Mit 61 von 95 abge­ge­be­nen, gül­ti­gen Stim­men, nomi­nier­ten die CDU-Mit­glie­der den Amts­in­ha­ber zu ihrem Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten, Erfolg sieht anders aus. Die August­dor­fe­rin Nata­scha Barz, die durch ihren Mann nomi­niert wur­de, um eine Alter­na­ti­ve zu Wulf dar­zu­stel­len, erhielt aus dem Stand stol­ze 34 Stimmen.

Knapp sechs Stun­den dau­er­te die Mit­glie­der­ver­samm­lung der CDU, die die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN im Live Ticker kom­men­tier­ten. Zeit­wei­se ver­folg­ten mehr als 1250 Besu­cher das Gesche­hen über die Webseite.

Axel Meckel­mann, stell­ver­tre­ten­der CDU-Kreis­vor­sit­zen­der, mode­rier­te den Abend, der, so kann man das sagen, in den kom­men­den Wochen und Mona­ten noch alle stark beschäf­ti­gen wird. Und das weni­ger wegen der Kan­di­da­ten­wahl, son­dern wegen der Gescheh­nis­se, die hin­ter den Kulis­sen abliefen.

Wäh­rend die Kan­di­da­ten der Wahl­be­zir­ke eins bis drei kei­ne Gegen­kan­di­da­ten hat­ten, mel­de­te sich bei der Vor­stel­lung des vier­ten Wahl­krei­ses, in dem Lutz Mül­ler antre­ten will, Wulf und prä­sen­tier­te mit Dani­el Gies­brecht einen Gegen­kan­di­da­ten. In der Stich­wahl gewann Mül­ler mit 45 Stim­men, Gies­brecht erhielt 43 Stim­men. Wulf ver­zog kei­ne Mie­ne und applau­dier­te auch nicht.

Wäh­rend die nächs­ten Kan­di­da­ten der Wahl­be­zir­ke — in der kom­men­den Woche stel­len die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN die­se detail­liert vor, wie­der ohne Gegen­kan­di­da­ten auf­ge­stellt wur­den, mel­de­te sich Wulf wie­der, als es um den Wahl­be­zirk von Frank Salo­mon geht. Gleich­zei­tig erklär­te Ste­fan Koop, der von Wulf vor­ge­schla­gen wer­den soll­te, sei­ne Kan­di­da­tur. In einer elo­quent vor­ge­tra­ge­nen Rede erläu­ter­te Koop, war­um er für den Rat kandidiert.

Eini­ge Mit­glie­der frag­ten ihn, genau­so wie Dani­el Gies­brecht, wie lan­ge bei­de schon in der Par­tei sei­en. „Seit kur­zem”, lau­te­te jedes Mal die Ant­wort. Der Ver­dacht liegt nahe, dass die bei­den, mit­samt eini­gen Freun­den, zu den Neu­mit­glie­dern gehö­ren, die Bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as Wulf in letz­ter Minu­te noch ange­wor­ben hat­te, um sei­ne Kan­di­da­tur zu sichern. In den Pau­sen sah man Wulf immer wie­der mit den Neu­zu­gän­gen zusam­men­ste­hen und beratschlagen.

Salo­mon muss­te sich im Anschluss an sei­ne Vor­stel­lung eini­ge Kri­tik anhö­ren, als ihn Mit­glie­der dar­auf anspra­chen, war­um er denn im ver­gan­ge­nen Jahr den Gemein­de­ver­bands­vor­sitz nie­der­ge­legt habe. Das Ergeb­nis: Koop erhält 47 Stim­men, Salo­mon 44 und muss den Platz abgeben.

Was sagen die ande­ren poli­ti­schen Par­tei­en nun zu dem Ausgang?

Hein­rich Georg Schnei­der erklärt: „Im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res voll­zog der Vor­stand der August­dor­fer CDU eine längt über­fäl­li­ge Kehrt­wen­de. Mit einem Appell wand­te sich der Frak­ti­ons­vor­stand noch im März die­ses Jah­res an die Mit­glie­der und warn­te ein­dring­lich vor der Fokus­sie­rung auf Per­so­nal­fra­gen. Am Ende schei­nen die Wor­te nicht aus­ge­reicht zu haben. End­gül­tig ver­ab­schie­de­te sich nun die August­dor­fer CDU von der Sach- und The­men­po­li­tik zum aus­schließ­li­chen Personenkult.”

