165 Men­schen erkrank­ten im Jahr 2013 in War­stein an der Legio­närs­krank­heit, drei star­ben an den Fol­gen einer schwe­ren Lun­gen­in­fek­ti­on. Aus­lö­ser waren Legio­nel­len, die über soge­nann­te Ver­duns­tungs­kühl­an­la­gen in die Atem­luft gelang­ten. Das Kreis­ge­sund­heits­amt und der Immis­si­ons­schutz des Krei­ses Lip­pe beschäf­ti­gen sich fast täg­lich mit den Nach­wir­kun­gen ver­un­rei­nig­ten Was­sers und appel­lie­ren an die Betrei­ber, ihre Anla­gen zu melden.

Um Aus­brü­chen wie in War­stein vor­zu­beu­gen, regelt seit dem 19. August 2017 die 42. Ver­ord­nung zum Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­setz (42. BIm­SchV) den Umgang mit Ver­duns­tungs­kühl­an­la­gen. Die­se wer­den häu­fig bei Käl­te, Kli­ma- oder Ener­gie­er­zeu­gungs­an­la­gen ver­wen­det. Sie wer­den des­halb nicht nur in der Indus­trie und Ener­gie­wirt­schaft, son­dern auch im Han­del, in der Gas­tro­no­mie, in Gemein­schafts­ein­rich­tun­gem sowie an Hotel- und Büro­ge­bäu­den ein­ge­setzt. Dane­ben regelt die Ver­ord­nung auch den Betrieb von Nassa­b­schei­dern, z.B. in Lackierereien.

Die 42. BIm­SchV sieht vor, dass alle Betrei­ber ihre Bestands­an­la­gen, neue Anla­gen, Ände­run­gen in der Tech­nik, Still­le­gun­gen oder Betrei­ber­wech­sel den zustän­di­gen Behör­den mel­den sol­len. Stich­tag für die Bestands­an­la­gen war der 19. August 2018. „In Lip­pe haben uns bis heu­te 18 Unter­neh­men 32 Anla­gen gemel­det, die tat­säch­li­che Zahl wird um ein Viel­fa­ches höher sein“, berich­tet Olrik Mey­er, Lei­ter Immis­si­ons­schutz beim Kreis Lip­pe. „In der Regel soll­ten Anla­gen­be­trei­ber auf uns zukom­men, wenn bei der Küh­lung ein Was­ser­dampf ent­steht“, betont er. „Im Gespräch lässt sich dann klä­ren, ob die Anla­ge von der Ver­ord­nung betrof­fen ist“.

Gene­rell prüft der Kreis im Rah­men von Umwelt­in­spek­tio­nen, ob ein Unter­neh­men oder eine Ein­rich­tung ihre mel­de­pflich­ti­ge Anla­ge ange­zeigt hat. Die Gesund­heits­auf­se­her unter­su­chen, ob die­se den hygie­ni­schen Vor­schrif­ten ent­spre­chen. Das 42. BIm­SCHV regelt jedoch, dass vor allem der Betrei­ber selbst in der Pflicht ist, sei­ne Anla­ge vor­schrifts­mä­ßig zu betrei­ben. „Dazu zäh­len unter ande­rem die zwei­wö­chent­li­che inter­ne Über­prü­fung des Nutz­was­sers z.B. auf Legio­nel­len, exter­ne Labor­un­ter­su­chun­gen oder das Füh­ren eines Betriebs­ta­ge­buchs“, erläu­tert Olrik Meyer.

„Nicht sel­ten sind bei unse­ren Kon­trol­len die Grenz­wer­te für Legio­nel­len über­schrit­ten“, weiß Micha­el Eich, zustän­di­ger Gesund­heits­auf­se­her beim Kreis Lip­pe. „Das ist in vie­len Fäl­len unpro­ble­ma­tisch, solan­ge wir infor­miert und zeit­nah die rich­ti­gen Gegen­maß­nah­men ergrif­fen wer­den“, betont der Exper­te. „Hier ste­hen wir jeder­zeit mit Rat und Tat zur Seite“.

Das Ziel des Krei­ses ist es, ein flä­chen­de­cken­des Katas­ter für alle Anla­gen im Kreis­ge­biet und an den Kreis­gren­zen auf­zu­bau­en, denn so könn­ten die Fach­leu­te die Quel­le eines Legio­nel­len-Aus­bruchs leich­ter loka­li­sie­ren und Fol­gen mini­mie­ren. „Daher ist unser ein­dring­li­cher Appell an alle Anla­gen­be­trei­ber in Lip­pe, Bestands­an­la­gen unver­züg­lich bei uns zu mel­den“, unter­streicht Mey­er. Wer sich nicht sicher ist, ob er eine Ver­duns­tungs­kühl­an­la­ge in Betrieb hat, fin­det den rich­ti­gen Ansprech­part­ner eben­falls beim Kreis Lip­pe. Tobi­as Möl­ler vom Immis­si­ons­schutz steht unter (0 52 31) 62–6780 oder per E‑Mail unter t.moeller@kreis-lippe.de zur Verfügung.

Info:

Legio­nel­len sind Bak­te­ri­en und kom­men in natür­li­chen Gewäs­sern und Böden vor. Nor­ma­ler­wei­se stel­len sie dort kei­ne Gesund­heits­ge­fahr dar. Wer­den Ver­duns­tungs­kühl­an­la­gen und Nassa­b­schei­der nicht ord­nungs­ge­mäß betrie­ben, kön­nen sich Legio­nel­len in den Anla­gen über­mä­ßig ver­meh­ren und über die Abluft frei­ge­setzt wer­den. Wer­den die Bak­te­ri­en über kleins­te Was­ser­trop­fen (Aero­so­le) inha­liert und gelan­gen so in die Lun­ge, kann dies zu schwe­ren Lun­gen­in­fek­tio­nen bis hin zum Tod führen.

 

Von Redaktion

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