Corona: Ordnungsamt will mit Gemeindeleitern persönlich sprechen

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Der Kreis Lip­pe hat bereits vor zwei Tagen deut­lich gemacht, dass sich bei der Ermitt­lung der Kon­takt­per­so­nen in den ver­gan­ge­nen Tagen gezeigt habe, „dass vie­le infi­zier­te Per­so­nen Got­tes­diens­te der frei­kirch­li­chen und men­no­ni­ti­schen Gemein­den im Kreis Lip­pe besucht haben. Akti­ve Coro­na­fäl­le im Zusam­men­hang mit Got­tes­diens­ten der evan­ge­li­schen und katho­li­schen Kir­che sind dage­gen nicht bekannt.”

Dem will der Kreis nun einen Rie­gel vor­schie­ben und hat die ange­kün­dig­te Hand­lungs­emp­feh­lung zur Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen zur Reli­gi­ons­aus­übung erar­bei­tet (Lesen Sie die­se hier) und an die Ord­nungs­äm­ter der Gemein­den und Städ­te ver­teilt. Außer­dem hat der Kreis einen Offe­nen Brief ver­fasst, der sich an alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten rich­tet (sie­he Bil­der)

Der Offe­ne Brief rich­tet sich an alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, ganz beson­ders aber an die Frei­kir­chen. (Zum Ver­grö­ßern bit­te kli­cken)
„Gebt aber acht, dass Eure Frei­heit den Schwa­chen nicht zum Stol­per­stein wird.” (Zum Ver­grö­ßern bit­te kli­cken)

„Damit liegt ein Mus­ter vor, was bei Zusam­men­künf­ten von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten beach­tet wer­den soll­te. Auf Basis der Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sol­len die­se Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ihre Hygie­ne­re­geln prü­fen oder neu erar­bei­ten. Bei­spie­le für die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sind die An- und Abfahrt getrennt nach Haus­hal­ten oder Ein­bahn­re­ge­lun­gen auf dem Weg zum Sitz­platz”, heißt es vom Kreis. 

So soll­te grund­sätz­lich eine Höchst­teil­neh­mer­zahl fest­ge­legt wer­den. Die­se erfol­ge unter Berück­sich­ti­gung der Grö­ße des Kirch­rau­mes und einer Flä­che von vier Qua­drat­me­tern pro Teil­neh­mer. Damit wür­den Got­tes­diens­te, wie in der Haus­ten­be­cker Stra­ße mit 800 bis 1000 Teil­neh­mern für die nächs­te Zeit erst ein­mal nicht mög­lich sein — wenn sich die Ver­ant­wort­li­chen dar­an hal­ten.

Das ent­spre­chen­de Ver­fah­ren, die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen wei­ter­zu­ver­brei­ten, sto­ßen die loka­len Ord­nungs­be­hör­den an, indem sie kurz­fris­ti­ge Tref­fen mit den ver­ant­wort­li­chen Lei­tern der ört­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten orga­ni­sie­ren. Dabei erläu­tern sie die Situa­ti­on und hän­di­gen die Emp­feh­lun­gen des Krei­ses aus. Für die Gemein­schaf­ten gilt es dann, die Hygie­ne­vor­schrif­ten für Zusam­men­künf­te zu prü­fen und wenn dies not­wen­dig ist, die Kon­zep­te anzu­pas­sen. Die über­ar­bei­te­ten Kon­zep­te sol­len den loka­len Ord­nungs­be­hör­den vor­ge­legt wer­den. Außer­dem wer­den optio­nal auch die ört­li­chen Gege­ben­hei­ten durch die loka­len Behör­den im dor­ti­gen Ermes­sen und nach Orts- und Insti­tu­ti­ons­kennt­nis besucht.

Der stän­di­ge Ver­tre­ter des Bür­ger­meis­ters, Patrick Herr­mann und Sil­ke Berg­mann vom Fach­be­reich Ord­nung hat­ten sich ges­tern direkt nach der Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens zusam­men­ge­setzt und über­legt, wie es nun wei­ter­ge­hen kann. „Wir wer­den den offe­nen Brief den Gemein­de­lei­tern per­sön­lich am mor­gi­gen Tag (Frei­tag) über­rei­chen”, erklär­te Sil­ke Berg­mann gegen­über den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN.

