Am heu­ti­gen Mon­tag ist Inter­na­tio­na­ler Frau­en­tag. Ein Gast­bei­trag von Kat­rin Frei­ber­ger (SPD).

Vor etwas mehr als 150 Jah­ren gab es die ers­ten Streiks von Tex­til­ar­bei­te­rin­nen in den USA, begrün­det aus der Unzu­frie­den­heit durch die vor­herr­schen­den unglei­chen Arbeits­be­din­gun­gen von Män­nern und Frau­en. Arbei­te­rin­nen beka­men nur einen Bruch­teil des Loh­nes von Arbei­tern. Damals gin­gen die­se Arbei­te­rin­nen für mehr Gerech­tig­keit, bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und gegen Unge­rech­tig­keit auf die Stra­ße. Zu die­ser Zeit noch mit mäßi­gem Erfolg. Ganz anders sah es 50 Jah­re spä­ter aus.

Im Jah­re 1908 ver­such­ten sich eini­ge Arbei­te­rin­nen einer New Yor­ker Tex­til­fa­brik erneut gegen die aus­beu­te­ri­schen Machen­schaf­ten der Unter­neh­mer zu weh­ren. Aller­dings brach­ten vie­le die­ser Frau­en ein gro­ßes Opfer. Etwa 129 die­ser muti­gen Frau­en wur­den von Auf­se­hern inhaf­tiert und kamen bei einem Brand ums Leben. Ein Jahr spä­ter streik­ten erneut 20.000 New Yor­ker Nähe­rin­nen. Nach einem mehr als zwei Mona­te andau­ern­den Streiks, zwan­gen sie die Unter­neh­mer in die Knie und konn­ten ihre For­de­run­gen durch­set­zen. Aber auch wäh­rend die­ses Streiks wur­den tau­sen­de Frau­en ver­haf­tet. Ame­ri­ka­ni­sche Sozia­lis­tin­nen beschlos­sen dar­auf­hin den letz­ten Febru­ar­sonn­tag als „Frau­en­kampf­tag“.

Die Geburts­stun­de des Frau­en­ta­ges wie wir ihn heu­te ken­nen, folg­te ein Jahr spä­ter und wur­de wäh­rend der II. Inter­na­tio­na­len Sozia­lis­ti­schen Frau­en­kon­fe­renz in Kopen­ha­gen erklärt. Cla­ra Zet­kin, Toch­ter eines Dorf­schul­leh­rers, spä­te­re Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­te und wich­tigs­te Befür­wor­te­rin for­der­te einen jähr­li­chen Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag. Es soll­te ein Tag sein, an dem man sich der Unter­drü­ckung und Aus­beu­tung von Frau­en auf der gan­zen Welt erin­nert. Viel ist in den letz­ten 150 Jah­ren passiert.

Heu­te gibt es Gleich­stel­lungs­stel­len, Frau­en­quo­ten in Wirt­schaft und Poli­tik, Frau­en­grup­pen, Inter­es­sen­ver­bän­de, Frau­en­be­we­gun­gen und Arbeits­ge­mein­schaf­ten für Frau­en. Soll­te es nicht so lang­sam selbst­ver­ständ­lich sein, dass uns die Hälf­te der Macht zusteht? Wie lan­ge müs­sen sich Frau­en noch orga­ni­sie­ren, bis sie end­lich als gleich­wer­tig im Pri­vat­le­ben, Beruf und Poli­tik aner­kannt wer­den? Hat man es als „Quo­ten­frau“ in ein Unter­neh­men geschafft, wird der Erfolg von Frau­en und Män­nern mit unter­schied­li­chem Maß­stab gemes­sen. Eher unwahr­schein­lich ist es, dass ein Mann nach Rück­kehr aus der Eltern­zeit gefragt wird, ob es nicht bes­ser wäre nur in Teil­zeit zu arbei­ten, weil er sich sonst nicht ange­mes­sen um den Haus­halt und die Kin­der küm­mern könnte.

Frau­en müs­sen sich tag­täg­lich in die­se Schub­la­de schie­ben las­sen und fin­den sich kur­zer­hand in der Teil­zeit- oder schlim­mer Mini­job-Fal­le wie­der. Aus die­ser Fal­le wie­der her­aus­zu­kom­men ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmög­lich. Die Kon­se­quenz ist, dass die­se Frau­en im Alter armuts­ge­fähr­det sind. Unter­neh­mer und Par­tei­en glei­cher­ma­ßen müs­sen noch viel tun, um Vor­ur­tei­le abzu­bau­en und die Akzep­tanz för­dern, dass Frau­en gleich­wer­ti­ge Arbeit leis­ten wie Män­ner. Was bedeu­tet das für die heu­ti­ge Genera­ti­on jun­ger Frau­en? Nutzt den 8. März, um an die Frau­en zu den­ken, die in den ver­gan­ge­nen 150 Jah­re so vie­le Opfer für uns erbracht haben. Die das Leben für uns Frau­en nach­hal­tig ver­bes­sert haben und sich für die heu­ti­gen Geset­ze zum Schutz und zur Stär­kung unse­rer Inter­es­sen stark gemacht haben.

