Auch wenn Rüdi­ger Neh­berg wahr­schein­lich nur wenig mit August­dorf zu tun hat­te, so gebührt ihm an die­ser Stel­le doch ein Nach­ruf. Rüdi­ger Nehr­berg ist am 2.4. im Alter von 88 Jah­ren verstorben.

Als ich ihn das ers­te und ein­zi­ge Mal erleb­te, unter­hielt „Deutsch­lands bekann­tes­ter Sur­vi­val-Exper­te” (Der Spie­gel) knapp 200 Zuhö­rer mit zahl­rei­chen Weis­hei­ten und Ein­sich­ten, die sich in der Hei­lig-Geist-Kir­che ver­sam­melt hat­ten. In sei­nem facet­ten­rei­chen Vor­trag „Leben gegen den Strom” berich­te­te der Aben­teu­rer von sei­nen span­nen­den Erfahrungen.

Einst war Neh­berg Bäcker­lehr­ling in Müns­ter. Doch durch Rei­se- und Aben­teu­er­lust geprägt, schlug sein Leben einen ande­ren Weg ein, teil­wei­se fern­ab von der Zivi­li­sa­ti­on und immer wie­der am Limit. Ein­drucks­voll berich­te­te Neh­berg bei dem Vor­trag in Det­mold von sei­nem Ein­satz für die Yano­ma­mi-India­ner in Bra­si­li­en und wie sein Kampf gegen die Geni­tal­ver­stüm­me­lung in Afri­ka begann. Neh­bergs Lebens­ge­schich­te zei­ge, dass jeder Din­ge ver­än­dern kön­ne. „Er braucht nichts wei­ter als eine Visi­on, die rich­ti­ge Stra­te­gie, die nöti­ge Moti­va­ti­on, Geduld, Bereit­schaft zum Risi­ko und – Glück”, erklär­te Nehberg.

Beson­ders vom Glück habe er mehr gehabt, als man es einem Glücks­en­gel zumu­ten soll­te, so erklär­te „Sir Vival” über sich selbst. Geduld, Glück und Aus­dau­er führ­ten letzt­end­lich auch dazu, dass Neh­berg auch in Sachen Men­schen­rech­te eine Men­ge erreicht hat: In Äthio­pi­en arbei­te­te er mit sei­ner Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on „Tar­get” eng mit mus­li­mi­schen Gemein­den zusam­men, um der Bevöl­ke­rung klar­zu­ma­chen, dass weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung ein Ver­bre­chen und nicht mit dem Koran ver­ein­bar sei. Mit Spen­den­gel­dern hat er eine Geburts­kli­nik auf­ge­baut, die sich spe­zi­ell um beschnit­te­ne Frau­en küm­me­re, die ihre Kin­der dort sicher zur Welt brin­gen könnten.

Der Aben­teu­rer zog sein Det­mol­der Publi­kum an dem Abend in der Hei­lig-Geist-Kir­che mit häu­fig flap­si­gen Bemer­kun­gen und mit zahl­rei­chen Anek­do­ten sehr schnell in sei­nen Bann. Kein Wun­der, dass ihm immer wie­der wäh­rend sei­nes Vor­tra­ges applau­diert wur­de. Er berich­te­te von sei­nem Fuß­marsch durch Deutsch­land, übers Wild­schwein­fan­gen in Afri­ka, die Über­win­dung der Was­ser­angst durch Mari­ne­schu­lun­gen und von sei­ner all­ge­mei­nen Aben­teu­er- und Reiselust.

Am Ende des Vor­tra­ges hat­te Rüdi­ger Neh­berg alle für sich gewon­nen – ein jung geblie­be­ner Mann, ein außer­ge­wöhn­li­cher Mensch, der dem Publi­kum zeig­te, was man errei­chen kann, wenn man etwas wirk­lich will. Er ist nun von uns gegan­gen — Leb wohl.

Von Redaktion

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