Seit Anfang April ist Oberst Jochen Geck Stand­ort­äl­tes­ter der Bun­des­wehr in Augustdorf.
Was macht über­haupt ein Stand­ort­äl­tes­ter? Wie sieht sei­ne Zwi­schen­bi­lanz aus? Und was genau bedeu­tet sol­da­ti­sche Ord­nung? Vie­le Fra­gen, die Anlass für ein Inter­view geben, das die August­dor­fer Nach­rich­ten mit dem Oberst geführt haben.

AN: Herr Oberst, wie sieht Ihre Bilanz nach die­sen Mona­ten aus?

Geck: Dazu möch­te ich erst ein­mal erläu­tern, dass ich meh­re­re Bilan­zie­run­gen vor­neh­men kann.

AN: Wel­che sind das?

Geck (lacht): Naja, ich bin „Wie­der­ho­lungs­tä­ter“. In mei­ner ers­ten Bilanz war ich schon von 1995 bis 1998 Kom­pa­nie­chef an die­sem Stand­ort. Dar­um war es für mich so, als ich 2016 wie­der hier­her kam, als käme ich nach Hause.

AN: Was ist Ihre zwei­te Bilanz?

Geck: Die zwei­te Bilanz bedeu­tet, dass ich seit 2016 hier bin und bis 2019 mei­nen zwei­ten Dienst­pos­ten inne hatte.
Seit März bin ich nun in mei­ner Funk­ti­on als stell­ver­tre­ten­der Bri­ga­de­kom­man­deur und Stand­ort­äl­tes­ter in der drit­ten Ver­wen­dung in August­dorf. Das ist eine Bilanz mit drei unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven, die ich hat­te. Das bedeu­tet auch, dass ein Groß­teil mei­ner mili­tä­ri­schen Zeit hier in August­dorf statt­ge­fun­den hat.

AN: Was haben Sie in Ihrer zwei­ten Ver­wen­dung gemacht?

Geck: Mei­ne Auf­ga­be war es bis zum Jahr 2019 aus­län­di­sche Streit­kräf­te in Aus­bil­dungs­fra­gen zu bera­ten. Die­ses habe ich mit mei­ner Abtei­lung vor­ran­gig in Aus­lands­ein­sät­zen in Afgha­ni­stan durch­ge­führt. Ansons­ten war ich im Wesent­li­chen für Aus­bil­dung und Übun­gen der Bri­ga­de zuständig.

AN: Wie sieht Ihr Auf­ga­ben­feld jetzt aus?

Geck: Jetzt als Stand­ort­äl­tes­ter ist es natür­lich noch ein­mal ganz anders. Weil ich jetzt ganz ande­re Auf­ga­ben habe. Ich bin der ers­te Stell­ver­tre­ter des Bri­ga­de­kom­man­deurs und ich bin Kom­man­deur der Brigadeeinheiten.
Das ist etwas Beson­de­res, weil ich eine Dop­pel­funk­ti­on habe.

AN: Wel­che ist das?

Geck: Als stell­ver­tre­ten­der Bri­ga­de­kom­man­deur habe ich mei­nen Bri­ga­de­kom­man­deur als Vor­ge­setz­ten. Als Stand­ort­äl­tes­ter habe ich den Kom­man­deur des Lan­des­kom­man­dos in Düs­sel­dorf als ter­ri­to­ria­len Vor­ge­setz­ten über mir.

AN: Was gehört zu Ihren Aufgaben?

Geck: Dazu gehört neben der Infra­struk­tur, Stand­ort­an­ge­le­gen­hei­ten, Übungs­plät­ze, auch die Betreu­ung, die zivil-mili­tä­ri­sche Zusam­men­ar­beit und der host-nati­on sup­port, das heißt die Unter­stüt­zung aus­län­di­scher Streit­kräf­te am Stand­ort Augustdorf.

AN: Wie wür­den Sie Ihre Arbeit beschreiben?

Geck (denkt nach): Die Auf­ga­ben sind sehr viel­schich­tig, so arbei­te ich unter ande­rem auch viel mit dem Bun­des­wehr­dienst­leis­tungs­zen­trum zusammen.

AN: Wie hat sich die Anfangs­zeit Ihrer Arbeit hier gestaltet?

Geck: Für mich war es ein wenig ein­fa­cher, da mein Vor­gän­ger Oberst Töl­ke noch vier Mona­te im Amt war. So konn­te ich mir schon eini­ges aneignen.

AN: Was hat Ihnen noch geholfen?

Geck: Ich habe zum Bei­spiel in den Stand­ort­an­ge­le­gen­hei­ten eine klei­ne Dienst­grup­pe, die mich in den Ange­le­gen­hei­ten bera­ten. Aber natür­lich muss­te ich mich auch rein­le­sen und schauen.