Gera­de seit dem Auf­wa­chen der CDU sei oft eine kon­struk­ti­ve Zusam­men­ar­beit mit der Frak­ti­on mög­lich gewe­sen. „Umso erstaun­li­cher ist es, dass eben die Per­so­nen, die vor kur­zem noch appel­liert und gegen Dr. Andre­as Wulf gekämpft haben, unter die­sen Umstän­den für die CDU ange­tre­ten sind”, so Schneider.

Die Sozi­al­de­mo­kra­ten sind nach Aus­sa­gen des Frak­ti­ons­chefs gespannt, wie sich die Geschich­te wei­ter fort­setzt. „Sicher ist nur eins: Die alte CDU in August­dorf gibt es nicht mehr. Die Fra­ge, die bleibt, ist: Wie sehr wird sich die Par­tei ver­än­dern? Wir dür­fen gespannt sein.”

Schnei­der ist nach eige­nen Anga­ben zuver­sicht­lich, dass die August­dor­fer mit gro­ßer Mehr­heit anders den­ken, als am Frei­tag ent­schie­den wur­de. „Am 13. Sep­tem­ber haben wir alle die Mög­lich­keit, August­dorf gemein­sam in die Zukunft zu füh­ren”, erklärt er.

Mit der Aus­sa­ge, dass es die alte CDU nicht mehr gebe, hat Schnei­der wohl stär­ker ins Schwar­ze getrof­fen, als er geahnt hat. Denn schon am Abend deu­te­ten sich star­ke Zer­würf­nis­se an, die in den kom­men­den Tagen offen­sicht­lich werden.

Lutz Mül­ler sag­te zu den Vor­gän­gen vor­läu­fig nur: „Das ist Demo­kra­tie und mit den Kon­se­quen­zen muss dann jeder leben.”

Peter Kaup (FWG) erklärt: „Dr. Wulf hat es mit sei­nem per­sön­li­chen CDU-Mit­glie­der­wett­be­werb in den letz­ten Tagen und Wochen geschafft, sei­ne CDU-Kan­di­da­tur zu bekom­men. Ihm scheint es egal zu sei­nen, ob er mit sei­ner Selbst­herr­lich­keit damit wahr­schein­lich die Spal­tung der CDU in August­dorf her­bei ruft. Es ist der Beweis dafür, wie er mit sei­ner Art des Umgan­ges mit anders Den­ken­den ver­brann­te Erde hin­ter­lässt um vorn zu ste­hen. Es ist trau­rig aber wahr. Jetzt müs­sen die August­dor­fer Wäh­ler han­deln. Ver­nünf­ti­ge­re Alter­na­ti­ven zum jet­zi­gen BM wird es geben.”

Kaup ana­ly­siert auch die Ergeb­nis­se der Wahl­be­zir­ke, wo nicht alle Wulf Geg­ner abge­wählt wur­den. „Die CDU ist doch noch­mal gegen Dr. Wulf auf­ge­stan­den, ein Putsch von sei­ner Sei­te wur­de ver­hin­dert.” Kaup ist sich sicher, dass es ein span­nen­der Wahl­kampf inner­halb der CDU wird. Dabei wirft er auch die Fra­ge auf, wie­viel Unter­stüt­zung Wulf nun für sei­nen Wahl­kampf bekommt, wo vie­le inner­halb der Par­tei nicht hin­ter ihm ste­hen. „Die gegen­sätz­li­che Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu sei­ner Per­son blei­ben erhal­ten”, ist sich Kaup sicher.

Was bleibt nun am Ende des Tages?

Eine nach wie vor am Boden lie­gen­de CDU. Selbst füh­ren­de Mit­glie­der beschei­nig­ten ihr, dass der Ver­band „eigent­lich gar nicht mehr exis­tiert”. Die­ser sei durch den Bür­ger­meis­ter ent­zweit worden.

Es gibt einen Kan­di­da­ten, der so wenig Rück­halt inner­halb der Par­tei hat, dass ein hoch­ran­gi­ges CDU Mit­glied offen­bar­te: „Hät­te ich so ein Ergeb­nis bekom­men, wäre ich nicht angetreten.”

Eines ist sicher: Der CDU ste­hen noch stür­mi­sche Zei­ten bevor.

 

Hier noch ein­mal der Live-Ticker zum Nachlesen:

 

Von Redaktion

4 Gedanken zu „CDU nominiert Dr. Andreas Wulf als Kandidaten“
  1. Sehr geehr­ter Herr Rieks, ich habe lan­ge über­legt, ob ich Ihnen was sagen soll, und weil mich die unse­li­ge CDU Ver­an­stal­tung nicht schla­fen lässt, tue ich es . Ich ver­ste­he Ihre Ent­täu­schung nur zu gut. Sie haben lan­ge mit Ihren Frak­ti­ons­kol­le­gin­nen und — kol­le­gen einen schein­bar ver­trau­ens­wür­di­gen Bür­ger­meis­ter gestützt und gehal­ten, weil Sie sich nicht vor­stel­len konn­ten, dass eines Tages Sie erle­ben muss­ten, dass Sie , ihre Par­tei , die Bür­ger , die Gemein­de so auf einen offen­bar in sei­ner Per­sön­lich­keit gestör­ten Blen­der her­ein­ge­fal­len sind . Eine Per­son , die sich nicht scheut , fast ket­ze­risch christ­li­che Wer­te und Ihr Ver­trau­en so zu miss­brau­chen aus rein ego­is­ti­schen Moti­ven, und das muss zu einer tie­fen Ent­täu­schung füh­ren. Das tut mir sehr leid. Ein Bür­ger­meis­ter , der eine ver­dienst­vol­le ehr­wür­di­ge Par­tei so rigo­ros miss­braucht , ist und war eigent­lich nicht vor­stell­bar. Ein so offen­sicht­li­cher poli­ti­scher Betrü­ger soll­te Sie und Ihre Par­tei nicht ent­mu­ti­gen , wei­ter für unser August­dorf sich zu enga­gie­ren. Wir tuen das aus /in ver­schie­de­nen Lagern , aber mit der glei­chen Moti­va­ti­on für den Fort­schritt in unse­rer Hei­mat. Und das ist gut so.
    Ich wün­sche Ihrer Par­tei wie­der den Platz und den Ein­fluss , der ihr in unse­rer Gemein­de gebührt ! Und uns gemein­sam ein eini­ges lie­bens­wer­tes August­dorf mit allen, die ger­ne dar­in zu Hau­se sind. Ad mul­tos annos !

  2. Ich war ges­tern selbst Augen- und Ohren­zeu­ge auf die­ser leid­vol­len, komö­di­en­haf­ten Ver­an­stal­tung. Dank gilt Herrn Meckel­mann, der die­se sou­ve­rän mode­rier­te. Mei­ne Hoch­ach­tung an Nata­scha Barz, die mutig ihren Hut in den Ring warf, gegen Herrn Wulf antrat und ein wie ich fin­de respek­ta­bles Ergeb­nis erziel­te. Lei­der reich­te es am Ende nicht.
    Der nach eige­nem Bekun­den christ­lich ori­en­tier­te Bür­ger­meis­ter schmück­te sich in sei­ner nicht enden wol­len­den Lau­da­tio mit frem­den Federn und ver­such­te dann, sich auf bil­ligs­te Art und Wei­se sei­ner Wider­sa­cher zu ent­le­di­gen. Ich emp­feh­le Herrn Wulf an die­ser Stel­le einen Blick in die Bibel: „Die Rache ist mein; ich will ver­gel­ten, spricht der HERR.“ (5.Mose, 32:35). Lei­der gelang ihm sei­ne Rache sogar in einem Fall, so dass nun statt eines erfah­re­nen Rats­herrn mit jahr­zehn­te­lan­ger Zuge­hö­rig­keit zur CDU ein poli­tisch völ­lig uner­fah­re­nes, neu ein­ge­tre­te­nes Mit­glied sei­nen Wahl­kreis über­nimmt. Und damit es auch mit des­sen Rats­man­dat klappt, setz­te man eben die­sen Empor­kömm­ling sogar noch auf Platz 1 der Reser­ve­lis­te! Was mei­ne Per­son angeht, habe ich Herrn Wulf die­se Gele­gen­heit erst gar nicht eröffnet.
    Quo vadis, CDU August­dorf? Ich stim­me Herrn Schnei­der zu, dass es die alte CDU nicht mehr gibt. Man wird sehen, was noch pas­siert. Ich bedaue­re das sehr, dass es offen­sicht­lich immer noch zu vie­le Mit­glie­der gibt, die dem Per­so­nen­kult frö­nen und das Wohl der Gemein­de dabei aus dem Blick ver­lie­ren. Die August­dor­fer Wäh­le­rIn­nen müs­sen nun am 13.09. ent­schei­den, ob sie die Geschi­cke unse­rer Gemein­de für die nächs­ten fünf Jah­re in sei­ne Hän­de legen wol­len oder nicht. Mei­ne Ent­schei­dung jeden­falls steht fest…

  3. Zusatz zu mei­nem Kom­men­tar oben :
    Den August­dor­fer Nach­rich­ten ein herz­li­ches DANKESCHÖN und auf­rich­ti­ges Kom­pli­ment für die­se Nach­rich­ten­ar­beit ….eine jour­na­lis­ti­sche Glanz­leis­tung und ein Stan­ding das bewun­dert wer­den muss —–ad mul­tos annos AN !!!!!

  4. Als wahr­lich nun wirk­lich kein Sym­pa­thi­sant des Herrn Dr. Wullf aber als über­zeug­ter Demo­krat und August­dor­fer seit Jahr­zehn­ten habe ich den gest­ri­gen Abend in der Win­neo Are­na live ver­folgt und irgend­wie doch gehofft, dass die CDU August­dorf die­se Schmie­ren­ko­mö­die über­ste­hen würde.…aber lei­der hat sie das nicht !!! Die einst akti­ve gestal­ten­de poli­ti­sche Kraft in unse­rer Gemein­de ist genau zu dem gewor­den, was ihre letz­ten glaub­wür­di­gen Auf­rech­ten befürch­tet hat­ten : ein Scher­ben­hau­fen hilf­los ges­tern in der gro­ßen Hal­le hin und her ren­nen­der Kopf­lo­ser, zu ret­ten was viel­leicht noch zu ret­ten wäre…… ein Licht­blick war die tap­fe­re sym­pa­thi­sche Gegen­kan­di­da­tin , die plötz­lich ihren Hut in den Ring warf und sich mit eini­gen weni­gen Wor­ten vor­stell­te und Einig­keit und Gemein­sam­keit anmahn­te, ein kur­zer Licht­blick lei­der nur, denn dann die gefühlt end­lo­se Tira­de des Herrn Dr. Wulf mit der Auf­zäh­lung aller sei­ner Fähig­kei­ten und Leis­tun­gen , wohl ver­ges­send, dass in den letz­ten Jah­ren FWG, SPD und FDP im Rat ihn nur vor sich her getrie­ben haben……. kein Wort des Dan­kes an „sei­ne” CDU ….nichts.…..ein so eigent­lich unvor­stell­bar selbst­herr­li­cher Ego­ma­ne , der sich in aller letz­ter Minu­te noch bis dato 60 (sech­zig) unbe­kann­te CDU Mit­glie­der „besorgt” hat und sich nicht nur von denen hat wäh­len las­sen, son­dern mit denen er auch alte getreue Fah­rens­leu­te am sel­bi­gen Abend noch aus den Wahl­be­zir­ken „raus­ke­geln” wollte…….da wird selbst die „Pan­ne” der zu vie­len Stimm­zet­tel fast bedeu­tungs­los und ein­fach nur Ekel kommt auf.…so eine Per­son wie­der an der Spit­ze in unse­rem Dorf ???? Das wer­den die Bür­ger ver­hin­dern , da bin ich mir aber sicher

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