Das Bank­ge­schäft, das die Volks­bank Riet­berg seit über 135 Jah­ren erfolg­reich betreibt, lebt vor allem vom per­sön­li­chen Kon­takt von Mensch zu Mensch. Wenn dann aus Infek­ti­ons­schutz­grün­den die Begeg­nun­gen mit Mit­glie­dern und Kun­den prak­tisch über Nacht dras­tisch ein­ge­schränkt wer­den müs­sen, ist dies schon ein hef­ti­ger Ein­griff in den gewohn­ten Geschäfts­ab­lauf. Dies muss­te das im lip­pi­schen August­dorf ver­tre­te­ne Kre­dit­in­sti­tut im ver­gan­ge­nen Jahr erleben.

„Nach dem ers­ten Shut­down mit teil­wei­sen Schal­ter­schlie­ßun­gen und erhöh­ten Hygie­ne­auf­la­gen war krea­ti­ves und rasches Umsteu­ern gefragt“, erin­nert sich Vor­stands­vor­sit­zen­der Wolf­gang Hil­lem­ei­er an den März ver­gan­ge­nen Jah­res. Um den Draht zur Bank für die 32.400 Kun­den – jeder drit­te Ein­woh­ner im Geschäfts­ge­biet – nicht abküh­len zu las­sen, hat das Insti­tut sei­ne elek­tro­ni­schen Zugangs­we­ge erwei­tert und aus­ge­baut. Dadurch gelang es den Riet­ber­ger im Früh­jahr ihr Dienst­leis­tungs­ge­schäft durch­gän­gig aufrechtzuerhalten.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Geschäfts­jah­res gelang es der 127-köp­fi­gen Mann­schaft um die drei Vor­stän­de Wolf­gang Hil­lem­ei­er, Klaus Schnie­der und Lothar Wil­le jedoch, wie­der mehr Fahrt auf­zu­neh­men und am Jah­res­en­de ein pas­sa­bles Ergeb­nis zu prä­sen­tie­ren. Wolf­gang Hil­lem­ei­er: „Das Jahr 2020 war schwie­rig. Mit dem Ver­lauf sind wir aber alles in allem zufrie­den.“ Die Bilanz­sum­me, wich­ti­ger Grad­mes­ser für den Geschäfts­um­fang, stieg um 6,8 Pro­zent und erreicht damit einen Höchst­stand von knapp 900 Mil­lio­nen Euro. Noch zwei sol­cher Geschäfts­jah­re und die Volks­bank Riet­berg tritt ein in den inof­fi­zi­el­len „Club der Milliardeninstitute“.

Aus­ge­wie­sen hat die Bank einen Jah­res­über­schuss von 1,3 Mil­lio­nen Euro, was dem Vor­jah­res­wert ent­spricht. Sofern die vor­aus­sicht­lich Anfang Sep­tem­ber in der Basi­li­ka des Riet­ber­ger Bibel­dor­fes tagen­de Ver­tre­ter­ver­samm­lung dem Vor­schlag der Ver­wal­tung zustimmt, soll an die 16.762 Mit­glie­der (dar­un­ter 264 neue Bank­teil­ha­ber) als Gewinn­be­tei­li­gung eine Divi­den­de in Höhe von 2,0 Pro­zent auf die gezeich­ne­ten Geschäfts­gut­ha­ben aus­ge­schüt­tet wer­den. Stich­wort „Ver­tre­ter“: Anfang Juni sind alle Mit­glie­der der Bank ein­ge­la­den, ihre Ver­tre­ter für das neue „Bank­par­la­ment“ zu wählen.

Der Geschäfts­ver­lauf der Volks­bank Riet­berg im ver­gan­ge­nen Jahr war gekenn­zeich­net durch ein star­kes Wachs­tum (5,3 Pro­zent auf 588 Mil­lio­nen Euro) bei den Kun­den­ein­la­gen. Auch die Ver­mö­gens­wer­te, die die Volks­bank für ihre Mit­glie­der und Kun­den auf dem Wert­pa­pier­markt ver­wal­tet, zogen deut­lich an, und zwar um 9,0 Pro­zent auf 261 Mil­lio­nen Euro. Wäh­rend vie­le Kre­dit­in­sti­tu­te aktu­ell nicht wis­sen, wie sie die Geld­zu­flüs­se in ihrer Bilanz unter­brin­gen sol­len, kön­nen sich die Riet­ber­ger in die­ser Bezie­hung glück­lich schät­zen. Klaus Schnie­der: „Wir spü­ren eine anhal­tend star­ke Kre­dit­nach­fra­ge. Die breit auf­ge­stell­te mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft und auch der pri­va­te Woh­nungs­bau in der Regi­on flo­rie­ren.“ Erfreu­li­ches Ergeb­nis aus Sicht der Bank: Ein Anstieg des bilan­zi­el­len Kre­dit­vo­lu­mens um 68,7 Mil­lio­nen Euro (10,3 Pro­zent) auf 733,2 Mil­lio­nen Euro. Unter Ein­schluss der Kre­di­te, die an Spe­zi­al­in­sti­tu­te aus der genos­sen­schaft­li­chen Finanz­grup­pe ver­mit­telt wur­den, kommt die Volks­bank Riet­berg auf ein Aus­lei­hungs­vo­lu­men von 972,2 Mil­lio­nen Euro (8,6 Pro­zent). Klaus Schnie­der mit Blick auf das dyna­mi­sche Kre­dit­ge­schäft: „Immo­bi­li­en finan­zie­ren ist sicher­lich eine unse­rer Stärken.“

Wor­auf die Riet­ber­ger beson­ders stolz sind: In ihrer Ver­gleichs­grup­pe sind sie jetzt unter den NRW-Kre­dit­ge­nos­sen­schaf­ten im fünf­ten Jahr hin­ter­ein­an­der die „För­der­bank Num­mer 1“. Klaus Schnie­der: „Kei­ne ande­re Volks­bank zwi­schen Rhein und Weser ver­mit­telt in Rela­ti­on zu ihrer Grö­ße für die Kund­schaft der­art vie­le zins­güns­ti­ge Dar­le­hen öffent­li­cher Anbie­ter. Zah­len, die die Bedeu­tung die­ses Geschäfts­zweigs für die hie­si­ge Volks­bank deut­lich machen: Ins­ge­samt 374 (plus 51 Pro­zent) Inves­ti­ti­ons­vor­ha­ben aus der gewerb­li­chen Wirt­schaft, der Land­wirt­schaft und dem pri­va­ten Woh­nungs­bau beglei­te­te die Volks­bank im letz­ten Geschäfts­jahr mit staat­lich geför­der­ten Kre­di­ten mit einem Gesamt­vo­lu­men von 75,3 Mil­lio­nen Euro. Erfreu­li­cher­wei­se aus Sicht der Bank: ein Groß­teil der bean­trag­ten Gel­der wur­de für Neu­bau­vor­ha­ben und Erwei­te­rungs­in­ves­ti­tio­nen eingesetzt.

Ver­än­de­run­gen mel­det die Volks­bank Riet­berg mit Blick auf die Struk­tur ihres Geschäfts­stel­len­net­zes. Ihre Filia­le an der Wie­den­brü­cker Stra­ße in Riet­berg hat sie zu Jah­res­be­ginn zu einem „Kom­pe­tenz­Cen­ter für Bau­fi­nan­zie­run­gen und Immo­bi­li­en“ umge­wid­met. Etwas Ähn­li­ches wird in Schloß Hol­te-Stu­ken­b­rock gesche­hen. Hier kon­zen­triert die Bank ihr Pri­vat­kun­den­ge­schäft zum Stich­tag 1. April auf die ehe­ma­li­ge Spa­da­ka-Haupt­stel­le an der Haupt­stra­ße in Stu­ken­b­rock. Die Schloß Hol­ter Filia­le in der Schloß­stra­ße wird das „Kom­pe­tenz­Cen­ter für Fir­men und Bau­fi­nan­zie­run­gen“ für den Markt­be­reich Schloß Hol­te-Stu­ken­b­rock und Augustdorf.

Einen Wer­muts­trop­fen gibt es den­noch für die Kun­den der Bank. Bank­vor­stand Lothar Wil­le erläu­tert: Seit 2014 sind die Spa­rer und Ban­ken der Belas­tung aus dem anhal­ten­den Nied­rig­zins­um­feld und den nega­ti­ven Ein­la­ge­sät­zen von zur­zeit ‑0,5 % bei der EZB aus­ge­setzt. Um die­se Belas­tun­gen zumin­dest teil­wei­se kom­pen­sie­ren zu kön­nen, und um den Ein­la­gen­zu­fluss zu begren­zen, hat die Bank ab 2021 flä­chen­de­ckend Ver­wah­rent­gel­te ein­ge­führt. Dabei ist der Frei­be­trag für Neu­kun­den deut­lich nied­ri­ger als für Bestands­kun­den. „Das war für uns eine schwie­ri­ge und lei­der unum­gäng­li­che Ent­schei­dung, die wir jetzt tref­fen muss­ten. In Zusam­men­ar­beit mit unse­ren Ver­bund­part­nern bie­ten wir unse­ren Kun­den zahl­rei­che alter­na­ti­ve Anla­ge­stra­te­gien, um den­noch posi­ti­ve Ren­di­ten zu erzie­len“, so Vor­stand Lothar Wille. 

Für das ange­fan­ge­ne Geschäfts­jahr 2021 erwar­tet der Vor­stand der Bank trotz geplan­ten Wachs­tums ein ten­den­zi­ell sin­ken­des Zins­er­geb­nis und damit auch ein gerin­ge­res Betriebs­er­geb­nis. Dabei hofft sie, dass die Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­men zur Begren­zung des Coro­na-Virus die Regi­on nicht zu stark belas­ten wird.

Von Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner