In sei­ner heu­ti­gen Sit­zung beschäf­tigt sich der Haupt- und Finanz­aus­schuss mit einem Schrei­ben der Bür­ger-Initi­ta­ti­ve „Stop-5G in NRW”, die ihren Sitz in Bad Sal­zu­flen hat. In die­sem, an den Bür­ger­meis­ter adres­sier­ten Brio­ef schreibt die Vor­sit­zen­de Regi­na Olfert, dass die Bevöl­ke­rung nicht aus­rei­chend über die Gefah­ren der Tech­no­lo­gie infor­miert werde.

Grund genug für die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN sich inten­siv mit dem The­ma zu beschäftigen.

Worum geht es bei 5G?

2020 soll das neue Mobil­funk­netz­werk 5G in Betrieb gehen. Wäh­rend sich Netz­be­trei­ber und Bun­des­re­gie­rung über die Ver­ga­be strei­ten, wün­schen sich Indus­trie wie auch Nut­ze­rin­nen und Nut­zer das neu­ar­ti­ge Netz sehn­lichst her­bei. Denn: Der neue Stan­dard ver­spricht ein Viel­fa­ches der Geschwin­dig­kei­ten, die UMTS oder LTE heu­te bie­ten. Kurz­um: schnel­les Internet.Seit die ers­ten Han­dys und Smart­pho­nes die Hosen­ta­schen erobert haben, gibt es aber auch Dis­kus­sio­nen dar­über, wel­chen Effekt die Mobil­funk­strah­lung auf den Men­schen hat. Mitt­ler­wei­le gibt es dazu schon zahl­rei­che Stu­di­en. Doch was sagen sie über die Effek­te von 5G?

Das Problem bei 5G

Bis­her lagen die Fre­quen­zen für das Mobil­funk­netz bei weni­ger als 2,6 Giga­hertz (GHz). Für das 5G-Netz geht es nun um Fre­quen­zen von 2 bis 3,7 Giga­hertz, per­spek­ti­visch sogar um bis zu 60 Giga­hertz. Dabei gilt: Je höher die Fre­quenz, des­to gerin­ger die Reich­wei­te. Für das 5G-Netz braucht es daher viel mehr Sen­de­mas­ten, um das­sel­be Gebiet abzudecken.

Und nicht nur das: Bis­lang sind vie­le Sen­de­mas­ten an Tür­men oder auf Dächern mon­tiert. Die neu­en 5G-Sen­de­sta­tio­nen aber las­sen sich in klei­nen Käs­ten prak­tisch über­all mon­tie­ren. Heißt also auch: Man kommt ihnen viel näher, wenn sie an Later­nen, Bus­hal­te­stel­len oder Wän­den mon­tiert wer­den. Und bekommt auch mehr Strah­lung ab.

Netz­be­trei­ber in Deutsch­land sagen ange­sichts des neu­en Net­zes wei­ter­hin: Es geht kei­ne Gefahr davon aus, da die gel­ten­den Höchst­wer­te die Nut­zer schüt­zen. Ohne Lang­zeit­stu­di­en ist das aller­dings nur eine Ver­mu­tung. Die Wis­sen­schaft gibt oft expli­zit an, dass sich Stu­di­en zu den alten Fre­quen­zen nicht auf die neu­en 5G-Net­ze über­tra­gen lassen.

Hin­zu kommt: Mit dem 5G-Netz wird sich die Strah­lung in den Funk­ze­l­len anders ver­tei­len. Über das soge­nann­te Beam­forming wer­den die Signa­le von der Sen­de­sta­ti­on vor allem dort­hin geschickt, wo sie benö­tigt wer­den – das ermög­licht einen beson­ders schnel­len und effek­ti­ven Datentransfer.

Die höchs­te Strah­len­be­las­tung haben also die akti­ven Nut­zer, wäh­rend die ande­ren weni­ger abbe­kom­men. Dar­aus ergibt sich eine wich­ti­ge Fra­ge für die For­schung und eine sinn­vol­le Risi­ko­ein­schät­zung: Wie misst man zuver­läs­sig die Strah­len­be­las­tung, wenn sich die auf­tre­ten­de Strah­lung nach Bedarf ändert?

