Wer Ste­fan Koop begeg­net, kann sich nicht vor­stel­len, dass er einer der Grün­de ist, war­um es auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung der CDU zu einem Eklat kam. Der 30-Jäh­ri­ge ist einer der­je­ni­gen, die Dr. Andre­as Wulf für die CDU gewon­nen hat, um sei­ne Kan­di­da­ten­wahl zu sichern. Knapp sechs Wochen spä­ter erklärt Koop im Gespräch mit den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN, dass der Zeit­punkt, um in die CDU ein­zu­tre­ten, denk­bar ungüns­tig gewe­sen sei; „vie­les ist dadurch miss­ver­stan­den wor­den”, ist er sich sicher.

Der gebür­ti­ge August­dor­fer, des­sen Eltern aus Russ­land nach Deutsch­land kamen, hat sich im Janu­ar die­sen Jah­res als Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rer selb­stän­dig gemacht. Der Vater von drei Kin­dern, der selbst acht Geschwis­ter hat, erklärt: „Ich habe das Gefühl, dass in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit über­wun­den geglaub­te Pro­ble­me, wie­der auf­tau­chen.” Kon­kret meint Koop damit Vor­be­hal­te, die zwi­schen man­chen Russ­land­deut­schen und Deut­schen bestehen. „Ich hof­fe, dass ich mit mei­ner poli­ti­schen Akti­vi­tät dazu bei­tra­gen kann, dass sich bei­de Sei­ten bes­ser ver­ste­hen”, begrün­det er sei­nen Ein­tritt in die Par­tei. Da er bei­de Sei­ten ken­ne, habe er auch bes­ser die Mög­lich­keit, zu verbinden.

Wäh­rend vor sechs Wochen noch eines sei­ner Schwer­punkt­the­men gewe­sen sei, bezahl­ba­ren Wohn­raum für alle zu schaf­fen, sei es mitt­ler­wei­le zu sei­nem Ziel gewor­den, Ver­ständ­nis für­ein­an­der zu ent­wi­ckeln. „In den letz­ten Wochen habe ich mit ganz vie­len Per­so­nen gespro­chen und um Ver­ständ­nis gewor­ben”, berich­tet er. Dabei bezieht er die Gesprä­che nicht nur auf Poli­ti­ker, son­dern auch auf Gemeindemitglieder.

Ste­fan Koop ist Mit­glied der Bap­tis­ten-Brü­der-Gemein­de an der Haus­ten­be­cker Stra­ße. „Dort sind nicht alle von mei­nem Enga­ge­ment begeis­tert”, erklärt er. Wäh­rend sich die Lei­tung der Gemein­de einer Kom­men­tie­rung sei­ner Akti­vi­tä­ten ent­hält, sei­en die Reak­tio­nen  unter den Gemein­de­mit­glie­dern gemischt. Koop, der in dem Bet­haus hin und wie­der auch pre­digt, ist es wich­tig zu beto­nen, dass sei­ne poli­ti­sche Akti­vi­tät in der Wort­ver­kün­dung kei­ne Rol­le spiele.

Ste­fan Koop trennt nach eige­nem Bekun­den strikt zwi­schen Kir­che und Poli­tik. Das sei auch bei dem Rest der Gemein­de­mit­glie­der so. „In der Kir­che wird kei­ne Par­tei­po­li­tik gemacht”, betont er und erklärt: „Sie wer­den nie hören, dass wir für eine Par­tei oder für einen Bür­ger­meis­ter eine Emp­feh­lung aus­spre­chen.” Eine kla­re Aussage.

Die Zusam­men­ar­beit im Wahl­kampf­team emp­fin­det Ste­fan Koop als kon­struk­tiv und part­ner­schaft­lich. „Ich füh­le mich in August­dorf wohl”, erklärt er über­zeugt. Und auch sei­ne Frau ste­he voll hin­ter sei­nen poli­ti­schen Aktivitäten.

„Ich wür­de mich freu­en, wenn ich in den Rat käme”, so Koop, auch dann wol­le er Ansprech­part­ner für alle Sei­ten sein.

Von Redaktion

Ein Gedanke zu „„In der Kirche wird keine Parteipolitik gemacht.”“
  1. Herr Koop hat selbst bekun­det und völ­lig rich­tig erkannt, dass der Zeit­punkt sei­nes Ein­tritts in die CDU „denk­bar ungüns­tig“ gewe­sen ist. Ein durch sei­nen Ein­tritt begrün­de­tes „Miss­ver­ständ­nis“ erken­ne ich hier jedoch nicht. Von Dr. Wulf ange­wor­ben ent­stieg er auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 18.06. wie Phö­nix aus der Asche dem Publi­kum und kan­di­dier­te mit einer gut vor­be­rei­te­ten, flam­men­den Rede für den Wahl­kreis des hier­für vom Vor­stand des CDU-Gemein­de­ver­ban­des vor­ge­schla­ge­nen Rats­herrn Frank Salo­mon. Es gelang ihm, offen­sicht­lich nur mit Hil­fe der Stim­men wei­te­rer neu­er Wul­f­scher Mit­glie­der, nicht nur für den Wahl­kreis Salo­mons auf­ge­stellt zu wer­den, son­dern auch den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Lutz Mül­ler vom Platz 1 der Reser­ve­lis­te zu ver­drän­gen. Auch wenn Herr Koop am 13.09. kein Direkt­man­dat holen soll­te, ist ihm ein Ein­zug in den Rat somit nahe­zu sicher. Und Dr. Wulf hät­te, soll­te er ent­ge­gen der Hoff­nun­gen vie­ler tat­säch­lich noch ein­mal zum Bür­ger­meis­ter gekürt wer­den, einen Treu­en im Gefol­ge und unter Umstän­den zwei Wider­sa­cher weni­ger. War das alles ein zufäl­li­ges, spon­ta­nes Geschehen?
    Nun, so merk­wür­dig die­ses alles auch war, so war es letzt­end­lich doch eine demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung, die für Auf­rich­ti­ge schwer hin­zu­neh­men ist. An den übli­chen (und bes­se­ren) Weg für Bür­ger, die sich poli­tisch betä­ti­gen wol­len, hat sich Herr Koop in jedem Fal­le nicht gehal­ten. Und Vor­be­hal­te, die von ihm befürch­tet wer­den, kann ich zumin­dest für die amtie­ren­de CDU-Frak­ti­on, in der ich selbst mit­ar­bei­te, aus­schlie­ßen. Hier ist grds. jeder will­kom­men. Meh­re­re, von allen geschätz­te Frak­ti­ons­mit­glie­der stam­men aus ande­ren Kul­tur­krei­sen bzw. Glau­bens­rich­tun­gen und sind her­vor­ra­gend inte­griert! Wenn Herr Koop als Haupt­ziel Ver­ständ­nis für­ein­an­der ent­wi­ckeln möch­te, so ist die­ses durch­aus löb­lich. Aber um dies­be­züg­lich glaub­wür­dig zu sein, hät­te er m.E. zuvor mit einem guten Bei­spiel vor­an­ge­hen müs­sen. Er, der dem christ­li­chen Glau­ben stär­ker als ande­re ver­bun­den scheint, soll­te auch dar­über nach­den­ken, ob sein Han­deln am 18.06. den christ­li­chen Wer­ten entsprach.
    Zum Schluss noch eine Anmer­kung: es ist unschwer zu erra­ten, wer Herrn Koop nun auch für das Wahl­kampf­team der CDU, in dem übli­cher­wei­se nur erfah­re­ne Mit­glie­der ver­tre­ten sind, nomi­niert hat…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner