Flächenmanagement mit Tradition

Lip­pe ist stän­dig im Wan­del. Flä­chen wech­seln die Besit­zer, Gren­zen wer­den neu gezo­gen, Äcker wer­den zu Fluss­au­en. Ver­ant­wort­lich dafür sind 82 Per­so­nen bei der

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Lippe ist ständig im Wandel. Flächen wechseln die Besitzer, Grenzen werden neu gezogen, Äcker werden zu Flussauen. Verantwortlich dafür sind 82 Personen bei der Bezirksregierung Detmold. Sie betreiben die „Ländliche Bodenordnung“ – ein Geschäft, das vor 200 Jahren erfunden wurde. „Bodenordnung – das ist die stille Kraft, die Mehrwert schafft.“ So bringt es Konstantin Plümer von der Bezirksregierung auf den Punkt. Er leitet das Dezernat für Ländliche Entwicklung und Bodenordnung. Das macht ihn zu einem Nachfolger der Amtsleiter, die Friedrich Wilhelm König von Preußen am 25. September 1820 für diese Aufgabe eingesetzt hatte. Die damalige preußische Generalkommission zu Münster sollte landwirtschaftliche Flächen ordnen. „Das ist auch heute noch ein wichtiger Teil unserer Arbeit“, erklärt Plümer. „Jedoch gehen wir ganz anders an diese Aufgabe heran.“ Beratung stehe im Vordergrund. Selbst dann, wenn die Eigentümer zu einem Flächentausch oder -verkauf gezwungen sind, etwa um den Bau einer Straße zu ermöglichen. Häufig komme Bodentausch aber auch freiwillig zustande. „Das wird es vor 200 Jahren vermutlich so nicht gegeben haben“, sagt Plümer. 152 Quadratkilometer derzeit in Bewegung 61 Bodenordnungsverfahren in OWL laufen aktuell, 152 Quadratkilometer sind betroffen. Das sind etwa 2,3 Prozent der Fläche des Regierungsbezirks. In ganz NRW sind es derzeit mehr als 300 Verfahren mit 1.250 Quadratkilometern (etwa 3,5 Prozent der Landesfläche). Die Ziele: Zersplitterte Ackerflächen zusammenzuführen, die Bewirtschaftung von Wäldern zu verbessern, Kulturlandschaften zu entwickeln oder dem Natur- und Gewässerschutz Raum zu verschaffen. Das größte aktive Verfahren in der Region umfasst 23 Quadratkilometer und soll Flächen für die Autobahn A33 Halle – Borgholzhausen und die dazugehörigen Ausgleichsmaßnahmen langfristig sichern. Das längste Verfahren hat 44 Jahre gedauert, das schnellste ging in wenigen Monaten über die Bühne. Bodenordnung löst Nutzungskonflikte Derzeit sind die Detmolder Bodenordner zum Beispiel dabei, Nutzungskonflikte zwischen Land- und Wasserwirtschaft in Petershagen-Maaslingen (Kreis Minden-Lübbecke) aufzulösen. Am Ende sollen Flächen für die Renaturierung der Ösper bereitstehen. Oder: Das Dezernat führt Teilflächen zusammen, um sie für den Naturschutz bei Lichtenau nutzbar zu machen. Auf diesem Weg werden Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz an der südlichen Egge gelöst. Handwerkszeug: Computer, Drohne und Respekt Als Handwerkszeug steht den Bodenordnern dabei moderne Technik zur Verfügung: GPS-gestützte Vermessungsgeräte, leistungsstarke Computer und viele Gigabyte an elektronischen Karten. Über Luftbildbefliegungen und Drohnen erheben sie schnell und kostengünstig Informationen für die Neuordnung. Mit Laserscannerdaten vollziehen sie alte Gewässerverläufe nach oder finden Flächen für neue Wirtschaftswege. Fast noch wichtiger sind jedoch Offenheit, Respekt und Einfühlungsvermögen. Denn: „Eigener Grund und Boden ist in der Regel mit der eigenen Herkunft und Identität verknüpft. Hinzu kommen Fragen der eigenen wirtschaftlichen Existenz“, erklärt Plümer. Mit dem Verlust einer Fläche, die seit Generationen in Familienbesitz ist, dürfe nicht leichtfertig umgegangen werden. 200 Jahre Bodenordnung – ein Baum für jedes Jahr Das Jubiläum „200 Jahre Bodenordnung“ sollte eigentlich mit einem Festakt in Münster gefeiert werden. Doch angesichts der Corona-Pandemie pflanzen Bodenordner der fünf nordrhein-westfälischen Bezirksregierung stattdessen 200 Bäume. Den ersten hat Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am 2. Oktober in Billerbeck (Kreis Coesfeld) gepflanzt. Der zweite Baum, ein Weißer Winterglockenapfel, fand seine Heimat im lippischen Rott, ebenfalls am 2. Oktober. Dort war mittels Flurbereinigungsverfahren die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verschoben worden. Das Verfahren endete in diesem Sommer. Eine Reihe praktischer, rechtlicher und organisatorischer Probleme für die Städte Extertal und Rinteln sowie für die dortigen Anwohner sind jetzt gelöst. Rainer Runte, Verfahrensleiter der Bezirksregierung, und Diana Marx, Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, betonten: „Das Verfahren hat allen großen Nutzen gebracht. Es herrschen jetzt klare Eigentums- und Unterhaltungsverhältnisse für den Kiepenböhn und die Oberdorfstraße.“ Und die Biodiversität profitiert obendrein: Der Jubiläumsapfel erweitert jetzt die örtliche Streuobstwiese.
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