur­de ein­deu­tig fest­ge­legt, dass ein Unrechts­re­gime wie der Natio­nal­so­zia­lis­mus – und mit die­sem die Wehr­macht – kei­ne Tra­di­ti­on für die Bun­des­wehr begrün­den kann.

Mit dem soge­nann­ten „Pri­mat der Poli­tik“ wur­de die Bun­des­wehr als Armee in der Demo­kra­tie ver­an­kert und der Poli­tik unter­stellt. Bewaff­ne­te Ein­sät­ze wer­den im Bun­des­tag beschlos­sen und von ihm man­da­tiert. Die Streit­kräf­te wer­den also von den gewähl­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten in den Ein­satz geschickt.

Die Bun­des­wehr kennt kei­nen unbe­ding­ten Gehor­sam. Die letz­te Ent­schei­dungs­in­stanz bleibt das Gewis­sen jedes Ein­zel­nen. Die­ses Gewis­sen zu schu­len, ist die Auf­ga­be der his­to­ri­schen und poli­ti­schen Bil­dung, des lebens­kund­li­chen Unter­richts und des Füh­rens durch Vor­bild. Staats­bür­ger­li­ches Han­deln setzt his­to­ri­sche und poli­ti­sche Bil­dung voraus.
In der his­to­ri­schen Bil­dung wird ver­mit­telt, wie sich die Wer­te unse­rer Rechts­ord­nung ent­wi­ckelt haben und wo ihre geschicht­li­chen Ursprün­ge sind. Da sich die Bun­des­wehr auf Tra­di­tio­nen beruft, wird in der his­to­ri­schen Bil­dung geklärt, wel­che geschicht­li­chen Bei­spie­le tra­di­ti­ons­wür­dig sind und wel­che nicht.

In der poli­ti­schen Bil­dung wer­den aktu­el­le poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen dis­ku­tiert. Der Staats­bür­ger in Uni­form kann nur dann gesell­schafts­po­li­ti­sche Sach­ver­hal­te bewer­ten, wenn er über die­se infor­miert ist und sie durch­dacht hat. Das ist die Auf­ga­be von Unter­rich­ten und Ver­an­stal­tun­gen zur poli­ti­schen Bil­dung an allen Stand­or­ten und für alle Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­gen sowie der Medi­en der Mit­ar­bei­ter­kom­mu­ni­ka­ti­on und der zen­tra­len Truppeninformation.

Im lebens­kund­li­chen Unter­richt, der über­wie­gend von den Mili­tär­geist­li­chen gelei­tet wird, wer­den ethi­sche Fra­gen behandelt.

Für die Inne­re Füh­rung spie­len die Vor­ge­setz­ten eine Schlüs­sel­rol­le: Sie sind dafür ver­ant­wort­lich, den ein­zel­nen Teil­be­rei­chen der Inne­ren Füh­rung die nöti­ge Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Außer­dem müs­sen sie die Grund­sät­ze der Inne­ren Füh­rung ver­in­ner­licht haben, nur so kön­nen sie auch als Vor­bild fun­gie­ren. In vie­len Aus­bil­dungs­stät­ten der Bun­des­wehr gibt es zusätz­lich Unter­richt zur Inne­ren Füh­rung selbst.

Das Prin­zip der Inne­re Füh­rung ist welt­weit ein­zig­ar­tig. Vie­le Län­der ver­su­chen, von ihr zu ler­nen und über­neh­men Tei­le der Inne­ren Füh­rung für ihre eige­nen Streit­kräf­te. Die Inne­re Füh­rung ist jedoch kein rei­nes Lehrfach.
Sie hat mit der Per­sön­lich­keit eines jeden ein­zel­nen Sol­da­ten zu tun. Nur wer sich selbst füh­ren kann, das heißt, wer his­to­risch, poli­tisch und ethisch gut infor­miert ist und dadurch Ent­schei­dun­gen tref­fen kann, soll­te auch ande­re füh­ren dür­fen. Ein infor­mier­tes Gewis­sen und die Fähig­keit, sel­ber zu den­ken, sind die Säu­len der Inne­ren Führung.

Das Pro­blem an den bekannt gewor­de­nen Ver­stö­ßen gegen die Grund­sät­ze der Inne­ren Füh­rung und im Fall von Fran­co A. liegt auch dar­in, dass die hier gezeig­ten Ver­hal­tens­wei­sen der dar­an betei­lig­ten Sol­da­ten und sol­da­ti­schen Vor­ge­setz­ten die Grund­fes­ten der Inne­ren Füh­rung berühren.

Es zeigt sich hier, dass die­je­ni­gen, die in der Kri­tik ste­hen, die Inne­re Füh­rung nicht ver­in­ner­licht haben – und dass Vor­ge­setz­te das nicht erkannt haben.

Von Redaktion

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