Nehmt die­se Errun­gen­schaf­ten nicht für selbst­ver­ständ­lich und setzt euch dafür ein, dass alle nach­fol­gen­den Genera­tio­nen von Frau­en von die­sen Errun­gen­schaf­ten pro­fi­tie­ren kön­nen. Lasst euch nicht von „star­ken“ Män­nern ein­schüch­tern und habt Mut! Ihr seid min­des­tens genau­so stark, sei es als Part­ne­rin, Kol­le­gin, Kom­mi­li­to­nin, als Mit­glied einer Par­tei oder eines Ver­eins. Wir wer­den zwar die­ses Jahr nicht für unse­re Inter­es­sen demons­trie­ren und geschlos­sen auf die Stra­ßen gehen. Aber wir kön­nen die­sen 8. März ange­mes­sen fei­ern, indem wir auch in Zukunft ener­gisch sind, den Kampf für Gerech­tig­keit wei­ter­füh­ren und uns für die Inter­es­sen von Frau­en stark machen und die­se schützen.

Von Redaktion

2 Gedanken zu „Gedanken zum Internationalen Frauentag — Gastbeitrag von Katrin Freiberger“
  1. Guten Abend zusammen,
    dan­ke Frau Frei­ber­ger! Und auch Herr Mül­ler. Das The­ma ist sehr kom­plex und zurecht gibt es den Welt­frau­en­tag. Bei kaum einem ande­ren The­ma gibt es über so vie­le Jahr­hun­der­te hin­weg ein ste­ti­ges Ungleichgewicht.
    Es ist sehr berei­chernd die jün­ge­re Geschich­te der Rech­te für Frau­en ken­nen­zu­ler­nen. Und es zeigt: Der Weg ist noch stei­nig und weit. Aber es ist ein guter Weg!
    Vie­le Grüße
    JB

  2. Zunächst herz­li­chen Dank, Kat­rin Frei­ber­ger, für die­sen geschicht­li­chen Abriss und den Auf­ruf, mehr zu tun an so vie­len Stellen !!
    Ich hab den Kom­men­tar zum Welt­frau­en­tag mehr­fach gele­sen, und es fehlt mir was :
    War­um eigent­lich müs­sen wir die Ungleich­heit von Frau und Mann in der Gesell­schaft bekla­gen und bekämp­fen ??? Wo sind die Ursachen ???
    Dass die katho­li­sche Kir­che in den letz­ten 2000 Jah­ren einen erheb­li­chen Anteil an der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau­en hat, bestrei­tet ja wohl niemand.….und es setzt sich fort , ohne dass wirk­li­che Gleich­heit von Frau und Mann erkenn­bar wäre. Und in ande­ren Reli­gio­nen ist es ähn­lich. Im Juden­tum herr­schen Män­ner, und die Frau­en unter­stüt­zen sie dabei. Im Islam „züch­ten” die Müt­ter und weib­li­chen Mit­glie­der der Fami­lie ihre „Kron­prin­zen”, und in den evan­ge­li­ka­len Gemein­den , ein erheb­li­cher Teil unse­res Dor­fes, gilt ehern der Bibel­spruch „Die Frau sei dem Mann Unter­tan” , oder gar aus einem Kör­per­teil des Man­nes ent­stan­den , und was es da noch tra­di­tio­nell kon­ser­va­tiv als Wort Got­tes gilt, auch wenn das total falsch ver­stan­den wird.
    Ich habe oft den Ein­druck , dass nicht so sehr Unter­neh­mer und sons­ti­ge Arbeit­ge­ber von der Gleich­wer­tig­keit von Frau und Mann über­zeugt wer­den müs­sen, die Frau­en , die aus „reli­giö­sen” Grün­den in ihrer unter­ge­ord­ne­ten Rol­le (unbe­lehr­bar ) ver­har­ren, die müss­ten sich bewusst und über­zeugt betei­li­gen , gleich zu wer­den und wer­den zu wollen.
    Arbeit­ge­ber pro­fi­tie­ren nur davon, weil es zu wenig Wider­spruch gibt. Die Wur­zeln lie­gen woanders.
    Ich wür­de mir wün­schen , dass an den Schalt­stel­len der Macht , Frau­en säßen : Krie­ge und Gewalt wür­den in abseh­ba­rer Zeit der Ver­gan­gen­heit angehören.…

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