Wie wirkt Handystrahlung auf den Körper?

Kurz gesagt: Mobil­funk­strah­lung ist elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­lung – und gehört wie die Mikro­wel­len­strah­lung auch zur hoch­fre­quen­ten Sor­te. Wich­tig ist: Anders als Rönt­gen­strah­lung oder Radio­ak­ti­vi­tät ist sie nicht ioni­sie­rend. Ihre Ener­gie reicht also nicht aus, um Erb­gut direkt zu beschä­di­gen. Trotz­dem kann sie gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen haben. Dis­ku­tiert wird etwa, ob die Strah­lung DNA-Repa­ra­tur­pro­zes­se stört.

Wie Mikro­wel­len­strah­lung auch ver­setzt Mobil­funk­strah­lung Was­ser­mo­le­kü­le in Schwin­gun­gen. Dar­aus ent­steht Rei­bungs­wär­me – und die Tem­pe­ra­tur in Gewe­be und Zel­len steigt. Und zwar beson­ders dort, wo wir mit dem Han­dy in Berüh­rung kommen.

Sobald das Han­dy sen­det und emp­fängt, dringt die Strah­lung in den Kör­per ein. Die Fre­quenz bestimmt auch, wie tief – und wel­ches Gewe­be und wel­che Zel­len mög­li­cher­wei­se beein­flusst werden.

Die Strahlung dringt unterschiedlich tief in Gewebe und Materialien

Es gilt: Je nied­ri­ger die Fre­quenz (anders: je län­ger die Wel­len­län­ge), des­to tie­fer drin­gen die Strah­len ein. Bei einer Fre­quenz von weni­ger als einem Giga­hertz sind es weni­ge Zen­ti­me­ter, ab mehr als 10 oder sogar 60 Giga­hertz nur noch weni­ge Mil­li­me­ter oder gar nicht mehr. Für 5G-Han­dy­strah­lung bedeu­tet das: Sie dringt etwas weni­ger tief in den Kör­per ein als etwa Strah­lung im alten 2G- oder 3G-Netz – denn sie nutzt auch höhe­re Fre­quen­zen. Das 5G-Netz wird unter ande­rem Fre­quen­zen im 2 Giga­hertz-Bereich, aber auch sol­che mit 3,4 bis 3,7 Giga­hertz nut­zen. Auch Fre­quen­zen im zwei­stel­li­gen Giga­hertz-Bereich sind angedacht.

Die spe­zi­fi­sche Absorp­ti­ons­ra­te (SAR) gibt an, wie viel Ener­gie der Kör­per dabei auf­nimmt. Die­ser Wert ist in Deutsch­land auf zwei Watt pro Kilo­gramm beschränkt – und soll einen kri­ti­schen Tem­pe­ra­tur­an­stieg um mehr als ein Grad verhindern.

Löst Handystrahlung Krebs aus?

Das Fazit vor­ne­weg: Es ist kom­pli­ziert. 2011 hat die Inter­na­tio­na­le Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC), eine Orga­ni­sa­ti­on der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), Mobil­funk­strah­lung als poten­zi­ell krebs­er­re­gend ein­ge­stuft. Die­se Ein­schät­zung bedeu­tet aber nur: Die­se Strah­lungs­art kann prin­zi­pi­ell Krebs aus­lö­sen – ohne ein­zu­be­zie­hen, wie viel Strah­lung tat­säch­lich im All­tag auf­tritt. Viel wich­ti­ger sind daher Stu­di­en, die die rea­le All­tags­be­las­tung untersuchen.In den letz­ten 20 Jah­ren, in denen Han­dys den Weg in fast jede Hosen­ta­sche gefun­den haben, haben sich vie­le Wis­sen­schaft­ler und Wis­sen­schaft­le­rin­nen in mehr als 1500 Stu­di­en mit Effek­ten von (Mobil-)Funkstrahlung aus­ein­an­der­ge­setzt und gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen auf den Men­schen unter­sucht – sowohl an Men­schen als auch an Tie­ren. Einen Über­blick über die bis­he­ri­gen Stu­di­en gibt etwa das EMF-Por­tal der RWTH Aachen. Beson­ders drei gro­ße Stu­di­en wer­den welt­weit immer wie­der hervorgehoben:

  1. die Inter­pho­ne-Stu­die
  2. die Danish-Stu­die
  3. die Mil­li­on-Woman-Stu­die

In die­sen Stu­di­en wur­de an ins­ge­samt mehr als 1,5 Mil­lio­nen Men­schen ein Zusam­men­hang zwi­schen Han­dy­nut­zung und Krebs unter­sucht. Einig sind sich die Stu­di­en ledig­lich bei einem Effekt: dass die Strah­lung das Gewe­be erwärmt. Eine über­ein­stim­men­de Kor­re­la­ti­on mit Krebs, etwa mit Hirn­tu­mo­ren, haben sie dage­gen nicht gefun­den – auch nicht über Nut­zungs­zeit­räu­me von mehr als zehn Jah­ren hinweg.

Die “alte” Handystrahlung scheint harmlos

Außer­dem gibt es zahl­rei­che expe­ri­men­tel­le Tier­stu­di­en, die an Mäu­sen oder Rat­ten durch­ge­führt wur­den. Umstrit­ten ist, wie sich die Ergeb­nis­se auf den Men­schen über­tra­gen las­sen. Denn sie wur­den so unter­schied­lich geplant und durch­ge­führt, dass sie sich nicht direkt mit­ein­an­der ver­glei­chen las­sen – dazu haben sie zu unter­schied­li­che Tier­stäm­me, SAR-Wer­te, Krebs­ar­ten, Fre­quen­zen und Zeit­räu­me unter­sucht. Hin­zu kommt: Ähn­li­che Stu­di­en kom­men zu unter­schied­li­chen Ergebnissen.

Mehr­heit­lich aber sehen die Mensch- und Tier­stu­di­en kei­nen Zusam­men­hang zwi­schen Han­dy­strah­lung und etwa der Häu­fig­keit von Krebs­er­kran­kun­gen. Zu die­sem Urteil kom­men sowohl die WHO als auch das Bun­des­amt für Strah­len­schutz (BfS).

Über­sichts­stu­di­en haben auch her­aus­ge­fun­den: Die Krebs­häu­fig­keit hat sich seit Beginn der Han­dy-Ära nicht son­der­lich ver­än­dert. Obwohl die Han­dy­strah­lung also in hohem Maße zuge­nom­men hat, sind die Krebs­zah­len nicht glei­cher­ma­ßen in die Höhe geschnellt. Zwar dia­gnos­ti­zie­ren vie­le Ärz­te heut­zu­ta­ge häu­fi­ger Krebs als noch vor der Jahr­tau­send­wen­de. Das kann aber genau­so dar­an lie­gen, dass Krebs heu­te bes­ser erkannt wird – und dass die Men­schen mitt­ler­wei­le viel älter werden.

Die Mehr­heit der Stu­di­en und Exper­ten sagt daher: Mobil­funk stellt für erwach­se­ne Men­schen ver­mut­lich kei­ne Gefahr dar. Nur: Die Strah­lung in den meis­ten Unter­su­chun­gen bezog sich ledig­lich auf zwei Fre­quen­zen, näm­lich 900 und 1900 Mega­hertz – die meis­ten Ergeb­nis­se gel­ten also nur für Fre­quen­zen aus alten Mobil­funk­net­zen. Über die Aus­wir­kun­gen von 5G sagen sie wenig bis nichts aus.

Neue Forschung zu 5G und Krebs

Jüngst haben zwei aktu­el­le Stu­di­en zur Han­dy­strah­lung Auf­se­hen erregt: ein For­schungs­pro­jekt der US-ame­ri­ka­ni­schen Behör­de für Toxi­ko­lo­gie, das Natio­nal Toxi­co­lo­gy Pro­gram, und eine ita­lie­ni­sche Stu­die, die fast zeit­gleich am Ramazzi­ni-Insti­tut der Uni­ver­si­tät in Bolo­gna durch­ge­führt wurde.

