Thier­ry Beau­de­moulin und Maxi­mi­li­an Rien­ecker haben sich Gro­ßes vor­ge­nom­men: Durch die Fusi­on ihrer Unter­neh­men Ado Pro­per­ties und Adler gemein­sam mit dem Zukauf des Pro­jekt­ent­wick­lers Con­sus, wol­len sie Deutsch­lands dritt­größ­ten Woh­nungs­kon­zern ent­wi­ckeln. Aus zwei SDax-Unter­neh­men und einem bör­sen­no­tier­ten, ver­gleichs­wei­se aber klei­ne­ren Pro­jekt­ent­wick­ler soll ein Unter­neh­men mit MDax-Kali­ber geformt werden.

Was bedeu­tet das für die Bewoh­ner am Dören? „Die Mie­ter sind davon nicht betrof­fen, da ledig­lich die Adler Hol­ding fusio­niert, nicht aber die Toch­ter­ge­sell­schaft „Adler Bau­en und Woh­nen”, die die Immo­bi­li­en ver­wal­tet”, erfuh­ren die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN aus dem Kon­zern. Inwie­weit sich jedoch der Zusam­men­schluss auf die Toch­ter­ge­sell­schaft  lang­fris­tig aus­wirkt, kann jetzt noch kei­ner sagen.

Das Vor­ha­ben stößt anschei­nend auch bei Inves­to­ren auf Wider­stand: Ver­mö­gens­ver­wal­ter Tim­ber­creek habe am letz­ten Diens­tag gemel­det, dass immer mehr Inves­to­ren die Fusi­on ableh­nen. Zuvor hat­te neben Tim­ber­creek auch Uni­on Invest­ment den Zusam­men­schluss kri­ti­siert. Nun hät­ten sich Janus Hen­der­son Inves­tors und Sara­sin & Part­ners dem Pro­test ange­schlos­sen, sagt Clau­dia Reich Floyd, Deutsch­land­che­fin von Timbercreek.

Sie for­dert, dass die Ado-Aktio­nä­re über die Fusi­on abstim­men dür­fen – denn das war bis­lang nicht der Fall. Ado nutzt offen­bar sei­ne in Luxem­burg auf­ge­leg­te Unter­neh­mens­struk­tur. Die erlau­be es, die Fusi­on auch ohne Abstim­mung der Aktio­nä­re zu voll­zie­hen, moniert Reich Floyd. Damit rückt die Fra­ge in den Fokus: Wel­che Vor­tei­le erge­ben sich aus dem Zusam­men­schluss? Bei den Anle­gern steht die Fusi­on nun auf dem Prüfstand.

Den Zah­len zufol­ge könn­te durch­aus ein gro­ßer Akteur am Markt ent­ste­hen: Das gemein­sa­me Port­fo­lio von Adler und Ado umfasst 73.400 Woh­nun­gen, es kommt auf eine Bewer­tung von 8,6 Mil­li­ar­den Euro. Con­sus hat Pro­jek­te im Wert von zehn Mil­li­ar­den Euro und rund 15.000 Woh­nun­gen in der Ent­wick­lung. Allein aus dem Zusam­men­schluss von Ado und Adler ergä­ben sich Syn­er­gien von 25 bis 39 Mil­lio­nen Euro bin­nen zwei Jahren.

Die Drei­er-Fusi­on der Ber­li­ner Woh­nungs­kon­zer­ne Ado Pro­per­ties, Adler Real Esta­te und Con­sus hat meh­re­re Archi­tek­ten. Als einer der wich­tigs­ten Ent­schei­der hin­ter dem Deal gilt der israe­li­sche Geschäfts­mann Amir Day­an, gebo­ren 1974. Er ist Teil einer welt­weit ope­rie­ren­den Unter­neh­mer­fa­mi­lie, ver­tritt das „Day­an Fami­ly Office“ und hat­te vor­über­ge­hend die Kon­trol­le bei Ado Pro­per­ties über­nom­men, deren Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der Mos­he Day­an war. Inzwi­schen hat Adler Real Esta­te von den Israe­lis die Kon­trol­le bei Ado über­nom­men. Hin­ter Adler wie­der­um steht die Schwei­zer Immo­bi­li­en­un­ter­neh­mer­fa­mi­lie Wecken.

Day­an gilt als Phan­tom, spielt jedoch am deut­schen Immo­bi­li­en­markt eine nicht zu über­se­hen­de bedeu­ten­de Rol­le. Er stand auch zusam­men mit dem eben­falls israe­li­schen und in Lon­don leben­den Immo­bi­li­en-Tycoon Yakir Gabay hin­ter der erst vor kur­zem ein­ge­fä­del­ten Mil­li­ar­den­fu­si­on der bei­den deut­schen Büro­ver­mie­ter Around­town und TLG zu Deutsch­lands größ­tem Gewerbeimmobilienkonzern.

Die bei­den Mil­li­ar­dä­re und erfah­re­nen Immo­bi­li­en­un­ter­neh­mer israe­li­scher Her­kunft haben in weni­gen Jah­ren in Deutsch­land — zusam­men mit ande­ren wohl­ha­ben­den Fami­li­en als Co-Inves­to­ren — zwei Immo­bi­li­en­im­pe­ri­en mit Büro­tür­men und Woh­nun­gen aufgebaut.

Man­che der Gesell­schaf­ten sind via „Non­re­cour­se“ finan­ziert — mit begrenz­ter Haft­bar­keit. Jetzt zie­hen offen­bar bei­de israe­li­schen Immo­bi­li­en­ba­ro­ne suk­zes­si­ve Cash aus ihren Enga­ge­ments in Deutsch­land ab. Das lässt für die wei­te­re Ent­wick­lung des deut­schen Immo­bi­li­en­mark­tes eher Düs­te­res befürch­ten. Die Aktio­nen der erfah­re­nen Immo­bi­li­en­un­ter­neh­mer deu­ten für Markt­be­ob­ach­ter dar­auf hin, dass der Höhe­punkt der Ent­wick­lung erreicht ist. Day­an und Gabay schei­nen den Absprung zu suchen, bevor es abwärts geht.

Die finan­zi­el­le Logik hin­ter der Drei­er-Fusi­on von Ado, Adler und Con­sus ist jeden­falls mit Syn­er­gien von in der Spit­ze 150 Mill. Euro nicht all­zu bestechend. Ado Pro­per­ties wird bei dem „Rever­se Take­over“ zur wohl­fei­len Beu­te der Adler Real Estate.

Von Redaktion

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