Der ver­gan­ge­ne Frei­tag­abend, an dem Dr. Andre­as Wulf mit mage­ren 57 Pro­zent als Kan­di­dat ins Ren­nen um das Bür­ger­meis­ter­amt geschickt wur­de, wird in die Geschich­te ein­ge­hen. Dabei ist nicht nur die Chro­nik der CDU gemeint, die in gro­ßen Tei­len den Abend als Zäsur erlebt hat. Auch in August­dorf wird sich ab jetzt eini­ges ändern.

Denn mit dem geziel­ten Anwer­ben Wul­fs von Unter­stüt­zern in den Frei­kir­chen und der Plat­zie­rung in der Poli­tik, die bis­her in die­sem Zusam­men­hang noch gar nicht in Erschei­nung getre­ten sind, macht sich in August­dorf eine Bewe­gung breit, die stark an die reli­giö­se Rech­te in den USA erinnert.

Dort gibt es die Bewe­gung seit unge­fähr 1970. Damals ent­stand eine Koope­ra­ti­on von Neo­kon­ser­va­ti­ven mit evan­ge­li­kal-fun­da­men­ta­lis­ti­schen Geist­li­chen und Fern­seh­pre­di­gern. Die christ­li­che Rech­te in den USA rekru­tiert sich außer­dem zu einem klei­nen Teil aus kon­ser­va­ti­ven Katholiken.

An die­ser Stel­le sol­len die zahl­rei­chen Mit­glie­der der ver­schie­de­nen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten in August­dorf aber erst ein­mal in Schutz genom­men wer­den. Vie­le ver­rich­ten im Stil­len Gutes, küm­mern sich um das All­ge­mein­wohl und die­nen der Gesell­schaft. Als ein Bei­spiel sei da die Jugend der evan­ge­li­schen Frei­kir­chen genannt, die das Picker­tes­sen geret­tet und mit ihrer sym­pa­thi­schen Art und Wei­se der Tra­di­ti­on neu­es Leben ein­ge­haucht hat. All die sind aus­drück­lich nicht gemeint. Ihnen gilt die gan­ze Hochachtung.

Auf der Hut soll­te man aber vor den­je­ni­gen sein, die Poli­tik und Glau­ben ver­mi­schen. Wäh­rend die reli­giö­se Rech­te in August­dorf bis­her eher im Hin­ter­grund war und nicht in der Öffent­lich­keit in Erschei­nung tre­ten woll­te, ist das seit Frei­tag­abend anders. Ganz offen umgab sich Wulf im Lau­fe des Abends immer wie­der mit sei­nen neu­en Anhän­gern, die ihm als Steig­bü­gel für eine wei­te­re Amts­zeit die­nen sollen.

Was vie­len Mit­glie­dern der reli­giö­sen Rech­ten in den USA zu eigen ist, ist nicht nur ein aus­ge­präg­tes Sen­dungs­be­wusst­sein, son­dern auch eine kla­re Unter­schei­dung zwi­schen Gut und Böse, Rich­tig und Falsch. Grau­zo­nen gibt es — meis­tens nicht.

Die­ses Ver­hal­ten war auch auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung zu beob­ach­ten, als Bür­ger­meis­ter Wulf Ste­fan Koop aus dem Hut zau­ber­te, um sich Frank Salo­mon als Rats­mit­glied zu ent­le­di­gen. Dass die frei­kirch­li­chen Unter­stüt­zer in Wul­fs Plan ein­ge­weiht waren, war spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt jedem bewusst. Betont lau­ter Applaus bran­de­te aus der­sel­ben Grup­pie­rung auf, als CDU-Frak­ti­ons­chef Lutz Mül­ler sei­nen Platz von der Reser­ve­lis­te räum­te, nach­dem sich Ste­fan Koop um die­sen bewarb.

Ein Erleb­nis der ande­ren Art — aber wohl ganz in Wul­fs Sinn, gab es auch für den anwe­sen­den Redak­teur der AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, als völ­lig unver­mit­telt ein jun­ger Mann aus dem­sel­ben Pulk wäh­rend der Ver­an­stal­tung auf ihn zukam und frag­te: „War­um berich­ten Sie so ungleich­ge­wich­tig?” Auf die Gegen­fra­ge: „Was mei­nen Sie genau?”, sag­te die­ser nur: „Sie wis­sen, was ich mei­ne!” Dann setz­te er sich wie­der hin, um dann unter bei­fäl­li­gem Gemur­mel sei­ner Umge­bung hin­zu­zu­fü­gen: „So einen Schwach­sinn habe ich ja noch nie gelesen.”

Der reli­giö­sen Rech­ten ist eben­falls zu eigen, dass sie sich nur sel­ten mit Kri­tik aus­ein­an­der­setzt. Auch in August­dorf ist seit Mona­ten immer wie­der zu beob­ach­ten, dass sich die Unter­stüt­zer Wul­fs nicht inhalt­lich mit der geäu­ßer­ten Kri­tik von Rats­mit­glie­dern oder Medi­en aus­ein­an­der­set­zen, son­dern die­se pau­schal ableh­nen und gleich­zei­tig den­je­ni­gen, der die Kri­tik äußert, diskreditieren.

In jedem Fall ist es zu begrü­ßen, dass sich jun­ge und ger­ne auch uner­fah­re­ne Men­schen in die Poli­tik ein­brin­gen. Dage­gen ist nichts ein­zu­wen­den. Die­se soll­ten aber nicht als Mit­tel zum Zweck des eige­nen Macht­er­hal­tes ein­ge­setzt wer­den. „Das war men­schen­ver­ach­tend”, hör­te man am Wochen­en­de immer wie­der, als es um die Art und Wei­se ging, wie Wulf gegen die­je­ni­gen, die ihm nicht treu erge­ben sind, vorging.

Da ist es aus Wul­fs Sicht auch nur kon­se­quent, wenn er am Sonn­tag über die sozia­len Medi­en den 2. Korin­ther zitiert: „Schwes­tern und Brü­der, freut euch, kehrt zur Ord­nung zurück, lasst Euch ermah­nen, seid eines Sin­nes, hal­tet Frie­den!” Sei­ne neu­en Anhän­ger wird es freuen.

Und damit kommt ein wei­te­rer wesent­li­cher Punkt der reli­giö­sen Rech­ten, sowohl in den USA als auch in August­dorf ins Spiel: mit ihrer feh­len­den Kri­tik- und Dis­kus­si­ons­fä­hig­keit spal­tet die­se Bewe­gung, anstatt zu einen — auch wenn sie das bei jeder Gele­gen­heit vor­gibt zu tun. Die Dis­kus­sio­nen wer­den schär­fer, auch das bewei­sen die letz­ten Monate.

Die reli­giö­se Rech­te ist seit Frei­tag offi­zi­ell in der August­dor­fer Poli­tik, dank des Bür­ger­meis­ters, ange­kom­men. Mit die­ser Bewe­gung wer­den sich die Par­tei­en in August­dorf nun aus­ein­an­der set­zen und eine Ant­wort fin­den müs­sen. Ein­fach wird das nicht.

 

 

 

Von Redaktion

Ein Gedanke zu „Kommentar: Die religiöse Rechte ist in der Politik angekommen“
  1. Zunächst ein gro­ßes Dan­ke­schön an die AN für den bemer­kens­wer­ten Kom­men­tar !!! Dann in eige­ner Sache die kate­go­ri­sche kla­re Fest­stel­lung, dass ich über­haupt nichts gegen unse­re Mit­bür­ger habe, die den einen oder ande­ren Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben. Ich bewun­de­re heu­te noch, dass Jahr­hun­der­te der Ver­fol­gung und des Lei­dens den kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Zusam­men­halt tap­fe­rer , flei­ßi­ger , unbeug­sa­mer Men­schen im Osten Euro­pas und noch wei­ter öst­lich nicht ver­mocht haben zu zerstören.…mehr als bewun­derns­wür­dig !!!! Und sie sind heu­te als Nach­barn mehr als will­kom­men ! Got­tes Wort ist für uns alle, wir (er)leben und ver­ste­hen es nur unter­schied­lich , aber es gilt für alle.
    Wer aber, wie der amtie­ren­de Bür­ger­meis­ter sich voll­mun­dig zu jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit Christ nennt , obwohl die Lis­te sei­ner ver­mut­li­chen Lüge­rei­en, Betrü­ge­rei­en, Trick­se­rei­en, Miss­bräu­che (Wer­te­ge­mein­schaft der CDU und ver­dien­te Par­tei­freun­de) , Dro­hun­gen und Bedro­hun­gen ande­rer , unend­lich lang gewor­den ist , dem muss sei­ne christ­li­che Gesin­nung abge­spro­chen wer­den, der ist nicht mehr glaub­wür­dig. Wer Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zum eige­nen Macht­er­halt miss­braucht, der ist kein Christ. Ich erin­ne­re Herrn Dr. Wulf an das Zwei­te und Ach­te Gebot !!
    Einer der erpres­se­risch nöti­gend sei­nen treu­es­ten Gefolgs­mann (amtie­ren­der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der CDU im Gemein­de­rat) in aller Öffent­lich­keit unter Druck setzt , der tritt christ­li­che Wer­te mit Füßen !!! Und wer das tut, mit dem stimmt ein­fach was nicht.…..das Fremd­wort dafür ist eine beson­de­re Form der Blasphemie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner