Was ist eigent­lich ein Algo­rith­mus? Wäh­rend die meis­ten Erwach­se­nen bei die­sem Begriff wahr­schein­lich an die eher unge­lieb­ten Mathe­stun­den erin­nert wer­den, ver­birgt sich hin­ter dem Begriff für die Schü­ler der vier­ten Klas­se an der Grund­schu­le Auf der Insel purer Spaß. Denn im Zuge des Sach­un­ter­richts haben die Viert­kläss­ler immer mal wie­der die Mög­lich­keit ihre Pro­gram­mier­kennt­nis­se zu vertiefen.

Gemein­sam mit ihrer Leh­re­rin Fran­zis­ka Kuhl­mei­er ler­nen die jun­gen Tüft­ler dann, wie ein Algo­rith­mus funk­tio­niert und wie sie damit Ampeln, Laut­stär­ke­mes­ser oder sogar Mor­se­ap­pa­ra­te programmieren.
Kuhl­mei­er ist, genau­so wie ihre Kol­le­gin Mei­ke Dri­scherl Medi­en­be­auf­trag­te der Grund­schu­le und von dem Kon­zept über­zeugt. „Die Kin­der mögen das wahn­sin­nig ger­ne“, erklärt sie. Einer davon ist Mat­thes Frodermann.

Gebannt sitzt der Neun­jäh­ri­ge an sei­nem Con­ver­ti­ble — so nennt sich die Form zwi­schen Lap­top, der sich über einen Klapp­me­cha­nis­mus auch in Form eines Tablet-Com­pu­ters nut­zen lässt.

An einem der USB-Ports ist eine Mini-Pla­ti­ne ange­steckt, die nun mit der sei­nes Sitz­nach­barn, Nico Hart­mann kom­mu­ni­zie­ren soll. Nur wenn bei­de den rich­ti­gen Algo­rith­mus pro­gram­miert haben und auf dem sel­ben Kanal kom­mu­ni­zie­ren, tau­schen sich die Gerä­te aus — für jeden sicht­bar durch die klei­nen auf­leuch­ten­den Dioden.

Das Pro­gramm, das die Kin­der ver­wen­den heißt Open Rober­ta. Mit die­sem erläu­tert Kuhl­mei­er die Auf­ga­ben­stel­lung bevor die jun­gen IT-Spe­zia­lis­ten mit der Pro­gram­mie­rung loslegen.

Für Mat­thes einer der leich­tes­ten Übun­gen. Er ist davon so begeis­tert, dass ihm sei­ne Eltern für zu Hau­se auch eine klei­ne Cal­lio­pe-Pla­ti­ne gekauft haben. Die­se gibt es bereits für 34 Euro im Inter­net. „Ich habe zu Hau­se für mei­ne Feder­map­pe sogar eine Dieb­stahl­si­che­rung pro­gram­miert“, erklärt Mat­thes stolz. Sobald ein Unbe­fug­ter die­se öff­ne, ertönt ein Alarm­si­gnal; denn auf der Pla­ti­ne ist auch ein Licht­sen­sor angebracht.
Soweit ist die Klas­se zwar noch nicht, dafür darf Mat­thes aber auch schon mal ande­ren Klas­sen­ka­me­ra­den hel­fen, wenn es bei denen mit der Pro­gram­mie­rung noch nicht so klappt.

Die Nut­zung der Con­ver­ti­bles erfolgt an der Grund­schu­le Auf der Insel, da der Medi­en­kom­pe­tenz­rah­men­des Lan­des NRW eine sechs­te Säu­le vor­sieht: „Pro­blem­lö­sen und Model­lie­ren“ nennt sich die­se. Damit soll eine infor­ma­ti­sche Grund­bil­dung als ele­men­ta­ren Bestand­teil im Bil­dungs­sys­tem ver­an­kert werden.
Neben Stra­te­gien zur Pro­blem­lö­sung sol­len Grund­fer­tig­kei­ten im Pro­gram­mie­ren ver­mit­telt sowie die Ein­flüs­se von Algo­rith­men und die Aus­wir­kung der Auto­ma­ti­sie­rung von Pro­zes­sen in der digi­ta­len Welt reflek­tiert werden.

Um das auch prak­tisch umzu­set­zen, kann die Grund­schu­le Auf der Insel seit Mai 2019 mobi­le End­ge­rä­te nut­zen. „Wir hat­ten zwar einen PC-Raum“, erklärt Schul­lei­te­rin Bir­git Schöne.

Seit­dem die Gerä­te aber ver­al­tet sei­en und der Raum als Klas­sen­raum genutzt wer­de, sei man auf die Con­ver­ti­bles umgestiegen.
Die­se wer­den im Medi­en­raum in Kof­fern gela­gert und kön­nen ent­spre­chend eines Nut­zungs­plans für den Unter­richt gelie­hen werden.

„In der Pra­xis zeig­te sich, dass ein Klas­sen­satz digi­ta­ler End­ge­rä­te nicht aus­rei­chend ist. Wün­schens­wert wäre die Anschaf­fung min­des­tens eines wei­te­rer“, erklärt Schö­ne gegen­über der Redaktion.

Zumal die mobi­len End­ge­rä­te „die Lebens­wirk­lich­keit der Schü­ler abbil­den“, wie Schö­ne erläu­tert. Wer ken­ne heu­te noch einen PC? Die meis­ten sei­en auf Lap­tops oder Smart­pho­nes unter­wegs, weiß die Schul­lei­te­rin, die das Enga­ge­ment der bei­den Medi­en­be­auf­trag­ten zu schät­zen weiß. „Es ist toll zu sehen, wie sich die bei­den ein­brin­gen und sich mit der Mate­rie beschäf­ti­gen“, unter­streicht sie.

So kämen mitt­ler­wei­le auch ande­re Kol­le­gen, um im Unter­richt zu hos­pi­tie­ren und den ein und ande­ren Tipp zu erhal­ten, wie sie die Kin­der beim Pro­gram­mie­ren unter­stüt­zen können.

Der Medi­en­kom­pe­tenz­rah­men NRW ist mitt­ler­wei­le zu einem zen­tra­len Instru­ment für eine umfas­sen­de Medi­en­kom­pe­tenz­ver­mitt­lung und infor­ma­ti­sche Grund­bil­dung über alle Fächer und Alters­stu­fen hin­weg geworden.
Er bil­det die Grund­la­ge für die ver­bind­li­che Wei­ter­ent­wick­lung und Erstel­lung der schu­li­schen Medi­en­kon­zep­te in Nordrhein-Westfalen.
Es wird daher künf­tig nur noch für die Grund­schu­le Doku­men­ta­ti­ons­hef­te (Medi­en­päs­se) in gedruck­ter Form geben.
Für die Klas­sen 5 bis 9 bzw. 10 fin­det eine Doku­men­ta­ti­on der erwor­be­nen Medi­en­kom­pe­ten­zen über das Schul­port­fo­lio bzw. die regu­lä­re Doku­men­ta­ti­on im Fach­un­ter­richt statt.

Von Redaktion

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