Wich­tig sei zu beach­ten, dass auch die­se Emp­feh­lun­gen auf die Ein­sicht der betei­lig­ten Per­so­nen und Gemein­den setzten.„Die Reli­gi­ons­aus­übung ist ein hohes Gut”, unter­streicht auch Patrick Herr­mann. Trotz­dem müs­se man nun in den Gesprä­chen deut­lich machen, dass nur, wenn sich alle an die Hand­lungs­emp­feh­lun­gen hal­ten, man schnel­ler aus der Kri­se kom­men kön­ne.

Sil­ke Berg­mann kün­dig­te auch gegen­über der Redak­ti­on an, dass das Ord­nungs­amt in Zukunft wie­der ver­stärkt Kon­trol­len durch­füh­ren wer­de. „So wer­den wir auch zu denen fah­ren, die unter Qua­ran­tä­ne ste­hen, um sicher­zu­ge­hen, dass die­se auch ein­ge­hal­ten wird”, so Berg­mann.

Fest steht auch, dass es in Kür­ze Erlas­se geben wird, die dann die Got­tes­dienst­mög­lich­kei­ten gesetz­lich beschrän­ken, soll­ten sich die Gemein­den nicht an die­se Hand­lungs­emp­feh­lun­gen hal­ten.

Auch in August­dorf kamen immer wie­der Dis­kus­sio­nen um Got­tes­diens­te auf, die vor allem in der Bap­tis­ten-Brü­der­ge­mein­de an der Haus­ten­be­cker Stra­ße statt­fan­den. Den Höhe­punkt erreich­te das Unver­ständ­nis von vie­len August­dor­fern um das Ern­te­dank­fest am Wahl­sonn­tag, an dem auch Noch­bür­ger­meis­ter Dr. Andre­as teil­nahm und sein Erschei­nen spä­ter mit den mitt­ler­wei­len legen­dä­ren Wor­ten: „Ich ver­su­che nach dem bibli­schen Grund­satz: „Fürch­tet euch nicht”” recht­fer­tig­te. Sei­ne Teil­nah­me und sein anschlie­ßen­des Ver­hal­ten bescher­te Wulf drei Straf­an­zei­gen. Von der Gemein­de­lei­tung gibt es bis heu­te kei­ne offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me zu dem Vor­fall — auch nicht, wie sich die Kir­che in Zukunft ver­hal­ten will.

Aber nicht alle Gemein­den han­deln so. Das Ord­nungs­amt hat­te schon vor Wochen gegen­über den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN erklärt, dass sowohl die Frei­kir­che am IIm­ker­weg und auch an der Pivits­hei­der Stra­ße einen Hygie­ne­plan ein­ge­reicht habe. „Die­se Gemein­den ver­hal­ten sich sehr vor­bild­lich”, heißt es aus dem Rat­haus.

Nun ist zu hof­fen, dass auch die ande­ren frei­kirch­li­chen Gemein­de­lei­ter den Ernst der Situa­ti­on auf­grund der per­sön­li­chen Anspra­che durch die Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­amt am heu­ti­gen Frei­tag erken­nen. Der nächs­te Sonn­tag wird es zei­gen.

In einer frü­he­ren Ver­si­on des Arti­kels stand, dass von der Frei­kir­che am Imker­weg kein Hygie­nekon­zept vor­lie­ge. Den Feh­ler haben wir kor­ri­giert.

 

