Software hilft Lärm zu minimieren

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Vie­le August­dor­fer haben ver­mut­lich schon lau­te, dump­fe Schüs­se durch die Gar­ni­sons­ge­mein­de schal­len hören. Die Ein­hei­ten der Pan­zer­bri­ga­de 21 „Lip­per­land“ übt in die­ser und der nächs­ten Woche das Schie­ßen mit ver­schie­de­nen Waf­fen­sys­te­men auf dem Trup­pen­übungs­platz Sen­ne. Damit es nicht zu laut wird, hat die Bun­des­wehr eine Soft­ware ent­wi­ckelt, die die Immis­sio­nen über­wacht.

Der Trup­pen­übungs­platz Sen­ne rahmt die Gemein­de August­dorf ein. Im Nor­den befin­den sich die Stand­ort­übungs­plät­ze Scha­pe­ler Hof und Sta­pel, im Süden die Schieß­bahn Alpha und die Schieß­bahn Bra­vo. Die gerings­te Ent­fer­nung von der Schieß­bahn Bra­vo zu Anwoh­nern der Haus­ten­be­cker Stra­ße beläuft sich auf gra­de ein­mal zwei Kilo­me­ter, was zu einer hohen Lärm­be­läs­ti­gung führt – teil­wei­se sogar bis in die spä­ten Abend­stun­den.

Bür­ger­meis­ter Tho­mas Kat­zer wur­de vom Rat­haus abge­holt. Foto: Wolff

Doch die Bun­des­wehr macht deut­lich, dass ihr die Sor­gen der Bür­ger nicht egal ist und dass sie an einer Redu­zie­rung der Immis­sio­nen arbei­tet. „Durch unse­re spe­zi­ell ent­wi­ckel­te Soft­ware kön­nen wir den Lärm mini­mie­ren“, weiß Pres­se­of­fi­zier Haupt­mann Mar­tin Wal­te­ma­the. Schließ­lich ist die Bun­des­wehr durch das Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­setz gefor­dert, kon­kre­te Maß­nah­men zur Ver­rin­ge­rung der Lärm­be­läs­ti­gung in der Nach­bar­schaft von Trup­pen­übungs­plät­zen und Schieß­an­la­gen zu tref­fen.

Die Soft­ware der Bun­des­wehr simu­liert und beur­teilt die Lärm­be­läs­ti­gung durch die geplan­te Übung und zeigt durch ein Farb­sche­ma auf einer Kar­te an, wo die Immis­sio­nen über­schrit­ten wer­den. „Dann kön­nen wir reagie­ren und ent­spre­chend umpla­nen. Die Soft­ware ist unse­re Basis für ein koope­ra­ti­ves Lärm­ma­nage­ment“, erklärt Wal­te­ma­the. Seit 2010 ist die Bun­des­wehr ver­pflich­tet, die Soft­ware zu nut­zen. Sogar die bri­ti­schen Streit­kräf­te nut­zen seit 2011 die­se von der Bun­des­wehr eigens ent­wi­ckel­te Tech­nik.

Gele­gent­lich erreicht auch die Gemein­de August­dorf Kla­gen von August­dor­fer Bür­gern und Anwoh­ner der Anrai­ner­ge­mein­den über Lärm­be­läs­ti­gung durch den Trup­pen­übungs­platz. Durch das Grund­ge­setz hat die Bun­des­wehr einen Ver­tei­di­gungs­auf­trag, dem sie nach­kommt. Die­ser steht im Span­nungs­feld zu den Kla­gen der Anwoh­ner. In einem Gespräch mit Oberst Ste­phan Wil­ler, Kom­man­deur der Pan­zer­bri­ga­de 21 „Lip­per­land“, hat Bür­ger­meis­ter Tho­mas Kat­zer auch über das The­ma „Lärm und Immis­si­ons­schutz“ gespro­chen.

Aus dem Gespräch habe Kat­zer viel mit­ge­nom­men, um mit den Sor­gen der Bür­ger bes­ser umge­hen zu kön­nen. „Die Schieß­übun­gen sind not­wen­dig, um zu ler­nen, wie wir Leben und Frei­heit ver­tei­di­gen. Ohne scharf zu schie­ßen ist eine Trup­pen­aus­bil­dung nicht denk­bar“, erklärt Oberst Wil­ler. „Der Lärm ist der Preis für unse­re Frei­heit. Den müs­sen wir akzep­tie­ren, schließ­lich ist die Aus­bil­dung der Bun­des­wehr not­wen­dig und wich­tig“, macht Tho­mas Kat­zer deut­lich.

50 Wochen pro Jahr darf es lau­ter wer­den

Durch das „Joint Visi­on State­ment“ haben im Okto­ber 2018 die dama­li­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en und ihr bri­ti­scher Amts­kol­le­ge Gavin Wil­liam­son fest­ge­legt, wie der Trup­pen­übungs­platz Sen­ne genutzt wer­den darf. „Der Ver­trag garan­tiert der Bun­des­wehr zehn Woche pro Jahr in der Sen­ne Schieß­übun­gen durch­zu­füh­ren“, erklärt Haupt­mann Wal­te­ma­the. Die Bri­ten dür­fen 40 Wochen im Jahr den Trup­pen­übungs­platz Sen­ne für ihr Aus­bil­dungs­pro­gramm nut­zen. „Der Trup­pen­übungs­platz Sen­ne ist eines der zen­tra­len Aus­bil­dungs­zen­tren der Bri­ten“, weiß Wal­te­ma­the. Dadurch kann es in der Zukunft ver­mehrt lau­ter wer­den in August­dorf. „In den ver­gan­ge­nen 24 Mona­ten gab es nur einen mini­ma­len Schieß­be­trieb. Es war also eine lan­ge Zeit sehr ruhig. Vie­le Bür­ger sind die Übun­gen daher nicht mehr gewohnt“, sagt der Pres­se­of­fi­zier. Mit­te des Jah­res ist ein soge­nann­tes „Sta­ke­hol­der-Tref­fen“ mit den Anrai­ner­kom­mu­nen, den Land­krei­se, Bür­ger­meis­ter und Man­dats­trä­gern geplant, in dem geklärt wer­den soll, wie die Nut­zung des Stand­or­tes genau ablau­fen soll. (pal)

