Der Jugend­schutz­ka­len­der 2021 wird auch an der August­dor­fer Real­schu­le ver­teilt und rückt das The­ma der gewalt­dar­stel­len­den und ins­be­son­de­re sexua­li­sier­ten Bil­der in sozia­len Netz­wer­ken in den Vor­der­grund. Ent­wor­fen und her­aus­ge­ge­ben wur­de der Kalen­der von den lip­pi­schen Stadt­ju­gend­äm­tern Bad Sal­zu­flen, Det­mold, Lage, Lem­go und dem Kreis­ju­gend­amt Lippe.

Eine Stu­die aus Öster­reich aus dem Jahr 2018 zum The­ma „Sexu­el­le Beläs­ti­gung und Gewalt im Inter­net in den Lebens­wel­ten der 11- bis 18-Jäh­ri­gen“ (vom Insti­tut für Jugend­kul­tur­for­schung im Auf­trag von SOS-Kin­der­dorf Öster­reich und Rat auf Draht) kommt zu dem Ergeb­nis, dass jeder Fünf­te jugend­li­che Mensch bereits Nackt­fo­tos oder Nackt­vi­de­os zuge­schickt bekom­men hat, die uner­wünscht waren. Am häu­figs­ten pas­siert dies auf Whats­App (51%), Insta­gram (41%), Snap­chat (46%), Face­book (35%), bei Dating Apps (21%) und in Chat­rooms (23%).

„Die­se Zah­len dürf­ten für Deutsch­land über­trag­bar und aktu­ell sogar noch gestie­gen sein“, ver­mu­ten die Jugend­schutz­be­auf­trag­ten aus Lip­pe und eine aktu­el­le Umfra­ge bestä­tigt das.  Für den neu­en Welt-Mäd­chen­be­richt „Free to be online — Erfah­run­gen von Mäd­chen und jun­gen Frau­en mit digi­ta­ler Gewalt“ hat Plan Inter­na­tio­nal 14.000 Mäd­chen und jun­ge Frau­en im Alter von 15 bis 24 Jah­ren in 22 Län­dern der Welt zu ihren Erfah­run­gen in den sozia­len Medi­en befragt und her­aus­ge­fun­den: 58 Pro­zent der Mäd­chen haben Bedro­hun­gen, Belei­di­gun­gen und Dis­kri­mi­nie­run­gen erlebt. In Deutsch­land sind es sogar 70 Pro­zent. Der All­tag von Mäd­chen und Frau­en in den sozia­len Netz­wer­ken ist geprägt von sol­chen Vor­fäl­len und häu­fig auch von Stra­te­gien, um sie zu vermeiden.

Das bewuss­te gewalt­tä­ti­ge Über­schrei­ten von Gren­zen durch die Über­mitt­lung sexu­el­ler Bil­der gibt den Absen­den­den ein Gefühl von Macht und Stär­ke, weil die nega­ti­ve Wir­kung bekannt ist: Die Emp­fän­ger kön­nen sich der Sich­tung des auf­ge­zwäng­ten Bil­des nicht ver­weh­ren. Der Schutz der Anony­mi­tät im Netz spielt Straf­tä­tern dabei in die Karten.

Der Jugend­schutz­ka­len­der aus Lip­pe möch­te Mut machen, sich Hil­fe zu holen, sich zu weh­ren und dies auch mit Freun­den, Eltern und ggf. in der Schu­le im Unter­richt zu the­ma­ti­sie­ren. Jede Form der Gewalt ist schäd­lich, pro­vo­ziert Ängs­te und Irri­ta­tio­nen und kann sogar trau­ma­ti­sie­ren. Kin­der und Jugend­li­che soll­ten damit nicht allei­ne sein, Straf­ta­ten soll­ten geahn­det werden.

Genau hier setzt der Kalen­der an: Neben den Ansprech­part­nern vor Ort wer­den auch Mög­lich­kei­ten auf­ge­zeigt, sich anonym Hil­fe zu holen. Über die Ver­tei­lung an wei­ter­füh­ren­den Schu­len im Kreis­ge­biet sol­len auch in die­sem Jahr sowohl Kin­der und Jugend­li­chen als auch Erzie­hungs­be­rech­tig­ten für das The­ma sen­si­bi­li­siert werden.

Von Redaktion

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