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Der Kreis Lippe hat bereits vor zwei Tagen deutlich gemacht, dass sich bei der Ermittlung der Kontaktpersonen in den vergangenen Tagen gezeigt habe, "dass viele infizierte Personen Gottesdienste der freikirchlichen und mennonitischen Gemeinden im Kreis Lippe besucht haben. Aktive Coronafälle im Zusammenhang mit Gottesdiensten der evangelischen und katholischen Kirche sind dagegen nicht bekannt." Dem will der Kreis nun einen Riegel vorschieben und hat die angekündigte Handlungsempfehlung zur Durchführung von Veranstaltungen zur Religionsausübung erarbeitet (Lesen Sie diese hier) und an die Ordnungsämter der Gemeinden und Städte verteilt. Außerdem hat der Kreis einen Offenen Brief verfasst, der sich an alle Religionsgemeinschaften richtet (siehe Bilder) [caption id="attachment_10046" align="alignleft" width="168"] Der Offene Brief richtet sich an alle Religionsgemeinschaften, ganz besonders aber an die Freikirchen. (Zum Vergrößern bitte klicken)[/caption] [caption id="attachment_10047" align="alignleft" width="168"] "Gebt aber acht, dass Eure Freiheit den Schwachen nicht zum Stolperstein wird." (Zum Vergrößern bitte klicken)[/caption] "Damit liegt ein Muster vor, was bei Zusammenkünften von Religionsgemeinschaften beachtet werden sollte. Auf Basis der Handlungsempfehlungen sollen diese Religionsgemeinschaften ihre Hygieneregeln prüfen oder neu erarbeiten. Beispiele für die Handlungsempfehlungen sind die An- und Abfahrt getrennt nach Haushalten oder Einbahnregelungen auf dem Weg zum Sitzplatz", heißt es vom Kreis.  So sollte grundsätzlich eine Höchstteilnehmerzahl festgelegt werden. Diese erfolge unter Berücksichtigung der Größe des Kirchraumes und einer Fläche von vier Quadratmetern pro Teilnehmer. Damit würden Gottesdienste, wie in der Haustenbecker Straße mit 800 bis 1000 Teilnehmern für die nächste Zeit erst einmal nicht möglich sein - wenn sich die Verantwortlichen daran halten. Das entsprechende Verfahren, die Handlungsempfehlungen weiterzuverbreiten, stoßen die lokalen Ordnungsbehörden an, indem sie kurzfristige Treffen mit den verantwortlichen Leitern der örtlichen Religionsgemeinschaften organisieren. Dabei erläutern sie die Situation und händigen die Empfehlungen des Kreises aus. Für die Gemeinschaften gilt es dann, die Hygienevorschriften für Zusammenkünfte zu prüfen und wenn dies notwendig ist, die Konzepte anzupassen. Die überarbeiteten Konzepte sollen den lokalen Ordnungsbehörden vorgelegt werden. Außerdem werden optional auch die örtlichen Gegebenheiten durch die lokalen Behörden im dortigen Ermessen und nach Orts- und Institutionskenntnis besucht. Der ständige Vertreter des Bürgermeisters, Patrick Herrmann und Silke Bergmann vom Fachbereich Ordnung hatten sich gestern direkt nach der Veröffentlichung des Schreibens zusammengesetzt und überlegt, wie es nun weitergehen kann. "Wir werden den offenen Brief den Gemeindeleitern persönlich am morgigen Tag (Freitag) überreichen", erklärte Silke Bergmann gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Wichtig sei zu beachten, dass auch diese Empfehlungen auf die Einsicht der beteiligten Personen und Gemeinden setzten."Die Religionsausübung ist ein hohes Gut", unterstreicht auch Patrick Herrmann. Trotzdem müsse man nun in den Gesprächen deutlich machen, dass nur, wenn sich alle an die Handlungsempfehlungen halten, man schneller aus der Krise kommen könne. Silke Bergmann kündigte auch gegenüber der Redaktion an, dass das Ordnungsamt in Zukunft wieder verstärkt Kontrollen durchführen werde. "So werden wir auch zu denen fahren, die unter Quarantäne stehen, um sicherzugehen, dass diese auch eingehalten wird", so Bergmann. Fest steht auch, dass es in Kürze Erlasse geben wird, die dann die Gottesdienstmöglichkeiten gesetzlich beschränken, sollten sich die Gemeinden nicht an diese Handlungsempfehlungen halten. Auch in Augustdorf kamen immer wieder Diskussionen um Gottesdienste auf, die vor allem in der Baptisten-Brüdergemeinde an der Haustenbecker Straße stattfanden. Den Höhepunkt erreichte das Unverständnis von vielen Augustdorfern um das Erntedankfest am Wahlsonntag, an dem auch Nochbürgermeister Dr. Andreas teilnahm und sein Erscheinen später mit den mittlerweilen legendären Worten: "Ich versuche nach dem biblischen Grundsatz: "Fürchtet euch nicht"" rechtfertigte. Seine Teilnahme und sein anschließendes Verhalten bescherte Wulf drei Strafanzeigen. Von der Gemeindeleitung gibt es bis heute keine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall - auch nicht, wie sich die Kirche in Zukunft verhalten will. Aber nicht alle Gemeinden handeln so. Das Ordnungsamt hatte schon vor Wochen gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN erklärt, dass sowohl die Freikirche am IImkerweg und auch an der Pivitsheider Straße einen Hygieneplan eingereicht habe. "Diese Gemeinden verhalten sich sehr vorbildlich", heißt es aus dem Rathaus. Nun ist zu hoffen, dass auch die anderen freikirchlichen Gemeindeleiter den Ernst der Situation aufgrund der persönlichen Ansprache durch die Mitarbeiter des Ordnungsamt am heutigen Freitag erkennen. Der nächste Sonntag wird es zeigen. In einer früheren Version des Artikels stand, dass von der Freikirche am Imkerweg kein Hygienekonzept vorliege. Den Fehler haben wir korrigiert.  