Die US-Wis­sen­schaft­ler haben für ihre Stu­die 3000 Mäu­se und Rat­ten Han­dy­strah­lung aus­ge­setzt – zwei Jah­re lang, über neun Stun­den am Tag. Wäh­rend des Ver­suchs konn­ten die Wis­sen­schaft­ler die Strah­len­do­sis ganz genau bestim­men. Ein wich­ti­ger Fak­tor, der sich beim Men­schen nicht kon­trol­lie­ren lässt, da die Han­dy­strah­lung von Stand­ort, Emp­fang und der Nut­zung abhängt. Das Ergeb­nis: Die US-For­scher fan­den tat­säch­lich einen Zusam­men­hang zwi­schen Strah­lung und Krebs– zumin­dest bei männ­li­chen Tie­ren. Auch die ita­lie­ni­schen Wis­sen­schaft­ler fan­den eine erhöh­te Anzahl an Hirn- und Herz­tu­mo­ren – und for­dern die Inter­na­tio­na­le Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) nun auf, die bis­he­ri­ge Ein­schät­zung zum Krebs­ri­si­ko durch Han­dy­strah­lung zu überdenken.

Bestrahlung in den Studien viel höher als in der Realität

Aber: Die For­scher haben den gesam­ten Kör­per der Tie­re bestrahlt – mit einer höhe­ren Strah­lung, als sie in Deutsch­land gesetz­lich erlaubt ist. Außer­dem dau­er­te die Bestrah­lung pro Tag rund neun Stun­den. Für die meis­ten Men­schen ist das fern­ab der Rea­li­tät. Hin­zu kommt ein Befund, der selbst die For­scher über­rascht hat: Die Tie­re, die der inten­si­ven Han­dy­strah­lung aus­ge­setzt waren, haben sogar län­ger gelebt als die nicht bestrahl­ten Tie­re der Kontrollgruppe.

Ist Mobilfunkstrahlung für das Insektensterben verantwortlich?

Tie­re wie Vögel und ins­be­son­de­re auch Insek­ten kön­nen grund­sätz­lich durch Mobil­funk­strah­lung beein­flusst wer­den. Bie­nen etwa ori­en­tie­ren sich über das Erd­ma­gnet­feld. Daher kön­nen künst­lich erzeug­te elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der die Ori­en­tie­rung stö­ren, sodass Arbei­te­rin­nen bei­spiels­wei­se nicht mehr zu ihrem Bie­nen­stock zurück­fin­den. Das mas­si­ve Insek­ten­ster­ben mit dem Aus­bau des Mobil­funks in Ver­bin­dung zu brin­gen, ist aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht nicht halt­bar. Das Insek­ten­ster­ben hat schon vor dem Beginn des Netz­ab­baus begonnen.

Strahlung wirkt auf Insekten anders als auf andere Tiere

Beim Men­schen beein­flusst die Han­dy­strah­lung oft nur loka­le Stel­len des Kör­pers. Auf­grund ihrer gerin­gen Kör­per­grö­ße gehen Wis­sen­schaft­ler bei Insek­ten von einer Ganz­kör­per­ex­po­si­ti­on aus. Das ist inso­fern wich­tig, als dass der Mensch und ande­re Säu­ge­tie­re ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur selbst regu­lie­ren. Insek­ten hin­ge­gen sind wech­sel­war­me Tie­re. Ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur basiert beson­ders auf äußer­li­chen Fak­to­ren und damit auf der Strah­lungs­en­er­gie. Die gerin­ge Kör­per­grö­ße bedeu­tet, dass die Tie­re ins­ge­samt nur wenig Ener­gie absor­bie­ren. Die Auf­nah­me steigt jedoch bei elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len mit Fre­quen­zen ab 6 GHz, beson­ders im Bereich zwi­schen 12 und 24 GHz – in die­ser Fre­quenz liegt das geplan­te 5G-Netz. Dadurch könn­te sich die Kör­per­tem­pe­ra­tur wech­sel­war­mer Tie­re deut­lich erhö­hen. Für die­se Tie­re macht die Tem­pe­ra­tur einen gro­ßen Unter­schied, etwa weil sich ihr Lebens­zy­klus nach der Tem­pe­ra­tur rich­tet oder aber ihr Ver­hal­ten auf bestimm­te Tem­pe­ra­tu­ren abge­stimmt ist.

Das neue 5G-Netz setzt auch eine grö­ße­re Abde­ckung durch mehr Sen­de­mas­ten mit gerin­ge­rer Reich­wei­te vor­aus. Ins­be­son­de­re wenn sich Tie­re nahe von Mas­ten auf­hal­ten, kön­nen elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der grö­ße­re Effek­te auf die Tie­re ausüben.

Es fehlt an genügend Freiluftexperimenten

Bis­lang gibt es ledig­lich Hin­wei­se dar­auf, wie und in wel­chem Umfang elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der die Kör­per­tem­pe­ra­tur(?), Fort­pflan­zung oder Ori­en­tie­rung von Insek­ten beein­flus­sen. Die wis­sen­schaft­li­che Daten­la­ge und Beweis­kraft sind aber eher schlecht. Vie­le Stu­di­en haben die Effek­te im Labor, nicht aber die rea­le Belas­tung in Frei­luft­ex­pe­ri­men­ten unter­sucht. Die Gefahr ist groß, aus die­sen Ergeb­nis­sen fal­sche Schlüs­se zu ziehen.

Bislang wurden unter realistischen Bedingungen keine Effekte auf die Reproduktionsfähigkeit beobachtet

Wenig aus­sa­ge­kräf­tig sind etwa sol­che Stu­di­en, bei denen die For­scher die Tie­re direkt Mobil­funk­ge­rä­ten aus­ge­setzt haben und nicht den eigent­li­chen Sen­de­mas­ten. In vie­len Fäl­len wur­den die Tie­re einer sehr hohen Strah­lungs­en­er­gie von etwa vier Watt pro Kilo­gramm aus­ge­setzt. Dafür müss­ten sich die Tie­re unmit­tel­bar neben Sen­de­mas­ten auf­hal­ten. Das ist für die meis­ten Fäl­le nicht rea­lis­tisch. Zwar zeig­te sich unter die­sen Bedin­gun­gen, dass die Repro­duk­ti­ons­fä­hig­keit abnahm. Bei einer (rea­lis­ti­sche­ren) Strah­lungs­en­er­gie von 1,6 Watt pro Kilo­gramm, war die­ser Effekt nicht mehr nach­weis­bar. Das Bun­des­amt für Strah­len­schutz (BfS) geht daher davon aus, dass die Insek­ten von elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern des Mobil­funks nicht geschä­digt werden.

Zudem gibt es ande­re Stu­di­en, die gegen­tei­li­ge Ergeb­nis­se gelie­fert haben. Für Insek­ten gibt es bei­spiels­wei­se eine pro­mi­nen­te Frei­luft­stu­die, die kei­nen Ein­fluss auf die Repro­duk­ti­ons­fä­hig­keit gefun­den hat, egal wie nah die Tie­re der Strah­lungs­quel­le waren und um wel­che der unter­such­ten Arten es sich gehan­delt hat.

Bienen scheinen bislang nicht gefährdet

Für Bie­nen sind beson­ders die Stu­di­en der Uni­ver­si­tät Koblenz-Land­au pro­mi­nent. Dabei wur­den 2005 und 2006 eine Basis­sta­ti­on für ein kabel­lo­ses Tele­fon unter einem Bie­nen­stock ange­bracht und anschlie­ßend das Rück­kehr­ver­hal­ten der Tie­re beob­ach­tet. Aus die­sem Bie­nen­stock sind zwar deut­lich weni­ger Tie­re zurück­ge­kehrt als im Ver­gleich zu den Tie­ren aus der Kon­troll­grup­pe. Aller­dings sagt die­ses Stu­di­en­de­sign nichts über die reel­len Lebens­be­din­gun­gen aus. Außer­dem konn­te die Fol­ge­stu­die 2006 die signi­fi­kan­ten Ergeb­nis­se aus dem Vor­jahr nicht reproduzieren.

Studien müssen auch Faktoren wie Krankheiten berücksichtigen

Metho­di­sche Pro­ble­me gel­ten aber nicht nur für sol­che Stu­di­en, die schäd­li­che Effek­te andeu­ten. In einer indi­schen Stu­die wur­den die Bie­nen in drei Grup­pen unter­teilt: Die ers­te Grup­pe von fünf Bie­nen­stö­cken war kei­ner elek­tro­ma­gne­ti­schen Strah­lung aus­ge­setzt, die zwei­te wur­de auf dem Feld einer Basis­sta­ti­on aus­ge­setzt, die drit­te einem Han­dy. Am Ende zeig­te sich kein rele­van­ter Unter­schied zwi­schen den Grup­pen. Das BfS sieht hier­in aber auch kei­nen Beweis dafür, dass elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der völ­lig harm­los für die Tie­re sind. Für belast­ba­re Aus­sa­gen hät­ten die For­scher die vom Bie­nen­kör­per tat­säch­lich auf­ge­nom­me­ne Ener­gie aus­wer­ten müs­sen, eben­so Krank­hei­ten, Para­si­ten und Pes­ti­zi­de berück­sich­ti­gen müs­sen, um Schlüs­se auf Kolo­nie­grö­ße, Ver­hal­ten und Honig­pro­duk­ti­on zie­hen zu können.

Letzt­lich braucht es metho­disch kom­ple­xe und sehr genaue Stu­di­en, die ein­deu­ti­ge Rück­schlüs­se auf posi­ti­ve wie nega­ti­ve Effek­te der Strah­lung zulas­sen. Bis­lang ist jedoch kein Zusam­men­hang zwi­schen Mobil­funk­strah­lung und Insek­ten­ster­ben belegbar.

Hat Handystrahlung andere negative Effekte?

Wie wirkt Handystrahlung auf Kinder?

Ein wei­te­rer Befund aus der däni­schen Kohor­ten­stu­die etwa war: Es gab häu­fi­ger Kin­der mit Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten, wenn die Mut­ter wäh­rend und nach der Schwan­ger­schaft das Han­dy inten­siv genutzt hat­te. Aber: Ob die Han­dy­strah­lung die Ursa­che dafür ist, ist nicht klar. Es gibt auch eine ande­re mög­li­che Erklä­rung. So kommt es laut einer ande­ren Stu­die durch inten­si­ve Han­dy­nut­zung der Mut­ter wäh­rend des Klein­kind­al­ters womög­lich des­halb zu Ver­hal­tens­stö­run­gen, weil Mut­ter und Kind weni­ger Augen­kon­takt mit­ein­an­der hatten.

Schädigt die Strahlung die Fruchtbarkeit?

Wei­te­re Stu­di­en haben den Effekt auf die Sper­mi­en­qua­li­tät bei Män­nern unter­sucht. Denn schon län­ger besteht der Ver­dacht, dass Han­dy­strah­lung die Beweg­lich­keit von Sper­mi­en beein­träch­tigt. Die­ser Effekt könn­te über einen Tem­pe­ra­tur­an­stieg entstehen.

Die Ergeb­nis­se sind jedoch nicht ein­heit­lich – und so lässt sich die­ser Befund nicht aus­rei­chend inter­pre­tie­ren. Was die Han­dy­strah­lung letzt­lich für eine Aus­wir­kung auf die Frucht­bar­keit hat, ist wei­ter­hin unklar. Eine Vor­sichts­maß­nah­me wäre, das Mobil­te­le­fon mög­lichst weit von den Geschlechts­or­ga­nen ent­fernt zu tra­gen – und die Wahl der Unter­wä­sche zu überdenken.

Stört Handystrahlung den Stoffwechsel?

Ande­re Stu­di­en haben fest­ge­stellt, dass die Mobil­funk­strah­lung und der Tem­pe­ra­tur­an­stieg den Stoff­wech­sel von Tie­ren oder deren embryo­na­le Ent­wick­lung stö­ren. Was hier aber zu beach­ten ist: Die Tem­pe­ra­tur in den Stu­di­en war oft­mals durch­ge­hend um etwa ein Grad erhöht. Die Grenz­wer­te in Deutsch­land sol­len aber dafür sor­gen, dass sich das Ohr oder Gehirn beim Tele­fo­nie­ren nur um weni­ge Zehn­tel Grad erwärmt.

Von Redaktion

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