AN: Was haben Sie geändert?

Geck: Die Stand­ort­dienst­grup­pe hat­te sich bis­her nicht regel­mä­ßig getrof­fen. Nun tref­fen wir uns aber ein­mal im Monat, um zum Bei­spiel Fra­gen zur Stand­ort­schieß­an­la­ge und zur Infra­struk­tur zu erörtern.

AN: Sie sind als Stand­ort­äl­tes­ter auch für das Haus Sen­ne, die „Oase“ mit­ver­ant­wort­lich. Wie ent­wi­ckelt sich die Lokalität?

Geck: Was ich mit­be­kom­me, ist, dass die Oase einen schö­nen Treff­punkt, sowohl für die zivi­le Bevöl­ke­rung, als auch für die Sol­da­ten dar­stellt. Es ist sicher­lich nicht jeden Abend bre­chend voll. Aber es gibt vie­le Ver­an­stal­tun­gen, und vor allem ist die Ört­lich­keit am Wochen­en­de gut besucht. Der gro­ße Vor­teil besteht dar­in, dass dort jeder hin­kann, da es außer­halb des Kaser­nen­ge­län­des liegt. Für mich ist die Oase jetzt schon eine Erfolgs­ge­schich­te, zumal die Küche exzel­lent ist.

AN: Gibt es eine Kon­kur­renz zu GHG auf dem Kasernengelände?

Geck: Ich sehe im Moment auch kei­ne Redu­zie­rung des Bedarfs zur GHG. Ich den­ke es ver­teilt sich sehr gut.
Auch wenn in der GHG zahl­rei­che Tagun­gen statt­fin­den, ist das eigent­lich nicht die Ursprungs­idee gewe­sen. Dort soll­te in ers­ter Linie Bewir­tung statt­fin­den. Von daher hat jeder sei­ne Schwerpunkte.

AN: Wie läuft es mit den Päch­tern der „Oase“?

Geck: Auch mit den Päch­tern kom­me ich gut zurecht. Das sind sehr sym­pa­thi­sche Leute.
Neu­lich habe ich gese­hen, dass jeman­dem eine Cur­ry­wurst mit Käse über­ba­cken ser­viert wur­de. Die trau­en sich, ein­fach mal auch was unge­wöhn­li­ches zu machen.

AN: Mit wel­chen Erwar­tun­gen haben Sie hier angefangen?

Geck: Es war für mich ein Stück­weit ein bekann­tes Metier. Natür­lich war dort auch ein Stück Unsi­cher­heit, weil die Zustän­dig­kei­ten nicht immer ein­deu­tig waren.

AN: Sie sind für die sol­da­ti­sche Ord­nung zustän­dig; was bedeu­tet das?

Geck: Die Ein­hal­tung der sol­da­ti­schen Ord­nung fällt in die Auf­ga­be eines jeden Vor­ge­setz­ten. Sie geht jeden an. Ob es nun die Haar­tracht oder das Beneh­men ist; der Sol­dat muss im und außer­halb des Diens­tes das Ver­hal­ten an den Tag legen, das ihm durch sei­ne Dienst­stel­lung gebo­ten ist.

AN: Wie sind Sie nun dafür zuständig?

Geck (schmun­zelt): Ich bin nicht der­je­ni­ge, der um die Häu­ser zieht und schaut, ob der Rasen rich­tig gemäht ist, aber natür­lich kann es auch dazu mal kommen.

AN: Wel­che zusätz­li­chen Auf­ga­ben haben Sie?

Geck: Ich bin auch für die zivil-mili­tä­ri­sche Zusam­men­ar­beit verantwortlich.

AN: Was bedeu­tet das?

Geck: Wenn die Bun­des­wehr irgend­wo übt, dann ist es wich­tig, dass wir mit den zustän­di­gen Ver­ant­wort­li­chen spre­chen und ver­su­chen, Ver­ständ­nis dafür zu erzeugen.
Das gilt aber auch, wenn wir Berei­che für die Trup­pen­trans­por­te aus­län­di­scher Streit­kräf­te zur Ver­fü­gung stellen.

AN: Wie ste­hen Sie zu der Dis­kus­si­on „Open Senne“?

Geck: Unse­re Auf­ga­be ist es, dass die Zivil­be­völ­ke­rung best­mög­lichst geschützt ist. Die ein­ge­schränk­te Begeh­bar­keit und Nut­zung der Sen­ne tra­gen wir voll mit. Es ist ein­fach kein Tourismusgebiet.
Ich weiß, dass die­se Ein­schrän­kun­gen auch manch­mal län­ge­re Weg mit sich brin­gen. Aber da kann kei­ner die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, dass es zur Gefähr­dung von Men­schen­le­ben kom­men kann.

Von Redaktion

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