Das Füt­tern von Vögeln zur Win­ter­zeit hat nicht nur in Deutsch­land eine lan­ge Tra­di­ti­on. Es ist bei vie­len Vogelfreund*innen beliebt und von Beginn an auch in unse­rem Ver­band ver­an­kert. An Fut­ter­stel­len las­sen sich die Tie­re aus nächs­ter Nähe beob­ach­ten. So ist das Füt­tern nicht nur ein Natur­er­leb­nis, son­dern ver­mit­telt zudem Arten­kennt­nis. Das gilt beson­ders für Kin­der und Jugend­li­che, die immer weni­ger Gele­gen­heit zu eige­nen Beob­ach­tun­gen und Erleb­nis­sen in der Natur haben. Die meis­ten enga­gier­ten Naturschützer*innen haben ein­mal als begeis­ter­te Beob­ach­ter am win­ter­li­chen Fut­ter­häus­chen begonnen.

Der NABU emp­fiehlt die Vogel­füt­te­rung des­halb als ein­ma­li­ge Mög­lich­keit für Natur­er­leb­nis und Umwelt­bil­dung. Gleich­zei­tig soll­te man die Vogel­füt­te­rung nicht mit effek­ti­vem Schutz bedroh­ter Vogel­ar­ten ver­wech­seln, da von ihr fast aus­schließ­lich wenig bedroh­te Arten pro­fi­tie­ren, die von der Natur so aus­ge­stat­tet wur­den, dass ihre Bestän­de auch durch kal­te Win­ter nicht dau­er­haft redu­ziert wer­den. Der NABU sagt, wor­auf zu ach­ten ist, um den Nut­zen für die Vögel zu sichern und Freu­de an der Vogel­füt­te­rung zu haben.

Richtig füttern — so geht es:

Ach­tung: Beson­de­re Ein­schrän­kun­gen zur Jun­gen­füt­te­rungs­zeit (April bis Juli): Das übli­che Win­ter­vo­gel­fut­ter kann für Jung­vö­gel schäd­lich sein, die zumeist natür­li­cher­wei­se von Ihren Eltern in den ers­ten Wochen aus­schließ­lich mit fri­schen pro­te­in­rei­chen Insek­ten gefüt­tert wer­den. An gro­ßen Erd­nuss-Bruch­stü­cken oder gan­zen Son­nen­blu­men­ker­nen kön­nen Jung­vö­gel ersti­cken. Fett­rei­ches Fut­ter ist für sie schwer zu ver­dau­en. Daher gilt für die­se Zeit: Kein Fett­fut­ter, kei­ne Erd­nüs­se (ganz oder als Bruch) und mög­lichst kei­ne Son­nen­blu­men­ker­ne, statt­des­sen mög­lichst klei­ne (fett­ar­me) Säme­rei­en von hei­mi­schen Wild­kräu­tern, Insek­ten­fut­ter frisch oder tief­ge­fro­ren, mög­lichst nicht getrocknet.