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Viele Augustdorfer haben vermutlich schon laute, dumpfe Schüsse durch die Garnisonsgemeinde schallen hören. Die Einheiten der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ übt in dieser und der nächsten Woche das Schießen mit verschiedenen Waffensystemen auf dem Truppenübungsplatz Senne. Damit es nicht zu laut wird, hat die Bundeswehr eine Software entwickelt, die die Immissionen überwacht. Der Truppenübungsplatz Senne rahmt die Gemeinde Augustdorf ein. Im Norden befinden sich die Standortübungsplätze Schapeler Hof und Stapel, im Süden die Schießbahn Alpha und die Schießbahn Bravo. Die geringste Entfernung von der Schießbahn Bravo zu Anwohnern der Haustenbecker Straße beläuft sich auf grade einmal zwei Kilometer, was zu einer hohen Lärmbelästigung führt – teilweise sogar bis in die späten Abendstunden. [caption id="attachment_12824" align="alignleft" width="300"] Bürgermeister Thomas Katzer wurde vom Rathaus abgeholt. Foto: Wolff[/caption] Doch die Bundeswehr macht deutlich, dass ihr die Sorgen der Bürger nicht egal ist und dass sie an einer Reduzierung der Immissionen arbeitet. „Durch unsere speziell entwickelte Software können wir den Lärm minimieren“, weiß Presseoffizier Hauptmann Martin Waltemathe. Schließlich ist die Bundeswehr durch das Bundesimmissionsschutzgesetz gefordert, konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Lärmbelästigung in der Nachbarschaft von Truppenübungsplätzen und Schießanlagen zu treffen. Die Software der Bundeswehr simuliert und beurteilt die Lärmbelästigung durch die geplante Übung und zeigt durch ein Farbschema auf einer Karte an, wo die Immissionen überschritten werden. „Dann können wir reagieren und entsprechend umplanen. Die Software ist unsere Basis für ein kooperatives Lärmmanagement“, erklärt Waltemathe. Seit 2010 ist die Bundeswehr verpflichtet, die Software zu nutzen. Sogar die britischen Streitkräfte nutzen seit 2011 diese von der Bundeswehr eigens entwickelte Technik. Gelegentlich erreicht auch die Gemeinde Augustdorf Klagen von Augustdorfer Bürgern und Anwohner der Anrainergemeinden über Lärmbelästigung durch den Truppenübungsplatz. Durch das Grundgesetz hat die Bundeswehr einen Verteidigungsauftrag, dem sie nachkommt. Dieser steht im Spannungsfeld zu den Klagen der Anwohner. In einem Gespräch mit Oberst Stephan Willer, Kommandeur der Panzerbrigade 21 „Lipperland“, hat Bürgermeister Thomas Katzer auch über das Thema „Lärm und Immissionsschutz“ gesprochen. Aus dem Gespräch habe Katzer viel mitgenommen, um mit den Sorgen der Bürger besser umgehen zu können. „Die Schießübungen sind notwendig, um zu lernen, wie wir Leben und Freiheit verteidigen. Ohne scharf zu schießen ist eine Truppenausbildung nicht denkbar“, erklärt Oberst Willer. „Der Lärm ist der Preis für unsere Freiheit. Den müssen wir akzeptieren, schließlich ist die Ausbildung der Bundeswehr notwendig und wichtig“, macht Thomas Katzer deutlich. 50 Wochen pro Jahr darf es lauter werden Durch das „Joint Vision Statement“ haben im Oktober 2018 die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihr britischer Amtskollege Gavin Williamson festgelegt, wie der Truppenübungsplatz Senne genutzt werden darf. „Der Vertrag garantiert der Bundeswehr zehn Woche pro Jahr in der Senne Schießübungen durchzuführen“, erklärt Hauptmann Waltemathe. Die Briten dürfen 40 Wochen im Jahr den Truppenübungsplatz Senne für ihr Ausbildungsprogramm nutzen. „Der Truppenübungsplatz Senne ist eines der zentralen Ausbildungszentren der Briten“, weiß Waltemathe. Dadurch kann es in der Zukunft vermehrt lauter werden in Augustdorf. „In den vergangenen 24 Monaten gab es nur einen minimalen Schießbetrieb. Es war also eine lange Zeit sehr ruhig. Viele Bürger sind die Übungen daher nicht mehr gewohnt“, sagt der Presseoffizier. Mitte des Jahres ist ein sogenanntes „Stakeholder-Treffen“ mit den Anrainerkommunen, den Landkreise, Bürgermeister und Mandatsträgern geplant, in dem geklärt werden soll, wie die Nutzung des Standortes genau ablaufen soll. (pal)

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