Sobald die Son­ne raus­kommt und die Tem­pe­ra­tu­ren stei­gen, sehen wir immer mehr Früh­lings­bo­ten in unse­ren Gär­ten. Zum heu­ti­ge Tag des Arten­schut­zes haben die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN mit dem August­dor­fer Bio­lo­gie­leh­rer und frü­he­ren Rek­tor der ehe­ma­li­gen Erich Käs­t­ner-Haupt­schu­le Klaus Mai über die Viel­falt in unse­ren Gär­ten gespro­chen. Immer mehr Arten sind vom Aus­ster­ben bedroht. Des­we­gen ist es wich­tig, Tie­ren einen Lebens­raum zu bieten.

Einer der ers­ten Früh­lings­bo­ten ist der Zitro­nen­fal­ter. Das männ­li­che Exem­plar des Schmet­ter­lings ist gut an sei­ner leuch­tend gel­ben Far­be zu erken­nen, die Weib­chen sind blass­grün. Sobald die ers­ten rich­ti­gen Son­nen­strah­len auf die Erde fal­len, erwacht das Männ­chen aus dem Win­ter­schlaf. Klaus Mai hat den Tag­fal­ter schon in sei­nem Gar­ten ent­deckt. Neu­gie­rig hat der Schmet­ter­ling auf der Suche nach Nek­tar die Pflan­zen in sei­nem Gar­ten beäugt.

Klaus Mai zeigt auf einen Ilex. Die Blät­ter der Pflan­ze sind nicht beson­ders groß. Ihre sta­che­li­gen Rän­der sind gelb, die Innen­flä­che dun­kel­grün. „Der Zitro­nen­fal­ter über­win­tert rela­tiv schutz­los. Zum Bei­spiel auf der Unter­sei­te die­ser Blät­ter“, sagt der August­dor­fer. Als Bio­lo­gie­leh­rer und Sohn eines Förs­ters hat Klaus Mai schon seit frü­hes­ter Kind­heit einen Bezug zur Natur.

Aktu­ell war­ten die männ­li­chen Zitro­nen­fal­ter dar­auf, dass auch die Weib­chen aus dem Win­ter­schlaf erwa­chen. „Das wich­tigs­te für die Schmet­ter­lin­ge ist näm­lich die Fort­pflan­zung. Und die ist bei allen Schmet­ter­lin­gen sehr kom­pli­ziert“, so Mai. „Das Weib­chen legt sei­ne Eier nur an bestimm­te Pflan­zen. Für vie­le Arten sind das die Brenn­nes­seln oder die Knob­lauchs­rau­ke, bei­des unge­lieb­te Wild­kräu­ter im Vor­zei­ge­gar­ten. Für den Zitro­nen­fal­ter sind das die Blät­ter des Faul­bau­mes. Und dafür fliegt das Weib­chen schon­mal wei­te Stre­cken, um sei­ne Eier dort abzu­le­gen. Die schlüp­fen­den Rau­pen machen sich dank­bar über die Blät­ter her. Nach der Eiab­la­ge hal­ten die Zitro­nen­fal­ter eine Som­mer­ru­he, des­we­gen sind sie im Som­mer sel­ten zu sehen“, erklärt Mai wei­ter. Durch den Win­ter­schlaf und die Som­mer­ru­he wer­den sie etwa zwölf Mona­te alt. Das ist die höchs­te Lebens­er­war­tung eines mit­tel­eu­ro­päi­schen Schmetterlings.