Leserbriefe zu “Corona: Ordnungsamt will mit Gemeindeleitern persönlich sprechen

Leserbriefe geben die Ansicht der Einsender wieder, die mit der Meinung der Redaktion nicht übereinstimmen muss.


  1. Ich stim­me dem Klaus Mai zu, der in sei­nen christ­li­chen Bemü­hun­gen um die Senio­ren des Dor­fes sich mehr als glaub­wür­di­ge Auto­ri­tät erwor­ben hat, aber ich wider­spre­che auch. Es ist nicht nur Rück­sichts­lo­sig­keit einer Glau­bens­ge­mein­schaft den Bür­gern gegen­über , sich der­art spek­ta­ku­lär über Schutz­maß­nah­men hin­weg­zu­set­zen, die für alle gel­ten. Es ist gefähr­li­che fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung, und das hat mit Reli­gi­on oder Glau­bens­frei­heit über­haupt nichts mehr zu tun !!! Und es ist nicht damit getan , dass sich das Ord­nungs­amt mal mit den Gemein­de­lei­tern dar­über unter­hal­ten will. Es bedarf der recht­li­chen gesetz­li­chen Kon­se­quenz !! In dem Zusam­men­hang muss man sich aber nicht wun­dern, dass bei den — oder bes­ser bei der Glau­bens­ge­mein­schaft — Glau­bens­ge­mein­schaf­ten die Ein­sicht immer noch nicht gegrif­fen hat, dass das was sie tun buch­stäb­lich unchrist­lich ist dem Nächs­ten
    gegen­über, wenn sie denn über vie­le Jah­re von Herrn Dr. Wulf als Wäh­ler hofiert und in ihrem Tun bestärkt wur­den. Ich kann nur hof­fen , dass ein Gericht die­sen Täter benennt und zur Rechen­schaft zieht. Gefähr­li­che fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung ist eine Straf­tat !!! Rück­sichts­lo­sig­keit ist viel zu kurz gegrif­fen. Und zu der/n betrof­fe­nen Glaubendgemeinschaft(en) sei gesagt „Lie­be Dei­nen Nächs­ten !!!!!” TUST Du es nicht, ist es Sün­de !!!!

  2. Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten im Gebet des Krei­ses Lip­pe

    Selbst­ver­ständ­lich: Die Reli­gi­ons­frei­heit ist ein hohes Gut! Das ent­hält aber nicht das Recht auf unso­zia­les Ver­hal­ten. Jede Reli­gi­on nimmt für sich in Anspruch, die Lie­be zum Nächs­ten an vor­ders­ter Stel­le zu üben. Das Ver­trau­en in die abso­lu­te Unver­letz­lich­keit, das von eini­gen Frei­kir­chen zur Schau getra­gen wird, ist jedoch ver­gleich­bar mit Rück­sichts­lo­sig­keit. Denn alle die­se Men­schen gehen aus den zum Teil über­füll­ten Bet­häu­sern hin­aus in die Welt als Hand­wer­ker, Gewer­be­trei­ben­de und freund­li­che Nach­barn. „Fürch­tet Euch nicht!“ ist da völ­lig unan­ge­bracht.

    Ich habe kein Ver­ständ­nis dafür, dass „die Ord­nungs­äm­ter in ABSTIMMUNG mit den Gemein­schaf­ten fest­le­gen, was geht und was nicht“. Das ist kei­ne Ver­hand­lungs­sa­che! Die Coro­na­schutz­ver­ord­nung muss für alle gel­ten und über­all. Die evan­ge­li­schen und katho­li­schen Kir­chen machen es vor.

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