In die­ses Zei­ten lädt das August­dor­fer Dünen­feld ganz beson­ders zu einer Wan­de­rung ein. Viel­leicht nicht nur um dem häus­li­chen Kol­laps zu ent­ge­hen, son­dern auch um das Umfeld zu erkun­den.

Unzäh­li­ge Insek­ten­ar­ten, vom Aus­ster­ben bedroh­te Fle­der­mäu­se und reich­hal­ti­ge Vege­ta­ti­on. All das bie­tet das August­dor­fer Dünen­feld. Dass dort aber auch his­to­ri­sche Sehens­wür­dig­kei­ten zu besich­tig­ten sind, ist nur weni­gen Wan­de­rern bekannt. Ein wenig abseits gele­gen vom Wan­der­weg und im Augen­blick durch zahl­rei­che umge­stürz­te Bäu­me weder leicht zu erken­nen noch schnell zu errei­chen, steht ein ganz beson­de­rer Stein

Die­ser Grenz­stein erin­nert an die Zeit von vor über 200 Jah­ren. Damals befand sich August­dorf noch im Krieg. Neben die­sem und wei­te­ren Grenz­stei­nen gibt es auch zwei Hudestei­ne in August­dorf. Einer davon steht im Dünen­feld. Ein ande­rer an der August­dor­fer Stra­ße in Höhe der Sand­gru­be Brink. Der Begriff „Hude” ent­stammt dem mit­tel­hoch­deut­schen Wort „hüte” und bezeich­net einen Ort, an dem man etwas bewacht.

Doch von Anfang an: „Die bäu­er­li­che Bevöl­ke­rung hat immer wie­der um das Wei­de­land gekämpft, das damals Hude genannt wur­de”, erklärt Otmar Lüke. Er bie­tet gemein­sam mit Mar­tin Decker Tou­ren durch das Dünen­feld und durch den Teu­to­bur­ger Wald an und weiß um die Bedeu­tung der Gebie­te in der dama­li­gen Zeit.

Bis zum Jahr 1817 haben sich dem­nach die August­dor­fer und die Stu­ken­bro­cker häu­fig bekämpft. „Wah­re Klein­krie­ge waren das, die in die Geschich­te als Hude­krieg ein­gin­gen”, erläu­tert Lüke. Immer wie­der sei­en Schlä­ge­rei­en aus­ge­bro­chen. Grund dafür war laut Lüke die Tat­sa­che, dass die Hude­gren­zen anders ver­lie­fen als die Lan­des­gren­zen. „Die Stu­ken­bro­cker Gren­ze war teil­wei­se auf August­dor­fer Gebiet”, erklärt Lüke. Die Kämp­fe, die von bei­den Sei­ten aus immer wie­der gestar­tet wur­den, sei­en bedroh­lich für den Lan­des­frie­den geworden.

1817 schlos­sen die Stu­ken­bro­cker und August­dor­fer dann Frie­den. Auf dem Vogts­hof Wel­schof wur­de die Frie­dens­ver­ein­ba­rung unter­zeich­net. „Durch die­sen Umstand schaff­ten es die bei­den Gemein­den, dass wie­der Frie­den in der Sen­ne ein­kehr­te”, erklärt Lüke schmun­zelnd. Damit auch in der Zukunft kei­ne wei­te­ren Grenz­strei­tig­kei­ten auf­kom­men konn­ten, wur­de ein deut­li­ches Zei­chen gesetzt. Es wur­de ein knapp 60 Zen­ti­me­ter tie­fer Gra­ben aus­ge­ho­ben, der die Gren­ze zwi­schen bei­den Huden mar­kier­te”, betont Lüke. In die­sen sei­en dann die Hudestei­ne ein­ge­setzt worden.

Und so zeu­gen auch heu­te noch die Stei­ne von der Zeit, in der die Bau­ern tag­täg­lich ums Über­le­ben kämp­fen muss­ten. „Auf den Grenz­stei­nen sind die Wap­pen der dama­li­gen am Grenz­lauf betei­lig­ten Gebie­te dar­ge­stellt”, erläu­tert Otmar Lüke. So zeigt der Grenz­stein im August­dor­fer Dünen­feld die lip­pi­sche Rose auf der einen Sei­te und auf der ande­ren den preu­ßi­schen Adler. An ande­ren Stel­len, so zum Bei­spiel in der nörd­li­chen Sen­ne, sind die Wap­pen der Graf­schaft Riet­berg und Gra­fen­berg zu sehen.

Und so erschließt sich für den Wan­de­rer neben Fau­na und Flo­ra noch eine ande­re Sicht­wei­se auf die Sen­ne, näm­lich die his­to­ri­sche. „Es ist schön, dass man auf den Wan­de­run­gen im Grun­de genom­men viel auch über die August­dor­fer Geschich­te ken­nen­lernt”, meint Lüke, der immer wie­der ger­ne durch das Dünen­feld spa­zie­ren geht.

Als Schleifsteine für Sensen benutzt

Nicht alle Stei­ne stam­men, wie der im August­dor­fer Dünen­feld befind­li­che, aus dem Jahr 1860. „An man­chen Stel­len sind noch älte­re Exem­pla­re aus dem 17. und 18. Jahr­hun­dert erhal­ten geblie­ben”, erklärt Natur­füh­rer Otmar Lüke. „Sie tra­gen noch das Wap­pen des Fürst­bis­tums Pader­born, das im Jahr 1802 an Preu­ßen ging”, erklärt er. Ein sol­cher Grenz­stein sei der nächs­te – neben dem im Dünen­feld. „Der stammt sogar aus dem Jahr 1656”, erklärt Otmar Lüke. Damit gehö­re der Stein zur ältes­ten Genera­ti­on der erhal­te­nen Grenz­stei­ne. Vie­le der älte­ren Stei­ne sei­en als Schleif­stei­ne für Sen­sen benutzt oder im Lauf der Zeit ander­wei­tig zer­stört worden.

Von Redaktion

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