Ein art­ge­rech­tes Ange­bot für Vögel und Insekten

Doch der Zitro­nen­fal­ter ist nicht der ein­zi­ge Früh­lings­bo­te, den wir aktu­ell in unse­ren Gär­ten fin­den. Gän­se­blüm­chen und Kro­kus­se sprie­ßen all­mäh­lich aus der Erde. Das weiß der Schnee­glöck­chen leuch­tet schon lan­ge im Rasen und in den Bee­ten. Bei der ers­ten Son­ne öff­nen sich die Glöck­chen der Blü­te für die ers­ten Bie­nen, Hum­meln und ande­re Insek­ten. Auch sie ver­kün­den den bevor­ste­hen­dem Früh­ling. Außer­dem las­sen sich immer mehr Vögel hören. Über­all mar­kie­ren sie ihre Revie­re durch ihren art­ty­pi­schen Gesang. Vom win­zi­gen Gold­hähn­chen, dass nur sie­ben Gramm wiegt, und dem nicht viel grö­ße­ren Zaun­kö­nig bis zur fet­ten Amsel – alle legen sie Wert auf ihr eige­nes Revier und ver­tei­di­gen es durch ihren Gesang gegen ande­ren Art­ge­nos­sen. Bald wer­den sie mit dem Nest­bau begin­nen. Um auch noch in der Zukunft Vögel, Insek­ten und ande­re Tie­re beob­ach­ten zu kön­nen, ist es nötig die­sen Lebe­we­sen einen art­ge­rech­ten Raum zu bie­ten. „Wir müs­sen etwas Auf­wand betrei­ben, um Insek­ten das zu bie­ten, was sie brau­chen. Dann haben wir auch vie­le Vögel in unse­ren Gär­ten, denn Vogel- und Insek­ten­schutz geht mit­ein­an­der ein­her“, weiß der Bio­lo­gie­leh­rer. Der eige­ne Gar­ten kann näm­lich ein wich­ti­ger Lebens­raum für vie­le Arten sein. „Unse­re Gär­ten soll­ten viel­fäl­tig gestal­tet sein und nicht zu auf­ge­räumt“, erklärt Klaus Mai.

Orts­üb­li­che Pflan­zen bie­ten eine Nahrungsquelle

Insek­ten wün­schen sich eine Viel­falt an orts­üb­li­chen Pflan­zen, die ihnen Nah­rung bie­tet und Sträu­cher, in denen sie sich ver­ste­cken kön­nen. Auch Vögel sit­zen ger­ne in Hecken und Sträu­chern oder nis­ten dort. In einem insek­ten­freund­li­chen Gar­ten soll­te die Rasen­flä­che in einem sorg­fäl­ti­gen Ver­hält­nis zu Bee­ten ste­hen. „In einem glat­ten Rasen leben näm­lich nicht vie­le Tie­re. Das ist ihnen nicht viel­fäl­tig genug“, weiß Mai. Der August­dor­fer rät, zu einer Wie­sen­flä­che einen Aus­gleich zu schaf­fen. Von den modi­schen „Stein­gär­ten“ rät er ab. Gut ist es, wenn durch Hecken, Bäu­me und Sträu­cher Brü­cken zu Nach­bar­grund­stü­cken geschaf­fen wer­den. „Vögel kön­nen dann naht­los umher­strei­chen“, sagt Klaus Mai. Auch soll­te man im Herbst nicht alle Pflan­zen radi­kal kür­zen. In vie­len ver­ste­cken sich Samen und win­zi­ge Insek­ten, die dort über­win­tern und als Nah­rungs­quel­le die­nen. Aus der Nacht­ker­ze zum Bei­spiel holen Dis­tel­fin­ken und die klei­nen Mei­sen auch im Win­ter noch Samen­kör­ner raus.

Blick in den Kellerschacht

Wer einen Kel­ler­schacht hat, soll­te den hin und wie­der kon­trol­lie­ren. Oft fal­len klei­ne Frö­sche, Krö­ten und Mol­che in durch das Abdeck­git­ter in die Schäch­ten und kom­men aus eige­ner Kraft nicht mehr her­aus. Eini­ge leben dort jah­re­lang und ernäh­ren sich von Asseln, Spin­nen und Insek­ten. Wenn der Kel­ler­schacht super sau­ber ist, ande­re ver­trock­nen sie. „Mit mei­ner Öko-AG in der Haupt­schu­le habe ich Kel­ler­schäch­te von August­dor­fern abge­sucht. Wir haben dort zu Erstau­nen der Haus­be­sit­zer vie­le Mol­che und Krö­ten gefun­den, die zum Teil seit Jah­ren dort geses­sen und sich von ande­ren Tie­ren dort ernährt haben“, freut sich noch immer der ehe­ma­li­ge Schul­lei­ter. (pal)

Von Redaktion

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