  1. Grund­sätz­lich ist eine Vogel­füt­te­rung vor allem im Win­ter aus umwelt­päd­ago­gi­scher Sicht emp­feh­lens­wert. Dann kom­men wesent­lich mehr Vögel zur Fut­ter­stel­le, und bei nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren ist es ein­fa­cher, für die not­wen­di­ge Hygie­ne zu sor­gen. So wird eine Über­tra­gung von Sal­mo­nel­len auf die Tie­re ver­hin­dert. Typi­scher­wei­se füt­tert man im Win­ter von Novem­ber bis Ende Febru­ar. Bei Frost oder Schnee wer­den beson­ders vie­le Vögel das Ange­bot annehmen.
    Bei Füt­te­rung oder Anbie­ten von Trink- und Bade­was­ser im Som­mer besteht die Gefahr der Infek­ti­on der Vögel mit Krank­heits­er­re­gern wie Tri­cho­mo­na­den, die in grö­ße­rer Zahl ins­be­son­de­re Grün­fin­ken befal­len kön­nen. Gegen die in allen Fäl­len töd­li­che Krank­heit hel­fen auch Hygie­ne­maß­nah­men wenig. Stel­len Sie daher even­tu­el­le Som­mer­füt­te­run­gen sofort bis zum nächs­ten Win­ter ein, soll­ten Sie kran­ke oder tote Vögel vorfinden.
  2. Wäh­len Sie Fut­ter­spen­der (Fut­ter­si­los), bei denen die Tie­re nicht im Fut­ter her­um­lau­fen und es mit Kot ver­schmut­zen kön­nen. Auf die­se Wei­se mini­mie­ren Sie die Über­tra­gung und Aus­brei­tung von Krank­heits­er­re­gern. Außer­dem ver­dirbt dar­in das Fut­ter nicht. Fut­ter­spen­der müs­sen so gebaut und ange­bracht wer­den, dass das Fut­ter auch bei star­kem Wind, Schnee und Regen nicht durch­nässt wer­den kann, da es sonst ver­dirbt oder ver­eist. Geeig­ne­te Fut­ter­si­los sind „war­tungs­frei“. Hier kön­nen Sie Fut­ter für einen län­ge­ren Zeit­raum anbie­ten. Sie müs­sen nor­ma­ler­wei­se nur vor und nach der Win­ter­sai­son gerei­nigt werden.
  3. Soll­ten Sie den­noch her­kömm­li­che Fut­ter­häus­chen ver­wen­den, dann rei­ni­gen Sie die­se regel­mä­ßig mit hei­ßem Was­ser und legen Sie täg­lich nur wenig Fut­ter nach. Aus hygie­ni­schen Grün­den soll­ten Sie beim Rei­ni­gen Hand­schu­he tragen.
  4. Wohin mit dem Fut­ter­spen­der? Plat­zie­ren Sie Fut­ter­spen­der an einer über­sicht­li­chen Stel­le, so dass sich kei­ne Kat­zen anschlei­chen und Sie gleich­zei­tig die Vögel gut beob­ach­ten kön­nen. In einem ange­mes­se­nen Abstand soll­ten jedoch nach Mög­lich­keit Bäu­me oder Büsche Deckung bei even­tu­el­len Atta­cken von Sper­bern bie­ten. Ach­ten Sie dar­auf, dass in der Nähe befind­li­che Glas­schei­ben für die Vögel nicht zu töd­li­chen Fal­len wer­den. Ver­mei­den Sie Durch­sich­ten oder Spie­ge­lun­gen in Ihren Fens­tern. Bekle­ben Sie gefähr­li­che Schei­ben von außen mit belie­bi­gen Auf­kle­bern oder Mus­tern. Alter­na­tiv kön­nen Fut­ter­stel­len auch direkt an Fens­ter­schei­ben ange­bracht wer­den, da hier Kol­li­sio­nen bei den kur­zen Anflug­we­gen wenig gefähr­lich sind.
  5. Wel­ches Fut­ter eig­net sich am bes­ten? Als Basis­fut­ter, das im Zwei­fel von fast allen Arten gefres­sen wird, eig­nen sich Son­nen­blu­men­ker­ne. Bei unge­schäl­ten Ker­nen fällt zwar mehr Abfall an, dafür ver­wei­len die Vögel aber län­ger an Ihrer Fut­ter­stel­le. Frei­land-Fut­ter­mi­schun­gen ent­hal­ten zusätz­lich ande­re Samen unter­schied­li­cher Grö­ße, die von unter­schied­li­chen Arten bevor­zugt werden.
    Die häu­figs­ten Kör­ner­fres­ser an Ihrer Fut­ter­stel­le sind Mei­sen, Fin­ken und Sper­lin­ge. Bei uns über­win­tern dane­ben auch Weich­fut­ter­fres­ser wie Rot­kehl­chen, Hecken­brau­nel­le, Amseln, Wachol­der­dros­seln oder Zaun­kö­nig. Für sie kann man Rosi­nen, Obst, Hafer­flo­cken und Kleie anbie­ten in Boden­nä­he anbie­ten. Dabei ist dar­auf zu ach­ten, dass die­ses Fut­ter nicht ver­dirbt. Es gibt spe­zi­el­le Boden­fut­ter­spen­der, die sich dafür beson­ders eignen.

    Ins­be­son­de­re Mei­sen lie­ben auch Gemi­sche aus Fett und Samen, die man selbst her­stel­len oder als Mei­sen­knö­del kau­fen kann. Ach­tung: Ach­ten Sie beim Kauf von Mei­sen­knö­deln und ähn­li­chen Pro­duk­ten dar­auf, dass die­se nicht, wie lei­der noch häu­fig üblich, in Plas­tik­net­zen ein­ge­wi­ckelt sind. Vögel kön­nen sich mit ihren Bei­nen dar­in ver­hed­dern und schwer ver­let­zen. Kei­nes­falls soll­te man sal­zi­ge Nah­rung wie Speck oder Salz­kar­tof­feln anbie­ten. Auch Brot ist nicht zu emp­feh­len, da es im Magen der Vögel auf­quillt und schnell verdirbt.
    Bil­li­ges Vogel­fut­ter wird meist mit gro­ßen Antei­len an Wei­zen­kör­nern gestreckt. Die­se wer­den von den Vögeln erst dann gefres­sen, wenn alle ande­ren Samen auf­ge­braucht sind, sonst aber aus der Fut­ter­stel­le ent­fernt. Dies führt daher meist zu gro­ßen Men­gen unge­nutz­ten Vogel­fut­ters am Boden. Zudem ist bei bil­li­gem Vogel­fut­ter nicht gewähr­leis­tet, dass durch das Vogel­fut­ter kei­ne inva­si­ven Pflan­zen­ar­ten, wie zum Bei­spiel die stark all­er­gie­aus­lö­sen­de Ambro­sie, ver­brei­tet wer­den. Es lohnt sich also, hoch­wer­ti­ge­res Vogel­fut­ter zu verwenden.

  6. Vogel­fut­ter am Boden kann Rat­ten anlo­cken. Möch­te man dies ver­mei­den, darf man kein Fut­ter am Boden aus­brin­gen und muss geeig­ne­te für Rat­ten nicht erreich­ba­re Auf­fang­tel­ler unter den Fut­ter­säu­len anbrin­gen, zumin­dest aber Fut­ter­res­te unter den Fut­ter­säu­len täg­lich besei­ti­gen. Reicht das nicht aus, und leben die Rat­ten mut­maß­lich vor allem von Vogel­fut­ter, müss­te man die Füt­te­run­gen einstellen.
  7. Vogel­fut­ter im Gar­ten, Ödnis andern­orts? Beden­ken Sie auch, dass Vogel­fut­ter irgend­wo ange­baut wer­den muss. Meist geschieht dies im Rah­men der kon­ven­tio­nel­len Land­wirt­schaft, die heu­te kaum mehr geeig­ne­ten Lebens­raum für unse­re gefähr­de­ten Agrar­vo­gel­ar­ten bie­tet. Daher ist es sinn­voll, Vogel­fut­ter aus bio­lo­gi­schem Anbau zu kau­fen. Es ist zwar für die Gar­ten­vö­gel nicht bes­ser als ande­res, bie­tet aber den Vögeln im Anbau­ge­biet einen bes­se­ren Lebens­raum. Aus dem glei­chen Grund ist es sinn­voll, im eige­nen Gar­ten durch eine natur­freund­li­che Gestal­tung mög­lichst vie­le natür­li­che Nah­rungs­quel­len für die Vögel anzu­bie­ten. Dann muss man weni­ger zufüt­tern mit Fut­ter, das andern­orts in für Vögel wenig geeig­ne­tem inten­si­vem Land­bau pro­du­ziert wird.

Von Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner